Obélix am Rhein

Meter um Meter stapfe ich voran ins elsässische Kernland, das innert 150 Jahren fünfmal seine Staatszugehörigkeit wechselte. Kirchturmspitzen ragen aus den Feldern, über denen Greife rütteln, die etwas mickriger ausfallen als auf der badischen Rheinseite. Fußgänger scheinen nicht vorgesehen im Elsaß, hier heizt man entweder mit einem möglichst röhrenden Motor unterm Kühler bzw Arsch durch die Gegend oder fährt wenigstens irgendein auffälliges Zweirad. Ich suche also Schleichwege Richtung Neuf-Brisach entlang, aber weit genug abseits der tödlichen Nationalstraße, die mehrfach zu über- bzw unterqueren ansteht, gelange durch ausgelagerte Einkaufszonen, vorbei an den gewaltigen Rücken sonntagsstummer Hypermarchés, Rudeln kläffender Schäferhunde auf Wache hinter Lagerzäunen und neugierigen Geißböcken in den Vorgärten abgeranzter Nebenstraßen. Rue du Genie, Volgelsheim: hier hat sich bezeichnenderweise der Reifenhandel angesiedelt, verweist auf den universellen Dreh- und Auswechselbarkeitscharakter der Dinge, und damit auf ihren kommerziellen Aspekt. (Typisch französisch: das Geistige mit dem Praktischen zu kombinieren.) Bei Algolsheim grüßt ein knautschiger Stroh-Obélix aus den Halmen – im Dorf mit dem allgallischen Namen finden Uderzos und Goscinnys aremoricanische Widerstandsdörfler ihr elsässisches Sommerwochenendexil.