Doppelvers

arnhem_mohrmanIn Arnhem auf der Rijnkade steht das H. Mohrman en T. Luijten Fonteintje, ein mit Versen doppelseitig beschriftetes Brunnenwerk. Während die rheinzugewandte Seite den Fluß als inthronisierte Jungfrau feiert und dem Schiffsverkehr huldigt, widmet sich die stadtzugewandte Seite dem Risiko, in derartigen Erinnerungen verloren zu gehen.
arnhem_ton luijten_met het risico

sic vaporant littora rheni

arnhem
Der Nederrijn in Arnhem, abgelichtet von unserem Korrespondenten Roland Bergère.

Arnhem (3)

arnhem_stadtplanKunst im öffentlichen Raum: auf einem Haustor fanden wir diesen Werkstattplan zur Umverteilung der Kontinentalmassen ausgestellt

arnhem_jamaicaDie sogenannte “Jamaikanische Mauer” am Nordufer des Nederrijn

arnhem_mosaikReferenz an die Prilblume? (Mosaik an einem Hauseingang der Innenstadt)

Arnhem (2)

arnhem_johnnie walkerSelbstvergessener Spaziergänger mit Johnnie Walker-Anmutung beim Wandeln an der Rijnkade

arnhem_eroticDurch die Fußgängerzone schweben Satzschwärme erotischen Inhalts

arnhem_reiherBraun gefiederter Reiher: spinkst nach dem Geschehen, tut dabei so, als sei er Bestandteil eines Blumenarrangements

arnhem_pinkefietsenEines der zahlreich in der Innenstadt verteilten pinkfarbenen Fahrräder lehnt fotogen an einer Mauer, dieweil sein Spiegelbild sich über eine Rampe davonmacht

arnhem_woranWoran denken wir eigentlich die ganze Zeit?

Arnhem

arnhem_silhouetteStadtsilhouette mit dem verkleideten Turm der Grote Kerk in der Bildmitte

Von der Autobahn betrachtet, wir überqueren bei der Anfahrt mehrere Wasserläufe, neben dem Nederrijn wohl auch die Ijssel, eine leicht verwirrende Passage, scheint Arnhem zugleich vor und hinter uns zu liegen, als uns die Stimme des Navigationsgeräts penetrant ins Park and Ride-System am GelreDome, dem örtlichen Fußballstadion, komplimentiert. Den Transfer-Busfahrer sprechen wir versehentlich auf Deutsch an: umstandslos kommen die Antworten in hervorragendem Deutsch zurück. Nach wenigen Fahrtminuten ist die Innenstadt erreicht. Am futuristischen Hauptbahnhof steigen wir aus dem Bus und begeben uns ins Zentrum, eine weitläufige Fußgängerzone, die unsere Begleitung an die Freiburger Altstadt, uns selber an die Düsseldorfer Altstadt erinnert, und die tatsächlich als Mischung aus den genannten Altstädten beschrieben werden könnte, in der am Pfingstmontag viele Geschäfte geöffnet haben.

arnhem_altstadtAltstadtstraße mit Fahrrädern und ausgekipptem Müll zu Beginn der Stadtwanderung

arnhem_grote kerk_2Eusebiuskerk oder Grote Kerk

Mittelpunkt Arnhems ist die Grote Kerk, die wir mehrfach in Raubkatzenmanier umrunden. Ein Aufzug im Turminneren führt auf 70 Meter Höhe und bietet den bekanntesten Panoramablick über die Stadt. Im Laufe der Operation Market Garden im September 1944 wurde Arnhem großteils zerstört, die Einwohnerschaft evakuiert. Erinnerungen an die mit mäßigem bis umstrittenen Erfolg verlaufene Militäroperation der Alliierten sind im Stadtbild allgegenwärtig, Darstellungen des Fallschirmspringers häufig anzutreffen, Verfremdungen (“der fliegende Biertrinker”) des Themas ebenfalls. Stärker noch als der Luftmensch ist nur der Radfahrer im Stadtbild vertreten.

arnhem_fallschirmspringerFallschirmspringer in der Grote Kerk

arnhem_fallschirmspringer_2Fallschirmspringer auf einer Schautafel an der Rijnkade

Die Brücke von Arnheim (2)

arnhem_die brücke von arnheim_2Die John Frostbrug über den Nederrijn ist in Deutschland über den Umweg Hollywood bekannt als “Die Brücke von Arnheim”. Benannt wurde die Brücke nach dem britischen Generalmajor John Frost (im Film dargestellt von Anthony Hopkins), der ihr Nordende mit seinen Fallschirmjägern im Rahmen der Operation Market Garden gegen eine deutsche Übermacht einnahm und zeitweise verteidigte. Heute überqueren in Arnhem vier Brücken den Nederrijn, der touristische Fokus liegt deutlich auf der John Frostbrug, die das Zentrum mit den südlich gelegenen Stadtteilen verbindet. Die pinkfarbenen Radler weisen auf den Giro d’Italia, dessen zweite und dritte Etappe dieses Jahr abwechselnd Start und Ziel in Arnhem und der am südlichen Rheinarm Waal gelegenen Nachbarstadt Nijmegen nahmen.

arnhem_die brücke von arnheimAm nördlichen Brückenende sind Schautafeln und ein Weltkriegsgeschütz aufgestellt, die über die Wendungen und Zerstörungen der Schlacht um Arnhem informieren.

arnhem_die brücke von arnheim_3Spiegelfragiler Brückenaufbau in den Scheiben eines Gebäudes an der Rijnkade, der Arnheimer Uferpromenade.

arnhem_die brücke_strichcodeAuf rätselhafte Weise applizierter Strichcode am nördlichen, im Wasser stehenden Stützpfeiler. Den Pfeiler zu sprengen war im Krieg ein Job, von dem keine Rückkehr eingeplant war.

Presserückschau (April 2016)

1
“Kaum irgendwo sonst in Deutschland fahren so viele Menschen mit dem Fahrrad wie am Niederrhein. (…) Kein Wunder also, dass sich am Niederrhein sogar ein eigenes Verleihsystem für Fahrräder etabliert hat. (…) Diese befinden sich vor allem in Hotels, an Bahnhöfen und Radstationen. Auch im Infocenter an der Rheinpromenade Emmerich stehen zehn der insgesamt 1000 in der Fahrradflotte vorhandenen Räder zur Verfügung. Es handelt sich dabei um “apfelgrüne Gazellen”, hochwertige Unisex-Räder, die bei der niederländischen Firma “Koninklijke Gazelle” von Hand gefertigt werden. Da die Sattelhöhe per Schnellspanner ohne Werkzeug einstellbar ist, ist das Rad für alle Größen geeignet. Gel-Sattel, bedienungsfreundliche Sieben-Gang-Schaltung, eine sichere Rücktrittbremse, ein leichtläufiger Nabendynamo für Licht und eine Spezialbereifung gegen Plattfüße bieten einen großen Fahrkomfort.” (Rheinische Post)

2
In Mainz sahen Passanten in Höhe des Kaisertors eine Person “im Rhein schwimmen und untergehen”. Die Person sei “mehrfach wenige Meter in Richtung Flussmitte geschwommen und wieder zum Ufer zurückgekehrt (…). Beim letzten Versuch, das Ufer zu erreichen, sei die Person untergegangen. (…) Nach den ersten Ermittlungen der Polizei handelt es sich bei dem Vermissten um einen 23 Jahre alten Zuwanderer aus Eritrea.” (Rüsselsheimer Echo)

3
§Seit mehreren hundert Jahren ist zum ersten Mal wieder ein Biber im Rheingau gesichtet worden. Davon ist jedenfalls der Naturschutzbund Hessen überzeugt (…). Es sei aber noch rätselhaft, woher das Tier komme. Es könne vom Oberrhein hergeschwommen sein, zum Beispiel aus dem Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue vorbei an Mainz und Wiesbaden. Möglich sei aber auch, dass er aus der Nahe gekommen sei, bei Bad Kreuznach gebe es ein Bibervorkommen. Die Tiere nutzen große Ströme wie Rhein, Rhône und Elbe zur Ausbreitung.” (Wiesbadener Kurier)

4
“Zwischen Volta-Platz und Rheinufer wird (…) nicht nur die modern gestaltete Rheinufer-Promenade mit dem Namen „Elsässerrheinweg“ eingeweiht, sondern auch ein grenzüberschreitender „Dreyland-Dichterweg“, den neben dem Kanton Basel-Stadt auch die Städte Huningue und Weil am Rhein realisiert haben. (…) Das Gedicht auf einer Tafel im Weiler Rheinpark, verfasst von Werner Richer, lautet:

Wiil am Rhii

E Fluss, wo trennt,
e Bruck, wo bindet,
kei Hass, wo brennt,
e Bruck, wo findet
e Fremde heim,
e Bruck zue eim.

Es wurden 24 Tafeln realisiert, davon werden sieben auf der französischen Seite, acht auf deutscher und neun auf Schweizer Seite installiert. Die Autoren wurden so angeordnet, dass pro Land je vier Gedichte aus den Nachbarländern zu lesen sind.” (Weiler Zeitung)

5
Die Häfen Basel-Nord und Basel-Süd sollen ausgebaut werden, der Weiler Hafen ein neues Terminal erhalten: “Das Güterverkehrsaufkommen wächst laut aller Prognosen weiter. Während die Kapazität auf der Straße ausgereizt scheint, bieten Schiene und Schifffahrt noch Reserven. Vor dem Hintergrund sind die Aus-, Umbau und Modernisierungsprojekte der Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) in Basel zu sehen, aber auch das Containerterminal, das im nördlichen Teil des Weiler Hafens angedacht ist – zumal Container als Transportgefäß der Zukunft gelten. Unter dem Strich summieren sich die Vorhaben auf Investitionen von bis zu 250 Millionen Euro.” (Badische Zeitung)

6
“Polizisten haben in Düsseldorf einen Einbrecher aus einem Wasserloch an einem alten Flussbett des Rheins gezogen. Der 25-Jährige war (…) zusammen mit einem 23 Jahre alten Komplizen in ein Wohnhaus eingestiegen und hatte Schmuck gestohlen. Dabei waren die beiden aber so laut, dass Nachbarn verdächtige Geräusche hörten und die Polizei alarmierten. Mit Hilfe eines Hubschraubers konnte die Polizei die beiden Männer schnell aufspüren. Den 23-Jährigen erwischten sie unter einem Carport. Der andere Einbrecher hatte sich in ein Sumpfgebiet geflüchtet und war in das Wasserloch gestiegen. Er ließ sich von den Beamten widerstandlos aus dem Morast ziehen (…)” (Berliner Zeitung)

7
“Seit Langem versuchen Naturschützer und Fischer am Rhein heimischen Jungfischen Lebensräume zu geben. Ob sie damit Erfolg haben, ist jedoch zweifelhaft. Denn statt der erhofften Barben oder Maifische ziehen sie Grundeln aus dem Strom. (…) Die Süßwasserfische schnappen schneller zu als andere. Sie gelten als aggressiv und robust. Experten warnen, dass sie heimische Rheinfische wie den Gründling verdrängten. (…) Tatsächlich machen Grundeln bis zu 60 Prozent des Fangs von Rheinanglern aus, heißt es bei der Oberen Fischereibehörde in Düsseldorf. Die Schwarzmundgrundel dominiert dabei. Im Gewichtsvergleich sind es aber kleine Fische: Nur vier Prozent der gesamten Fischbiomasse im Rhein sind Grundeln.” (WAZ)

8
“Wer zurzeit am Bad Godesberger Rheinufer unterwegs ist, kann ihn nicht übersehen: den sogenannten Nassbagger, mit dem das Wasser- und Schifffahrtsamt Köln (…) rund 3500 Kubikmeter Sand und Kies aus dem Rhein schaufelt. (…) Durch die hohen Wasserstände in den vergangenen Monaten haben Kiesablagerungen dafür gesorgt, dass die Fahrrinne des Flusses schmaler und flacher geworden ist (…). Das soll sich nun ändern. Rückt der Bagger wieder ab, wird die Fahrrinne wieder 2,50 Meter tief und 150 Meter breit sein. Doch das dauert seine Zeit. Gut zwei Wochen lang wird in der Nähe des Rüngsdorfer Schwimmbades, zwischen Rheinkilometer 645,9 und 646,6, gearbeitet.” (General-Anzeiger)

9
“Le canal des Français” heißt das Grabensystem, das einst im 17. Jahrhundert angelegt wurde, um das Grundwasserniveau im Burggraben um die Festung La Citadelle zu regulieren. 6000 Soldaten lebten in der von Vauban geplanten Festung einst zwischen dem Rhein und der Stadt Straßburg. Der “Canal des Français” bildete eine Grenze und leitete das Wasser in Richtung Norden ab, bis es hinter dem heutigen Stadtviertel Robertsau durch die Felder in die Ill fließen konnte. Die heute bestehenden Hafenbecken existierten damals ebenso wenig wie der Rhein-Marne-Kanal. Gut 50 Jahre ist her, dass der “Canal des Français” aufgegeben, teilweise zugeschüttet und überbaut wurde. Für rund eine Million Euro hat die Stadt Straßburg Teile des einstigen Kanals wieder ausgegraben, so dass sie sich mit Grundwasser füllen konnten.” (Badische Zeitung)

10
“Bei dem in der Nähe von Düsseldorf im Rhein entdeckten Leiche handelt es sich um den 20-jährigen Marius B. aus Bonn.
Die rechtsmedizinische Untersuchung des Verstorbenen hat ergeben, dass es sich zweifelsfrei um den (…) vermissten 20-Jährigen aus Bonn handelt. Er war nach einer Feier in Niederkassel nicht nach Hause zurückgekehrt und spurlos verschwunden. Nach Angaben der Rechtsmediziner und dem derzeitigen Ermittlungsstand ergeben sich keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen. (…) Die Kripo geht inzwischen davon aus, dass Marius B. (…) nach dem Besuch des Junggesellenfestes in Niederkassel in den Rhein gefallen und dann ertrunken ist. Er muss allerdings noch einige Zeit zu Fuß unterwegs gewesen sein, da das Gebäude, in der die Jungesellenfeier stattgefunden hat, nicht unmittelbar am Rhein liegt. Die Strömung muss den Leichnam dann bis Düsseldorf getragen haben.” (WDR)

11
“Anlässlich des 30. Jahrestags der Atomkatastrophe von Tschernobyl haben tausende deutsche, französische und schweizerische Atomkraftgegner auf mehreren Brücken über den Rhein an die Opfer des Unglücks erinnert und gegen Atomenergie demonstriert. Bei den Protesten zwischen dem schweizerischen Basel und dem französischen Straßburg forderten die Demonstranten (…) insbesondere die Schließung des umstrittenen französischen Atomkraftwerks Fessenheim. Laut (…) der Initiative Stopp Fessenheim demonstrierten auf den beiden Rhein-Brücken zwischen Marckolsheim und Sasbach sowie in Chalampé jeweils 1200 Menschen. Auf der Europabrücke zwischen Kehl und Straßburg nahmen laut einem AFP-Reporter 300 Demonstranten an einer Kundgebung teil. Das an der deutschen Grenze am Rhein gelegene Fessenheim ist das älteste Atomkraftwerk Frankreichs und steht wegen zahlreicher Pannen in der Kritik.” (Donaukurier)

12
Nicht unüblich sei es, daß Rehe versuchten den Rhein zu durchschwimmen um ans andere Ufer zu gelangen und dabei verendeten, berichtet der WDR. In Duisburg haben Hafenarbeiter an zwei Tagen im April insgesamt drei Rehe aus einem Hafenbecken gerettet: “Die Tiere zittern förmlich und sind völlig erschöpft. Die Männer bringen die Rehe jedes Mal auf’s Land und wärmen sie dort mit Decken auf. Und die sind so geschwächt, dass sie nicht ein mal fliehen wollen. Innerhalb weniger Minuten sind die Tiere aber wieder fit und werden in die Freiheit entlassen. Wie die Tiere ins Wasser gekommen sind, wissen die Tierretter nicht.”

13
“„Go bananas“ heißt im Englischen: ausflippen. Das passt. Denn ein bisschen verrückt ist Les Donohue-Bromley auch, der auf seiner „Go Banana“-Tour auf einem aufblasbaren Bananen-Boot 4000 Kilometer über diverse Flüsse von Rotterdam bis ans Schwarze Meer in Bulgarien gelangen will. Per Anhalter über den Rhein kam er (…) in Emmerich an. (…) Start der Reise war ausgerechnet am 1. April, weshalb viele seine Tour schon als Aprilscherz abtaten. Bisher hat er schon allerhand erlebt: Er wurde schon zweimal von Hochschulen eingeladen (Rotterdam und Wageningen), hat eine Terror-Übung der Feuerwehr in Arnheim miterlebt, ist singend auf einer Bühne in einer Bar geendet, hat sich mit einem niederländischen Schwertkampfmeister in Ritterausrüstung duelliert (und verloren), wurde ins Kriegsmuseum eingeladen, hat als erster Gast auf einem eine Stunde jungen Schiff in Arnheim ein Fünf-Gang-Menü verspeisen dürfen, bevor dieses auf seine Jungfernfahrt nach Amsterdam startete.” (WAZ)