Rheinromantik

Kähne in steter Fahrt
Und Ausflugsboote
Beladen mit allem was
Die Wirtschaft in Schwung hält
Und das Gemüt

Die bunten Wimpel
Von launigen Winden zerfressen
Verbleichende Namen
Wie die von ersoffenen Lieben
An Schleusenwänden abgescheuert

Die Kiesel am Ufer schmerzhaft
In der leeren Hand
Irrlichternd detoniert der Himmel
Einmal im Jahr
Immer nie wieder

(Ein Gastbeitrag von Amir Shaheen. rheinsein dankt!)

Köln

Mit der 16 raus bis Sürth
Am Rhein entlang stadteinwärts
Umarmt mich diese Stadt
Und bietet mir flüsternd das Du
Hier geh ich wie verliebt
Aber an den KD-Anlegern
Siezen wir uns immer noch

In der Altstadt haben wir uns nichts zu sagen
Und am Ring mit seinen Leuchtreklamen
Und den umgebauten Kinos ist sie oft zu laut
Trägt sie diesen grellen Modeschmuck
Der Marken Mediapark Arena
Ein überkandideltes Makeup
Unter dem eine gewöhnliche Frau
Ihr großes Herz verbirgt

Im Vringsveedel hat sie mich
An die Hand genommen
Und eines Nachts geküßt
Das schmeckte nach Kölsch und Karneval
Nach BAP und Wirtz
Nach türkischen Gemüsehändlern
Und vertrauten Freunden
Und nach dem Versprechen
Mir Unterschlupf zu geben
Solange wie ich will
Ich glaube auch der Dom
Hat leicht genickt
Ich gebe nichts auf seine Zustimmung
Aber wenn er mir unterwegs
Von weitem seine Spitzen zeigt
Weiß ich ich bin bald
Zu Hause

(Ein Gastbeitrag von Amir Shaheen. Zuerst erschienen in seinem Gedichtband Das andere Ende der Schlaflosigkeit (Weilerswist 2000). Mit freundlicher Genehmigung des Autors. rheinsein dankt!)