Presserückschau (Dezember 2016)

1
Schifferkirche
“Das weiß gestrichene Boot hat eine lange Reise hinter sich. Und wenn es sprechen könnte, hätte es viel zu erzählen: von den Neugierigen in der Halle des Nordturms des Kölner Doms, als es zwischendurch als Altar beim Gottesdienst an Fronleichnam auf der Domplatte diente, als es vor der Küste Maltas strandete, als es an der Küste Nordafrikas Menschen aufnahm, viel zu viele für das kleine Boot, als das Erzbistum das Boot kaufte und nach Europa, nach Deutschland transportierte.” (Aachener Zeitung)

“Eines der Kunstwerke in Kölns kleinster romanischer Innenstadtkirche ist eine spätgotische Marienfigur, die früher in einer Nische an der Außenfassade stand, wo sie von den Rheinschiffern gesehen und verehrt werden konnte. Nach dieser „Schiffermadonna“ wird das Gotteshaus in der Altstadt auch Schifferkirche genannt. Umso passender ist es, dass dort das Flüchtlingsboot aus Malta Platz gefunden hat, das seit dem 31. Mai im Dom gestanden hatte. (…) Für Kardinal Woelki steht das Boot nicht nur für die Not der Flüchtlinge, sondern soll darüber hinaus Anstoß dazu geben, über die Auswirkungen der Globalisierung und soziale Gerechtigkeit nachzudenken.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

2
Neue Rheinbrücke
“Der Vorderrhein ist um ein Bauwerk reicher. Zwischen Schluein und Castrisch ist (…) eine neue Brücke für den Langsamverkehr eröffnet worden. (…) Mit dem Brückensteg wird zwischen Ilanz und Reichenau bereits die fünfte Langsamverkehrs-Überquerung des Vorderrheins realisiert. (…) Bei der Brücke handle es sich um eine knapp 100 Meter lange und zwei Meter breite Schrägseilbrücke, deren Pylone leicht nach vorne geneigt seien (…). Es wurden unter anderem 95 Tonnen Stahl und 130 Kubikmeter Beton verwendet. (…) Die Brücke wurde heute zwar bereits dem Langsamverkehr übergeben, die letzten Arbeiten werden aber im Verlauf des Frühlings 2017 fertiggestellt. So auch der Rückbau der alten Rohrbrücke. Die offizielle Einweihung ist dann für Mai 2017 geplant.” (Südostschweiz)

3
Störmanöver
“Naturschützer hoffen bei Stören als einzige noch nicht in den Rhein zurückgekehrte Fischart langfristig auch hier auf Erfolge. Der «Nationale Störaktionsplan für Deutschland» nimmt zwar wegen günstigerer Voraussetzungen dafür erst die Elbe in den Blick, wie die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) mitteilte. Bei einem dortigen Erfolg solle aber in fernerer Zukunft auch im Rhein flussabwärts von Koblenz eine Wiederansiedlung dieser Fische versucht werden. In den Niederlanden gibt es bereits Versuche. «Der Europäische Stör (Acipenser sturio) ist im Rheineinzugsgebiet in den 1940er/1950er Jahren ausgestorben und gehört zu den am meisten bedrohten Arten weltweit», hieß es weiter. Nach dem massiven Ausbau der Kläranlagen an der einstigen Industriekloake Rhein sind inzwischen alle traditionellen Fischarten in den Fluss zurückgekehrt – nur nicht die sensiblen urtümlichen Störe.” (Frankfurter Rundschau)

4
Sinkende Arbeitsplattformen
“Im Rhein auf der Höhe Duisburg-Rheinhausen (…) ist ein sogenanntes Stelzenponton gesunken, eine schwimmende Arbeitsplattform mit Baggervorrichtung. Aus Sicherheitsgründen durften Schiffe hier nicht aneinander vorbei fahren, nur abwechselnd konnte der Verkehr entweder rheinauf- oder rheinabwärts fließen. (…) Fünf Tage blieb die Plattform im Rhein liegen. Aus den Niederlanden musste zunächst ein schwimmender Hebebock geordert werden, denn die Unglücksstelle lag mitten in der Fahrrinne – vom Ufer aus mit Kränen nicht zu erreichen. Auch andere Faktoren wie die Strömung verkomplizierten die Bergung.” (WDR)

“Auf dem Rhein bei Koblenz-Horchheim ist eine schwimmende Arbeitsplattform untergegangen. Der 15 Meter lange Ponton war an einem Motorschiff befestigt, das Richtung Mainz fuhr. Die Plattform riss am Morgen von dem Schiff ab, warum steht noch nicht fest. Nach Auskunft eines Sprechers der Wasserschutzpolizei in Koblenz lief auch Öl aus. Wie viel steht noch nicht fest. Verletzt wurde niemand. Der Ponton konnte bislang noch nicht gehoben werden.” (SWR)

5
Jetski-Nikoläuse
“Mit einer ungewöhnlichen Aktion hat (…) eine Gruppe von Jetski-Fans auf sich aufmerksam gemacht: Anlässlich von Nikolaus sind 15 Jetski-Fahrer in Nikolaus-Kostümen auf dem Rhein gefahren. „Der Sinn war einfach nur, den Kölnern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“, sagt Benedikt Bereuter von der Truppe.” (WDR)

6
Barbarenschatz
“Er gilt als kostbares Überbleibsel aus der Römerzeit: Rund 1700 Jahre lang ruhten hunderte Metallobjekte in einem Arm des Altrheins. Küchengerät und Werkzeug, Tafelgeschirr und Waffen – Stücke aus Eisen, Bronze, Kupfer und Silber römischer Bürger, die von 1967 bis 1997 in der Nähe der heutigen Ortschaft Neupotz in Rheinland-Pfalz aus dem Wasser geborgen wurden. Nach langen Querelen um Zuständigkeit und Eigentum hat der “Barbarenschatz von Neupotz”, als der er inzwischen bekannt ist, jetzt eine Dauerbleibe im Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte bekommen. (…) Nicht zufällig wird ein Querschnitt der Funde im Bacchussaal des Neuen Museums gezeigt. Lange stand dort einsam der Xantener Knabe, eine römische Bronzestatue, die Fischer 1858 im Rhein bei Xanten entdeckt hatten.” (Berliner Morgenpost)

7
Rheintote
“Grausige Überraschung beim Spaziergang am Rhein. Um acht Uhr (…) alarmierte ein Passant den Basler Rettungsdienst: Er sah von der Kleinbasler Seite her, rund zehn Meter vom Ufer weg, eine Leiche im Wasser treiben. Kurz darauf barg die Berufsfeuerwehr gemeinsam mit der Polizei einen toten Mann aus dem Rhein. Laut des Instituts für Rechtsmedizin trieb die Leiche schon seit mehreren Tagen im Wasser.” (Blick)

“(In Speyer) wird auf einer Sandbank bei Rheinkilometer 400 eine Leiche entdeckt. Laut Polizeipräsidium Rheinpfalz hat man den Leichnam einer weiblichen Person gefunden, die nach bisherigen kriminalpolizeilichen Ermittlungen Suizid begangen hat. Die Kriminalpolizei ist mit der Spurensicherung vor Ort um Beweise zu sichern. Doch ist nicht klar, um wen es sich handelt. Auch, ob es sich um ein Gewaltverbrechen oder einen Unfall handelt, ist unklar.” (Heidelberg24)

Ansichten des Rheins, 1804

So drehet man sich immer rechts und links in den Krümmungen des Rheins herum, sucht in neugieriger Ungewissheit rückwärts den Eingang, und vorwärts den Ausgang aus diesem Wasserschlunde, bis einem Bacharach mit seinen Bergen den Weg zu versperren, und den Rhein unter seinen Häusern aufzunehmen scheint.

Dieses alte Städtchen hat eine romantische Lage. Es rühmt sich Römischen Ursprungs zu sein, und leitet seinen Namen von einem nahen Felsen im Rheine her, welchen man Bacchi ara oder Bacchus-Altar nennt. Bei hohem Wasser ist er nicht zu sehen, aber in den Jahren 1654, 1695, 1719 und 1750 hat ihn die seichtere Flut dem Auge bloß gegeben. Ein untrügliches Zeichen von einem guten Weinjahre.

Die Ansicht von Bacharach ist nicht ganz freundlich. Es trägt zu viel Spuren der Verwüstungen verflossener Kriege. Die untern Häuser sind dicht an den Rhein gebaut, und scheinen senkrecht aus dem Wasser hinauf zu streben. Über ihnen erheben sich die Kirchtürme. Seine alten Ringmauern ziehen sich hoch über die Stadt an die Ruinen der Feste Staleck, und umschließen Gärten und Weinberge, welches alles einen malerischen Kontrast hervorbringt.

Hier wächst der berühmte Muskateller, welcher schon den Gaumen des Kaisers Wenzel und des Papstes Pius II. reizte. Bacharach gegenüber ist die Grenze des schönen Rheingaues, und zwei Galgen stehen neben einander als schreckliche Marksteine da, jeden Räuber warnend.

Wenn man nun von oben herab gen Bacharach zu kommt, glaubt man in einem von Felsen umschlossenen Schweizer-See zu sein. Man denkt hier anhalten oder zurückkehren zu müssen; allein auf einmal dreht sich der Nachen wieder rechts, und schnell kommt er durch einen neuen Strudel, das wilde Gefährd genannt, in einen neuen See, auf dessen Mitte ein gerüstetes Kriegsschiff [die Pfalz] zu schwimmen scheint.

(Nicolaus Vogt: Ansichten des Rheins, Frankfurt/Main 1804. Gefunden auf dem Goethezeitportal)

De Hollandsche natie. (Tweede Zang.)

Op de eeuwige Alpen, dik met sneeuw en ijs umschorst,
Ontwringt de schoone Rijn zich aan der bergen korst:
Eerst sluipt hij nietig voort met ongewisse gangen,
Alseen versmade beek, naauw waard’ een’ naam te ontvangen.
Allengskens aangegroeid, schiet hij, langs breeder boord,
Met jonglings vuur en kracht, zijn stoute golven voort,
En stort bij Lauffen zich, met ongehoord gedonder,
In d’afgrond; schuimt, en bruist, en woelt, enwringt van onder
De klippen zich hervoort; getergd door wederstand,
Verbreekt, verbrijzelt hij de rotsen an zijn’ kant.
Een hel van water stort hij neêr met schriklijk klateren,
En heel de landstreek dreunt van de afgeschoten wateren!
Nu golft hij Duitschland door, met trotsche majesteit,
Langs rijke dorpen, aan zijn vruchtbren boord verspreid,
Langs bergen, lagchende van Bacchus zegeningen,
En steden, trotsch gebouwd, die zijnen lof bezingen.
Van Ehrenbreitsteins top ziet elk zijn’ slangenloop,
En groet hem, van die hoogte, als bronaâr van Euroop’. -
Ach! zoekdien schoonen stroom nuweêr bij Katwijks stranden!
Wat findt ge? een vuile poel, gesmoord in slijk en zanden.
Onedel en versmaad kruipt hij daar schandlijk voort,
Eer zich zijn drabbig nat in’t zand der duinen smoort.
De vreemdeling, die hem langs Coblents muur zag golven,
Herziet hem hier! maar ach! in ruigte en wier bedolven.
Hij mijmert an zijn’ zoom met waggelende treên,
Denkt aan het ond Karthaag’! en gaat in wecmoed heen.

Is, Neêrland! dit uw beeld? moet, uit die flaauwe trekken,
Mijn hart, dat voor u gloeit, uw nadrend lot ontdekken? —
Klein waart gij, als de Rijn, bij uw’ geboortestond,
Naauw waardig dat een volk zich vestigde op uw’ grond.
Allengskens aangegroeid, zaagt gij uit uw moerassen,
Bij steden van arduin, en tucht, en welvaart wassen.
Geontwrongt, met jonglingsmoed u’s Ibers overmagt,
En bliksemde op de zee in volle mannenkracht.
Aan ‘t hoofd der volken scheen uw luister elk in de oogen,
En hield, gelijk de Rijn, elk’ vreemdling opgetogen!
Ach! zult gij, als die stroom, bezwijken in uw’ loop?
De uitfluiting zijn der aard’? de schandvlek van Euroop’?
Neen, neen! der Vadren roem verspreidt te sterk een’ luister;
En ‘t kroost van zulk een volk zinkt niet geheel in ‘t duister.
Gij, die der volken lot voor de eeuwigheid vermeldt,
Geschiedkunde! open mij uw groot, uw leerzaam veld.
O Vaderland! ‘k zie dáár uw’ naam onsterflijk pralen,
En aller volken glans verduisterd door uw stralen;
Op de eeuwge zuil des roems staat Neêrlands naam gedrukt,
En wordt door vreemden trots daar nimmer uitgerukt. (…)

(Jan Frederik Helmers)

the best river, next the Danube, in Europe

“(…) I left Francfort the 10th of October, 1657, intending to pass down the river Rhine, into Holland, and so again into France. Some German gentlemen and myself took a boat at Francfort, which carried us six miles that afternoon, to Mentz, the usual residence of the elector of that name, were he hath a great castle adjoining to the church, esteemed to have the largest and best painted windows of any in Germany.
Here the river Maine runs into the Rhine, the best river, next the Danube, in Europe, of whose head or fountain I have formerly made mention, having passed near unto it, as I entered into Rhaetia. The stream of this river is so violent, that it is only navigable downwards, which made our journey expeditious and pleasant.
The 11th, we refreshed ourselves at a place called Baccaract (quasi Bacchi Ara) from an altar anciently erected to Bacchus, (whose ruins are yet apparent) which makes it of a long standing, and anciently famous for the best wine, growing upon the banks of that river, which reputation it still preserves; this is within the palatinate.
Some few leagues further, we passed by an ancient tower, built almost in the middle of the river, called Ratts` Tower, near unto Bingen, which the people tell you is so called, upon this occasion: – in the pear 968, Hatto, second duke of Franconia, afterwards chosen Archbishop of Mentz, in a time of great famine and scarcity, summoned together a great number of poor people, with promise of relief, but instead thereof, put them all into a barn, and set it on fire, saying, they were the rats which devoured the food of the land; whereupon the vengeance of Heaven pursued him with so great an army of those animals, that they fell upon him in the closest rooms, finding passage through the chimneys and the least crannies, till at last, flying to this tower, which he caused to be made for his security, they followed him one night through the water in great droves, and devoured him.
That night we lodged at St. Verre, and the next day, being the 13th of October, we dined at Coblentz, a large town, situated where the river Mose falls into the Rhine. Here the Mose is very large, having over it a stately bridge of fourteen large arches; at one end of this bridge stands the town, at the other a fort belonging to the Elector of Treves, called Hermersten, with a freestone palace after the modern mode, adjoining thereto.
Thereabout, the country was in their vintage, to the prejudice of a gentleman of our company, who surfeited with eating those delicious grapes growing upon the banks of this river. That night we lodged at an obscur village called Hamestean.
The next morning we passed by a great town called Bon, belonging to the Elector of Cologne, where he then was, and that night we reached Cologne. (…)”

(aus: The Memoirs and Travels of Sir John Reresby)

Denn die alten Deutschen tranken ja auch

Sitz` ich in froher Zecher Kreise
Und nehm das volle Glas zur Hand,
Trink` ich nach alter deutscher Weise
Und nippe nicht nur von dem Rand!
Die Väter haben uns gelehrt,
Wie man den vollen Humpen leert.

Denn die alten Deutschen tranken ja auch,
Sie wohnten an dem Ufer des Rheins;
Sie lagen auf der Bärenhaut
Und tranken immer noch eins, noch eins,
Sie tranken immer noch eins.

Wer Bacchus und Gambrinus ehret,
Der lebt gar herrlich in der Welt,
Dieweil uns die Geschichte lehret,
Daß beide waren hochgestellt.
Der eine wohl ein König war,
Der andere ein Gott sogar.

Denn die alten Deutschen…

Drum lasset uns die Becher heben
Und stimmet fröhlich mit mir ein;
Laß Bacchus und Gambrinus leben,
Sie solle hoch gepriesen sein.
Doch auch der Väter sei gedacht,
Auch ihnen sei dies Glas gebracht.

Denn die alten Deutschen…

(Text und Melodie: Ludolf Waldmann, 1880)

Diese Caffeehäuser sind meistens schmutzige Löcher, in denen man es keine Viertelstunde aushalten kann

„(…) Nun eile ich dem Rheine zu. – Ich werde den schönen Fluß wieder sehen, von dem ich acht Jahre entfernt war. Damals waren seine grünen Fluten noch nicht von blutigen Leichnamen gefärbt, damals wogte der prächtige Strom durch paradiesische Gefilde von wohlhabenden und glücklichen Menschen bewohnt; – von seinen Rebenufern schallten die Gesänge der Dörferinnen, die Bacchus Geschenke sammelten. Seit langen Jahren hatte man hier den furchtbaren Ton des Kriegsgeschützes nicht gehört. Nur in der fröhlichen Weinlese brannte man unter Jubel und Gesang die kleinen Böller zur Verherrlichung des Festes los, und ergötzte sich an dem vielfach ertönenden Wiederhall.

Ich werde sehen, wie es ist, und sagen, wie es damals war. Aber der Genius der Menschheit steht neben mir, und zeigt mir traurend in der Ferne die zerstörten Fluren, die Gräber der Erschlagenen und die in Schutt und Asche gelegten Wohnungen.

Des Winzers Hochgesang verstummte längst am Rheine,
Wo schaudernd nun die Sonne steigt;
Und von Erschlagenen rings die dorrenden Gebeine
Auf allen Rebhöh`n bleicht. (Matthißon) (…)

Wer die Befestigungen von Cassel sieht, muß über den Aufwand von Kunst erstaunen, der dabei verschwendet ist. Hier muß die Kraft der tapfersten Heere scheitern. Selbst Suwarow mit seinen stürmenden Grenadieren würde hier vergeblich die Gräber mit Leichnamen füllen, welche die Batterien umgeben. Die Erde würde sich aufthun, die Kühnen zu verschlingen, oder ihre Gebeine in die Luft zu schleudern, die sich diesen Schanzen nahen. Selbst die Eroberung einer Batterie würde ihnen verderblich seyn, weil jede die andere deckt, jede eine eigene Festung ist. Während der ganzen Belagerung von Mainz war es den tapferen Preußen und Sachsen unmöglich, hier nur die geringsten Fortschritte zu machen. Ueberall auf der weiten Ebene ist der Angreifende den feuerspeienden Schlünden ausgesetzt, nirgends gedeckt, überall trift ihn das donnernde Geschütz. (…) Nach der Uebergabe von Mainz an die Alliierten wurde Castel von den Oesterreichern noch stärker befestigt, und die schadhaften Werke ausgebessert.

Dieser ehemals so wohlhabende Flecken ist jetzt arm und öde. Er scheint eine einzige große Caserne zu seyn; überall sieht man nichts als Schmutz und Armseligkeit. Vielen Kaufleuten dient er zur Niederlage ihrer Waaren, die sie dann von da nach und nach heimlich in Mainz einzubringen suchen (…) – Es giebt hier eine Menge Caffeehäuser, die auf das Bedürfniß des französischen Soldaten berechnet sind, der einen Ort haben muß, wo er sich mit seinen Cameraden unterhält, und seinen Sold vertrinkt. Meistens sind sie mit anlockenden Inschriften versehen, wie: Caffée francais, bon vin, bonne bière mousseuse, excellent eau de vie de France – Caffée militaire – Rendés vous des Francais. Caffée republicain u. s. w. Diese Caffeehäuser sind meistens schmutzige Löcher, in denen man es keine Viertelstunde aushalten kann. Indessen ist es für den stillen Beobachter unterhaltend, hier die Gespräche dieser Leute zu belauschen. Man kann sich nicht verhehlen, daß in der Masse dieses Volks eine unendlich größere Menge von dem, was man bon sens, oder gesunden Menschenverstand nennt, vorhanden ist, als in irgend einer anderen Nation. (…)“

Friedrich Albrecht Klebe: Reise auf dem Rhein, durch die teutschen Rheinländer und durch die französischen Departements des Donnersbergs, des Rheins und der Mosel und der Roer; im Sommer und Herbst 1800, Frankfurt 1801

Schergenteufel (3)

Während ich nun den verdammten Geist mit Verwunderung also reden hörte, fuhr indessen der Pater mit seinen Beschwörungen fort, und um den Teufel vermeintlich stumm zu machen, besprengte er den Menschen oftmals mit Weihwasser, worüber der Besessene heftig tobte, mit den Zähnen ein solches Klappern und mit den Augen eine so scheußliche Gestalt hervorbrachte, daß den Umstehenden recht angst und bange wurde und die Wände davon zitterten. “Meinet nicht,” sprach der Geist, “daß solche Kraft dem Weihwasser zuzuschreiben ist, daß ich so tobe und wüthe; das geschieht allein wegen der Natur des bloßen, puren Wassers; denn nichts fliehen die Schergen ihrer Gewohnheit nach mehr als das Wasser, so daß, wenn uns die Schergen in der Hölle nütze wären, wir sie mit Darreichung eines einzigen Glases Wein im Sprunge zu uns bringen würden. Und damit ihr ja sehet, wie die Schergen so gar nichts nach heiligen und geistlichen Dingen fragen, so wisset, daß man sie vor Jahren Gerichtsknechte genannt hat, welchen Namen sie nach ihrem Handwerk in Häscher verwandelt haben, weil sie die Leute haschen, schieren und scheeren, daß sie oft verzweifeln müssen.”

Als der Pater, sich bekreuzigend, das hörte, sagte er zu mir, daß ich mich durch des Bösewichts Spottreden nicht beirren lassen möchte, da er tausend Schelt- und Schmähworte wider die heilsame Gerichtsbarkeit und deren Diener ausstieß, weil sie die Gottlosen straft und sie dadurch auf den rechten Weg und zu ihrer Bekehrung leiten wollte, so daß viele Seelen aus des Feindes Banden, darin sie gefangen lägen, könnten erlöst werden.

“Untersteht euch nicht, euch mit mir in Disputationen einzulassen!” rief der Teufel; “ich habe mehr erfahren und gelernt als ein Pater. Machet nur, daß ich von diesem Schergen erlöst werde, ich bitte darum; denn so ein stattlicher Teufel, wie ich bin, sollte sich billig schämen, in eines Schergen Leibe länger zu wohnen.” “Das soll, sprach der Pater, so Gott will, bald geschehen, damit der arme Mensch von dir befreit werde. Warum, möchte ich wissen, plagst du den armen Leib so?” “Darum, sprach der Geist, weil seine Seele und ich miteinander in Streit gerathen sind, wer der ärgste Teufel von uns beiden sei, der Scherge oder ich.”

Das Geschwätz wurde dem Pater überdrüssig; ich aber bat ihn, mir zu erlauben, daß ich den Besessenen etwas fragen dürfte, vielleicht könnte es mir, dachte ich, nützlich sein, ob es schon des Teufels Meinung nicht war. Er erlaubte es mir. (…)

Hat es auch Poeten in der Hölle? fragte ich.

“Ja freilich,” antwortete der Teufel, “es wimmelt und wibbelt darin; darum hat man vor einigen Jahren ihr Quartier erweitern müssen. Allda ist zu sehen, wie, wenn ein neuer Schwärmer von ihnen ankommt, er seine Begrüßungsschreiben einhändigt in der Hoffnung, die erhabenen Gottheiten, die die Dichter begeistern, wie Charon, Cerberus, Minos, Pasiphan, Megära, Medusa, Proserpina, Pluto, Aeolus, Rhamnusia, Neptun, Bacchus, Juno, Venus, Kupido, Mercur, Jupiter, Apollo, Diana und andere zu finden und zu begrüßen.” Weil mich das ein wenig verdroß, fragte ich, was denn die Poeten in der Hölle zu gewärtigen hätten? Da antwortete der Geist: “Was darfst du viel fragen, wie es in der Hölle zugeht? Du wirst es schon erfahren, wenn du hineinkommst.” Darauf sagte ich, davor wird mich mein Herr und Heiland Jesus Christus, der den Teufel überwunden hat, wohl behüten. Darüber tobte der Geist und sprach: “Ich meinte, ihr Menschen hättet bei und an euch selbst Hölle genug, denn ihr lebt so auf der Welt, als ob kein Gott im Himmel wäre und ihr mit aller Macht in unsere Hölle wolltet. Ich will dir eure höllischen Handlungen, die ihr auf Erden verübt, sein nacheinander herzählen. Du hörst die Poeten so gern loben, weil du auch einmal einer hast sein sollen: ist es nicht so, daß ein Poet soviel Pein und Marter in seinem Herzen leidet, sovielerlei Einfälle er im Kopfe hat? Etliche werden in der Hölle zur Belohnung gepeinigt, wenn sie ihrer Mitmeister und Mitgesellen Werke und Gedichte, Grillen und Possen lesen hören: und so geschieht es auch bei den Musikanten. Etliche haben ihre Belohnung darin, daß sie nach vielen hundert und tausend Jahren nicht aushören können, ihre Verse zu revidiren und zu corrigiren. Einer giebt sich mit der Faust einen Stoß vor die Stirne; ein anderer kratzt sich hinter den Ohren; einer krabbelt sich in der Nase; ein anderer läuft neun Meilen Wegs in seinen Pantoffeln und weiß nicht, daß er aus seiner Studierstube gekommen ist; ein anderer hat keine Ader (das heißt, die Grillen wollen ihm nicht steigen), er habe denn getrunken. Ein anderer seufzt; ein anderer summt und brummt wie eine Hummel in der Trommel; ein anderer verkehrt die Augen wie eine Geiß, die geschlagen oder gestochen wird, und dennoch können sie noch heut zu Tage nicht finden und errathen, ob man sagen solle vultus oder facies, scripsit oder scribsit, sumptus oder sumtus, optimé oder óptime, sollicitus oder solicitus, und ob diese oder jene Silbe lang oder kurz ist. Einige, um ja nicht neben die Schnur zu hauen, gehen, rennen auf und ab, nagen sich die Nägel an den Fingern ab bis aufs Blut, wie Unsinnige, und bei diesem tiefen Nachsinnen fallen sie in verdeckte Gruben, daraus man sie nur mit großer Mühe bekommen kann. Die komischen Dichter aber sind die ärgsten und haben gerechte Strafe zu erwarten, weil sie so manche Königin, Prinzessin und Göttin ihrer Ehre beraubt, so viele ungleiche Heirathen gekuppelt und so viele rechtschaffene Cavaliere – bei diesem Worte forschte ich von dem Geist, ob es einen Edelmann, einen Soldaten, einen Junker oder Knecht benamsete? Worauf er antwortete: “Wir haben in der Hölle schon manchmal deswegen Rath gehalten, aber kein Teufel hat noch das Richtige finden können” – ihrem Vorgeben nach so schimpflich und treulos angeführt haben, wie es im Amadis, den Schäferspielen, der Diana des Monte Major, im Löwenritter, Tristram, Peter mit den silbernen Schlüsseln und andern gleichen Geschichten zu sehen ist. Und diese Poeten sind ärger als die andern, weil sie so viel List und Ränke, so viele Künste und Schelmenstückchen erdacht haben, weswegen man ihnen in der Hölle ihr Quartier bei den gewissenlosen Procuratoren und Prozeßmachern angewiesen hat, als Leuten, die in diesen Stücken vor andern wohl erfahren sind.

(aus: Johann Michael Moscherosch – Philanders von Sittenwald wunderliche und wahrhaftige Gesichte, Erster Teil, Erstes Gesicht)

La Pêche miraculeuse (5)

(…) D’après les règles de la grande partie, celui des deux combattants qui sort victorieux de cette épreuve a le droit de choisir la boisson qui lui convient, et de l’imposer à son adversaire.
Hérode avait déposé sa pipe sur le comptoir. Il prit le fil et l’aiguille que lui présentait Van den Brock, et, soulevant sa lourde masse, les yeux écarquillés, le bras haut, il ajusta; mais, soit que sa main fût réellement alourdie, ou que le vacillement des chandelles lui troublât la vue, il fut obligé de s’y reprendre à deux fois, ce qui parut faire une grande impression sur les assistants, car ils se regardèrent entre eux tout stupéfaits.
«A votre tour, Cappelmans!» dit le bourgmestre.
Alors maître Andreusse se levant, prit l’aiguille, et du premier coup il passa le fil.
Des applaudissements frénétiques éclatèrent dans la salle; on aurait dit que la baraque allait s’écrouler.
Je regardai Gambrinus: sa large figure charnue était bouffie de sang, ses joues tremblaient.
Au bout d’une minute, le silence étant rétabli, Van den Brock frappa trois coups sur la table et s’écria d’un ton solennel:
«Maître Cappelmans, vous êtes glorieux en Bacchus!… Quelle est votre boisson?
- Du skidam! répondit maître Andreusse, du vieux skidam! Tout ce qu’il y a de plus vieux et de plus fort!»
Ces mots produisirent un effet surprenant sur le tavernier.
«Non! non! s’écria-t-il; de la bière, toujours de la bière: pas de skidam.»
Il s’était levé tout pâle.
«J’en suis fâché, dit le bourgmestre d’un ton bref; mais les règles sont formelles: qu’on apporte ce que veut Cappelmans.»
Alors Gambrinus se rassit comme un malheureux qui vient d’entendre prononcer sa condamnation à mort, et l’on apporta du skidam de l’an XXII, que nous goûtâmes, Van Rasimus et moi, afin de prévenir toute fraude ou mélange.
Les verres furent remplis et la lutte continua.
Toute la population d’Osterhaffen se pressait aux fenêtres.
On avait éteint les chandelles. Il faisait grand jour.
A mesure que la lutte approchait du dénoûment fatal, le silence devenait plus grand. Les buveurs, debout sur les tables, sur les bancs, les chaises, les tonnes vides, regardaient attentifs.
Cappelmans s’était fait servir une andouille et mangeait de bon appétit; mais Gambrinus ne se ressemblait plus à lui-même; le skidam le stupéfiait! Sa large face cramoisie se couvrait de sueur, ses oreilles prenaient des teintes violettes, ses paupières s’abaissaient, s’abaissaient. Parfois un tressaillement nerveux lui faisait relever la tête; alors, les yeux tout grands ouverts, la lèvre pendante, il regardait d’un air hébété ces figures silencieuses pressées les unes contre les autres; puis il prenait sa cruche à deux mains et buvait en râlant.
Je n’ai rien vu de plus horrible en ma vie. Tout le monde comprenait que la défaite du tavernier était certaine.
«Il est perdu! se disait-on. Lui qui se croyait invincible, il a trouvé son maître; encore une ou deux cruches, et tout sera fini!»
Cependant quelques-uns prétendaient le contraire; ils affirmaient qu’Hérode pouvait tenir encore trois ou quatre heures, et Van Rasimus offrait même de parier une tonne d’aele, qu’il ne roulerait sous la table que vers le coucher du soleil; lorsqu’une circonstance, en apparence insignifiante, vint précipiter le dénoûment.
Il était près de midi.
Le garçon de cave Nickel Spitz emplissait les cruches pour la quatrième fois.
La grande Judith, après avoir essayé de mettre de l’eau dans le skidam, venait de sortir tout en larmes; on l’entendait pousser des gémissements lugubres dans la chambre voisine.
Hérode sommeillait.
Tout à coup la vieille horloge se mit à grincer d’une façon bizarre, les douze coups sonnèrent au milieu du silence; – puis le petit coq de bois, perché sur le cadran, battit des ailes et fit entendre un ko-ko-ri-ko prolongé.
Alors, mes chers amis, ceux qui se trouvaient dans la salle furent témoins d’une scène épouvantable.
Au chant du coq, le tavernier s’était levé de toute sa hauteur, comme poussé par un ressort invisible.
Je n’oublierai jamais cette bouche entr’ouverte, ces yeux hagards, cette tête livide de terreur.
Je le vois encore étendre les mains pour repousser l’affreuse imago. Je l’entends qui s’écrie d’une voix strangulée:
«Le coq! oh! le coq!…»
Il veut fuir… mais ses jambes fléchissent!… et le terrible Hérode Van Gambrinus tombe comme un boeuf sous le coup de l’assommoir, aux pieds de maître Andreusse Cappelmans.

III
Le lendemain,vers six heures du matin, Cappelmans et moi nous quittions Osterhaffen, emportant la Pêche miraculeuse.
Notre rentrée à Leyde fut un véritable triomphe; toute la ville, prévenue de la victoire de maître Andreusse, nous attendait dans les rues, sur les places: on aurait dit un dimanche de kermesse; mais cela ne parut faire aucune impression sur l’esprit de Cappelmans. Il n’avait pas ouvert la bouche tout le long de la route, et semblait préoccupé.
A peine arrivé chez lui, son premier soin fut de consigner sa porle:
«Christian, me dit le brave homme en se débarrassant de sa grosse houppelande, j’ai besoin d’être seul; retourne chez ta tante et tâche de travailler. Quand le tableau sera fini, j’enverrai Kobus te prévenir.»
Il m’embrassa de bon coeur et me poussa doucement dehors.
Ce fut un beau jour, lorsque, environ six semaines plus tard, maître Andreusse vint me prendre lui-même chez dame Catherine et me conduisit dans son atelier.
La Pêche miraculeuse était suspendue contre le mur, en face des deux hautes fenêtres.
Dieu, quelle oeuvre sublime! Est-il possible qu’il soit donné à l’homme de produire de telles choses!… Cappelmans avait mis là tout son coeur et tout son génie: l’âme de Van Marius devait être satisfaite.
Je serais resté jusqu’au soir, muet d’admiration, devant cette toile incomparable, si le vieux maître, me frappant tout à coup sur l’épaule, ne m’avait dit d’un ton grave:
«Tu trouves cela beau, n’est-ce pas, Christian? Eh bien, Van Marius avait encore une douzaine de chefs-d’oeuvre pareils dans la tête. Malheureusement, il aimait trop d’aele triple et le skidam; son estomac l’a perdu! C’est notre défaut, à nous autres Hollandais. Tu es jeune, que cela te serve de leçon; – le sensualisme est l’ennemi des grandes choses!» FIN.

Die Flüsse

Rhein
Treu, wie dem Schweizer gebührt, bewach` ich Germaniens Grenze;
Aber der Gallier hüpft über den duldenden Strom.

Rhein und Mosel
Schon so lang` umarm` ich dich lotharingische Jungfrau;
Aber noch hat kein Sohn unsre Verbindung beglückt.

Donau in B***
Bacchus der lustige führt mich und Komus der fette durch reiche
Triften, aber verschämt bleibet die Charis zurück.

Donau in O***
Mich umwohnt mit glänzendem Aug das Volk der Phaiaken;
Immer ist`s Sonntag, es dreht immer am Herd sich der Spieß.

Main
Meine Burgen zerfallen zwar; doch getröstet erblick` ich
Seit Jahrhunderten noch immer das alte Geschlecht.

Saale
Kurz ist mein Lauf und begrüßt der Fürsten, der Völker so viele;
Aber die Fürsten sind gut, aber die Völker sind frei.

Ilm
Meine Ufer sind arm; doch höret die leisere Welle,
Führet der Strom sie vorbei, manches unsterbliche Lied.

Pleiße
Flach ist mein Ufer, und seicht mein Bach, es schöpften zu durstig
Meine Poeten mich, meine Prosaiker aus.

Elbe
All` ihr andern, ihr sprechet nur ein Kauderwelsch – unter den Flüssen
Deutschlands rede nur ich, und auch in Meißen nur, deutsch.

Spree
Sprache gab mir einst Ramler und Stoff mein Cäsar; da nahm ich
Meinen Mund etwas voll, aber ich schweige seitdem.

Weser
Leider von mir ist gar nichts zu sagen; auch zu dem kleinsten
Epigramme, bedenkt, geb` ich der Muse nicht Stoff.

Gesundbrunnen zu ***
Seltsames Land! Hier haben die Flüsse Geschmack und die Quellen,
Bei den Bewohnern allein hab` ich noch keinen verspürt.

Pegnitz
Ganz hypochondrisch bin ich vor langer Weile geworden,
Und ich fließe nur fort, weil es so hergebracht ist.

Die ***chen Flüsse
Unsereiner hat`s halter gut in ***cher Herren
Ländern; ihr Joch ist sanft, und ihre Lasten sind leicht.

Salzach
Aus Juvaviens Bergen ström` ich, das Erzstift zu salzen,
Lenke dann Bayern zu, wo es an Salze gebricht.

Der anonyme Fluss
Fastenspeisen dem Tisch des frommen Bischofs zu liefern,
Goss der Schöpfer mich aus durch das verhungerte Land.

Les fleuves indiscrets
Jetzt kein Wort mehr, ihr Flüsse! Man sieht’s, ihr wisst euch so wenig
Zu bescheiden, als einst Diderots Schätzchen getan.

(aus Friedrich Schillers Xenien, 1796)