A. W. at the Rhine Falls x 50

warholc

Aus New York City erreichte uns diese künstlerische Beschäftigung mit dem Rheinfallthema von Tom Hipe. Im Original handelt es sich um einen Siebdruck auf Leinwand. Tom erweist mit seiner campbell`sschen Feuertopf-Arbeit natürlich niemand anderem als Andy Warhol posthum Referenz, indem er ihn, ebenfalls posthum, denn von einem tatsächlichen Schaffhausen-Besuch Warhols existieren keine Zeugnisse, an den unvergleichlichen Rheinfall schickt. Die weithin bekannte, unike Technik und Haltung Warhols erscheinen in dieser Arbeit wohlwollend-ironisch gebrochen, Toms (was uns stolz macht:) Arbeit ist vorderhand für rheinsein inszeniert, Toms eigens für diese Arbeit gewähltes Pseudonym tut sein Übriges, das Werk abzurunden. rheinsein dankt ganz herzlich und sendet beste Grüße an den Hudson nach New York!

Rheinsein als Kartonbuch (7)

rheinsein_5_kleinVierlinge aus den Schablonen Thomas Baumgärtels? Oder ein versehentlicher Warhol? Rheinsein zweifelt noch – und zwar kräftig. (Alle Fotos: Timo Berger)

Aufm Drachenfels

Im Tal aufgewachsene Menschen (wie ich) hegen eine gewisse Skepsis gegenüber den Bergen, es ist uns nicht ganz geheuer dort oben, ungekannte Wesen und Gefahren lauern dort sowie eigentümliche Menschen, die weniger lauern, vielleicht, als daß sie wild und unberechenbar wirken oder überhöhte Preise für ihre Dienstleistungen verlangen und häufig ein recht fundamentales Christentum pflegen. Und so bekreuzigen wir uns mehrfach, bevor wir in die Felsen aufsteigen. Mein Bekreuzigungsakt am Drachenfels, einem nicht gar so gewaltigen, immerhin mit mythischem Namen und dreierlei Drachenlegenden versehenen Hügel, bestand diesmal im Deklamieren einiger Byronscher Canti aus Childe Harold`s Pilgrimage, wie etwa diesem:

„The castled Crag of Drachenfels
Frowns o’er the wide and winding Rhine,
Whose breast of waters broadly swells
Between the banks which bear the vine,
And hills all rich with blossomed trees,
And fields which promise corn and wine,
And scattered cities crowning these,
Whose far white walls along them shine,
Have strewed a scene, which I should see
With double joy wert thou with me.“

Viele dieser lyrischen Beobachtungen treffen auch heute noch, als ein Bruchteil des Gesamtbilds, vor allem natürlich die letzte Zeile. Beim Aufstieg wie stets die Suche nach möglichen Stellen der Siegfriedschen Drachenhatz. Auf halber Höhe ein Cappuccino mit Rheinblick in den ersten Frühjahrssonnenstrahlen. Das dauerdröhnende Tal, moderne Landschaft mit Silberschleifchen, ein Probealarm, die unsichtbaren Schwingungen der Sirenen: wilde Bewegungen in der Luft. Kommen Tiefflieger über die Eifel? Die Sirenen verklingen, zurück bleibt das unregelmäßige Rauschen der Verkehrstrassen. Weiter, vorbei an Schloß Drachenburg, das einst einem etwas exzentrischen Mann namens Paul Spinat gehört haben soll, mit Vorliebe für Uniformen und rosafarbene Rolls Royce, und solchen Ideen wie Leute aus Warhols Factory einzuladen, um die Innengestaltung seiner gediegenen Wohnstatt vorzunehmen (unbestätigte Quelle). Außen verkünden Banner die Möglichkeit zur Besichtigung: „Wegen Renovierung geöffnet“. Doch: Schloß geschlossen. Vorbei an einer Gruppe dumm in die Gegend linsender Esel, die Zahnradbahn fährt vorbei, mal bergauf, mal bergab. Gegen Mittag mehrt sich das Menschenaufkommen. Der Drachenfels hat einen Ruf zu verteidigen, als Deutschlands meist bestiegener Berg. Aufwärts, aufwärts, sind eh nur ein paar Meter. Der folienverpackte Bergfried überm Gipfel ist von Baugerüsten umgeben. Steht da wie eine unmotivierte Rakete (oder ein vergessenes Geschenk). Zu seinen Füßen nach wie vor die drachenfelsische Betongastronomie, dem äußeren Anschein nach eine Mischung aus 70er-Jahre-Gefängnisarchitektur und DDR-Kantine. Soll angeblich bald weggesprengt werden. Der Postkartenblick auf die Rheininseln Grafenwerth und Nonnenwerth. Plötzlich lärmend durchkreuzt von einem offenen Leichthubschrauber. Von unten dröhnt weiter das Tal. Japanische Touristen scherzen. Ich murmle fleißig Byron-Verse. Es bräuchte einen Kescher für Geräusche. Sie auch noch nach Tagen, Wochen und Jahren aus der Luft zu fischen. Dann wär das hier eine reiche Jagd.