Rheinlänge

Ein Artikel in der Onlineausgabe der Süddeutschen Zeitung bestätigt heute eine Vermutung, die bereits im Januar diesen Jahres auf Rheinsein vermeldet wurde: die „offizielle“ Rheinlänge von 1320 Kilometern (wie in gängigen Lexika und Schulbüchern zu finden und von staatlichen und wissenschaftlichen Institutionen zugrunde gelegt und verbreitet) fußt auf einem Irrtum, der sich vor ca. 80 Jahren mittels unkonventioneller Übernahmen (vermutlich eines Zahlendrehers) berufskritischer Fachleute ins allgemeine Bewußtsein geschlichen und dort mit mitöser Rasanz zu Normalität multipliziert haben soll. Wozu ein solches führt? Natürlich zu Konferenzen. Es sind ja Legionen Beamte, Wissenschaftler, Politiker (bis in die höheren Kreise), wenn nicht gar Militärs mit dem Thema befaßt. Da gibt es z.B.: das Umweltbundesamt, die aus Vertretern mehrerer Staaten bestehende Kommission für die Hydrologie des Rheingebiets, die Bundesanstalt für Gewässerkunde oder de Rijkswaterstaat (mit Sprecherin Ankie Pannekoek) usw. usw., sowie einen ganzen Rattenschwanz von Museen, Schulbuchverlagen und Kilometersteinherstellern usw. usf. Und was wird auf solch kommenden Konferenzen betrieben werden? Die fortgesetzte Unmöglichkeit, wenn nicht Engstirnigkeit, eine exakte Rheinlänge feststellen zu wollen – in tiefstem Grunde/richtig verstanden ein hochpoetisches Verfahren, das jedoch weiterhin ohne Poetenzutun und daher streng beamtenprosaisch verlaufen wird: profezeiht zumindest Rheinsein, das seine poetischen RheinexpertInnen ansonsten sorglos/bis auf weiteres in der Hinterhand behält.