Rhein vs. Mississippi

The Mississippi is the American Rhine, Weser, Elbe, and Oder all combined. It furnishes the best American comparison with the Rhine and perhaps an occasion for applying the lessons in waterway transportation which the Rhine has to teach. Both Rhine and Mississippi flow through the heart of a rich continent; each represents nature’s route of communication between its own fertile valley and the outside world. In their history the streams present a striking parallel up to the period 1860-70; then transportation on the Rhine is modernized and the river takes its place as the greatest waterway in the world, while the Mississippi retains its ancient form of transportation and goes down under the competition of the American railroads.
We saw that the early railroads in Germany were built perpendicular to the Rhine and were considered as feeders to it. When the short railroad lines had begun to be connected up, and the through routes began to compete with, the Rhine, the change in the nature of the traffic between the Rhine Valley and foreign parts was already one that signified a preponderance of bulk goods: coal, iron ore, lumber, wheat, petroleum. Not only did these goods clamor for lower rates than the railroads could give, the cost of loading these goods into the huge river barges at Rotterdam and of unloading them at the river port was also far smaller than the corresponding operation in the case of the little standard 10-ton Dutch and German cars. The spill and scoop principle at the basis of this handling of bulk goods is one whose advantage obviously increases with the size of the transporting unit. (…)

Up to 1860 the history of traffic on the Mississippi is similar to the history of the Rhine, excepting that the American river was not burdened by river tolls which it took half a century to remove. During the first half of the nineteenth century the exports of most of the country west of the Allegheny Mountains were drained off to New Orleans by means of the magnificent system of waterways at the disposal of that port. Staples of commerce were corn, lard, bacon, whiskey, apples, potatoes, hay, etc. — lumped under the name of “western produce,” which supplied the southern plantations and were exported from New Orleans. The southern states added cotton, tobacco, and molasses to the downstream trade. Planters in northern Alabama sent their cotton down the Tennessee River to the Ohio, down the Ohio and Mississippi to New Orleans. In 1860 New Orleans saw 3500 river steamers arrive, bringing cargo to the value of 185 million dollars.’New Orleans was accounted the fourth seaport in the world — after London, Liverpool, and New York — and handled in 1860 27 per cent of our exports. In 1907 her percentage was 9 per cent.
In the Mississippi region, as along the Rhine, railroads at first served primarily as short lines connecting inland communities with waterways; for example, the Madison and Indianapolis, the Evansville and Crawfordsville, the Louisville and Frankfort. The Pennsylvania Railroad for some time after reaching Pittsburg was dependent on the Ohio packets for westward connection. But the railway lines did not long regard themselves as feeders to the waterways. In 1858 there were two through rail connections between Chicago and the eastern seaboard. These, in conjunction with the water route formed by the Great Lakes and the Erie Canal, were already drawing off to the Atlantic coast our exports of western produce.
The Civil War suspended navigation on the lower Mississippi. In the meantime the transcontinental railroads, north of the line of operations, extended their connections and services and got the exports of the West once for all in their grasp. When the war was over the channel of the Mississippi had gone wild, after five years of neglect. At the end of the war New Orleans found her channel to the sea too narrow for large steamers to enter. This evil has been remedied and the Mississippi has been given a lowwater depth of 9 feet for 840 miles (up to Cairo), a depth of 8 feet for 1000 miles (to St. Louis). We need not look to find the inferiority of the American river in the insufficiency of its channel. The Rhine has a channel of only 6 1/2 feet at low water and that for only 350 miles upstream from Rotterdam.

(aus Edwin J. Clapp: The Navigable Rhine, Boston/New York 1911)

Presserückschau (Juli 2016)

1
“Der Rhein ist nichts für Anfänger, meint Mike Pernox. “Da findet man vor allem Wasser-Pokémon – wenn man sie denn haben will. (…) Dem Rhein würde ich als Standort drei von fünf Sternen geben. Die Wasser-Pokémon, die man dort findet, sind gut, es gibt Enton, Karpador und Goldini”, sagt er. Vor allem aus Karpador könne man später viel machen – das Pokémon entwickelt sich nämlich mit genügend Pflege weiter zu einem Pokémon namens Garados, und das ist zum Beispiel im Kampf mit anderen Spielern und ihren Monstern kaum zu schlagen.”" (Rheinische Post)

2
“Am (…) 10.07.2016 wurden zum ersten Mal elf Kinder aus Köln im Rhein getauft. Pfarrerin Dr. Anna Quaas und Pfarrer Mathias Bonhoeffer der evangelischen Kartäusergemeinde feierten den Taufgottesdienst mit über 100 Gästen. (…) Carl, Milla, Lion, Zoe, Marlene, Leonie, Ben, Timm, Trixi, Frida und Jake gehören jetzt zur Gemeinde. (…) Damit der Gottesdienst im Rhein tatsächlich stattfinden konnte, mussten zunächst Genehmigungen eingeholt werden. Sowohl das Grünflächen- als auch das Schifffahrtsamt mussten zustimmen. Auch wenn die Strömung an der Taufstelle nicht besonders stark ist, sorgte die DLRG von einem Boot im Wasser aus für Sicherheit.” (WDR)

3
Rheintote
“Ein vermisster Matrose ist bei Ludwigshafen im Rhein gefunden worden. Die Leiche war laut Polizei am Werksgelände des Chemiekonzerns BASF an einer Wasserentnahmestelle entdeckt worden. Der Mann hatte laut Sprecher der Polizei seine Ausweispapiere bei sich, daher konnte er identifiziert werden. Vermutlich ist er ertrunken. Das 46 Jahre alte Besatzungsmitglied war (…) bei Mannheim von einem Kreuzfahrtschiff in den Rhein gefallen.” (Stuttgarter Zeitung)

“Ein 19-jähriger afghanischer Asylbewerber ist (…) im Rhein in Laufenburg AG ertrunken. Seine Leiche wurde (…) im Rechen des Kraftwerks Laufenburg angeschwemmt. Der Mann gehörte zu einer Dreiergruppe von gleichaltrigen Landsleuten, die (…) im Rhein ein Bad nahmen. Dabei gerieten sie in Not. Einer konnte sich selber ans Ufer retten, ein zweiter wurde von einem privaten Bootsfahrer aus dem Rhein gefischt. Der dritte Afghane blieb trotz einer Suchaktion verschwunden. (…)
Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) hatte Anfang dieses Sommers darauf hingewiesen, dass im Hitzesommer 2015 auffallend viele Touristen und Asylbewerber beim Baden tödlich verunglückt waren. Die SLRG liess darauf ihre Baderegeln in mehrere Sprachen übersetzen – unter anderem auf Arabisch und Somalisch.” (Blick)

“Horrorfund am Colonia-Hochhaus! Bei einem Spaziergang am Rheinufer stieß der Kölner Adrian H. (Name geändert) am Mittwochnachmittag auf die verstümmelten Überreste eines Mannes. „Es handelte sich um eine männliche Leiche, circa 40-50 Jahre alt, verschnürt in einen blauen Müllsack, ohne Arme und ohne Kopf“, so H. (…). Die sterblichen Überreste sollen nun obduziert werden, um Näheres über das noch nicht identifizierte Opfer und dessen Todesumstände zu erfahren. (…) Eine Mordkommission wurde gebildet, um das Todesrätsel zu lösen.” (Express)

“Die Wasserschutzpolizei musste (…) eine groß angelegte Suchaktion auf dem Rhein bei Orsoy ergebnislos abbrechen. Sie galt einem jungen Mann, der vermutlich ertrunken ist. Dabei handelt es sich (…) um einen 26-jährigen Flüchtling (…). Nach ersten Erkenntnissen soll er ein ungeübter Schwimmer gewesen sein und am Strand in Höhe des Hafens als Einziger im Fluss gebadet haben. Plötzlich sei er von einer Welle erfasst worden, die ihn weggerissen habe. (…) Mehr als 100 Leute beobachteten das beängstigende Szenario. Nach gut einer Stunde wurde die Suche eingestellt.” (Rheinische Post)

“Schon wieder ist ein Flüchtling den Fluten des Rheins ausgeliefert gewesen: Nach einem 19 Jahre alten Nigerianer wurde (…) in Bad Säckingen bei einer großangelegten Rettungsaktion im Rhein gesucht. Der Flüchtling, der laut Polizeiangaben nicht schwimmen konnte, wird bisher noch vermisst. Die Behörden rechnen mit dem Schlimmsten. Der 19-Jährige ist (…) zusammen mit einer Gruppe von Flüchtlingen an den Rhein gegangen, um dort zu baden. Dabei ging der Nigerianer nach Angaben seiner Begleiter einige Schritte ins Wasser und wurde von der Strömung mitgerissen. Der Nichtschwimmer trieb ab und ging unter.” (Badische Zeitung)

“Bei Albbruck (wurde) eine männliche Leiche im Rhein gefunden. Über die Identität des Toten und die näheren Umständen seines Todes ist (…) nichts bekannt. (…) Die Fundstelle befindet sich in der Nähe eines beliebten Freizeitgeländes direkt am Rhein gegenüber der früheren Papierfabrik. (…) Ob der bei Albbruck aufgefundene Tote eventuell mit dem Vermisstenfall G. B. (…) in Zusammenhang steht, ist ebenfalls offen. Mehr Klarheit dürfte erst die von der Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen angeordnete Obduktion durch einen Gerichtsmediziner bringen.” (hierzuland)

4
Konzert auf der Rheininsel Grafenwerth: “”Aus nacktem Felsen dringt es. Noch namenlos, das Quellende, das Rinnende, das Wässrige.” Scheinbar aus dem Off ertönte am Freitag die Stimme von Sven Puchelt. Er saß am Bug des “Rheingold”-Schiffes und erzählte die Geschichte des Rheins, während die Musiker des Ensembles die Schiffsbühne am Heck eroberten. Unter der Leitung von Rüdiger Oppermann reist das Ensemble am Rhein entlang zu insgesamt 15 verschiedenen Orten von Basel über Worms bis Xanten, um das Publikum an den Ufern der Rheinstädte zu begeistern. (…) Rund 150 Gäste lauschten den musikalischen Geschichten vom Rhein als “Alpenwanderer” über den Goldhut von Schifferstadt bis hin zum Nibelungenlied und der Loreley. Und während hinter der Bühne über dem Rhein langsam die Sonne unterging, begeisterten Oppermans Weltmusiker mit teils mittelalterlich anmutender Musik, asiatischem Lautgesang und afrikanischen Trommelkonzerten bis hin zum Big-Band-Gefühl, wenn die 15 Musiker gemeinsam auf der Bühne standen.” (Kölnische Rundschau)

5
Unter “füdliblutt” versteht der Schweizer “nackt”. So erklären sich Schlagzeile und Artikel der kostenlos verteilten Tageszeitung 20 Minuten, die sich in der Schweiz, anders als in Deutschland, bis auf den heutigen Tag erhalten hat: “Füdliblutt am Rhein – Ein Nackter zog (…) am Kleinbasler Rheinufer die Blicke vieler Passanten auf sich. Verboten ist das in Basel nicht. Er sei dem Wasser entstiegen, wie Gott ihn geschaffen hat, berichtet ein Leser-Reporter. (…) Einen verwirrten Eindruck soll der Langhaarige gemacht haben, als er im Adamskostüm die Promenade rheinabwärts schritt.”

6
“Eine Wette zwischen Schweizern aus Zürich und Elsässern aus Straßburg aus dem Jahr 1456 ist der Hintergrund der Hirsebreifahrt. Zwischen den Städten bestand eine Partnerschaft und die Zürcher Zunftleute wollten mit dieser Fahrt ihren Partnern beweisen, dass sie im Notfall innerhalb eines Tages bei ihnen sein könnten. Als Beweis brachten sie einen Topf Hirsebrei, der bei der Ankunft noch warm war. Seit 1946 findet die Fahrt als Zeichen der Verbundenheit (fast) alle zehn Jahre statt.” (Badische Zeitung)

7
“Der zwischen Hinterrhein und Nufenen neu erbaute Rheinquellweg ist (…) eröffnet worden. Gleichzeitig wurde auch das Projekt «Sprudelnde Geschichten und Dorfbrunnen» feierlich eingeweiht.” (Südostschweiz)

8
“Ein Velofahrer ist (…) in Graubünden über steile Felsplatten hinab in den Rhein gestürzt. Er trieb rund 100 Meter den Fluss hinunter, bis er sich an einem Stein festklammern konnte. (…) Der Unfall hatte sich bei Haldenstein ereignet, als der Velofahrer auf einem schmalen Wanderweg dem Rhein entlang fuhr. Dabei verfing sich laut Polizei seine Lenkstange in einer Stahlkette, die als Haltevorrichtung für Wanderer dient, und er stürzte.” (Basler Zeitung)

9
“Damit der Aal eine Zukunft hat, wurden (…) 40.000 Jungtiere zwischen Lampertheim und Wiesbaden-Biebrich in den Rhein gesetzt. Ehrenamtliche Helfer und örtliche Angelvereine hatten diese Aufgabe unter Regie des Darmstädter Regierungspräsidiums übernommen. Sie erfüllen damit die EU-Aalverordnung. (…) Die ausgesetzten Tiere sind etwa 20 Zentimeter lang und damit für viele Fressfeinde nicht mehr interessant. (…) Damit die meisten der 40.000 Aale eine Überlebenschance haben, wurden sie zunächst an Europas Küsten als Jungtiere gefangen und dann in Aquakulturanlagen bis zu ihrer jetzigen Größe aufgezogen. Die beim Darmstädter Regierungspräsidium angesiedelte Fischereibehörde geht davon aus, dass die Aale in den nächsten fünf bis 20 Jahren im Rhein leben und dann auf Wanderschaft in ihre bis zu 6000 Kilometer entfernten Laichgebiete ziehen. Diese Tour geht quer durch den Atlantik bis zur Sargassosee am Rand der Karibik. In der Regel verliert sich dort die Spur der Tiere. Forschern ist es bisher nicht gelungen, Aale bei der Fortpflanzung zu beobachten.” (Echo)

Presserückschau (Juni 2015)

1
Fischüberwachung: “Viele Jahre gab es im Fluss Rhein gar keine Lachse mehr. Es wurde zu viel gefischt und das Wasser war verschmutzt, deswegen ist der ursprüngliche Rheinlachs sogar ausgestorben. Mittlerweile gibt es aber wieder ein paar Lachse im Rhein. Sie schwimmen aus dem Atlantik den Rhein hoch, um in ruhigeren Nebenflüssen ihre Eier abzulegen. Seit Anfang des Jahres sind 142 Stück gezählt worden, das ist neuer Rekord. Gezählt werden sie an der Fischtreppe bei Iffezheim. Dort wird jeder Fisch von einer Videokamera erfasst und aufgezeichnet. Im vergangenen Jahr sind über 50.000 Fische gezählt worden, von insgesamt 25 Arten.” (Kiraka)

2
Zu schnell um gerettet zu werden: in denunziatorischer Boulevarddiktion berichtet der Express von einem “irren Schwimmer” im Kölner Rhein, der “die Polizei genarrt” habe: “Um 12.34 Uhr ging der erste Notruf einer Frau bei der Feuerwehr ein. Sie meldete einen Schwimmer, der gerade am Niehler Damm ins Wasser steigen und zum rechtsrheinischen Ufer schwimmen würde. Sofort machten sich Polizei und Feuerwehr mit einem Großaufgebot auf den Weg. Zu Wasser, zu Lande und in der Luft suchten sie nach dem Mann – ohne Erfolg. Kurz darauf der nächste Anruf in der Leitstelle. Ein Spaziergänger berichtete, dass ein Mann in Stammheim an Land gegangen und kurz darauf wieder ins Wasser gesprungen sei. Wieder suchten die Retter alles ab. Wieder war der Schwimmer einfach schneller. Zeugen berichteten um 13.25 Uhr den Rettungskräften, dass eine Person am Niehler Damm aus dem Wasser gekommen sei und sich zügig entfernt habe – Einsatzabbruch!”

3
Stadion auf dem Rhein: Die Bild interviewt Fußballtrainer Christoph Daum zur möglichen Fusion der Klubs Bayer 04 Leverkusen und 1. FC Köln im Jahr 2050. Daum erklärt ein solches Kölnkusen für international wettbewerbsfähig: „Die Tradition vom FC in Verbindung mit der Organisations- und Investment-Struktur von Leverkusen würde sich ideal ergänzen. Es wäre schon sehr interessant, was bei diesem Projekt rauskommen würde…“ Auf die Frage, wo das passende Stadion für ein solches Projekt zu stehen hätte, antwortet Daum schmunzelnd: „Auf dem Rhein! Das wäre doch ein Ding, vielleicht ist so eine Konstruktion möglich. Ein Stadion, das beide Städte verbindet – was willst du mehr…?!“

4
Mehr Geld aus Berlin in den Rhein investieren: “Die Verkehrsminister der Rheinanlieger-Länder fordern vom Bund mehr Geld, um den Rhein für den Gütertransport attraktiver zu machen. Straße und Schiene allein könnten die zu erwartenden Zuwächse beim Gütertransport nicht bewältigen, sagte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) am Montag bei einem Treffen in Mannheim. Sein rheinland-pfälzischer Amtskollege Roger Lewentz (SPD) zeigte sich überzeugt, dass eine Verdoppelung des Transportvolumens auf dem Rhein möglich sei. Dafür müssten aber Brücken angehoben, Schleusen erneuert und die Fahrrinne durchgehend auf mindestens 2,10 Meter vertieft werden.” (SWR)

5
Rheingetauft: “Die etwa 180 Gottesdienstbesucher der Freien evangelischen Gemeinde Wiesbaden sitzen auf Bierbänken im Schatten einer Trauerweide. Zwei Kinder sitzen auf einer Picknickdecke und naschen Erdbeeren, andere buddeln im Sand. Der Taufgottesdienst findet an diesem Sonntag an einem ungewöhnlichen Ort statt: unter freiem Himmel auf der Rheininsel Rettbergsaue. Statt ins Taufbecken werden die Täuflinge in den Rhein getaucht.” Anknüpfend an die Flußtaufe Jesu im Jordan seien in Wiesbaden fünf Täuflinge neu in die Christenheit aufgenommen worden, berichtet der Wiesbadener Kurier.

6
Goldrausch: von einem angeblichen gold rush in Disentis am Vorderrhein berichtet das Schweizer Boulevardblatt Blick, gefolgt von weiteren Blättern. Im Zentrum der Artikel steht der lokale Goldgräber August “Gold-Gusti” Brändle, der von erstaunlichen Nuggetfunden, darunter einem knapp 50 Gramm schweren Rekordstück mit Namen “Desertina” berichtet. Der Ansturm der Rheingoldwäscher in Disentis indes scheint einige Zeilen unterhalb der reißerischen Überschrift noch halbwegs übersichtlich: “Der Ort ist bei Goldfreunden beliebt. Schatzsucher aus ganz Europa kommen zur Lukmanierschlucht im Bündner Oberland. Gegen 2000 sind es im Jahr.”

Presserückschau (Oktober 2013)

Ob am Rhein praktisch nichts mehr passiert, ob wir aufgrund andauernder Rheinferne ein wenig den Blick für doch vorhandene Geschehnisse verloren haben, ob die Oktobersonne das Sommerloch erneut aufgerissen hat oder unsere ausgeklügelten Suchalgorithmen sich nur noch auf Irrelevantes stürzen: der Oktober wartet mit gerade einmal vier archivierenswerten Meldungen auf, von denen die erste und die letzte vor allem deswegen aufgenommen wurden, weil sie eine tausendjährige Tradition mit einer weiteren Tausendjahresgarantie verknüpfen. Daß die anderen beiden von wenig mehr handeln, als daß Steine in den Rhein geschüttet werden, veranlaßt uns darüber nachzudenken, ob künftig an dieser Stelle auch – notfalls selbstproduzierte – Meldungen über Uferbesucher plaziert werden sollten, die Steine übers Wasser hüpfen lassen:

1
Aus einer Ankündigung für die Sendung Rhein kulinarisch des SR Fersehens: „Hier “huldigt” man “Weck, Worscht und Woi”, denn kulinarisch lieben es die Mainzer durchaus deftig. Auf dem Wochenmarkt präsentieren die Bauern der Region ihr reichhaltiges Angebot. Und was ein echter “Meenzer” ist, der lässt sich beim Bummel die heiße Fleischwurst nicht entgehen.“

2
Die Axpo schüttet für Millionen Franken Kies in den Hochrhein zwischen Koblenz und Rheinau, meldet der Landbote. Als Besitzerin des Wasserkraftwerks Eglisau-Glattfelden sei sie dazu verpflichtet, um den Geschiebebetrieb des Rheins aufrechtzuerhalten: “Ein solcher Betrieb meint, dass ein Fluss Steine an einem Ort ab- und an einem anderen Ort wieder antransportiert. Da ein Kraftwerk nicht nur Wasser, sondern auch Geschiebe staut, ist der natürliche Geschiebehaushalt gestört.”

3
Auch bei Spijk wurde der Rhein mit rund 425.000 Tonnen Basalt und Kalkstein aus Steinbrüchen in Belgien und Deutschland aufgefüllt. In der Grenzregion hatten sich bis zu fünf Meter tiefe Kolke in der Rheinsohle gebildet. Wo es am Hochrhein um bessere Laichmöglichkeiten, somit um den Erhalt mehr oder minder gefährdeter Fischarten (siehe Meldung 2) geht, geht es am Niederrhein um die Aufrechterhaltung der Schifffahrt: “Ungefähr 200 Schiffsladungen (…) wurden unter Wasser eingebaut. Schiffe mit geteiltem Laderaum und Ortungsgeräten – sogenannte Klappschuten – brachten das Gestein ins Wasser. Mittels Satellitennavigation wurde es exakt und passgenau auf dem Grund des Rheins verteilt. (…) Erstmals kam das Schiff “Catharina 6″ einer niederländischen Firma erfolgreich zum Einsatz. Der rund 20 Meter lange Schlepper mit Heimathafen Rotterdam ist mit einer Art Unterwasser-Egge ausgerüstet”, weiß 02elf.net zu berichten.

4
Und noch eine kulinarische Nachricht aus dem Rheingau: “Wenn die letzten Trauben vom Stock geschnitten sind und es in den Kellern brodelt, dann sind die Rüdesheimer wieder unter sich. „Jetzt wird’s gemütlich“, sagen sie (…). Den Federweißen feiern die Rüdesheimer nun schon seit über 25 Jahren. Mit Budenzauber der Rheingauer Art und vielen (oft ganz spontanen) Darbietungen, mit Zwibbelkuche und Schmalzebrote und mit ganz viel persönlichem Einsatz. Auch die Herbst-Muck ist unterwegs mit Rebenkranz und Tonscherbe. (…)” – so steht es auf rheingau.net zu lesen.

Weil das keineswegs alles gewesen sein kann, holen wir den Läusekamm und suchen die Nachrichten nochmals genaustens ab. Und siehe da, es läßt sich doch noch ein verstecktes Ei hervorzaubern: ”Auf der Rhein-Ministerkonferenz (…) haben sich die Rhein-Anrainerstaaten darauf verständigt, dass der Lachs in Zukunft leichter aus dem Atlantik den Rhein bis nach Basel hochwandern kann. Konkret geht es darum, dass die Stauwehre durch Fischtreppen durchlässiger für den Lachs werden sollen. (…) Die Rhein-Ministerkonferenz mit Deutschland, der Schweiz, Österreich, Liechtenstein, Frankreich und dem belgischen Wallonien hatte zuletzt vor sechs Jahren getagt. Jetzt beschlossen die Umweltminister außerdem, die Wasserqualität des Rheins zu verbessern. Dazu sollen Rückstände von Medikamenten, Insektiziden und Hormonen bekämpft werden.” (SWR, Landesschau aktuell)

Mein Rhein

für Stan Lafleur und Enno Stahl

Das Wort „erschlagen“ machte nie zuvor
mehr Sinn. Schwitzend stand ich schon
fünf Kilometer südwärts der Potemkin-

schen Treppen am Schwarzmeerstrand
fühlte nicht dasselbe, auch nicht als ich
in Lima den gewundenen Pfad nach unten

nahm, die achtzig Meter, der Pazifik
plusterte sich vor mir auf, die Neo-
prensurfer glänzten in der Abend-

dämmerung und selbst am weißen Strand
hinter der Hochhauszeile, Ipanema,
Rio, dieses Stelldichein der Straßenverkäufer,

und Badenixen, vielleicht auch die ein oder
andere weltbekannte Schönheit, die ich nicht
erkannte, auch am Ende Europas

am Cabo de Roca, wo Portugal den Atlantik
küsst, verspürte ich nicht dasselbe, meine
Freunde, wie an diesem verregneten Scheiß-

Tag in Düsseldorf, im verkaterten Nachgang
zu einem runden Geburtstag, an dem ich irrte
wie ein nichtgebriefter Tourist aus Fernost

durch die Gassen der Amüsiermeile. Froh
bin ich, da der Fluss nichts abverlangte und
mich mit einer alleeartigen Promenade

empfing, nass wurde ich trotzdem, doch
glücklich trocknete ich Knochen im grie-
chischen Café jenseits der Kaufmeile

ich dachte an die Glücklichen deren Portemonnaie
locker sitzt und an die Freunde, das Wasser
das ewig und drei Tage, den Fluss hinunter-

fließt, unbeeindruckt, vom Werk der Menschen,
den Knieproblemen, dem Hafenaushub, dem Turm,
dessen Beton erste Risse an den Tag legt

sich über alles andere schwingt oder den Elstern,
die Laute von sich geben, nicht singen, oder
demjenigen, der durchnässt einen Punkt setzt.

(Ein Gastbeitrag von Timo Berger, rheinsein dankt!)

Ein Aal läßt sich nicht aufhalten

Kommissar Hunkeler ist vor allem am Hoch- und Alpenrhein ein Begriff. Die Kriminalromane Hansjörg Schneiders wurden vom Schweizer Fernsehen verfilmt und zur besten Sendezeit ausgestrahlt. In Hunkeler und die Augen des Ödipus geht es um eine kultivierte Rheinleiche, das Verhältnis zwischen dem Basler Großbürgertum und seinem Theater, um das Flair des Basler Hafens, die verzwickten Quickungen bzw verquickten Zwickungen des Dreiecklands und um Aale:

„(…) „Vor knapp dreißig Jahren“, sagte Hunkeler, „floss der Rhein hier rot. Das war nach der Chemiekatastrophe in Schweizerhalle. Damals wollten die Aale an Land kriechen. Es gelang ihnen nicht, wegen der Mauer. Ich habe gesehen, wie sie vorbeitrieben.“
„Sie sind längst zurück. Ein Aal läßt sich nicht aufhalten. Er schwimmt als kleiner Wicht vom Sargasso-Meer im Atlantik mehrere tausend Kilometer zur Rheinmündung und flussaufwärts bis zu uns. Wenn notwendig, kriecht er über Land. Er überwindet sogar den Rheinfall. Er kommt ein Jahr lang ohne zu fressen aus. Er verwandelt sich vom Meerfisch zum Süßwasserfisch. Wenn er nach mehreren Jahren zurückschwimmt ins Sargasso-Meer, um sich zu paaren und anschließend zu sterben, wird er wieder zum Meerfisch.“ (…)“

Die Unterwasserdschungel der Sargassosee, in denen die Aale sich paaren, gelten als der größte zusammenhängende Pflanzenwuchs unseres Planeten. Gilt der Orientierungsssinn des Wanderaals gleichsam als Wunder, so bezogen wir dies Wunder stets eher auf das Zurechtfinden in schier endlosen Algen- und Tangwucherungen, als in den Flußläufen Mitteleuropas. Daß Aale imstande seien, den Rheinfall zu überwinden, widerspricht im Übrigen einer andern, hier zitierten, allerdings etwas älteren Quelle.

Nun wird vor Hunkelers Augen ein Aal aus dem Rhein gezogen. Als Köder diente kein Pferdekopf (wie andernorts), sondern lediglich ein banaler Wurm:

„(…) Er zeigte auf zwei rötliche Flossen.
„Das hier sind die Brustflossen. Bauchflossen hat er keine. Die Schuppen sieht man nicht, die sind von der Haut versteckt. Der Unterkiefer steht vor, wie du siehst. Die Zähne sind feilenartig.“
Das Tier wand sich, ringelte sich. Über seinen Rücken zog sich eine lange Flosse, durch die wellenartig ein Zittern ging. (…)“

„Feilenartige Zähne“, das klingt ganz nach den hübschen lexikalischen Zuschreibungen, mit welchen die Zoologen Tiere näher zu bezeichnen pflegen, um sie zu systematisieren, auseinanderzuhalten und zu verwandtschaftlichen. Im Verlaufe des Romans werden die Aale verdächtigt, dem Mordopfer die Augen ausgefressen zu haben – ganz zu unrecht, wie Kommissar Hunkeler schließlich herausfindet. Unterdessen dienen die Schlangenfische in lakonischen Dialogen als Projektionsfläche für Gedanken über Naturzyklen und die Ferne und finden offenbar auch im Erzählschatz des Schweizer Volksglaubens Erwähnung:

„(…) Früher hat man sich erzählt, dass sie den Bauern nachts in die Ställe kriechen und die schlafenden Kühe melken. Aber das ist wohl ein Märchen.“ (…)“

Zitate aus: Hansjörg Schneider – Hunkeler und die Augen des Ödipus, Zürich 2010

Die Verfilmung von 2012 mit Mathias Gnädinger und Axel Milberg weicht von der Romanvorlage ab, selbst der Täter ist im Film ein anderer.

Flaschenpost (6)

Die Schweizer Medien berichten dieser Tage von einer Flaschenpost, die von Oberriet im St. Galler Rheintal bis nach Südafrika gelangte. Ob sie dafür wirklich “via Bodensee, Rheinfall, Rhein sowie Nord- und Südatlantik nach Kapstadt trieb”, wie die Artikel behaupten, ist zwar gut vorstellbar, aber keinesfalls gesichert. Die Flasche könnte schließlich dem Strom frühzeitig entnommen und auf anderen Wegen weitertransportiert worden sein. Für eine Seereise spricht die Reisedauer. Denn auf den flüssigen Postweg gegeben wurde die Flasche bereits vor  30 Jahren – von Werner Kühnis aus Oberriet. Der hatte seine Wurfsendung von einst längst vergessen, als er nun kurz nach Weihnachten Antwort erhielt: “30 Jahre später wurde die Flaschenpost am Strand von Kapstadt gefunden. Die Frau (gemeint ist die Finderin, Anm.: rheinsein) kann aber kein Deutsch. Sie suchte eine deutschstämmige Kollegin auf, die ihr half. Da Werner Kühnis noch heute in Oberriet wohnt, einen Steinwurf von seinem Elternhaus entfernt, gelang es den Frauen mithilfe des Internets, den Absender der Flaschenpost ausfindig zu machen.”
Von den bekannten (aufgetauchten) rheinischen Flaschenpostbriefen dürfte diese einen gesamtrheinischen Streckenrekord aufgestellt haben. Ob sie auch ordnungsgemäß im Mainzer Flaschenpostamt registriert wurde, gaben die Artikel nicht preis.