Der Rhein – Strom der Geschichte

lautet der Titel der neuesten Rheindoku (von Florian Breier und Christian Stiefenhofer), die dieser Tage bei anlief, bis 11. Juli 2016 in der Arte-Mediathek verfügbar ist und sicher noch einige Wiederholungen erleben wird. Der knapp 90-minütige Film switcht in abgegrenzten, letztlich zusammenhanglosen Szenen zwischen Quellen und Mündungen – Leitfaden ist einmal nicht (wie bei Rheindokumentationen gängig) die Geografie, sondern die Zeitleiste, die chronologisch von der Prähistorie bis in die Gegenwart verhandelt wird.
So beginnt der Film mit Krokodilen, Tapiren und Dinotherien, die sich vor 15 Millionen Jahren am tropischen Urrhein im heutigen Rheinland-Pfalz aufgehalten haben – bevor der Fluß seinen Weg änderte, um das Mittelrheintal auszuschwemmen. Ein jüngst mit moderner Methode ausgewertetes Hirschgeweih verweise auf das lange umstrittene Stromalter, das vermutlich erst mithilfe einer nächsten, noch moderneren Methode korrigiert bzw. ganz neu ermittelt werden wird. (Vor gut einem Jahr hatten wir auf solche Überlegungen zum Flußalter auf rheinsein verwiesen.) Der Urrhein wird dargestellt als Überbleibsel eines Teile Europas bedeckenden Meeres, das von der Alpenauffaltung zurückgedrängt wurde. Die Rede ist von einem “Wachstum nach Süden” und Verschmelzen mit der Uraare, die Flußrichtung müßte mithin gegenläufig zur heutigen verlaufen sein. Der Uralpenrhein dieweil sei bis vor fünf Millionen Jahren noch in die Urdonau geflossen. Erst in einer Eiszeit vor 450.000 Jahren hätten Gletscher den Urrhein von der Urdonau abgeschnitten und nach Westen gedrängt, wo er auf die Rhein-Aareverschmelzung getroffen sei.
Es folgt ein Sprung in die Eiszeit vor rund 14.000 Jahren. In der Gegend des heutigen Bonn jagen von Schauspielern dargestellte Frühmenschen an den Ufern des amazonisch verzweigten, mehrere Kilometer breiten Rheins. Die Pfeile bei der Elchjagd sind mit Feuersteinspitzen versehen. Aus Geweih schnitzten die “Oberkasseler Menschen” wie sie nach Skelettfunden bezeichnet werden, Elchfiguren in fließenden Formen.
Vom Ausbruch eines Eifelvulkans und seinen Folgen für den Rhein erfahren wir in Computeranimationen, von der Ruinaulta, vom Verhältnis zwischen Römern und Germanen, von Deutschen und Franzosen und nicht zu knapp von Tullas Rheinbegradigung, doch gehen sämtliche Abschnitte kaum je über den Teasermodus hinaus: interessante Ansätze, die im Allgemeinen steckenbleiben und Fragen aufwerfen, die wir als Zuschauer lieber geklärt gesehen hätten: eine Dokumentation wie ein Hinweis auf zahlreiche noch zu drehende Dokumentationen!

Die Schweiz am Meer

Auch das Berner Oberland ist die Heimat des Rheins. Ein großer Teil der Schweiz ist es. Die Aare kommt in den Oberrhein nicht weniger mit ungebrochener glänzender Flut als dieser; sie ist sein Geschwister, doch das nachgereihte. Welches Welterlebnis hat bis zu diesem Zusammenfluß der weit ausgreifende und verloren gewesene Rhein schon hinter sich! Die Aare faßt in einem Fächer wie ein Leuchter mit vielen Armen die Flammen lichtglänzender Seen, die von Schattenwänden umstellten Landmeere zusammen, sie flicht in ihre Wellen, was die Wannen vor Thun und Brienz, vor Biel, vor den Vierwaldstätten und vor Zürich an fließenden Wassern, an entgleitenden, wippenden Flüßchen abgeben. Schon bei Aarau, ehe sie Reuß und Limmat in sich aufgenommen, ist sie ein starkes, eilendes und grünlichfarbenes Gewässer. Köstlich, zwischen den festungsähnlichen, weißen Quader-Toren des Brückenanfanges von der Kettenbrücke, die von Reitern, locker marschierenden Soldaten, langsam rollenden Fuhrwerken bebt, auf die enggefügten Schindeln des Flusses hinabzuschauen, der ohne Geräusch in dunkelgrünen hohen Ufern zu Tal reist. Hier ist die ländliche Allee mit sommertiefen Schatten, der eingeschlafene Arbeiter mit offenem Brustlatz auf der Ruhebank; aus der Verborgenheit eines Bergtals knattert es verschwenderisch von den Schießständen. Drüben baut sich die Stadt empor, warm besonnt, mit staubfarbenen Bürgerhäusern, schwarzbraunen Dächern, grünen Fensterläden, darin der breite alte Kirchturm übereck mit dem indigoblauen Zifferblatt und dem hohen goldstrahlenden Knauf. Diese Stadt in ihrer untersetzten Bauart, mit ihren herabgezogenen Giebelhauben, mit ihren starkfarbigen und heraldisch derben Bürgerwappen an den Wänden der Gassen, mit manchem modernen Gebäude, das die großen Aufgaben der Post und der Kantonsverwaltung, den gefestigten Reichtum der Großbanken, den welterfahrenen Geschmack villenbewohnender Herrschaften erkennen läßt, bewahrt an ihrer breitesten Straße unter schwärzlich schattenden Bäumen neben dem Standbild des vergessenen Zschokke einen Steinfindling, groß und glatt wie ein Seehundsrücken, namenlos und ohne Inschrift, nichts als ein Denkmal für die Arbeit des Wassers in den aufgerissenen Tälern der Vorschweiz. Die Brücke wirft ihr Rautenmuster als ein kurzes Gitter von Schatten auf den Fluß; ein wenig abwärts in der offenen buschigen Landschaft ist eine Kribbe wie ein Stab quer in den Fluß gelegt. An ihrer Spitze, fast in Wassersmitte, steht eine Gruppe Knaben mit nackten Beinen und weißen Aermeln, mit der ausgestreckten Angel. Der Himmel ist weit und vom hellsten Blau. Der Fluß rinnt, unendlich sanft anschwellender Schimmer, der sich gleichmäßig und unaufhaltsam einer unbekannten Ferne hingibt. Lebendiges Geschenk, an wen? An alle, die auf tausend Meilen abwärts auf dem Festland wohnen. Bis Germersheim ist der Rhein fast nichts anderes als das Seenwasser der Schweiz, dann erst beginnen die Zuströme von den deutschen Gebirgen ihn zu mischen. Und im Sommer reicht die Schweiz mit dem Wasser ihrer Schneewände fast unvermischt bis an das Meer. Von den hundert Millionen Raummeter Wasser, die täglich im riesigen Behälter an Köln vorüberströmen, kommt aus der Schweiz noch fast die Hälfte, wenn der Strom nicht übermäßig hoch und nicht niedrig ist.

(Alfons Paquet: Der Rhein, eine Reise, Frankfurt/Main 1923)

Für Paquet galt Heinrich Zschokke als vergessener Autor; für rheinsein ist er das natürlich nicht: im großen Elektromosaik, das rheinsein vorstellt, findet sich auch ein Zschokke-Baustein, eine Beschreibung des Kantons Graubünden aus dem Roman Die Rose von Disentis. Unterdessen dürfte Paquet, auf den wir über die Spezialistinnen des Arbeitskreises zur Erforschung der Moderne im Rheinland stießen, weitgehend als vergessener Autor gelten.

Die Insel der heiligen Verena

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Den Abschluß von Marianne Büttikers Serie zum Zusammenfluß von Rhein und Aare macht ein doppelter Inselblick (Foto und Gouache auf Papier). Die namenlose Rheininsel läßt sich mit der heiligen Verena in Verbindung bringen, die, nach schwankender Quellenlage, um 320 bzw um 350 n. Chr. in Zurzach gestorben sein soll, wo sich einer ihrer Arme bis heute im nach ihr benannten Verenamünster befinden soll. Die Rheininsel nahe der Aaremündung bei Koblenz, seinerzeit eine römische Siedlung, erreichte Verena, die zuvor einige Zeit als Krankenpflegerin in Solothurn tätig gewesen war, indem sie auf einem Mühlstein (oder sonstigen flachen Stein) die Aare hinabreiste. Die Insel soll damals von gefährlichen Schlangen bewohnt gewesen sein. Verena löste das Schlangenproblem, indem sie ein Segensgebet über das Eiland sprach: die Schlangen stürzten sich daraufhin in den Rhein, um sich zu ersäufen. Auf der gesäuberten Insel widmete Verena sich erneut der Krankenpflege.

Aaremündung: Es verliert sich nichts (6)

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Wo die Aare zum Rhein wird bleibt Wasser Wasser und Spiegelungen ein Schimmer Grün im silbernen Glanz begegnen sich zwei Sprachen

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Marianne Büttiker: Blick vom Ufer Koblenz AG Richtung Rheininsel der heiligen Verena; “Strömung”: Gouache auf Papier.

Aaremündung: Es verliert sich nichts (5)

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Einen Augenblick lang schweigt selbst das Rauschen und hält inne bevor es den Sog des anderen Wassers passiert

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Marianne Büttiker: Blick vom Ufer Koblenz AG Richtung Waldshut; “Farbpartitur Rhein-Aare-Mündung”: Gouache auf Papier.

Aaremündung: Es verliert sich nichts (4)

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Von Ufer zu Ufer ein Aufsteigen ein Abtauchen Wirbel um Wirbel bilden eine Naht im Dreieck eine stille Stelle

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Marianne Büttiker: Blick vom Ufer Koblenz AG auf den Zusammenfluß von Aare und Rhein; “Kartographie der Strömung”: Gouache auf Papier.

Aaremündung: Es verliert sich nichts (3)

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Wo zwei Flüsse Inseln umströmen ihre Wasser einem Beet zutragen Windböen kleine Wellen über die Fläche schicken das Entenvolk sich mit ihnen verbündet und dem Blick entschwindet

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Marianne Büttiker: Blick vom Ufer Koblenz AG Richtung Waldshut; “Mündung”: Gouache auf Papier.

Aaremündung: Es verliert sich nichts (2)

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Im Strom der Zeit in die Jahre gekommen eine ordnende Kraft ein Zufluss eingebettet

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Marianne Büttiker: Blick vom Ufer Felsenau Richtung Koblenz AG und Waldshut; “Im Strom”: Gouache auf Papier.

Aaremündung: Es verliert sich nichts

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Im Rauschen ein Flimmern die Spiegelung die Zeit das Ufer der Wind in den Ästen

1_gouache

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Marianne Büttikers Arbeiten zum Basler Rhein hatten wir bereits vorgestellt. Nun schickt sie uns, passend zum Übergang zwischen den Jahren, eine neu entstandene Text-Bild-Serie über die Aaremündung, oder besser gesagt: zum Zusammenfluß von Rhein und Aare. Denn die Aare gilt als der wasserreichere Fluß, in der Regel ein Indikator für den Vorrang bei der Namensgebung. Daß der Rhein hinter Koblenz AG weiterhin Rhein und nicht Aare heißt, kann als geschichtliche Fügung oder Willkür aufgefaßt werden und wird als Tatsache allgemein hingenommen. Marianne Büttiker spricht in diesem Zusammenhang lieber von “Begegnung”: ihre Beobachtungen gelten den poetischen Momenten des Ineinanderfließens beider Ströme. rheinsein freut sich, die unter dem Sammeltitel “Es verliert sich nichts” entstandenen Gouachen und Zeilen in einer kleinen Serie präsentieren zu dürfen.
Den Auftakt macht ein Blick von Felsenau auf Konstanz AG, die zugehörige Gouache ist betitelt: “Es verliert sich nicht”.

The Fall of the Aar – Handec

FROM the fierce aspect of this River throwing
His giant body o’er the steep rock’s brink,
Back in astonishment and fear we shrink:
But, gradually a calmer look bestowing,
Flowers we espy beside the torrent growing;
Flowers that peep forth from many a cleft and chink,
And, from the whirlwind of his anger, drink
Hues ever fresh, in rocky fortress blowing:
They suck, from breath that threatening to destroy,
Is more benignant than the dewy eve,
Beauty, and life, and motions as of joy:
Nor doubt but HE to whom yon Pine-trees nod
Their heads in sign of worship, Nature’s God,
These humbler adorations will receive.

(William Wordsworth, Memorials of a tour on the continent, 1820)

Presserückschau (Juli 2014)

Die Rheinmeldungen des Juli-Sommerlochs handeln von Rückständen und Schwimmern im Fluß, sowie saisontypisch von Tieren, darunter einem selten gesehenen Besucher:

1
Den Rhein auf kleinste Plastikpartikeln untersucht der Basler Student Thomas Mani: “”Es gibt Hochrechnungen, laut denen täglich mehr als vier Tonnen kleinste Plastikteile via Donau ins Schwarze Meer gelangen. Mit meiner Masterarbeit will ich prüfen, ob es dieses Problem auch im Rhein gibt.” In einer 15-tägigen (…) Reise mit einem Kleinbus wird er an zehn Stellen zwischen Basel und Rotterdam rund 4,5 Millionen Liter Rheinwasser filtern und die darin enthaltenen Schwebestoffe zurück ins Labor bringen. Dort werden die winzigen Plastikteile Stück für Stück unter dem Binokular untersucht, fotografiert und gewogen. Danach wird ein externes Forschungsinstitut mittels Infrarot-Spektroskopie ermitteln, von welchen Produkten der Mikroplastik möglicherweise stammt.” (20 minuten)

2
Noch ein Probenentnehmer kündigt sich in der Presse an: der Chemiker Andreas Fath möchte den Rhein ab Ende Juli der Länge nach durchschwimmen. “So will man erforschen, wie sauber der Rhein wirklich ist und was darin so alles schwimmt. Unter anderem erwarten die Wissenschaftler zu finden: Spuren von der Droge Crystal Meth, Psychopharmaka, Pestizide sowie einen Wirkstoff aus der Anti-Baby-Pille. Ein Fokus liege auf Mikroplastik, erläutert Fath, also mikroskopisch kleinen Plastikteilchen, etwa von PET-Flaschen. Die Ergebnisse könnten laut dem Chemiker dabei helfen, Verfahren zu entwickeln, bestimmte Stoffe aus dem Abwasser zu filtern. Der Wissenschaftler sieht es auch als sportliche Herausforderung: Vor ihm hat nur der Bonner Klaus Pechstein den Rhein bezwungen, in 30 Tagen, 1969 war das.” (Morgenweb)

3
Dieweil Andreas Fath (siehe 2) mit der Ankündigung seiner Rheindurchschwimmung die deutsche Presselandschaft des Sommerlochs im Sturm erobert, ist Ernst Bromeis bereits mit seiner “Expedition 2014″ im Rhein unterwegs. Im Mai 2012 hatte Bromeis einen ersten Versuch gestartet, den gesamten Rhein zu durchschwimmen – kurz hinter Basel gab er damals auf. Im Vorfeld hatte die Presse seinerzeit ausführlich berichtet. Dieses Mal hält sich deutsche Presse im Vorfeld und auch während der laufenden Aktion (mit Ausnahme eines längeren, lesenswerten Artikels in der FAZ) vornehm zurück, während die Schweizer Presse auch Bromeis’ zweite Expedition begleitet: “Zu Beginn der dritten Expeditionswoche erlebte das Team um Ernst Bromeis (…) eine unangenehme Überraschung: Am Stauwehr des Kraftwerks Laufenburg (Aargau) wurde ihnen mitgeteilt, dass bis auf weiteres keine Boote passieren können, weil der Hochrhein für den Schiffsverkehr teilweise gesperrt sei. Grund dafür sind die ergiebigen Niederschläge der letzten Tage und Wochen vor allem im Einzugsgebiet der Aare, die weiter oben in den Rhein mündet. «Ohne Begleitboot kann ich im Moment nicht weiterschwimmen,» fasst Bromeis die Situation zusammen. Er war mit seiner «Expedition 2014» am 7. Juli an der Rheinquelle im Lago di Dentro gestartet, um zur Rheinmündung in Holland zu schwimmen. Die ersten sieben Tage hatten ihm die sehr tiefen Wassertemperaturen zu schaffen gemacht.” (Südostschweiz)

4
Von “Teufelszeug auf dem Vormarsch” berichtet die Frankfurter Rundschau und meint das oben (siehe 2) angesprochene Crystal Meth. Ein verwandter Artikel derselben Ausgabe schildert womöglich erste Auswirkungen der Droge: “Äußerst aggressiv sollen zwei Männer in Bingen reagiert haben, als sie von Wachleuten beim Nacktbaden im Rhein gestört wurden. Die Sicherheitsleute hatten sie am Freitagabend auf dem Gelände der Landesgartenschau erwischt und zum Verlassen des Parks aufgefordert (…). Daraufhin hätten die unbekleideten Schwimmer die Wachleute wüst beschimpft und mit der Faust zugeschlagen.”

5
Am Oberrhein, wo sie entlang des Rheins am häufigsten vorkommen, heißen die Stechmücken Schnaken (Dialekt: Schnooke bzw in diversen Schreibweisen). Ihre Brutgebiete liegen in den dümpelnden Altrheinarmen. Seit 1976 werden sie Jahr für Jahr vom Menschen bekämpft, die Kriegstaktik ging dabei von anfänglich massiven Einsätzen der chemischen Keule zu biologischen Kampfstoffen über: “Monsunartige Regenfälle in Kombination mit tropischen Temperaturen: Das ist eine Wettermischung, die den Stechmückenbekämpfern am Rhein gar nicht gefällt. Vor wenigen Tagen erst sind die Hubschraubereinsätze zu Ende gegangen, bei denen der für Schnakenlarven tödliche Eiweißstoff Bacillus thuringiensis israelensis (BTI) aus der Luft über einer Fläche von rund 6000 Quadratkilometern abgeworfen wurde. Da rollt schon die nächste Hochwasserwelle den Fluss hinab. So dass in den Brutgewässern links und rechts des Stroms, in denen die dort abgelegten Eier durchaus bis zu zehn Jahre auf den für sie „richtigen Moment“ warten können, abermals neue Plagegeister heranwachsen” schreibt die FAZ. Die Kampfeinsätze finden vom Kaiserstuhl bis Bingen statt, neben Helikoptern sind ganze Hundertschaften Infanterie mit Sprühgeräten im Einsatz. Veterane der Anti-Schnaken-Bewegung erinnern sich noch an die Zeit vor 1976, als viele Rheinanwohner die Sommerabende im eigenen Garten nur in Neoprenanzügen überstehen konnten.

6
Zum ersten mal habe sich ein Seeadler im niederländisch-deutschen Grenzgebiet dauerhaft niedergelassen, schreibt derwesten: “Mit einer Flügelspannweite bis 2,40 Meter gleitet der Seeadler fast geräuschlos am Himmel, elegant und immer aufmerksam auf der Suche nach Nahrung. Der Seeadler gehört zu den größten Raubvögeln in Mitteleuropa und in diesem Jahr ist er zum ersten Mal auch ein Sommergast in der deutsch-niederländischen Grenzregion. Ornithologe Bert Beekers beobachtet den Vogel seit ein paar Monaten am Kaliwaal bei Kekerdom in der Millinger Waard, im Ooijpolder, entlang der Altrheinarme in Lobith und in der deutschen Düffel.”

Le Styx des Alpes

À ma gauche coule le Rhin ; au delà c’est le canton des Grisons ; je suis entré dans celui de Saint-Gall. On a cru reconnaître que le Rhin n’a pas toujours suivi le cours actuel : les terrains d’ alluvion du pays de Wallenstadt, et en général de la vallée de la Limmat, tendent à démontrer que, il y a une vingtaine de siècles, le fleuve se jetait dans le lac de Wallenstadt, couloit ensuite dans celui de Zurich, et finalement se confondait avec l’Aar, à partir de Brugg (Suisse). Le silence des Romains à l’endroit de la cataracte de Schaffhouse est très significatif à cet égard. Suivant des sérieuses observations hydrographiques, le Rhin se serait donc frayé peu à peu un passage à travers les rochers pour prendre une direction nouvelle vers le nord. Ce serait un de ces caprices qu’il s’est déjà permis ailleurs : du temps de Philippe-Auguste, la ville de Vieux-Brisach, batie sur de haute rochers, était alsacienne ; mais le Rhin, changeant de cours au moment d’une grande inondation, rejeta la ville sur la rive droite, et depuis lors elle est badoise.
En roman le mot “Rhin” signifie eau courante : ne faudrait-il pas trouver l’origine de ce nom propre dans le verbe grec (…), qui signifie couler, et rapprocher de cette étymologie les mots Rhône et Rha (l’ancien nom du Volga)?
Le pays où je suis est vaste et large ; il est dominé par les montagnes du canton de Glaris.
À Ragatz je descendis avec mon compagnon. Il me suffira de dire que cinquant mille personnes visitent anuellement Ragatz et la Tamina, pour donner une idée de l’animation qui règne en cet endroit. Nous entendons les couchers de toute livrée nous crier: “Hôtel Ragatz, hôtel Quellenhof (hôtel des sources), hôtel Rosengarten (jardin des roses), hôtel Freieck, hôtel Schweizerhof, hôtel Tamina, etc.” Reste à savoir si les notes de consommation sont aussi poétiques que les noms des hôtels.
Nous nous dirigeons aussitôt vers le joli bourg de Ragatz (1 900 habitants) : nous approchons de l’un des passages les plus fameux et les plus terribles des Alpes. Ce n’est point de la gorge de la sauvage Tamina, un affluent du Rhin, soit dangereuse pour le touriste ; mais, par le fait même qu’il n’a point à se soucier de sa conservation, il peut mieux sonder de l’oeil le gouffre, et jouir en frissonnant d’un site peut-être sans pareil.
Déjà nous avons dépassé Ragatz ; déjà la vallée se resserre, et les rochers font place à la nature cultivée. Ça et la une petite voiture marche au pas sur la route ; mais la plupart des touristes préfèrent s’enfoncer à pied dans l’étroit passage.
Les rochers cependant se resserrent ; la portion de ciel dont on jouit devient plus étroite ; seule la nature brute et morte accompagne le voyageur vers les autres profonds. La vallée n’est plus que le cours torrentueux et effrayant de la Tamina.
La route serpente le long de la rive gauche ; à mes pieds se précipitent les caux, dont je ne suis séparé que par un talus cacarpé et toujours vertigineux ; à droite je remarque quelques traînées de maigre végétation sur un sol escarpé, halayé par chaque pluie d’orage ; mais enfin les rochers perpendieulaires font aussi leur apparition de ce côté, et occuperont désormais sans partage les deux rives du torrent. Il nous arrive donc souvent de voir les blocs énormes suspendus au-dessus de nos têtes, tandis que les eaux mugissantes exécutent leur valse éternelle sous nos pieds. La lumière devient plus rare ; le rayon de soleil, même en plein midi, est un luxe ; quelques mousses, quelques herbes souffreteuses poussent encore à des rares intervalles sur les parois humides, hautes de deux cent cinquante à trois cent mètres.
Continuons à suivre cet effroyable ravin dont l’embouchure se trouve à Ragatz, à environ quinze lieues du lac de Constance. Le chemin, encore accessible aux voitures, s’enfonce complètement dans le roc vif, comme s’il voulait fuir les abîmes inévitables. Maint touriste ne voit qu’avec terreur le fond où se précipitent les eaux, sur un lit formé de cailloux noirâtres, complètement différent des parois calcaires, veinées de quartz, qui forment le gouffre. Lorsque le torrent tombe perpendiculairement, l’écume jaillit jusqu’aux pieds du passant. La route est étroite ; si donc deux voiture s’y rencontrent, il faut que l#une d’elles approche de l’abîme, et que l’autre frise les rochers pendants ; ceux-ci se touchent, est c’est un moment d’émotion à subir. Je conseille à tout voyageur de ne passer qu’à pied en de tels lieux.

(F. A. Robischung, Un touriste alpin à travers la forêt de Bregenz et la Via Mala (1881))

Presserückschau (April 2014)

Vom uns bis dato unbekannten “Anker am Rhein”, von seinem ehemaligen Ursprung am Kaiserstuhl und seinem Kampf mit der Donau, einem neuen Museum, dem Liechtensteiner Robin Hood, dem Bienensterben, einer Brunnenidee, die uns bekannt vorkommt, und den Auswirkungen der zeitgenössischen Flußkreuzfahrt handeln die ausgewählten Meldungen des Aprils:

1
In Voerde soll “im Zuge von Voerde 2030 – Lebendige Innenstadt” der Marktplatz umgestaltet werden, berichtet die Rheinische Post und vermittelt dank ihrer mit der Planung betrauten Interviewpartner den Eindruck einer bislang toten Innenstadt: “Wichtig seien eine klare Funktionszuordnung, wie zum Beispiel ein autofreier Marktplatz, eine Identität sowie eine positiv erlebbare Atmosphäre zu schaffen. Der Platz ist groß, aber man vergesse ihn wieder.” Die Planungen befänden sich noch in der Anfangsfase. Im Ideenpool liege unter anderem “der Rheinverlauf bei Voerde als Miniatur” (ähnlich wie bereits im benachbarten Wesel zu bestaunen): “Voerde sei der “Anker” am Rhein, deshalb sei ein Wasserspiel für den Platz wichtig.”

2
Die rheinland-pfälzische Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken über Auswirkungen des geplanten Freihandelsabkommens (TTIP) im Interview mit der Rhein-Zeitung: “Beim Weinanbau ist in den USA beispielsweise der Einsatz von Wasser zur Reduktion des natürlichen Alkoholgehaltes zugelassen, in Europa nicht. Auch geografische Angaben werden in den USA anders verwendet. Bezeichnungen wie “Moselle” oder “Rhine” sind erlaubt, auch wenn sie nichts mit den Herkunftsorten zu tun haben. Das ist nicht kompatibel mit unseren Kennzeichnungen. Würde ein Mosel-Wein aus den USA hier im Handel stehen, es wäre Wettbewerbsverzerrung. Das hätte natürlich auch Auswirkungen auf die Einkommen der Winzer und auf unsere Gesetzgebung. Denn wenn es sich nicht mehr lohnt, bei den Bezeichnungen genau zu sein, wer macht es dann noch?”

3
Bei einem rätselhaften Bienensterben in Leverkusen sollen rund eine Million Bienen verendet sein: “Die Bienenvölker standen alle entlang des Rheins in Rheindorf-Süd und Hitdorf. (…) Imkermeister Konrad Kappek (…) sagt, dass die Völker in Rheindorf-Süd am stärksten betroffen seien. Schon aus dem Norden des Stadtteils gab es keine Meldungen über Vergiftungen. Auch nicht von der anderen Rheinseite. Deshalb sei eine Vergiftung des Rheinwassers, von dem die Tiere trinken, nicht sehr wahrscheinlich, sagte der Leverkusener Amtstierarzt Kurt Molitor. Auch weiter rheinabwärts und aus Wiesdorf gab es keine Meldungen. Es ist nur dieser schmale Streifen Leverkusens betroffen.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

4
Frisch eröffnet wurde das Bergbaumuseum in Innerferrera und erweitert die Museumspalette am Rhein um ein weiteres Kleinod: “Zwei Dauerausstellungsräume im Obergeschoss, im Erdgeschoss eine öffentliche Toilette, einen Informationspunkt des Naturparks Beverin und einen Raum für Wechselausstellungen: Das alles beherbergt das (…) mit bergmännischen «Glückauf»-Wünschen neu eröffnete Bergbaumuseum in Innerferrera, entstanden aus einer Kooperation des Vereins Erzminen Hinterrhein mit dem Naturpark Beverin und der Gemeinde Ferrera” berichtet die Südostschweiz.

5
Womöglich im Rhein bei Ruggell ertränkt hat sich der selbsternannte Robin Hood Liechtensteins Jürgen Hermann, der seit Jahren gegen die “liechtensteinische Finanzmafia” (Zitat Hermann) kämpfte und schließlich Bank-Chef Jürgen Frick erschoß: “Die Liechtensteiner Wasserrettung war (…) damit beschäftigt, den Rheindamm bei Ruggell abzusuchen. Nahe der Kanalmündung waren eine Jacke sowie weitere Utensilien des Mörders von Bank-Frick-Chef Jürgen Frick aufgefunden worden. Darunter auch seine Identitätskarte und ein Reisepass. Auf einer Seite im Pass hatte Hermann einige handschriftliche Notizen verfasst, in denen er in einer Art Abschiedsbrief auch seine Tat gestand. Aufgrund dessen geht die Landespolizei davon aus, dass Jürgen Hermann in die Fluten des Rheins sprang und Suizid beging. Wie es an der Medienkonferenz in Vaduz hiess, könne es allerdings Tage oder Wochen dauern, bis die Suche abgeschlossen sei – sofern überhaupt jemals eine weitere Spur auftauche. Ebenfalls noch nicht aufgefunden wurde die Tatwaffe, eine 9-Millimeter-Pistole.” (Liechtensteiner Vaterland)

6
Einen interessanten Artikel über die Früh- und künftige Geschichte von Rhein und Donau bringt der Schwarzwälder Bote: “Die Donau ist der einzige Fluss Europas, der kontinuierlich nach Osten fließt. Blickt man in die Flussgeschichte, hat die Donau eine sehr bewegte Zufluss-Vergangenheit. Der geologischer Prozess ist jedoch unaufhaltsam. Er führt dazu, dass die Donau an einem fernen Tag ihre Quelle bei Tuttlingen haben wird, das wird an dem Tag sein, an dem der Rhein ihr das Wasser an der Donauversinkung über den Aach-Topf komplett nimmt. Aufgrund des Höhenunterschieds wird der Rhein diesen geologischen Kampf gegen die Donau auch immer gewinnen – so wie das in der Vergangenheit schon öfter geschah. (…) Der Kampf um das Wasser begann vor zehn Millionen Jahren. Die schweizerische Aare war in jenem Zeitalter der Quellfluss, die Geologen sprechen von der Aare-Donau. (…) Der Rhein hatte damals seine Quelle noch in der Nähe des Kaiserstuhls. Durch geologische Vorgänge vor rund zwei Millionen Jahren, wie dem Einbruch des Oberrheingrabens, kam es zu einer Verbindung von Aare und Rhein.”

7
Der Entwicklung von Schiffkreuzfahrten und ihren Auswirkungen für Breisach widmet die Badische Zeitung einen ausführlichen Artikel. Demnach werden die Kreuzfahrten fast ausschließlich von englischsprachigen Rentnern gebucht, die bei ihren Landausflügen von Begleitern in Tracht und Bollenhut bespaßt werden. Auch verät der Artikel, daß sich in Australien eine Weinbauregion namens Kaiserstuhl befinden soll: “Auf dem Rhein erleben Schiffkreuzfahrten einen Boom. Davon profitieren auch Anlegestellen wie Breisach oder Kehl. Allein in Breisach rechnet man in der kommenden Saison mit 500 Schiffen – insgesamt wären das 100.000 Fahrgäste. (…) Viking Cruises, einer der weltweit führenden Flusskreuzfahrt-Firmen, wirbt für seine Fahrten auf dem Rhein seit diesem Jahr nur noch in anglophonen Ländern – dort liegt der für das Unternehmen rentablere Markt. Die Kölner Niederlassung wurde deshalb 2013 geschlossen – offenbar ohne Folgen für das Wachstum des Unternehmens: Allein in diesem Jahr hat es in ganz Europa 18 neue Schiffe in Betrieb genommen.” (Badische Zeitung)