Presserückschau (November 2016)

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30 Jahre Sandoz-Katastrofe
“In der Nacht auf den 1. November 1986, kurz nach Mitternacht, ereignete sich die schlimmste Katastrophe in der Geschichte der Basler Pharmaindustrie: In der Lagerhalle 956 des Chemiekonzerns Sandoz (heute Novartis) brach ein riesiges Feuer aus.
Am Morgen heulten die Katastrophensirenen in Basel zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Menschen durften ihre Häuser nicht verlassen und wurden mit Polizeidurchsagen aufgefordert, ihre Fenster zu schliessen und Radio zu hören. Über 1300 Tonnen hochgiftige Chemikalien verbrannten in jener Nacht. Die Flammen und der orangegefärbte Himmel waren in der ganzen Region sichtbar. (…) Um 5 Uhr am Morgen hatten die Feuerwehrleute den Brand im Griff. (…) Das Löschwasser wurde vom Brandort mitsamt 20 Tonnen Chemikalien direkt in den Rhein geschwemmt. Der Fluss verfärbte sich rot, es kam zum grossen Fischsterben. Bis zur Nordsee war das Wasser vergiftet. Die gesamte Aalpopulation auf einer Länge von 400 Kilometern wurde ausgelöscht. (…) Das frische Wasser aus den Alpen spülte den Strom durch und die meisten Organismen konnten sich innerhalb einiger Monate erholen. (…) Doch der Dreck ist immer noch da. Nach 30 Jahren sind immer noch Spuren des Pestizides Oxadixyl im Boden messbar. (…) 2017 soll entschieden werden, ob die Messungen weitergeführt oder abgeschlossen werden, oder ob zusätzliche Massnahmen zur Bodensanierung vorgenommen werden müssen.” (Blick)

“Sandoz war ein Unglück, in gewisser Hinsicht aber auch ein Glücksfall. Das Bewusstsein für Umweltschutz stieg, Industrie und Politik wurden wachgerüttelt. Ich habe 1971 angefangen zu fischen. Damals roch man den Rhein, bevor man ihn sah. Als ich meinen ersten Fisch nach Hause brachte, sagte meine Mutter: Den essen wir nicht. Die Situation hat sich gebessert. Sandoz war aber ein gewaltiger Einschnitt. Die Äsche, die ganz empfindlich ist, war zum Beispiel schlagartig weg – der Bestand hat sich nie erholt. (…) Sandoz hat die Fischer hart getroffen. Es ging zwei Jahre, bis man wieder fischen konnte.” (Hans-Dieter Geugelin im Interview mit der Badischen Zeitung)

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Eierstöcke
“Das größte Problem des Rheins sind mittlerweile die diffusen Schadstoffeinträge. Fast alle Pflanzenschutzmittel und gut die Hälfte der Schwermetalle, die im Fluss nachgewiesen werden können stammen aus diffuse Quellen. (…) Es machen sich mehr und mehr Hormone, Antibiotika, Schmerzmittel oder übermäßiges Blutfett, im Oberflächenwasser breit. Ein Teil dieser Wirkstoffe scheidet der Körper unverändert aus und es gelangt so ins Abwasser und in die Flüsse. Obendrein werfen viele Menschen überzählige Pillen in das Abwasser. Prof. Dr. Frank Sirocko vom Institut für Geowissenschaften der Universität Mainz verweißt auf männliche Fische in Flüsse, denen Eierstöcke wachsen. Menschen scheinen noch nicht darunter zu leiden, denn im Trinkwasser sind die Dosierungen bislang zu gering für einen nachweisbaren Effekt.” (report-K)

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Berliner Mauer
“Wegen des Hochwasserrückhalteraum Bellenkopf/Rappenwört, das voraussichtlich 186 Millionen Euro kosten wird, streitet man derweil schon seit Monaten teilweise leidenschaftlich über die Knackpunkte: In Karlsruhe treibt Bürger vor allem das Vorhaben um, das an den Rhein grenzende Rheinstrandbad bei Daxlanden – ein beliebtes Erlebnisbad mit Rutsche – mit einer vier Meter hohen stählernen Spundwand zu „ummanteln“. Eine solche Wand ist auch für das angrenzende, in den 1930-er Jahren im Bauhausstil gebaute Naturschutzzentrum Rappenwört geplant. Erst im Sommer nannte Robert Mürb, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Oberrheinischer Waldfreunde, das Vorhaben eine neue Berliner Mauer.” (Stuttgarter Nachrichten)

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Frankfurt am Rhein
“Kalkutta liegt am Ganges, Paris liegt an der Seine, und irgendwo am Vater Rhein liegt plötzlich Frankfurt/Main.“ So muss man den ollen Schlager von Vico Torriani selig wohl künftig singen. Und in der Commerzbank-Arena, pardon: Natürlich im Waldstadion schallt es künftig von den Rängen: „Eintracht vom Rhein, nur du sollst heute siegen…“ (…) Heutzutage befragt doch jedes Kind und jeder Weltreisende Google zum Beispiel danach, welcher Fluss da gerade an einem vorbeimäandert, während man am Ufer die Seele baumeln lässt, den Kölner Dom im Rücken. Wie also kommt der Rhein hier in den Main? Ganz einfach: Weil ein Online-Reisevermittler offensichtlich einen kleinen Vogel hat. „TravelBird“ heißt das niederländische Unternehmen. Und weil das Internet nun mal ein Dorf ist und Sydney von Santiago de Chile nur ein Klick entfernt, haben sich die Reisevögel aus Amsterdam halt mal im Fluss vertan. Ist nicht so schlimm.” (Frankfurter Neue Presse)

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Nippeser Volksgarten
“Dass zwischen Nippeser Tälchen und Schillstraße einst ein Weiher lag, ist heute fast in Vergessenheit geraten. Dieser war aus einer ehemaligen Rheinrinne entstanden, maß etwa 300 Meter in der Länge und 20 Meter in der Breite und wurde vom Grundwasser gespeist. Belegt ist der Teich, der mal größer, mal kleiner war, seit dem 13. Jahrhundert, vermutlich gab es ihn aber schon zur Römerzeit. Lange wurde der Weiher nur als Fischteich genutzt, mitunter brachen im Winter Brauereien Eis aus dem vereisten Gewässer heraus, um ihr Bier zu kühlen.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

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Bürgerliche Kampfschrift
“Die Deichwächter haben ein Buch zur Düsseldorfer Rheinlandschaft herausgebracht. Es dokumentiert deren Schönheit, widmet sich aber vor allem ihrer ständigen Bedrohung – durch ehrgeizige Planer und die Politik. (…) Und so führt das Buch auch durch eine selbst den meisten Düsseldorfern unbekannte Landschaft, die aus Löwenzahn, Storchenschnabel, aus dem Frühlingshungerblümchen dem Wiesenfuchsschwanz und dem Knaulgras besteht. Eine Miniatur-Welt, die das Biotop Rheinwiese bildet, die Grüne Lunge der Stadt Düsseldorf. Der Leser erfährt aber auch, wie die Menschen sich dem Fluss genähert haben und weiter nähern. Die Autoren beschreiben lohnende Ausflugsziele, architektonische Höhepunkte und widmen den Düsseldorfer Brücken ein Kapitel. Sie dokumentieren den Bau der Rheinuferpromenade und des Medienhafens und würdigen noch einmal den Schäfer Gerhard Siegfried, der jahrelang mit seiner Herde von Heerdt nach Lörick zog und 2015 verstarb.” (Rheinische Post)

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Leistungsfähigerer Rheinkorridor
“„Der Rhein – die europäische Wasserstraße“ war das Leitmotiv der dritten Rheinanliegerkonferenz, auf der Politiker und Experten aus der Hafen- und Logistikbranche in den Düsseldorfer Rheinterrassen über Zukunft des Rheinkorridors für die Transport- und Logistikketten diskutierten. (…) Die Verkehrsminister der Rheinanliegerländer forderten zum verstärkten Ausbau des Rheins als Europas bedeutendste Verkehrs- und Wirtschaftsachse, dass die Infrastrukturprojekte des aktuellen Bundesverkehrswegeplans zügig umgesetzt werden müssten. So seien zur Steigerung der Transportkapazitäten auf dem Rhein vor allem bei Niedrigwasser die Beseitigung von Hindernissen und Untiefen in der Fahrrinne schnellstmöglich anzugehen. Dazu müsse das Planungspersonal der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) projektorientiert, das heißt räumlich und zeitlich konzentriert, eingesetzt werden.” (Bundesverkehrsportal)

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Nilgans
“Die Nilgans, deren ursprüngliche Heimat die afrikanische Fluss- und Binnenseenlandschaft ist, breitet sich in den letzten Jahren immer stärker in Europa aus. Sie gilt als sehr erfolgreiches Neozoen, welches zunehmend heimische Arten aus deren Lebensraum verdrängt. Über die Niederlande und Belgien, wo die Nilgans in Parks und Vogelgehegen gehalten wird, hat sich die Nilgans ausgewildert und verbreitet sich nun sprunghaft, vor allem entlang der Flusslandschaft des Rheins (Südkurier)

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Seidenstraße
“Die Neue Seidenstraße endet in Duisburg – und somit in unmittelbarer Nachbarschaft des Rhein-Kreises. Gemeint ist die Schienenverbindung, auf denen Güterzüge mehrmals pro Woche Waren von China nach Europa bringen – und umgekehrt. Die Transportzeit gegenüber dem Schiff wird halbiert, die Preise für Luftfracht deutlich unterboten. Die Neue Seidenstraße ist ein Lieblingsprojekt der chinesischen Regierung, insbesondere von Staatspräsident Xi Jinping, der 2014 eigens nach Duisburg reiste, um den ersten chinesischen Handelszug am Rhein zu begrüßen.” (Rheinische Post)

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Wilde Schafsjagd
“Eine Herde von 30 Schafen hat (…) von der französischen Seite aus den Rhein in der Nähe des Altenheimer Hafens schwimmend überquert und damit einen Feuerwehreinsatz ausgelöst. Vier der Tiere habe die freiwillige Feuerwehr Neuried mit ihrem Mehrzweckboot retten müssen, berichtete (…) der Pressesprecher der freiwilligen Feuerwehr Neuried. Zwei Schafe konnten die 15 Feuerwehrleute am Wehr in Richtung Kehl nur noch tot bergen. Wieso die Tiere den Rhein überquert haben sei noch nicht bekannt.” (Baden Online)

Oder anders gezählt: “Vier der sechs Tiere konnten die Feuerwehrleute lebend an Land bringen, zwei davon mussten von einer herbeigerufenen Tierärztin wegen mehrerer Knochenbrüche noch am Einsatzort eingeschläfert werden. Außerdem fand die Feuerwehr auf dem Rhein noch zwei weitere tote Tiere.” (Badische Zeitung)

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Reifenfriedhof
“In einer gemeinsamen Aktion haben die Stadtverwaltung und die Mondorfer Niederlassung des Wasser- und Schifffahrtsamts Köln jetzt zahlreiche Autoreifen beseitigt, die kürzlich im Rhein zwischen Rheidt und Niederkassel-Ort entdeckt worden waren. „Acht Mitarbeiter des städtischen Bauhofs und des Wasser- und Schifffahrtsamtes haben einen ganzen Arbeitstag benötigt, um rund 150 Reifen aus dem Schlamm des Uferbereichs zu bergen, das sind etwa 80 Prozent der Altreifen, die dort vermutlich liegen“, schildert der städtische Beigeordnete Sebastian Sanders. Auf welche Weise die Reifen an das Niederkasseler Rheinufer gelangt sind, konnte bislang nicht geklärt werden. „Von der Lage der Reifen spricht aber einiges dafür, dass ein Großteil angeschwemmt wurde“, so Sanders. „Der Bereich ist vom Land aus nur schwer zugänglich, wir halten es deshalb für unwahrscheinlich, dass jemand alte Reifen in größerem Stil vom Land aus in den Fluss entsorgt hat.“” (Kölner Stadt-Anzeiger)

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Rheintoter
“Der Mannheimer Grünen-Politiker Wolfgang Raufelder ist tot. Der 59-Jährige war Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg. Von Polizei und Staatsanwaltschaft hieß es, seine Leiche sei am Montagmorgen in Brühl bei Mannheim gefunden worden. Ein Passant hat sie am Rheinufer entdeckt. (…) Die Polizei geht von einem Suizid aus. Die Obduktion habe keine Hinweise auf ein Fremdverschulden ergeben. Nach Informationen der “Bild”-Zeitung soll Raufelder in Flammen gestanden haben. Seine Leiche sei weniger Meter von seinem Fahrzeug entfernt gefunden worden.” (n-tv)

Presserückschau (September 2016)

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“Die spektakuläre Lichtinstallation am Düsseldorfer Rheinturm könnte bald regelmäßig zu sehen sein. Nach der Premiere beim NRW-Fest soll der “Rheinkomet” zum neuen Wahrzeichen der Stadt werden – nach dem Vorbild des Pariser Eiffelturms. “Nach dem Echo, das wir bislang bekommen haben, sind wir überzeugt, dass der Rheinkomet das neue Wahrzeichen Düsseldorfs werden kann”, sagt Edmund Spohr von der Bürgerstiftung „Dus-Illuminated“. Aus vielen Städten im Umland seien positive Anrufe eingegangen. “Wir haben sogar einen Brief aus dem Vatikan bekommen, der die Installation als ‚Stern des Abendlandes‘ bezeichnet”, freut sich Spohr. Die Stiftung hat das Lichtspektakel gemeinsam mit dem Künstler Klaus Gendrung finanziert und auf die Beine gestellt. Die Idee zur Lichtshow liegt dagegen schon Jahre zurück, denn ursprünglich sollte der Rheinturm eine olympische Flamme zeigen, wenn die Olympia-Bewerbung der Stadt für die Spiele im Jahr 2012 Erfolg gehabt hätte.” (WDR)

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Absturz: “Mehrere besorgte Bürgen hatten (…) den abgestürzten Heißluftballon beziehungsweise einen Feuerball oder gar ein unbekanntes Flugobjekt über der Rettbergsaue inmitten des Rheins gemeldet. Feuerwehr, Wasserschutzpolizei und ein Polizeihubschrauber machten sich sofort auf den Weg zu der großen Rheininsel (3100 Meter lang und bis zu 400 Meter breit).
Sie entdeckten den Heißluftballon, dessen Ballonfahrer sich für die Landung auf der Aue entschieden hatte, weil er das Rheinufer nicht mehr erreicht hätte. Alle drei Insassen des Ballons waren wohlauf und wurden mit einem Feuerlöschboot ans Ufer gebracht.” (Bild)

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“Es ist kein schöner Anblick, der sich (…) Spaziergängern bietet, die an der Altenheimer Rheinbrücke unterwegs sind: Auf französischer Seite dümpeln Hunderte verendeter Fische – und auch auf der deutschen Rheinseite fällt das »Treibgut« auf. Das Fischsterben hat einen natürlichen Grund: Blaualgen. Die Untersuchungen auf französischer Seite sind (…) inzwischen abgeschlossen. Die Ursache des massiven Fischsterbens im Rhein liegt im Plobsheimer Becken gegenüber von Neuried-Müllen. Die toten Tiere werden über den Rhein hinweg ans Ortenauer Ufer geschwemmt. Angefacht durch die Hitze der vergangenen Wochen sind in den Tiefen des Beckens Blaualgen gewachsen. Diese bilden nicht nur einen markanten blauen Farbstoff, sondern auch Bakterien, die Fische und ihre Nahrung, den Plankton, nach und nach vergiften. Zudem binden die Algen den Sauerstoff im Wasser – die Umgebung wird für die Tiere und Einzeller lebensfeindlich.” (Baden Online)

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Rheintote
“In Basel ist (…) ein unbekannter toter Mann aus dem Rhein geborgen worden. Passanten hatten (…) den vor dem Kleinbasler Ufer im Wasser treibenden Körper bemerkt und Alarm geschlagen. Bei der Wiesemündung konnten Polizei und Feuerwehr den Toten bergen. Bisherige Ermittlungen hätten ergeben, dass der Mann offensichtlich schon mehrere Tage im Rhein gelegen habe, teilte die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt mit. Identifiziert werden konnte er noch nicht.” (Aargauer Zeitung)

“Ein Mann ist (…) im Rhein bei Speyer ertrunken. Das bestätigte die Polizei dem SWR. Wasserschutzpolizei, DLRG und Feuerwehr seien im Großeinsatz gewesen. Taucher hätten den Mann aber nur noch tot bergen können. Die Identität des Opfers sowie der Unfallhergang sind noch unklar. Asylbewerber, die sich am Ufer des Rheins befanden, berichteten aber einem Kamerateam vor Ort, der Mann sei mit ihnen befreundet, er stamme aus Afghanistan und habe in ihrem Heim gelebt.”

“Furchtbare Gewissheit haben die Angehörigen des Mannes, der (…) beim Baden im Rhein verschwunden war: Helfer der Feuerwehr bargen (…) die Leiche des 46-Jährigen – just an der Stelle, wo er zwei Tage zuvor zum letzten Mal gesehen worden war. Die Schwester des Niederkasselers, so bestätigte die Polizei in Siegburg, hatte den Toten entdeckt. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten war sie noch einmal ans Rheinufer gegangen, wo sie tatsächlich den leblosen Körper ihres Bruders im Wasser bemerkte.” (Kölnische Rundschau)

“Tot geborgen wurde ein 22-Jähriger, der (…) bei Köln-Rodenkirchen untergegangen war. Er sei bei Wesel tot im Wasser gefunden worden, sagte ein Polizeisprecher.” (WDR)

“Ein 10-jähriger Bub ist (…) in Eglisau ZH im Rhein ums Leben gekommen. Er war zunächst mit Kollegen von einem drei Meter hohen Quai in den Fluss gesprungen. Später kletterte er auf einen Baum und versuchte, über ein Boot am Ufer zu springen. Dabei schlug der Junge mit eritreischen Wurzeln gemäss Angaben der Kantonspolizei Zürich auf dem Boot auf, fiel ins Wasser und tauchte nicht mehr auf. Taucher der Seepolizei bargen ihn rund eine Stunde später leblos in acht Metern Tiefe.” (Neue Luzerner Zeitung)

An historische Rheintote erinnert der Express: “Hans Doll ist pensionierter Kripo-Beamter. (…) Vor 60 Jahren war er einfacher Polizeibeamter und gerade dreißig mal 30. Er berichtet: “Ich arbeitete damals für die Wache am Wiener Platz. (…) Und ich war oft mit dem Kraftrad auf Streife.” (…) So auch im September 1956. (…) Plötzlich sah Doll am Ufer etwas liegen. „Ehrlich gesagt, konnte ich gar nicht genau erkennen, was es war. Aber es sah irgendwie menschenähnlich aus. Also bin ich die Böschung runter. Den Anblick, der sich mir bot – schrecklich. Den werde ich mein Lebtag nicht vergessen. Da lagen die sterblichen Überreste eines Menschen – total aufgequollen.” (…) Doll schaffte es, den toten Arbeiter einen Meter aus dem Wasser zu ziehen. (…) Doll erinnert sich auch an die Gespräche auf der Dienststelle nach dem Unglück beim Bau der Severinsbrücke: “Damals erzählte man sich, dass ein toter Arbeiter im Pfeiler der Severinsbrücke einbetoniert worden sei – da gab es keinen Zweifel.” Am 21. September 1956 brechen die Stützen der Brückenpfeiler weg. Beton, Wasser und Geröll begraben die Bauarbeiter, die in einem Senkkasten arbeiten: Mindestens fünf sterben.”