Bald gras ich am Neckar

Bald gras ich am Neckar
bald gras ich am Rhein
bald hab ich ein Schätzel
bald bin ich allein.

Was hilft mir das Grasen
wenn die Sichel nicht schneid’t,
was hilft mir das Schätzel,
wenn’s bei mir nicht bleibt.

Und soll ich denn grasen
am Neckar, am Rhein,
so werf’ ich mein schönes
Goldringlein hinein.

Es fließet im Neckar,
es fließet im Rhein,
soll schwimmen hinunter
ins tiefe Meer ‘nein.

Und schwimmt es, das Ringlein
so frißt es ein Fisch,
das Fischlein soll kommen
auf’s Königs sein Tisch.

Der König tät fragen
wem’s Ringlein soll sein?
da tät mein Schatz sagen:
das Ringlein g’hört mein.

Mein Schätzel tät springen
bergaus und bergein,
tät wied’rum mir bringen
das Goldringlein fein.

Kannst grasen am Neckar,
kannst grasen am Rhein,
wirf du mir nur immer
dein Ringlein hinein.

Der Liedtext “Bald gras ich am Neckar” wurde von Auguste Pattberg unter Verwendung volkstümlicher Vorlagen geschrieben und 1808 zum ersten Mal im dritten und letzten Band der Sammlung “Des Knaben Wunderhorn” von Clemens Brentano und Achim von Arnim veröffentlicht. Das Lied genoß bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts Popularität.