Kaltes Wasser

Am Ufer Steine suchen, Zeitung, Schrott.
Die Zeichen lesen, die Entfernungen.
Das Grün beachtlich und nach den Regeln
kartographiert. Geschwungen, schau,
driftet der Rhein unter die Schnellstraße.
Ein paar Schritte auf die aufgelassene
Industrie zugehen, längs des kalten Wassers
das seine chemischen Bestandteile leugnet.
Es blinzelt und trägt ein Frachtschiff zum Meer.

(Ein Gastbeitrag von Adrian Kasnitz. rheinsein dankt!)

Ausgebautes Fragment

Das Gelichter & Gelächter
an der unteren Uferpromenade
angeschienen ist ein bedeutungs-
loser Ort
ich rufe deinen kristallklaren
Namen
schaukelnd schlägt es zur
Brücke hoch
der Summton bricht nicht ab.

(aus: Adrian Kasnitz – Reichstag bei Regen, Lyrikedition 2000, 2002. rheinsein dankt dem Autor für die Überlassung des Gedichts.)

köln durch 11

Am heutigen 13. Februar 2012 erscheint, mit einer Präsentation im Kölner Literaturklub im Theater die wohngemeinschaft, die von Christian Heinrici herausgegebene Anthologie köln durch 11.
Wir zitieren aus dem Presseinfo: “In dem ungewöhnlichen Literatur- und Foto-Band werden elf Kölner Stadtviertel von elf Kölner Schriftstellern porträtiert, bebildert mit Fotografien von Heike Frielingsdorf und Cornelia Olligs. Der Band zeigt die skurrilen Seiten Kölns, „einer Stadt, die sicher nicht an allen Stellen schön, aber vielerorts liebens- und erlebenswert ist“, (…) ein etwas anderes Köln-Buch – jenseits von Kitsch und Kommerz – mit Beiträgen von Chrizz B. Reuer, Julja Schneider, Adrienne Brehmer, Christian Heinrici, Armin Bings, Gerrit Wustmann, Marie T. Martin, Bettina Hesse, Alexander Bach, Adrian Kasnitz und Stan Lafleur als literarische Veedelspaten.”

Die Veranstaltung heute abend beginnt um 20 Uhr. Es wird ein Unkostenbeitrag von 5 Euro erhoben. Wir können leider nicht zugegen sein, da wir uns seit vergangenem Samstag und noch auf unabsehbare Zeit in der Stadtbahnlinie 18 mit Kurs auf Istanbul befinden. Der Band trägt eine ISBN-Nummer (welche, wissen wir nicht) und kann somit über den Buchhandel erworben werden. Basisverkaufsstätte ist das Nippeser Lädchen vielFACH. Der Preis beträgt 9,90 Euro. Wir kennen die Druckqualität nicht, auf den Fahnen sahen die Fotos sehr ansprechend aus.

Das Lachen der Hühner (3)

Gestern fand die offizielle Das Lachen der Hühner-Verlagspräsentation im Rahmen des Literaturklubs im Theater „die wohngemeinschaft“ in Kölns Belgischem Viertel statt. Zunächst las Holger Hegemann aus seinem entstehenden Erzählwerk über eine jüdische Familie im Köln der 30er Jahre. Nika Bertram brachte aus den Tiefen ihrer Schubladen einen unveröffentlichten, leicht experimentell gehaltenen Text aus der Prä-Facebook-Ära, der sich mit durchcomputerisierter Zukunft, aus heutiger Sicht ergo: der Gegenwart befaßte. Dazwischen Adrian Kasnitz` legere Moderation und ein junger Singer/Songwriter namens Diar, der direkt von Myspace hinzugestoßen war. Das alles war rund und gut und hielt die schwanke Waage zwischen E und U auf genau die Art und Weise am Pendeln, die wir so schätzen. Die Präsentation des Gedichtbands war als Schlußakt der Wortbeiträge vorgesehen. Weil viele, selbst gebildete Deutsche nördlich der Bodenseeregion kaum etwas über Lage, Struktur, Einwohnerzahl etc Liechtensteins, von dem Das Lachen der Hühner handelt, wissen, ließen wir als Bühnenbild eine exzellente geografische Straßenkarte des Fürstentums projizieren. Dank modernster Beamertechnik allerdings ging die Kartenprojektion viel zu sehr in die Breite, sodaß bereits die simple Erklärung, der Zuschauer solle sich das Land nun bitte nicht ganz so ausgedehnt vorstellen, sondern in vertikaler Achse etwa um die Hälfte zusammengestaucht, beim selbstbewußten Großstadtpublikum für einige Lacher sorgte, die fortan beinahe jede Erläuterung zur Landesstruktur wie liechtensteinischen Eigenheiten und Vorhaben, völlig unabhängig davon wie ernsthaft sie vorgebracht war, begleiteten. Eingebettet in diese wie beiläufig entstandene Atmosfäre des Amusements über ein unbekanntes Exotenvolk, kam etwa die Hälfte des Bandes zum Vortrag. Die Sonette wurden, wie es hoher Dichtung gebührt, deutlich andächtiger aufgenommen. Nach dem Vortrag kam die Frage, warum wir denn keine eigene TV-Show hätten. „Ja, sieht man jetzt sowas im TV?“, lautete die Rückfrage. „Schon, aber nicht so gut.“ Was nicht ist, kann noch werden. Aus rheinsein ist ja binnen zwonhalb Jahren bereits einiges kaum Voraussehbare geworden. So wird rheinsein tatsächlich bald seine erste Show starten – vorerst nicht im Fernsehen, sondern im Heimathirsch. Wer, was, wo und wann genau das ist, verkünden wir an dieser Stelle noch zeitnah in zusammenhängenden Worten.

Adrian Kasnitz: Königswinter

Die alte westdeutsche Zeit, sie tickt noch
und hat in diesen Gassen ihr Refugium, schau
die Kannen im Fenster, in denen
verwunschene Essenzen schlafen.

Oben bröckelt der Fels, steig hinauf.
Sicher, der Ausblick ist wie im Prospekt
und manchmal gibt es Drachen
wie Drachentöter im Ausflugsprogramm.

Nah ist der Rhein, das weißt du
das weiß das Navigationsgerät, schau
da ist ein Blatt auf deiner Schulter.

das leben am rhein

von westen, dem zersiedelten umland
ziehen wolken auf. wir trotzen, bleiben gewiß
am strand, wo du ein sonniges fleckchen liebst.
du scherzt, du lachst dich, ein großer spaß.
deine schultern unnah, deine klopfenden schenkel.
du machst mich kirre, machst mich jeck. und wir singen
ländchen, land, ländchen der reben. geliebte
sagt man, und schönheit. es klimpert im herz
kasten. wonne, sagt man, und freude. schon
glänzen die äuglein, schon mischen sich
tränen in den trüben strom. fürwahr (& gesteh
es nur ein) deine freundschaft ist so bieder.

(nach Johann Joseph Reiff)

(aus: Adrian Kasnitz – innere sicherheit, Yedermann 2006. Rheinsein dankt dem Autor für die Überlassung des Textes.)