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	<title>rheinsein &#187; Alpen</title>
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	<description>stan lafleur schlafwandelt durch die rheinische sferiferie</description>
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		<title>ein Schreck der Thierwelt</title>
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		<pubDate>Thu, 09 Feb 2012 13:29:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;(&#8230;) Leise, stets lauernd, mit schiefem, scharfem Blick, halb furchtsam und halb tölpisch durchforscht der alte Mörder, den sein hagerer, knochiger Bau, sein schleichender, unentschlossener Gang charakterisiren, gegen den Wind das Dickicht des Hochwaldes, und hinterläßt eine Fährte, die der eines großen Hundes ähnlich, aber länger, breiter und gewöhnlich schnurgerade ist. Widerlich und unangenehm in seinen Manieren, gierig, boshaft, verschlagen, gehässig in seinem Naturell, unerträglich durch seinen abscheulichen Geruch, ist er ein Schreck der Thierwelt, der sich naht. Mit hängendem Schwanze lauert er auf die spärliche Beute, beschleicht ein Hasel- oder Steinhühnchen, paßt den Ratten, Wieseln und Mäusen auf und schlingt auch eine Eidechse, eine Kröte, einen Grasfrosch, oder selbst eine Blindschleiche oder Ringelnatter hinunter, wenn ihm bessere Jagd abgeht. Größere Thiere verfolgt er laufend, bis sie müde sind, was die Katzenarten nie thun. Doch verscheucht er durch seinen Gestank und sein tölpisches Wesen oft alles Gethier (er ist bei weitem nicht so vorsichtig und elegant in seinem Auftreten wie der klügere Fuchs) und lungert beinmager, elend und verkommen viele Nächte lang durch die menschenleeren Felsenödungen. Im Winter vermehrt die Kälte seinen ohnehin fast unersättlichen Heißhunger; doch ist dann die Jagd besser, die Fährte sicherer. Er überrascht den weißen Alpenhasen und selbst den vorsichtigen Fuchs; aber immer hungrig und gierig schleicht er mit seinen schiefen, funkelnden Augen, die kurzen, spitzen Ohren stets aufgerichtet, den fuchsartigen Kopf lauernd nach allen Seiten hin wendend und den Hinterkörper einziehend, als ob er lendenlahm wäre, von Berg zu Berg, von Wald zu Wald und heult in den kalten, frostklirrenden  Winternächten schauerlich durch die in Schnee begrabenen Hochweiden. Dann dehnt er seine Jagd nicht nur stundenweit aus, sondern geht durch ganze Alpenzüge, vom Engadin durch die berner und walliser Alpen bis in die offenen Ebenen des Waadtlandes oder vom Wasgau den Rhein hinan und die ganze Jurakette entlang, ein Schrecken für Mensch und Thier. (&#8230;)</p>
<p>Vor dem Beginn unsers Jahrhunderts war die Auffindung einer Wolfsspur das Signal zum Aufbruch ganzer Gemeinden, und die Chronik erzählt: „Wiebald man einen Wolf gewar wird, schlecht man Sturm über ihn: alsdann empört sich eine ganze Landschaft zum Gejägt, bis er umbracht oder vertriben ist.“ Letzteres geschah bei solchem „gemeinen Gejägt“ denn auch häufiger als ersteres, da die Wölfe, besonders wenn sie starke Beute gemacht haben, als ahnten sie die nothwendig eintretende Verfolgung, rasch das Revier verlassen. Man bediente sich großer Netze, „Wolfsgarne“, die der Reisende noch jetzt in den Leberbergischen Dörfern und auf dem Rathhause zu Davos sieht, wo bis in die neueste Zeit noch mehr als dreißig Wolfsköpfe und Wolfsrachen unter dem Vordache herausgrinzten und ihm wol deutlich genug erzählten, wie furchtbar häufig diese Bestien in jenen Gebirgen hausten. Gar kalte Winter, die alle Alpenthiere den Thälern zutreiben, zwangen die Wölfe oft, sich bis an die größern Städte hinanzuwagen, und wir lesen in den Chroniken oft genug, wie im sechzehnten Jahrhundert und bis in die neuere Zeit diese Tiere selbst bei Zürich und Schaffhausen Menschen und Tiere zerrissen, die Schindanger aufsuchten und die Hunde an der Kette erwürgten. (&#8230;)</p>
<p>Das Graben von Wolfsgruben ist auch bei uns in frühern Zeiten gebräuchlich gewesen und Vater Geßner erzählt, daß ein Jäger Gobler in einer solchen einen dreifachen Fang auf einmal gemacht habe, nämlich einen Wolf, einen Fuchs und ein altes Weib, von denen jedes aus Furcht vor dem andern die ganze Nacht sich nicht gerührt habe. (&#8230;)</p>
<p>Menschen hat er im letzten Jahrhundert in der Schweiz kaum angegriffen; er flieht sie vielmehr und ist sehr feige, wenn ihn nicht der bittere Hunger halb rasend macht oder schwere Verwundung zur Nothwehr reizt. So wurde ein Herr v. Marca aus Misox, als er an einem Winterabend aus der Hauthür trat, plötzlich von einem hungrigen Wolfe überfallen. Mit einem Faustschlage streckte ihn der kaltblütige, baumstarke Mann todt zu Boden. Dann nahm er ihn beim Schwanze und warf ihn seiner Frau, die ihn eben erzürnt hatte, in der Stube vor die Füße. (&#8230;)</p>
<p>In der Reihe der thierischen Individualitäten nimmt er eine sehr tiefe Stufe ein; selbst unter den Raubtieren ist er eines der widerwärtigsten. Mit dem reißendsten wetteifert er an Heißhunger, der selbst dem schlechtesten Aase gierig nachstellt, an Tücke, Perfidie, während er dabei keine Spur vom Edelmuth des Löwen, von der frischen Tapferkeit des Eisbären, vom Humor des Landbären, von der Anhänglichkeit des Hundes hat. Tölpischer als der Fuchs, dabei aber tückisch und höchst mistrauisch, ist er tollkühn ohne Schlauheit, in seinem ganzen Wesen ohne alle Schönheit und wol überhaupt eine der häßlichsten Thiernaturen. Mit dem Hunde hat er nur körperliche Aehnlichkeit; man kann nicht sagen, er sei der wilde Hund, der Hund im Urzustande; er ist vielmehr der durch und durch verdorbene Hund, das Zerrbild des Hundes, das alle übeln Seiten der Hundenatur an sich trägt, aber nichts von den guten, sodaß er hierin, da die Natur sonst nicht so häufig in Zerrbildern zeichnet, eine wirklich interessante Erscheinung bildet. (&#8230;)&#8221;</p>
<p>(aus: Friedrich von Tschudi &#8211; Das Thierleben der Alpenwelt, Leipzig 1853)</p>
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		<title>ein galoppirendes, oft dämonisches Leben</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Feb 2012 06:08:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wer im Frühling die Alpen besucht und sieht, wie von allen Schneefeldern, über alle Felsen, aus jeder Bergfurche kleinere oder größere Bächlein niederströmen, wird sich einen Begriff von der unendlichen Wassermasse bilden, die aus dem ganzen, gewaltigen Alpengebiete in das Tiefland geht und dort so vielfach zur Bedingung der Fruchtbarkeit und des Verkehres wird. Am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer im Frühling die Alpen besucht und sieht, wie von allen Schneefeldern, über alle Felsen, aus jeder Bergfurche kleinere oder größere Bächlein niederströmen, wird sich einen Begriff von der unendlichen Wassermasse bilden, die aus dem ganzen, gewaltigen Alpengebiete in das Tiefland geht und dort so vielfach zur Bedingung der Fruchtbarkeit und des Verkehres wird. Am mächtigsten ist aber der Wasserabgang zu Zeit der heißen Fönwinde und warmen Regenniederschläge. Ueberall entstehen dann neue Wasseradern; kleine Kieselbäche werden zu trüben, tobenden Strömen; die Abtropfbretter der Gletscher sind von hundert sprudelnden Rinnsalen durchzogen. Der heiße Wind des Südens, der die Thier- und Menschenwelt lähmt, erweckt in der Pflanzen- und Wasserwelt ein galoppirendes, oft dämonisches Leben. Wie viel Millionen Eimer Wassers das Rheinbett jede Minute aus den Hochgebirgen entführt, mag man ahnen, wenn man sich erinnert, daß zur Zeit der Schneeschmelze das dreiunddreißig Quadratstunden haltende Bodenseebecken 8-10 Fuß steigt, im Jahr 1770 aber um 20-24 Fuß sich gehoben hat. Bei manchen Strömen ist es schwer, die eigentliche Quelle anzugeben; ja diese eigentliche Quelle ist da blos illusorisch, wo mehrere Bäche von ungefähr gleicher Stärke zusammentreffen und nicht Eine Bachader als Stamm des Flusses sich heraushebt. So entsteht z. B. der Vorderrhein aus mehrern Bächen, von denen jeder „Rhein“ mit einer Localbezeichnung heißt. Die Quellen dieses berühmten 190 Meilen langen Stromes, der auf seinem Laufe 12,283 Flüsse und Bäche aufnimmt, liegen alle in der Alpenregion, die des Vorderrheins im Tomasee (7240&#8242; ü. M.) und Krispalt (6710&#8242; ü. M.), des Mittelrheines im Scursee (6670&#8242; ü. M.), des Hinterrheines am Rheinwaldgletscher (5760&#8242; ü. M.). Dabei gilt der Grundsatz, daß den eigentlichen Quellbächen stets vor den bloßen Gletscherabflüssen der Vorzug gegeben wird. Die drei Quellenbäche der Rhone empfangen vom Rhonegletscher zwei Eisabflüsse, die wol mit zwanzigmal reichern Massen aus den Eishöhlen hervorsprudeln, und doch haben nicht diese den Namen der Rhonequellen und verdienen auch nicht, da sie nicht eigentliche Quellwasser sind. Damit stimmt ganz die Verachtung zusammen, welche so häufig die Alpenbewohner gegen die „wilden“ Gletscherwasser bezeugen, und ihre Verehrung vor den „lebendigen“ Quellen. Und doch haben manche Ströme nur solche gering angesehene Gletscherquellen; so wird gerade die Aare durch die starken Bäche des Oberaar-, Finsteraar- und Lauteraargletschers gebildet, die bei ihrer Vereinigung 6270&#8242; ü. M. liegen. Der einzige Bach, der lange durch die Alpenzone strömt und in ihr zum Flusse wird, ist der Inn; doch auch die Aare gewinnt rasch eine bedeutende Stärke durch die Zuflüsse aus allen den finstern Eisthälern, die sie in wildem, tobenden Gange durchströmt; dann geht sie ruhig durch das trostlos öde Aarbodenthal unter dem Grimselhospize weg, einer engen Schlucht zu, durch die sie von Stufe zu Stufe fällt und dem Röterisboden (4880&#8242; ü. M.) entgegeneilt, bis sie oberhalb der Handecksennhütte einen hübschen Fall, unterhalb derselben aber (4260&#8242; ü. M.) mit dem Aarlenbach zwischen den Granitfelsen in einen hundert Fuß tiefen Abgrund stürzend, den berühmten Handeckfall bildet, den einzigen großen Wasserfall der Alpenregion. </p>
<p>„Da ragen zwei mächtige Felsenkolosse<br />
So dicht aneinander aus gähnendem Schlund;<br />
Die Häupter bekränzet der Tannen Gesprosse,<br />
Die Füße verbirgt der umnachtete Grund.</p>
<p>Und vor mir, hinab in die schaurige Hölle,<br />
Ergießt sich der breite, gewaltige Fluß!<br />
Wie zischen die Schäume, wie fliegt das Gerölle,<br />
Wie stürmen die Wogen mit donnerndem Schuß!</p>
<p>Und siehe von grünender Höhe zur Linken,<br />
Da rauschet der Arle zerstäubender Bach,<br />
In schäumenden Güssen, mit silbernem Blinken,<br />
Hinab in die Schlucht, in die klaffende, jach.“</p>
<p>Kurz nach diesem köstlichen Salto mortale tritt sie aus der Alpenregion hinaus. Die übrigen Wasserfälle der letzern sind nicht besonders wasserreich, da sie den Quellen zu nahe liegen, dafür aber sehr zahlreich und oft außerordentlich kühn. In allen höhern Revieren sieht man diese schwankenden Schaumfäden an den Felsen hängen, oder hört die jungen Bäche über die großen Felsenstufen ihrer Schluchten hinunterkommen; die Zahl der kleinern Wasserfälle unsers Alpengürtels übersteigt wol tausend.</p>
<p>(aus: Friedrich von Tschudi &#8211; Das Thierleben der Alpenwelt, Leipzig 1853)</p>
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		<title>Der Jodler zu Flingern</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Nov 2011 09:33:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es geht die Sage von einem Jodler in Flingern, einem Stadtteil von Düsseldorf, um. Es fehlen ihm die Berge hier und deshalb muss er jodeln.
Es heißt, dass er wohl Hermann heiße, doch so genau weiß das wohl keiner. Manchen hier ist sein Treiben gar zu bunt und es gibt einige, die finden das eher peinlich.
So [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es geht die Sage von einem Jodler in Flingern, einem Stadtteil von Düsseldorf, um. Es fehlen ihm die Berge hier und deshalb muss er jodeln.<br />
Es heißt, dass er wohl Hermann heiße, doch so genau weiß das wohl keiner. Manchen hier ist sein Treiben gar zu bunt und es gibt einige, die finden das eher peinlich.<br />
So wird er der Jodler von Flingern genannt. Ein jeder, der ihn gehört und gesehen hat, der weiß wohl, wer gemeint ist.<br />
Sein Jodeln habe ich lange nicht mehr vernommen, wahrscheinlich hat er in den Alpen seine neue Heimat gefunden.<br />
Denn dort ist das Jodeln keine Seltenheit und dort nennt man ihn nur Hermann und er ist unter Freunden.<br />
So jodelt er nun mit anderen Jodlern in den Tag hinein und das ist dort ein feiner und angesehner Beruf, so macht es die Runde.</p>
<p>(Ein Gastbeitrag von Costa &#8220;Quanta&#8221; Costa, der unter <a href="http://www.myspace.com/564131032/blog" target="_blank">Grund Stücke</a> in Anlehnung an Marcel Prousts <em>A la recherche du temps perdu</em> einerseits und an HipHop-Rhythmen andererseits im Netz einen von zahlreichen Skurrilitäten illustrierten Fortsetzungsroman über das Leben von Hartz IV-Empfängern betreibt.<br />
Die harmlose, aber bezeichnende Sage vom kulturell entwurzelten Jodler zu Flingern wiederum, gehen Gerüchte, beruht auf realen Ereignissen, die noch nicht genauer erforscht sind. Aus Düsseldorf hörten wir Stimmen, die behaupten, es habe in Flingern einst nicht nur einen Jodler gegeben, der seiner Leidenschaft auf der Straße nachging, sondern vielmehr, mit der Zeit, eine ganze Jodelgang, die sich um die sagenhafte Gestalt des Hermann gruppierte. Demnach handelte es sich bei den Jodlern um Erwerbslose, welche ihrer Freizeit einen Sinn geben und wohl auch auf für Flinger Verhältnisse ungewöhnliche Weise auf sich aufmerksam machen wollten. rheinsein bittet insbesondere die Flinger Leserschaft um weitere Hintergründe, zumal erst kürzlich wieder Gejodel in der Fortunastraße vernommen worden sein soll.)</p>
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		<title>Wie freudig blutet` hier der Edelknecht</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Sep 2011 08:21:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Rhein.
O Sohn der Alpen, in krystallnen Wiegen
Genährt von Gletscherbrüsten, heil`ger Rhein,
Wenn du dem blauen Schweizersee entstiegen
Dich jauchzend warfst vom schroffen Felsgestein,
Und glorreich nun, ein Held nach frühen Siegen,
Das Thal durchwallst im laub`gen Kranz von Wein,
Zur Lust den Völkern und der Flur zum Segen:
Wie schlägt dir hoch das deutsche Herz entgegen!
Und traun, mit Fug. Denn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Rhein.</p>
<p>O Sohn der Alpen, in krystallnen Wiegen<br />
Genährt von Gletscherbrüsten, heil`ger Rhein,<br />
Wenn du dem blauen Schweizersee entstiegen<br />
Dich jauchzend warfst vom schroffen Felsgestein,<br />
Und glorreich nun, ein Held nach frühen Siegen,<br />
Das Thal durchwallst im laub`gen Kranz von Wein,<br />
Zur Lust den Völkern und der Flur zum Segen:<br />
Wie schlägt dir hoch das deutsche Herz entgegen!</p>
<p>Und traun, mit Fug. Denn deutschen Lebens Bild<br />
Und Zeuge bist du, seit von süßen Zähren<br />
Auf deinen Höh`n der Rebstock feurig schwillt:<br />
All um dich her erwuchsen unsre Ehren;<br />
Du sahst zuerst erhöht des Reiches Schild,<br />
Des Reichs, nach dem wir fromm noch heut begehren,<br />
Wir Waisen, nun im eignen Vaterlande<br />
Ruhmlos zertheilt wie du zuletzt im Sande.</p>
<p>Den Kaisern warst du werth; die Starken zog<br />
Der Starke, daß, was gleich, zusammenwohne;<br />
Hier stand der Stuhl des großen Karl, hier bog<br />
Konrad das Haupt vor Konrad, eine Krone<br />
Mit Lächeln missend; hier im Festgewog<br />
Schied der im rothen Bart vom ehrnen Sohne;<br />
Siegestrunken mocht` er deinen Wirbeln lauschen,<br />
Nicht ahnend, daß sein Tod bald solches Rauschen,</p>
<p>Auf deinen Burgen horstet` ein Geschlecht<br />
Frei, wild und mild; es wohnt` in seinem Sinne<br />
Von deiner Traub` ein Anflug, zum Gefecht<br />
Befeuernd wie zu Harfenschlag und Minne.<br />
Wie freudig blutet` hier der Edelknecht,<br />
Wenn aus der Herrin Blick von hoher Zinne<br />
Ein Gruß als erster, ach, und letzter Dank<br />
Auf sein verströmend Leben niedersank!</p>
<p>Und Städte sahn voll Trotz in deine Welle,<br />
Wo unterm Krummstab Bürgerfreiheit sproß<br />
Und Füll` und Kunst, und wo dann morgenhelle<br />
Die neue Zeit ihr Kinderaug` erschloß.<br />
Denn war`s zu Mainz nicht, wo in stiller Zelle<br />
Ein andrer Dädalus die Flügel goß,<br />
Die stark das Wort in alle Winde tragen?<br />
Ward nicht zu Worms die Geisterschlacht geschlagen?</p>
<p>Und heut! Welch reich Gewühl umbraust noch heut<br />
Die Rebenufer, wo vom breiten Riffe,<br />
Die Veste droht, und weit im Thal zerstreut<br />
Die Essen rastlos sprühn! Mit grellem Pfiffe<br />
Durchkeucht das Dampfgespann des Doms Geläut,<br />
Und durch die Fluten wandeln Feuerschiffe,<br />
Wie schwarze Riesenschwäne; Flaggen winken,<br />
Und Winzerjubel schallt und Römer blinken.</p>
<p>Gebrochen sind die Burgen. Ihre Zeit<br />
Ging aus. Doch sitzt an ihrer Thürme Scharten<br />
Die Sage harfend noch, die Wundermaid,<br />
Und lallt im Traum von Chriemhilds Rosengarten,<br />
Vom Drachenstein und von der Nonne Leid.<br />
Und stießt das Mondlicht um die Felsenwarten:<br />
Da singt die Loreley und aus dem Dunkel<br />
Der grünen Wasser glimmt des Horts Gefunkel.</p>
<p>Gruß dir mein Rhein! Wie leicht bei dir einst flossen<br />
Die Lieder mir, die jedes Tags Gewinn!<br />
Mein Sternbild stand im Aufgang; noch im Sprossen<br />
Wie Laub um Pfingsten grünte frisch mein Sinn,<br />
Gruß euch, die ihr mir damals wart Genossen<br />
In Leben und Gesang! – Wo seid ihr hin?<br />
Ach, auseinander weit seit jenen Tagen,<br />
Zu weit hat uns der Kampf der Zeit verschlagen.–</p>
<p>(Emanuel Geibel)</p>
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		<title>Der Rhein des Herrn Predigers Bodenburg (2)</title>
		<link>http://rheinsein.de/2011/07/22/der-rhein-des-herrn-predigers-bodenburg-2/</link>
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		<pubDate>Fri, 22 Jul 2011 07:44:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(&#8230;) Viel der Najaden bewohnen des Gotthards wolkige Scheitel.
Dort auch sind die verborgenen Hallen des Siebengeschwisters,
Weitgepriesen und herrlich vor allen Najaden des Alplands.
Jede gebahr einen mächtigen Strom; es wallet der eine
Unter Hesperiens Myrthen dahin; nach Gallien wandte
Rhodan den Lauf, und Rhenus, der stärk`re, zum Land der Germanen.
Nymphe des Rheines, du liebtest das Land des kühneren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(&#8230;) Viel der Najaden bewohnen des Gotthards wolkige Scheitel.<br />
Dort auch sind die verborgenen Hallen des Siebengeschwisters,<br />
Weitgepriesen und herrlich vor allen Najaden des Alplands.<br />
Jede gebahr einen mächtigen Strom; es wallet der eine<br />
Unter Hesperiens Myrthen dahin; nach Gallien wandte<br />
Rhodan den Lauf, und Rhenus, der stärk`re, zum Land der Germanen.<br />
Nymphe des Rheines, du liebtest das Land des kühneren Mannes;<br />
Zu ihm leitest du nieder dein lauteres Felsengewässer,<br />
Dass er stähle den nervigten Arm im Bad deiner Wellen.<br />
O, dess` preise dich teutscher Gesang! — Erhabne, vernimm mich<br />
Von der entlegenen Flur, und tönet auch schwach nur die Harfe,<br />
Wie der Bach meines Thals in der Stille des feiernden Haines. </p>
<p>Auf meine heimische Flur sank einst der Abend hernieder,<br />
Und die Stille bezog des Haines umdämmerte Lauben;<br />
Friedlich tönte des Baches Gemurmel, (die still`re Najade<br />
Windet ihn sanft durch die Moose und Blumen und zitternde Schilfe.)<br />
Hocherglühtes Gewölk entschwebte allmälig dem Meere;<br />
Hinter dem goldenen Schleier entschlüpfte die Göttin des Tages,<br />
Und dann thürmte das Wolkengebirge mit flammendem Saume<br />
Kühn seine Nebelgebilde empor zu dem schimmernden Aether, </p>
<p>O, da fühlt` ich den Busen umfangen von glühender Sehnsucht,<br />
Und gezogen zum Lande, wo Tellus zum Himmel hinaufstrebt,<br />
Und ihr strahlenbekränztes Haupt tief badet im Lichtmeer.<br />
Zwiefach fühlt ich ihn da, den Schmerz der gebundenen Psyche.<br />
Plözlich vernahm ich des Genius Wink — und Schlummer umfing mich,<br />
Und er gab mir die Schwingen des Traumes; — da sah ich des Alplands<br />
Purpurglühende Höhen und dich, gewaltiger Gotthard.<br />
Aber ich forschte vor allem nach dir, o verborgene Nymphe,<br />
Dir Erhabnen, ein Opfer zu bringen, nicht ohne Begeist`rung —<br />
Und es ward mir gewähret, des Rhenus Najade zu schauen,<br />
Wie sie gelehnt an den schattenden Felsen, mit sinnendem Antliz,<br />
Doch voll göttlicher Milde, bükt auf der Wellen Gesprudel.<br />
Perlen bethauen den Kranz an der Stirn und die zarten Gewände.<br />
In der kristallenen Grotte entwallt der gefülleten Urne<br />
Lieblich tönend die silberne Fluth, des himmlischen Thaues<br />
Zarte geläuterte Tropfen. Es streuet dann goldene Perlen<br />
In das Gewässer die Hand der Najade und bindet des Aethers<br />
Flüchtige Stoffe, dem Strome verleihend belebende Kräfte. </p>
<p>Ach, es fielen auch Thränen der Nymphe hinab in die Wellen;<br />
Denn sie gedachte des nahmlosen Jammers und wilder Verwüstung<br />
Unter der furchtbaren Hand der Erinnen in friedlichen Thälern.<br />
Weithin sah sie Verheerung am Strome, die schönen Gestade<br />
All` ihres Schmuckes beraubt und bedekt mit unendlicher Trümmer.<br />
Aräs durchflog die Gefilde mit wildem Gespanne, die Lanze<br />
Tief getaucht in das Blut der Erschlagnen; es stampfen die Rosse<br />
Sprühende Lohe zum Himmel empor auf schreklicher Brandstätt.<br />
Durch Helvetia`s Thäler schleichet der siechende Hunger,<br />
Und es stöhnet des Jammers Gewinsel herauf aus den Thälern.<br />
Trauer erfüllte die Brust der milden Najade, die sorgsam<br />
Fluren zu segnen sich mühet, indess` die verheerende Zwietracht<br />
Weithin schleudert die Fackel des Krieges, und Menschen bethöret,<br />
Dass sie verblendet die Werke wohlthätiger Götter zerstören.<br />
Zürnend verhüllte die Nymphe das Haupt, sich wendend zur Grotte.<br />
Und ich erwachte vom Schlummer, geschreckt von verhassten Gestalten.<br />
Friedlich rollte der Bach seine Wellen im Schimmer des Spätroths,<br />
Doch bald werden auch ihn Orkane empören, es rollen<br />
Schwere Wetter dumpftobend herauf, und stürmender Hagel<br />
Wird seine Fläche zerschlagen, den Spiegel der stillen Seläne.</p>
<p>Ja hienieden ist ewiger Kampf! Es binden und lösen<br />
Sich im ewigen Wechsel die ringenden Stoffe, es gehen<br />
Neue Gestalten hervor; dem Tode entkeimet das Leben,<br />
Rastlos wirkt die Natur, doch ewig nach weisem Gesezze;<br />
Formend zerrüttet sie immer — sie regelt und ordnet auch wieder,<br />
Zieret ihr Wundergebäude mit unvergänglicher Schöne,<br />
Und der Ernährerin Hand ist immer geöfnet zum Geben.<br />
Tausend bei tausend Begehrenden reicht sie aus ewiger Fülle. </p>
<p>Dem sie so vieles gewähret, — nur ihn ersättigt sie nimmer,<br />
Ihn, dem wilde Begierden verderblich den Busen entzünden.<br />
Wo sie bauet und ordnet, und segnet mit gütigen Händen,<br />
Da zerstöret der Wilde, getrieben vom Fluch der Erinnen,<br />
Und entblättert ihn selber den lieblichsten Kranz seiner Freuden;<br />
Denn er trägt sie nicht lange, des Friedens beglückende Ruhe. </p>
<p>Rhenus, es zeuge dein Ufer! — Ich stimme die Harfe zur Wehmut,<br />
Wende den traurenden Blick hinweg vom entstellten Gestade!<br />
Fluch der verwegenen Hand, die so deines Schmucks dich beraubte!<br />
Zehnmal trat nun der Frühling, der Blumenumkränzte, vergebens<br />
Hin zu deinem Gestade; den Teppich der Flora zerstampfen<br />
Donnernde Hufe der stöhnenden Rosse im Schlachten-Gewühle.<br />
Ceres, Autumnus, Pomona, und Fülleverleihende Götter —<br />
Zehnmal traten sie nun vergebens mit reichen Geschenken<br />
Auf die rheinische Flur, — sie scheuchte des Krieges Getümmel<br />
Und die vertilgenden Donner der Schlachten hinweg von dem Blutfeld. </p>
<p>Eilest du zürnend hinab, o Rhenus, zum heiligen Weltmeer,<br />
Fliehend die Greuel des Krieges, dich dort in der Tiefe zu bergen?<br />
Dort auch wirst du ihn finden den streitbegehrenden Menschen;<br />
Auch des Ozeanus weite Behausung hat Aräs beflecket.<br />
Stolze Geschwader belasten die wallende Fläche und schleudern<br />
Kühnbeflügelt die Flammen des Krieges von Ufer zu Ufer. </p>
<p>Nenne Gesang die Heroen, auf welche die Völker nun hoffen.<br />
Unter dem Schirm der Aegide durchwandelt der Eine das Schlachtfeld,<br />
Und es grünt in der Rechten dem Andern ein friedlicher Oelzweig. </p>
<p>Furchtbar wüthete Aräs, im Männervertilgenden Kampfe,<br />
Da entführten ihn eilends die Götter dem blutigen Schlachtfeld,<br />
Dass er die Welt nicht veröde, der unersättliche Krieger;<br />
Und sie gaben des Gottes Gespann einem menschlichen Helden.<br />
<em>Bonaparte</em>, du führest seitdem die Lanze des Aräs,<br />
Zügelst sein wildes Gespann, doch unter dem Erz der Aegide<br />
Schlägt dir ein menschliches Herz. — O, könnte mein Lied dich erreichen!<br />
Du aus der Vorwelt Wundertagen erstandener Heros,<br />
Bist du des Hannibal Geist? — Des Grösten von allen Achäern?<br />
Franke, dir weichen sie alle! — Du unbezwungener Krieger<br />
Bist an dem Busen der Kühnheit gesäugt, dir gaben die Götter<br />
Weisheit, und sicher wägenden Blick zu schneller Entscheidung,<br />
Und den besonnenen Geist, den ruhigen unter Gefahren,<br />
Roma`s Genius selbst und des heldenberühmten Achaja<br />
Haben dich heimlich erzogen und selber gerüstet zu Thaten.<br />
Glorreich hast du vollendet; — der Sieger entsaget dem Kampfe! </p>
<p>Neben dir ragt er hervor, der glücklichen Brennen Beherrscher.<br />
Grösse mit Waffen errungen, wie leicht entnimmt sie das Schicksal!<br />
<em>Friedrich Wilhelm</em> die deine ward nicht mit dem Blut der Gefallnen,<br />
Nicht mit Thränen erkauft, sie kündet kein Donner der Feldschlacht;<br />
Dir ist das glückliche Land der weite Tempel des Ruhmes.<br />
Du mit dem zügelnden Ernst, du Ordner nach weisem Gesezze,<br />
Wandelst so prunklos und einfach, mir hold der lauteren Warheit,<br />
Festen Schrittes voll Spartischem Geist, und schaffest mit Weisheit;<br />
Und es reifen viel Früchte des emsigen Fleisses dem Lande<br />
In Saturnischen Tagen. — Ihm Heil, dem Herrscher der Brennen!<br />
Ihm erblühe der Kranz seines Ruhmes auf glücklichen Fluren!</p>
<p>Tretet ihr Göttergeliebte voran, zwei Boten des Friedens,<br />
Dass Irene dem Himmel entschwebe, und senke den Oelzweig<br />
In des Schlachtfelds graunvolle Oede, damit sie der Nachwelt<br />
Alle die Trümmer verdecke, aus Tagen entarteter Menschen,<br />
Wo wildtobende Völker das Recht und die Warheit verschmähten,<br />
Und die Freien sich dünkten durch jeglicher Tugend Entsagung. </p>
<p>Heimathlos durchirren nun viele die Wüste des Lebens,<br />
Und ein unendlicher Schmerz hat tief das Leben verwundet!-<br />
Viel sind der Edlen gefallen — auch viel der verworfenen Menschen!<br />
Tobende Völker, wie habt ihr gewüthet — Du himmlischer Friede<br />
Wecke nun mildres Gefühl in dem Busen und heile vom Wahne. </p>
<p>Bald so nahet die lezte der Horen des stolzen Jahrhundert! —<br />
O, wie wähnte der Mensch, er habe den Gipfel erstiegen,<br />
Wo er entbunden und frey, und kühn die Wahrheit umfasse!<br />
Aber den Stolzen verliess die zürnende Göttin der Weisheit;<br />
Von Phantomen getäuscht, entsank er der schwindelnden Höhe,<br />
Und nun steht er voll Wunden und blutet, der sterbliche Halbgott. </p>
<p>Du, der Menschheit Genius, bist du zürnend entwichen?<br />
Neige dich hin zu dem armen Geschlecht, und heb` den Gefallnen.<br />
Gieb ihn nicht ewig der Thorheit zum Sklaven, entbind` ihn vom Irthum,<br />
Reife doch endlich den Geist, und stärke des Schwankenden Tritte,<br />
Dass er regle die irrenden Wünsche, im Kampf der Begierde.<br />
Und Eunomia herrsche hinfort und Themis und Dike,<br />
Dass ein glüklich Geschlecht bewohne den heiligen Erdkreis. </p>
<p>Nymphe des Rheines, ermüde du nimmer die Fluren zu segnen,<br />
Lass sie der Urne entströmen, die lebenernährenden Wasser.<br />
Zürne du Göttliche nicht, wenn Undank lohnt deine Milde.<br />
Leichter entartet der Mensch, je reicher die Fülle ihm zuströmt!<br />
Harre der besseren Tage, wo einst in friedlicher Ruhe<br />
Menschen voll Warheit und Treue dein liebliches Ufer umwohnen. </p>
<p>(aus: Der Rhein, Fragment aus einem Gedicht: Die Ströme, vom Herrn Prediger Bodenburg. Womit zu dem mit den abgehenden Primanern des Johanneums, Heinr. Schmeichel, Ernst Carl Dav. Behm und Eduard Loder, am 22sten März von 9 bis 1 Uhr anzustellenden Maturitäts-Examen ehrerbietigst einladet J. Gurlitt, Professor am Gymnasium, Director und erster Professor des Johanneums. Hamburg 1804)</p>
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		<title>Der Rhein des Herrn Predigers Bodenburg</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Jul 2011 13:08:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhein]]></category>
		<category><![CDATA[Alpen]]></category>
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		<category><![CDATA[Christian Christoph Bodenburg]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Rhein. 
Rhenus, gepriesener Strom, ich trage zu deinem Gestade,
Zu dem Hall deiner Wogen, zuerst die Harfe, und horche
Auf der Wellen melodisches Spiel an dem klingenden Felsen,
Dass mich hebe dein stürmender Gang zu kühnerem Fluge. 
Felsgebohrner, dich hat die Najade zum Schuzze gebettet
An die Schwelle des Landes, und längs Germania`s Fluren
Streckest du hin den Riesenarm, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Rhein. </p>
<p>Rhenus, gepriesener Strom, ich trage zu deinem Gestade,<br />
Zu dem Hall deiner Wogen, zuerst die Harfe, und horche<br />
Auf der Wellen melodisches Spiel an dem klingenden Felsen,<br />
Dass mich hebe dein stürmender Gang zu kühnerem Fluge. </p>
<p>Felsgebohrner, dich hat die Najade zum Schuzze gebettet<br />
An die Schwelle des Landes, und längs Germania`s Fluren<br />
Streckest du hin den Riesenarm, mit donnerndem Fusstritt<br />
Niederstürmend ins Thal von dem bebenden Felsengebirge.<br />
Hoch in der Wolken Umschattung gebahr dich die mächtige Nymphe,<br />
In der entlegenen Grotte nicht lange den Liebling verbergend.<br />
Segnend sandte sie dich hinab zu dem heiligen Weltmeer.</p>
<p>Eh` du die Bahn dir geebnet, da tobte die Kraft der Vulkane,<br />
Wo nun Trauben sich sonnen, und stämmte Gebirg` an Gebirge;<br />
Aber almälig erloschen die quellenden Gluthen; dann sprengtest<br />
Du mit eilendem Fusse die Pforten der hemmenden Felsen</p>
<p>Also sprach, da einst dich gebahr die milde Najade:<br />
„Auf, und belebe die schweigende Oede des Thales! — Entschlüpfe<br />
„Muthig der Grott` und dem Hochgebirge von Klippe zu Klippe.<br />
„Wenn du zur Ebne gekommen, dann läutre von neuem die Welle<br />
„Dort in dem ruhigen See, und tritt mit dem silbernen Fusse<br />
„Auf der Germanier Flur; dann wandle du Starker vom Alpland<br />
„Unter melodischem Rauschen zum strömeversammelnden Meere.<br />
„Hemmen dich Felsen im Lauf und dränget die Schlucht deine Seiten,<br />
„Dann bestürme du kühn und unablässig die Klippe;<br />
„Du bezwingest almälig den Fels mit der nagenden Woge.<br />
„Wenn du Ozeanus nahest, wird banges Erstaunen ihn fassen,<br />
„Hört er den stürmenden Drang deiner Wogen, — und fürchtend, du mögtest<br />
„Ihm die Behausung erschüttern, erhebt er das Haupt aus den Wellen;<br />
„Rufend den Nereiden, gebietet dann also der Meergott:&#8221;&#8216;</p>
<p>„Seht, dort braust mit verheerender Stärke der Rhenus vom Hochland!<br />
„Ihn erzogen die Nymphen der Berge, — der kühne erschüttert<br />
„Fels und Land mit unendlicher Kraft, und eilet zum Meere,<br />
„Gleich als wollt` er mich selber versuchen, und meine Behausung<br />
„In der Tiefe zertrümmern und wild mir die Wogen empören.<br />
„Hemmt ihn im stürmenden Lauf, und zähmt mir den kühnsten der Ströme,<br />
„Dass er Ozeanus Herrschaft erkenne, und alle die Ströme<br />
„Ferner sich scheuen mit wildem Getös` meine Wogen zu drängen.&#8221; </p>
<p>„Hemmen wird er dich dann, der stärkre, im fröhlichen Tanze;<br />
„Flaches Vorland breitet er hin, da wirst du mit Mühe,<br />
„Mit ermattetem Fusse die sandigen Pfade durchschleichen,<br />
„Und des Ozeanus weite Behausung still wandelnd betreten,</p>
<p>„Doch dies kümmre dich nicht, — die Kraft von jeglichem Strome<br />
„Löset Ozeanus auf — sprach weiter die milde Najade;<br />
„Wirst du doch glorreich vollenden, und Fluren und Völker erfreuen,<br />
„In dem Schmuck der Gestade, vor jeglichem Strome verherrlicht. </p>
<p>„Ferne Wanderer kommen und staunen dem Sturz deiner Wasser,<br />
„Weit erschallet der Ruhm des lieblich umuferten Rheines.<br />
„Ceres, Pomona, Dryaden und Flora und freundliche Nymphen,<br />
„Werden zu deinem Gestade sich wenden; dort dringen die Halme<br />
„Schlanker empor, der Flora Teppich ist reicher, Pomona<br />
„Sammelt da schönere Früchte, es heben weitschattende Eichen<br />
„Kühner zum Himmel das Haupt, wo du die Fluren bewässerst. </p>
<p>„Zahlreich werden die Völker dein reicheres Ufer umlagern,<br />
„Mit vielschaffendem Fleiss die lachenden Fluren zu bauen.<br />
„Wildniss hauset nicht lang an dem Bett` der belebenden Ströme!<br />
„Die in den Wellen des Rhenus sich spiegeln, die zahllosen Städte —<br />
„Wer vermögte sie alle zu nennen? — Der Nachen Gewimmel<br />
„Gleitet hinab und hinauf, und decket die wogende Strombahn.</p>
<p>„Steig` hinab vom Gebirge, du König der Ströme, und herrsche<br />
„Ueber des Thales Gewässer, und bringe den darbenden Fluren<br />
„Der Najaden Geschenke, die sorgsam aus Wolken wir sammeln.,, </p>
<p>So die unsterbliche Nymphe, und du entschlüpftest der Urne.<br />
Rhenus, erfüllt ist der Mutter Verheissung — dein Tempel vollendet!</p>
<p>Erst umruhte dich einsame Still` an dem wilden Gestade<br />
Unter den Trümmern zerspaltener Klippen von Dornen umwuchert.<br />
Nur das Toben der Stürme, Geheul raubspähender Thiere<br />
Und der Fittig des Adlers durchtönte die nachtvolle Waldung.<br />
Heerden wandelten nicht vom Hügel, am Strome zu trinken.<br />
Nirgend ein Rebengewinde, wo wild nur rankte der Epheu. </p>
<p>Aber es trat der Germane bald näher zum lockenden Ufer;<br />
Nieder legt er den Speer, entsagend den mühvollen Jagden<br />
Tritt er in schwankende Nachen und zehrt von den Gaben des Stromes.<br />
Bald so reihen sich Hütten an Hütten auf freierem Ufer;<br />
Goldene Halme durchwogen die Niedrung, an grünenden Höhen<br />
Wandeln und ruhen gesättigte Heerden im Schatten der Buche;<br />
An dem sonnigen Hügel, von glühenden Trauben umhangen<br />
Weilet Liäus, der fröhliche Gott, den Winzer belehrend.<br />
Völker drängen sich dichter zusammen im lieblichen Rheinthal.<br />
Welch` ein bethürmtes Gestade zur Rechten und Linken! Es ragen<br />
Kühne Vesten gen Himmel; es hallet der zahllosen Städte<br />
Reges Gewühl von Ufer zu Ufer; es furchet die Fichte<br />
Reichbeladen und rastlos die Wogen, nicht scheuend die Brandung.<br />
Wenn dann Luna den Felsen erklimmt, entsteigen der Tiefe,<br />
Die dein Gewässer bewohnen, und spielen auf silberner Fläche,<br />
Und es lauschen Dryaden und Nymphen vom waldigen Ufer<br />
Hin nach dem Tanze der stillen Seläne auf wallender Strombahn.</p>
<p>Reicht mir den duftenden Becher, den Nectar der rheinischen Traube,<br />
Dass in die heiligen Fluthen ich träufl` ein Opfer der Nymphe!<br />
Die du thronst unter goldenem Saum des bestrahlten Gewölkes,<br />
Und in des Gotthards Klüften kristallene Hallen bewohnest,<br />
Rinnende Perlen mit fleissiger Hand in die Urne dir sammelst, —<br />
O, wohlthätige Nymphe, dich preisen die Töne des Liedes,<br />
Beben sie schwach nur hinauf zu dir von dankenden Lippen!</p>
<p>Doch, wer zeigt mir die Bahn zu dem Wolkensiz der Najade?<br />
Mich gelüstet die Hehre zu schauen, damit ich sie singe!<br />
Komm, o Genius, leite den Sänger zum hohen Gebirgspfad!<br />
Wo die Kette der stolzen Graniten im Gaue der Urner<br />
Näher dem Himmel sich thürmet, von Donnergewölken umgürtet,<br />
Ewigen Kampf mit den Stürmen besteht und den spaltenden Blitzen,<br />
Ruhet des Gotthards weitgespreitetes Riesengebäude,<br />
Schwerbelastet vom nimmerzerrinnenden, wachsenden Eismeer,<br />
Stets umdampft von den streifenden Nebeln des hohen Gewölkes.<br />
Eine der Seiten strekt er Hesperiens Frühling entgegen,<br />
Rauherem Norden die andere. Klippe streichet an Klippe<br />
Tiefgespalten zum Abgrund nieder, voll grausigem Dunkel.<br />
Furchtbar donnern die Ströme hinunter von bebenden Felsen,<br />
Und es dampfen in Nebel empor die stiebenden Fluthen. (&#8230;)</p>
<p>(aus: Der Rhein, Fragment aus einem Gedicht: Die Ströme, vom Herrn Prediger Bodenburg. Womit zu dem mit den abgehenden Primanern des Johanneums, Heinr. Schmeichel, Ernst Carl Dav. Behm und Eduard Loder, am 22sten März von 9 bis 1 Uhr anzustellenden Maturitäts-Examen ehrerbietigst einladet J. Gurlitt, Professor am Gymnasium, Director und erster Professor des Johanneums. Hamburg 1804)</p>
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		<title>Der Rhein bei Quarks &amp; Co</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jun 2011 07:23:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Intensiv mit dem Rhein beschäftigte sich das Wissenschaftsmagazin Quarks und Co des Westdeutschen Rundfunks vom 18. Mai 2010 und förderte dabei einige wissenswerte und vor allem: gut im Netz aufbereitete Informationen zutage. So erfahren wir von rheinischen Tierarten, die anderswo ohne Namensnennung (im Hinterkopf wohl unter: Gekreuch) zusammengefaßt werden. Die Sumpfdeckelschnecke ist in der Lage, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Intensiv mit dem Rhein beschäftigte sich das Wissenschaftsmagazin <em>Quarks und Co</em> des Westdeutschen Rundfunks vom 18. Mai 2010 und förderte dabei einige wissenswerte und vor allem: gut im Netz aufbereitete Informationen zutage. So erfahren wir von rheinischen Tierarten, die anderswo ohne Namensnennung (im Hinterkopf wohl unter: Gekreuch) zusammengefaßt werden. Die Sumpfdeckelschnecke ist in der Lage, ihr Gehäuse mit einem am Fuß verwachsenen Deckel zu verschließen. Der Lachs kann sein Heimatwasser am Geruch erkennen. Die Wollhandkrabbe kneift Angelfäden durch, um sich die Köder zu verschaffen. Es existieren Süßwasserschwämme im Rhein! Die militärische Lage im Krebsreich läßt sich etwa wie folgt zusammenfassen: aus dem Donauischen zugewanderte Schlickkrebse vs Wandermuschel (welche den Krebsschlick nicht verträgt), Höckerflohkrebs vs alle anderen Kleinkrebse, bartelnde Barben vs alle Krebsarten, während der aus den USA eingedrungene Kamberkrebs die Krebspest verbreitet, gegen die er selber immun ist. Ebenfalls aus dem Donauischen stammende Schwebgarnelen dringen via Bodensee allmählich nach Nordwesten vor. Der aktuelle Zählstand bewegt sich bei rund 360 Tierarten „im Rhein“. Eintagsfliegenlarven weiden erstmal ein Jahr lang unter Wasser Algen von Rheinkieseln, bevor sie sich in ihr kurzlebiges Fliegenstadium begeben. Bachneunaugen fressen nur als Querder (ihrem eigenartigen Larvenstadium), nicht mehr als ausgewachsene Tiere. Sowieso herrscht auch unter den Larven Krieg. Jene der Prachtlibelle ist auf die der Köcherfliege aus etc, etc &#8211; die Sendung liefert prima Bilder und laienverständliche Erklärungen: ein Highlight unter den kursierenden Rheindokus. Sonst noch zu erfahren: eine weitere Entstehungstheorie, die bis Pangäa und die Entstehung des Mitteleuropäischen Rifts zurückreicht und besagt, daß nach Bildung der Alpen zunächst drei voneinander getrennte Teilrheine (Mittelrhein, Oberrhein, Alpenrhein) bestanden, die, nach komplexeren Schritten über hundert Millionen Jahre hinweg, schließlich vor 30.000 Jahren zum aktuellen Lauf fusionierten. Desweitern: Buhnen dienen der Strömungsregulierung und erzeugen schwimmerfeindliche Strudel, Ertrinkende im Rhein: pro Jahr im Schnitt rund 30. Klappschuten transportieren Oberrheinkies als Geschiebezugabe an den Niederrhein und ein Tauchglockenschiff namens Carl Straat ermöglicht Trocken-Spaziergänge auf dem Rheingrund. Tullas Rheinregulierung wird am Oberrhein mittels Poldern wieder in Richtung Naturzustand nachreguliert. (Eine veritable Tierwoche auf rheinsein, das Sommerloch öffnet auch hier sein Maul.)</p>
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		<title>Mme de Staël über den Rhein</title>
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		<pubDate>Mon, 09 May 2011 09:39:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Anne Louise Germaine de Staël-Holstein]]></category>
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		<description><![CDATA[Mit dem deutschen Wald greift Gorrh ein deutsches Urthema auf, das von Tacitus an zu den Beschreibungsriten unserer heimatlichen Landstriche gehört. Zu Zeiten Mme de Staëls waren die deutschen Urwälder bereits beträchtlich dezimiert, weshalb sie in ihren Ausführungen &#8220;De l`Allemagne&#8221; auch schnell zu den Flüssen übergeht:
&#8220;(&#8230;) L`Allemagne offre encore quelques traces d`une nature non habitée. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem deutschen Wald greift Gorrh ein deutsches Urthema auf, das von Tacitus an zu den Beschreibungsriten unserer heimatlichen Landstriche gehört. Zu Zeiten Mme de Staëls waren die deutschen Urwälder bereits beträchtlich dezimiert, weshalb sie in ihren Ausführungen &#8220;De l`Allemagne&#8221; auch schnell zu den Flüssen übergeht:</p>
<p><span>&#8220;(&#8230;) L`Allemagne offre encore quelques <span>traces </span>d`une nature non habitée. Depuis les Alpes jusqu`à  la mer, entre le Rhin et le Danube, vous voyez un pays couvert de chênes et de  sapins, traversé par des fleuves d`une imposante beauté, et coupé par des  montagnes dont <span>l`aspect </span>est très pittoresque; mais  de vastes bruyères, des sables, des routes souvent négligées, un climat sévère,  remplissent d`abord <span>l`âme </span>de tristesse; et ce n`est  qu`à la longue qu`on découvre ce qui peut attacher à ce séjour. (&#8230;)<br />
</span>Néanmoins, quand on a surmonté ces sensations irréfléchies,  le pays et les habitants offrent à <span>l`observation quelque </span>chose d`intéressant et de poétique: vous sentez que des âmes et des  imaginations douces ont embelli ces campagnes. Les grands chemins sont plantés  d`arbres fruitiers, placés là pour rafraîchir le voyageur. Les paysages dont le  Rhin est entouré sont superbes presque partout; on dirait que ce fleuve est le  génie tutélaire de <span>l`Allemagne</span>; ses flots sont  purs, rapides, et majestueux comme la vie d`un ancien héros: le Danube se divise  en plusieurs branches; les ondes de <span>l`Elbe </span>et de la  Sprée se troublent facilement par <span>l`orage</span>; le Rhin  seul est presque inaltérable. Les contrées qu`il traverse paraissent tout à la  fois si sérieuses et si variées, si fertiles et si solitaires, qu`on serait tenté de croire que c`est lui-même qui les a cultivées, et que les hommes d`à présent  n`y sont pour rien. Ce fleuve raconte, en passant, les hauts faits des temps  jadis, et <span>l`om</span>bre d`Arminius semble errer <span>encore </span>sur ces rivages escarpés. (&#8230;)&#8221;</p>
<p>(aus: Oeuvres complètes de Mme de  Staël: De <span>l`Allemagne. </span>Première partie. De <span>l`Allemagne</span> et des moeurs des Allemands. Chapitre premier. De <span>l`aspect </span>de <span>l`Allemagne.)</span><span><em> </em></span></p>
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		<title>Schiffshebewerk</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Mar 2011 12:29:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bei unseren rheinischen Fußwanderungen durchs Elsaß sahen wir einst, direkt hinter der Brücke von Breisach, eine recht massive, nicht zu unterschätzende Betonwand wie es schien: im Boden versinken. Die sinkende Mauer entpuppte sich bei näherem Besehen als Teil einer ansehnlichen Schleuse, mithilfe derer ganze Containerschiffe bei den oberrheinischen Staustufen auf die verschiedenen Flußniveaus gehievt bzw [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei unseren rheinischen Fußwanderungen durchs Elsaß sahen wir einst, direkt hinter der Brücke von Breisach, eine recht massive, nicht zu unterschätzende Betonwand wie es schien: im Boden versinken. Die sinkende Mauer entpuppte sich bei näherem Besehen als Teil einer ansehnlichen Schleuse, mithilfe derer ganze Containerschiffe bei den oberrheinischen Staustufen auf die verschiedenen Flußniveaus gehievt bzw niedergelassen werden. Die Schleusentechnik ist uns eigentlich seit Kindheit vertraut, dennoch kam das plötzliche Verschwinden einer Wand wie von Geisterhand zunächst mit dem Effekt einiger Überraschung. Was jüngst bei der Lektüre eines Artikels über die Schiffskanalpläne für die Alpen unsere allseitige Überraschung betreffs des Höhenunterschiedebewältigens von Lastschiffen gar noch stärkte: daß es nebst herkömmlicher Schleusen auch sogenannte Schiffshebewerke gibt; ein leibhaftiges davon im lothringischen Arzviller <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schiffshebewerk_Saint-Louis/Arzviller" target="_blank">(Wikipedia gibt nähere Auskunft)</a>, in dem Schiffe am Rhein-Marne-Kanal, in einer Art Badewanne bergauf und bergab transportiert werden. </p>
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		<title>Vom Fliegen der Murmeltiere oder: Neue Schifffahrtswege über die Alpen</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Mar 2011 12:55:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Über einen in mehrerlei Hinsicht kolossal erscheinenden, vor 100 Jahren in Italien ernsthaft diskutierten Plan des Bündner Ingenieurs Pietro Caminada berichtet Till Hein für die Zeitschrift mare in ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 84): eine Schifffahrtstrasse über die Alpen! Zu Beginn des längeren Artikels konstatiert der Autor, daß es zwar Naturgesetze gäbe, die besagten, daß etwa [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Über einen in mehrerlei Hinsicht kolossal erscheinenden, vor 100 Jahren in Italien ernsthaft diskutierten Plan des Bündner Ingenieurs Pietro Caminada berichtet Till Hein für die Zeitschrift mare in ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 84): eine Schifffahrtstrasse über die Alpen! Zu Beginn des längeren Artikels konstatiert der Autor, daß es zwar Naturgesetze gäbe, die besagten, daß etwa Murmeltiere nicht fliegen könnten, begeistert sich im Verlaufe des Artikels nichtsdestotrotz für einen Plan, der am Aufheben von Naturgesetzen kratzen dürfte:</p>
<p>„(&#8230;) Caminada (&#8230;) will Lastschiffe in einem Kanal über die Alpen schwimmen lassen, über den 2113 Meter hohen Splügenpass in Graubünden. Caminada schwebt ein durchgängiger Wasserweg von der Nordsee bis zum Mittelmeer vor &#8211; eine viele hundert Kilometer lange Wasserstraße, die von der Hafenstadt Genua über Alessandria, Mailand, Como, Chiavenna, den Splügenpass, den Bodensee bis nach Basel führt und von dort über den Rhein bis in die Nordsee.“</p>
<p>1907, als Caminada an die Öffentlichkeit ging, wird über Umweltbelange wohl kaum diskutiert worden sein. Denn die natürliche Umwelt gilt noch eher als feindlich und bezwingens-, anstatt erhaltenswert. Wenige Jahrzehnte zuvor wurde die große Rheinbegradigung vollzogen, vermutlich galt der, immerhin nicht selten bedichtete, Rheinfall, für ein Handelswegprojekt als wenn schon nicht sprengens-, dann doch sicherlich umbuddelnswert. Den Hinterrhein, der bis heute trotz diverser Eingriffe Naturschönheiten (Rofla, Via Mala, Domleschg) aufweist, wollte Caminada mit einem Röhrensystem beehren, das, mithilfe von Wasserkraft und Spezialschleusen, 50 Meter langen Schiffen mit einer Lastenkapazität von 500 Tonnen das Überwinden der örtlichen Steigung von fast einem Kilometer ermöglichen sollte.</p>
<p>Auch wenn Murmeltiere nicht aus eigener Kraft fliegen können, ist es (nicht erst) mit heutigen technischen Gerätschaften unzweifelhaft möglich, sie fliegen zu lassen. Es wird ihnen als eingefleischten Troglodyten nur nicht sonderlich bekommen. In den Alpen fließt das Wasser seit Menschengedenken aus Fels und Gletscher zu Tal. Wer jemals sah, wie die, teilweise gebändigten, Rheine sich zu Tal bewegen, kann sich Schifffahrt an Vorder- oder Hinterrhein nur unter erheblichen Schmerzen vorstellen. Ohnehin schon durchbohrte Berge indes könnten statt Eisenbahntrassen natürlich auch druckregulierte Wasserleitungen für die Schifffahrt führen. Solche müßten einfach nur noch länger, größer, breiter gebohrt werden. Befürworter der Alpenflußfahrt jedenfalls finden sich bis heute: der Südtiroler Albert Mairhofer, „ein Wasserkraftaktivist und pensionierter Staatsbeamter, hat sich von Caminadas Projekt inspirieren lassen. Die Entwürfe des Pioniers seien &#8220;sehr beeindruckend&#8221;, schwärmt er, &#8220;aber etwas zu kompliziert&#8221;. Sein eigener Vorschlag kommt denn auch ohne raffinierte Doppelkammerschleusen oder hydraulische Schiffshebewerke aus: Statt über die Alpen will er mittendurch.“</p>
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