Europa? Europa!!

Plan B aus Sicht eines Rheinländers
(nicht ganz) ernst gemeinte Einschätzung, Anfang Juli 2017

Die EU wird eher halten als zerbrechen.
Sonst wär’ ein Plan B: gemeinsamer Nenner.
Binnenhanse wecken: Wesel, Solingen
und andere Lebensadern in Ländern.

Durch Luxemburg fließt die Mosel. Die Maas
durch Liège. Aachen ist mit Vatikanstadt
verbunden. Die liegt in Rom. Rauf bis Xanten
alles römische Gründungen. Klare Kante

für’n Kerneuropa aus rheinischer Sicht.
Griechisch-römisch und christliches Erbe. Gewicht
genug, bestehende Länder zu stärken.

Deutsches Grundgesetz bleibt in Kraft, Wesenskern.
Bis hierhin alles realistisch dies.
Zudem: auch für Nato gilt Charta von Paris.

(Ein Gastbeitrag von GrIngo Lahr)

Presserückschau (Juni 2017)

1
Handballmeister
“Die Rhein-Neckar Löwen sind erneut deutscher Handball-Meister. Der Bundesligist aus Mannheim (…) ist zwei Spieltage vor Saisonende nicht mehr von der Tabellenspitze zu verdrängen. Die Löwen profitierten davon, dass Verfolger SG Flensburg-Handewitt kurz zuvor überraschend (…) bei Frisch Auf Göppingen verloren hatte. Die nun fünf Punkte Rückstand auf die Nordbadener kann die SG nicht mehr einholen. Für die Löwen von Trainer Nikolaj Jacobsen ist es nach dem Erfolg im Vorjahr der insgesamt zweite Meistertitel der Vereinsgeschichte. Die Meisterschale bekamen die Löwen (…) aber noch nicht überreicht. Das soll nach dem letzten Saisonspiel am 10. Juni gegen die MT Melsungen nachgeholt werden.” (Süddeutsche Zeitung)

2
Grünes Wasser
“Bei der BASF-Kläranlage in Ludwigshafen ist seit mindestens Pfingstsonntag (…) grün gefärbtes Wasser in den Rhein gelaufen. Verantwortlich dafür sei der Farbstoff Tinolux BBS aus einem Betrieb im Werksteil Süd. Die Produktion dort sei gestoppt worden. (…) Die zuständigen Behörden seien informiert. Die Wasserschutzpolizei hatte die Grünfärbung bemerkt und die BASF informiert. Die in Waschmitteln eingesetzte Chemikalie Tinolux BBS gilt als schwach wassergefährdend. Eigene Messungen der BASF und der Rheingütestation in Worms hätten keine toxikologischen Auffälligkeiten ergeben.” (Rheinpfalz)

3
Plastic Soup Surfer
“Gewissenhaft verschnürt Merijn Tinga seine Taschen und Beutel auf dem Surfboard. Besonders tief verstaut wird der wasserdichte Beutel mit Smartphone und anderen Elektrogeräten. Viel hat der Plastic-Soup-Surfer gar nicht dabei. Tinga paddelt auf dem Surfboard den Rhein von Konstanz bis zur Nordsee hinab. Insgesamt 1035 Kilometer Strecke will er in 28 Tagen zurücklegen und damit auf die Verschmutzung der Meere und Flüsse mit Plastikmüll aufmerksam machen. Plastic Soup ist der englische Begriff für die großen Plastikmüllansammlungen in den Ozeanen.” (Badische Zeitung)

4
Schwimmender Luchs
“Der erst vor einigen Wochen im Pfälzerwald freigelassene Luchs „Cyril“ hat seine neue Heimat schon wieder verlassen. Tierschützer vermuten, dass er durch den Rhein geschwommen ist und sich nun auf rechtsrheinischem Gebiet irgendwo nördlich von Speyer aufhält. (…) „Die Luchse haben ein GPS-Halsband um, das Signale von beiden Seiten des Rheins senden kann“, sagte Jochen Krebühl, Geschäftsführer der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz. Da es an der Stelle, an der Cyril den Rhein überquert hat, keine Brücke gibt, vermuten die Tierschützer, dass er auf die andere Seite geschwommen ist.” (Südwest Presse)

5
Jobmaschine
“Nordrhein-Westfalen, Rheinbahn, Rheinknie, Rheinmetall – kein Wort prägt Düsseldorfer Institutionen so sehr, wie der Name des Stroms, an dem die Landeshauptstadt liegt. Für das Heimatgefühl der Düsseldorfer ist der Rhein, der einem Karnevalsschlager zu Folge der Stadt 20 Kilometer seines Stromverlaufs ganz allein schenkt, wichtiger als jedes andere geografische Element. Das wurde schon früh deutlich, als das nahe Ruhrgebiet sich industrialisierte und Düsseldorfs Lage am Rhein eine andere Rolle bekam. Denn Düsseldorfs vielleicht bekanntester Arbeitgeber Henkel stammt eigentlich von ganz woanders. Als Waschmittelfabrik Henkel & Cie wurde sie 1876 in Aachen gegründet. “Wegen besserer Verkehrsanbindungen und höherer Absatzchancen verlegte Henkel seine Firma 1878 nach Düsseldorf”, so steht es in der Firmenchronik. Und mit besserer Verkehrsanbindung ist einzig und allein der Rhein gemeint. Denn Wurm, Kupfer- oder Goldbach, die größten Gewässer Aachens, können es nicht mal mit der Düssel aufnehmen.” (Rheinische Post)

6
Verbrechen
“In Bonn soll ein Mann (27) versucht haben, eine 25-Jährige zu vergewaltigen. (…) Die Frau schrie laut um Hilfe. Eine Zeugin rief die Polizei. Als der mutmaßliche Vergewaltiger den Streifenwagen bemerkte, ließ er sein Opfer los und rannte zum Rhein. Schließlich sprang er in den Fluss und versuchte, schwimmend zu entkommen. Die Polizei fuhr neben ihm den Rhein entlang, irgendwann konnte sie den Mann mit Hilfe der Feuerwehr aus dem Wasser fischen.” (Der Westen)

7
Ingo
“Eine im Rhein treibende Gummipuppe hat in Mainz einen Großeinsatz ausgelöst. Mehrere Bürger hätten einen leblosen Menschen im Wasser gemeldet, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Daraufhin seien die Einsatzkräfte mit einem Großaufgebot angerückt. Es habe sich dann schnell herausgestellt, dass es sich nur um eine Gummipuppe handle. Für den vermeintlichen Rettungseinsatz war auch ein Hubschrauber alarmiert worden. Allein die Feuerwehr schickte 40 Einsatzkräfte zum Rhein. Die Herkunft der Gummipuppe blieb unklar.” (Stern)
“Der vermeintliche Mensch war bei genauerem Hinsehen eine aufblasbare Puppe. Sie sei männlich, etwa ein Meter 50 groß und mit Pflastern beklebt, so ein Sprecher der Mainzer Feuerwehr. Auf ihrer Schulter stehe der Name “Ingo”.” (SWR)

8
Schwimmnudeln
“Die Polizei will mit einer neuen Kampagne Unfälle auf dem Rhein verhindern. Mit orangen Schwimm­nudeln sollen Schwimmer besser sichtbar werden. (…) Im Rahmen der Kampagne wurden allen Badis am Rhein, ab Eschenz rheinabwärts, orange Schwimmnudeln verteilt. Insgesamt stehen 2000 Stück zur Verfügung. Diese können von den Badegästen gratis mitgenommen werden. Dank diesen Nudeln sollen Schwimmer von Bootsführern besser gesehen werden. Ein Ersatz für Schwimmwesten seien sie aber nicht, betont die Polizei. Die Kosten für die Kampagne belaufen sich auf rund 10 000 Franken. Diese werden von den Kantonspolizeien Thurgau und Schaffhausen getragen.” (Schaffhauser Nachrichten)

9
Biber-Alarm
“Beim Baden im Rhein bei Schaffhausen (Schweiz) sind zwei Schwimmer gebissen worden. Vermutlich war es ein Biber. Ein achtjähriger Junge sei mit dem Schreck und oberflächlichen Wunden davongekommen, doch bei einer Frau habe die Wunde genäht werden müssen (…). Die Schaffhauser Jagdverwaltung wollte deshalb diese Woche südöstlich von Schaffhausen am Rhein Richtung deutsche Grenze Warnschilder noch aufstellen. „Vorsicht Biber, vom Baden wird abgeraten“ soll darauf stehen (…).” (Südkurier)

10
König am Rhein
“Der Wachtelkönig ist kaum zu entdecken, aber dafür um so besser zu hören. In der Emmericher Ward gibt diesen Vogel.
Eine der wohl bemerkenswertesten Arten der Emmericher Ward ist der Wachtelkönig. Auch wir Biologen der Nabu-Naturschutzstation Niederrhein, die das Gebiet naturschutzfachlich betreuen, bekommen ihn nur selten zu sehen. Wenn, dann hört man ihn eher. Er hat ein bräunliches Gefieder und ist etwa so groß wie eine Wachtel. Zudem lebt er versteckt dort, wo die Vegetation sehr dicht und hoch ist. Darin ist er kaum zu entdecken, selbst wenn man genau neben einem Wachtelkönig steht. Darum achten wir auf seine Balz- und Paarungsrufe. Der Wachtelkönig ruft in der Nacht – und ist dann nicht zu überhören. Seine Rufe – ein rhythmisches, schnarrendes Knarren – sind unverwechselbar und auch von weitem zu hören. Bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts konnten noch bis zu vier Brutpaare des Wachtelkönigs in unserem Betreuungsgebiet in Fachsprache „verhört“ werden. Auch wenn die Rheinaue Emmericher Ward mit ihren großflächig extensiven Überflutungswiesen und -weiden bis heute ein Rückzugsgebiet für den gefährdeten Vogel bietet, ist es heute selten mehr als ein Paar.” (NRZ)

11
Rheintote
“Leichenfund am Rhein in Leverkusen! (…) Am Pfingstsonntag meldete sich ein Angler, der den leblosen Körper im Fluss entdeckt hatte, bei der Feuerwehr. Sofort machten sich die Rettungskräfte auf den Weg und zogen die männliche Leiche ans Ufer. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Unbekannten feststellen. Die Identität des Mannes war zunächst unklar – ebenso, wie er ums Leben kam. Die Kölner Polizei hat die Ermittlungen übernommen.” (Express)

“Auf dem Rhein in Hessen ist ein Kajakfahrer während eines Gewitters von einem Blitz erschlagen worden. Der Mann wurde am Samstag kopfüber im Wasser treibend bei Lorch aufgefunden, wie die Wasserschutzpolizei (…) in Rüdesheim mitteilte. Der Blitz war der Polizei zufolge direkt in seinen Körper eingeschlagen.” (Stuttgarter Zeitung)

“Ein Mann (73) treibt bewusstlos mit seinem Segelyacht auf dem Rhein (…) bei Rheinkilometer 435. Als die Feuerwehr eintrifft, haben Helfer das Sportboot bereits im Schlepp eines weiteren Sportbootes. Doch der Mann liegt leblos an Deck. Die Feuerwehr versucht während der Schleppfahrt den Mann zu reanimieren, bis sie an der BASF-Anlegestelle ankommen. Dort wartet bereits ein Notarzt der BASF. Der Einsatz wird dabei von der Wasserschutzpolizei Ludwigshafen begleitet. (…) Leider stirbt der 73-jährige Mann trotz aller Reanimationsversuche um 20 Uhr im Krankenhaus. Er hat offenbar einen Herzinfarkt erlitten (…). Die genaue Todesursache ist Gegenstand eines Todesermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Frankenthal und der Kriminalpolizei Ludwigshafen.” (Heidelberg24)

“Passanten haben (…) im Rhein bei Köln-Niehl eine Leiche im Wasser treiben sehen. Dabei handelt es sich sehr wahrscheinlich um den (…) vermissten 16-jährigen Flüchtling. Der junge Mann war (…) in Rodenkirchen zum Schwimmen in den Rhein gegangen und abgetrieben. Nach Angaben der Polizei ist die Identifikation des Toten noch nicht zu 100 Prozent abgeschlossen, allerdings habe der Tote eine dunkle Hautfarbe, wie der aus Guinea stammende 16-jährige Flüchtling. Sein Begleiter sagte (…), dass der Jugendliche nicht schwimmen konnte, aber trotzdem ins Wasser gegangen sei.” (WDR)

Presserückschau (April 2017)

1
Blick in den Himmel
“Auf drei „Himmelsliegen“ bequem Platz nehmen und den Blick zum Himmel oder über den Rhein richten können Spaziergänger neuerdings am Skulpturenweg in der Schmittenau. Die im Übergangsgebiet zwischen Rhein-Camping und VfB-Platz erhöht über dem Rheinufer stehenden Liegen sind ein weiteres Teil des Projekts „Perlen an Rhein und Wutach“, mit dem das Stadtplanungsamt Punkte in den Blick der Öffentlichkeit rückt, welche die städtischen Freiräume besonders prägen.

2
Fleischschmuggel in der Tram
“Nicht nur auf die Autofahrer, die nach dem Einkauf in Weil am Rhein und Umgebung zurück in die Schweiz fahren, werfen die Grenzwächter ein besonderes Auge, sondern auch auf die Fahrgäste in der Straßenbahn auf der grenzüberschreitenden Tramlinie 8. Dies verdeutlicht Patrick Gantenbein, Informationsbeauftragter der Grenzwachtregion I in Basel (…). Ja, es ist leider so, dass (…) regelmäßig versucht wird, Waren vom Ausland an der Schweizer Grenzwache vorbei nach Basel zu bringen, ohne die entsprechende korrekte Zollabfertigung zu machen. Die Bandbreite der Schmuggler ist dabei wirklich groß. Die setzt sich zusammen aus Schweizer und in der Schweiz wohnenden Ausländern, aus Frauen und Männern aus allen sozialen Schichten und aus allen Altersgruppen. (…) Bei unseren Kontrollen ertappen wir regelmäßig Schmuggler in der Tramlinie 8. (…) Da werden schon mal mehrere Kilogramm Fleisch in einem Einkaufstrolly verstaut und versucht, diese unverzollt über die Grenze bringen. (…)” (Weiler Zeitung)

3
Deutsch-französische Tram
“Zu den Klängen der Europahymne haben die Grenzstädte Straßburg und Kehl am Rhein ihre gemeinsame Tram gestartet. Es sei heute, wo Europa in Frage gestellt wird, wichtiger denn je, starke Signale zu geben, sagte Kanzleramtsminister Peter Altmaier auf Französisch vor der Jungfernfahrt. Er betonte, dass man trotz der wegen der Flüchtlingskrise wieder eingeführten Grenzkontrollen den Grundsatz offener Grenzen verteidigen müsse.” (Südost-News)

4
Atomkatastrofenprofylaxe
“In Belgien ist es keine Frage. Dort wird bereits an einem Plan gearbeitet, Jodtabletten prophylaktisch zu verteilen. Dies ist eine Sicherheitsvorkehrung, denn die Angst vor einem nuklearen Unfall im maroden Atomkraftwerk Tihange bei Lüttich wächst. Aber nicht nur der belgischen Bevölkerung ist mulmig. Auch im deutsch-belgischen Grenzgebiet werden Katastrophenszenarien erörtert und Vorsorgepläne geschmiedet. Im Zentrum steht dabei derzeit die Verteilung von Kaliumiodidtabletten, im Volksmund schlicht Jodtabletten genannt. Alle Umland-Kreise, die Stadt Aachen, die Städteregion, die Kreise Düren, Euskirchen und Heinsberg beabsichtigen, die Tabletten schon vor einem möglichen Unfall an die Bevölkerung auszugeben.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

5
Bonner Blubbern
“Es plätschert und blubbert mitten im Rhein. Am (…) Ostersonntag war vom Rheinufer aus auf Höhe des Kameha Grand Hotels ein rätselhaftes Phänomen zu beobachten. Fast sieht es so aus, als hätte jemand den Stöpsel im Rheinbett gezogen. 8…) War etwa der weiße Beluga-Wal zurückgekehrt, der sich am 18. Mai 1966 im Rhein verirrt hatte und auf den Namen Moby Dick getauft wurde? Versteckt sich in den Tiefen des Rheinbetts etwa ein Ungeheuer, gar ein ferner Verwandter des Monsters von Loch Ness? Oder gibt es gar ein Gasleck in einer Leitung, die sich unter dem Rhein verbirgt? Des Rätsels Lösung ist glücklicherweise weitaus weniger spektakulär. Nach sorgsamer Recherche erklärt die Stadt, das “Geblubber” werde durch den Ablauf der Kläranlage Bad Godesberg verursacht.” (General-Anzeiger)

6
Schafrettung
“Die Kölner Feuerwehr ist (…) zum Rhein gerufen worden. Ein Schaf stand bis zu den Schultern im Wasser. Es kam nicht mehr allein heraus. (…) Das Schaf hing in Höhe der Westhovener Aue in den Steinen der Uferbefestigung mit einem Bein fest. Es konnte sich laut Feuerwehr nicht selbst befreien und war schwer erschöpft, als die Einsatzkräfte eintrafen. Die Feuerwehrleute retteten das Tier aus seiner misslichen Lage und umwickelten es mit Decken, damit es sich aufwärmen konnte. Der Schäfer nahm es schließlich wieder in Empfang.” (Rheinische Post)

7
Brennendes Auto
“Ein brennendes Auto ist in Köln-Merkenich (…) in den Rhein gerollt und von der Feuerwehr geborgen worden. Ein Schiffskapitän habe beobachtet, wie der Wagen am Hitdorfer Fährweg neben der Zufahrt zur Autofähre Langel ins Wasser gefallen sei (…). Der Vorfall ereignete sich (…) gegen 3.20 Uhr. (…) Das Auto sei bei der Bergung leer gewesen (…). Bei Eintreffen der Rettungskräfte sei ein weiteres Auto weggefahren.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

8
Adenauers letzter Weg
“Die meisten anderen Ereignisse am Sterbeort finden vor den Augen der Rhöndorfer statt – und finden sofort ihre Kanäle in die Weltöffentlichkeit. Vielfach wird etwa beschrieben, wie der Kölner Kardinal Frings vor der Überführung ins Palais Schaumburg am 22. April (1967; Anm.; rheinsein) am Wohnhaus eintrifft, um mit der Familie am Sarg zu beten. Ins Kanzleramt bringt den Toten die einzige Lafette, über die der Bundesgrenzschutz verfügt. Adenauer nimmt denselben Weg wie zu seiner Amtszeit als Kanzler: Königswinter, Dollendorf, mit der Fähre über den Rhein und durch Plittersdorf zum Bundeskanzleramt. Tausende Menschen säumen die Strecke. Schulklassen, Sportvereine, Bergleute stehen Spalier. Schützen bilden unter Trommelwirbel die Ehrenwache an der Einfahrt zum Palais Schaumburg, wo der Leichnam übers Wochenende aufgebahrt und in der Nacht zu Montag über die Autobahn in den Kölner Dom überführt wird. Vor dem Vierungsaltar bleibt der Sarg stehen. Zehntausende Kölner nutzen dort die Gelegenheit, von ihrem Ehrenbürger Abschied zu nehmen.” (General-Anzeiger)

9
Rheintote
“Einsatzkräfte der Feuerwehr haben (…) eine Wasserleiche aus dem Rhein geborgen. Passanten (auf der Kennedybrücke) bemerkten den leblosen Körper im Wasser. (…) Dank eines Kayakfahrers, der ebenfalls auf die Person aufmerksam geworden war und die Fundstelle markierte, konnten Löschboote aus Bonn und Niederkassel den Mann schnell an Land bringen. (…) Vermutlich (…) sei der Tote bereits längere Zeit im Rhein getrieben. Die Polizei ist nun dabei, die Identität der Wasserleiche zu klären.” (General-Anzeiger)

“Die Feuerwehr Köln hat (…) eine Person leblos aus dem Rheinauhafen geborgen worden. Trotz sofortiger Reanimation durch Rettungskräfte und Notarzt starb der Mann noch im Rettungswagen. Ein Zeuge hatte die Feuerwehr alarmiert, nachdem die Person im Wasser verschwunden war. Mehrere Löschfahrzeuge inklusive einer Tauchergruppe, das Lösch- und Rettungsboot sowie der Rettungshubschrauber waren im Einsatz. (…) Ob es sich um einen Suizid oder Leichtsinn handelt, ist nicht bekannt.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Eine Leiche ist (…)aus dem Rhein bei Geiswasser (Höhe Niederrimsingen) geborgen worden. Dabei handelt es sich nach Angaben der deutschen Polizei mit großer Wahrscheinlichkeit um den vermissten 36-jährigen Gleitschirmflieger aus Freiburg. Taucher der französischen Polizei haben eine männliche Person vier Kilometer nördlich von Geiswasser auf französischem Hoheitsgebiet im Rheinseitenkanal gefunden. Derzeit klären die französischen Behörden die Identität der Person.” (Badische Zeitung)

“Bei einem Ruder-Ausflug (…) ist ein 69-jähriger Mann in Köln-Stammheim tödlich verünglückt. Der Polizei zufolge wollte das Opfer gegen zehn Uhr in ein Boot einsteigen und mit den Vereinsmitgliedern von „RTHC Bayer Leverkusen“ über den Rhein rudern. Plötzliche Krämpfe führten dazu, dass er ins Wasser stürzte. Eine Kollegin sprang ihm hinterher. Doch erst 50 Meter weiter stromabwärts bekam sie den Ruderer zu fassen. Passanten halfen der Frau den 69-Jährigen ans Ufer zu ziehen. Ein Notarzt wurde per Rettungshubschrauber hinzugerufen. Die Wiederbelebungsversuche durch eine Herzrythmusmassage blieben erfolglos.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

Aix-la-Chapelle

WAS it to disenchant, and to undo,
That we approached the Seat of Charlemaine?
To sweep from many an old romantic strain
That faith which no devotion may renew!
Why does this puny Church present to view
Her feeble columns? and that scanty Chair!
This Sword that One of our weak times might wear!
Objects of false pretence, or meanly true!
If from a Traveller’s fortune I might claim
A palpable memorial of that day,
Then would I seek the Pyrenean Breach
Which ROLAND clove with huge two-handed sway,
And to the enormous labour left his name,
Where unremitting frosts the rocky Crescent bleach.

(William Wordsworth, Memorials of a tour on the continent, 1820)

Aachen in Kerpen

Der Rhein und Deutschlands Stämme

Es fließt ein Strom durch das deutsche Land,
drin spiegeln sich Schlösser und Zinnen;
er ist in den deutschen Gauen bekannt,
kein Refrain kann demselben entrinnen.

Und alle Romantik hat hier ihr Revier,
und je lauter das Rheinlied, je kälter das Bier
der kleinen und großen Verdiener.
Zum Beispiel so der Berliner:

“Ein rheinischet Meechen – beim rheinischen Wein –
Ja, Donnerwetter nich noch mal!
Na, det muß ja der Hümmel auf Erdn sein –!
Wat, Lucie –?”

Wer Lieder für Operetten schreibt
aus Prag, aus Wien und aus Bentschen –:
den Rhein möcht ich sehn, der da ungereimt bleibt –
es sind halt geschickte Menschen!

Und was sie dichten, ganz Deutschland grölts,
von Aachen bis Dirschau, von Kiel bis nach Ölz;
wo nur Treue und Weinbrand wachsen.
Zum Beispiel so unsere Sachsen:

“Ein rheinisches Mädchen – beim rheinischen Wein –
Nu heere mal, Agahde, was hasdn dn
Krachenschonr nich midgenomm? ‘s is doch
so giehle uffm Wasser?
Diß muß ja der Himmel auf Erden sein!
Eicha … !”

Im Rhein, da quillt unsere Mannesbrust,
da liegen dicke Tantiemen;
und befällt den Deutschen die Sangeslust:
hier kann er das Ding unternehmen.

Es reimt sich der Rhein
auf Schein und auf Sein
und auf mein und auf dein,
auf Jüngferlein, Stelldichein, Gänseklein …

Und ist auch zerklüftet das Deutsche Reich:
im Moorbad der Lyrik verstehn sie sich gleich.
Viel schneller als bei Richard Dehmel.
Zum Beispiel so jener aus Memel:

“Äin rhäinisches Mädchen – bäim rhäinischen Wäin –
äi, das muß ja der Himmel – auf Erden säin –
Wäißt, wenn dir der Wäin nich schmeckt,
jieß noch ‘n kläin Schnapsche räin! –
Äi, das muß ja der Himmel auf Erden säin –!
Oder mäinst näin –?”

So ist der Rheinstrom ohne Fehle,
das Familienbad der deutschen Seele.

(Theobald Tiger, Simplicissimus 1927)

Aachen, von Heine für die Nachwelt entdeckt

Natürlich fuhren wir zuerst nach Aachen – ein unbekannter Ort, der kürzlich erst durch Heinrich Heine entdeckt und in dem unvergleichlichen “Wintermärchen” nach Verdienst besungen wurde. Die Schönheiten Aachens sind erst durch Heine recht ans Licht gekommen, man hatte früher nur eine dunkle Ahnung davon, man wußte nur, daß Karl der Große, seliger, dort verstorben und vergraben sei, daß die Bauern der Umgegend alle sieben Jahre zu der Ausstellung des heiligen Hemdes und die Bonner Studenten jeden Sonntag zu dem grünen Tische der Redoute wallfahrteten; die Bauern – um mit reuigem Herzen, mit verzückten Augen und gebeugten Knien vor dem antiken Leinwandfetzen ihre Andacht zu verrichten und von Not und Fegefeuer erlöst zu werden; die Studenten – um im Schmuck der goldenen Locken lächelnd an den grünen Altar der Croupiers zu treten und – wenn auch nicht den unsterblichen Hekatomben, doch ihrem Visavis die Fülle der Zehngroschenstücke opfernd – erst recht in Not und Fegefeuer hineinzugeraten. Das war eigentlich alles, was jedem Kinde der Provinz von Aachen bekannt war. Aber jetzt? Man kennt jeden Lieutenant auf der Straße, man kennt den Adler über dem Posthause, man weiß genau, womit sich die Hunde, die armen, langweiligen Hunde, in Aachen beschäftigen und amüsieren.
Kurz, man kennt die winzigsten Kleinigkeiten, und wenn der ehrwürdigen Stadt jemals etwas Menschliches begegnete, wenn sie einmal unterginge durch Pestilenz, Brand, Hunger oder durch ein ähnliches Unglück, da wird man nur Heines “Wintermärchen” aufzuschlagen haben, um den Feuer- oder Lebensversicherungsgesellschaften die beste Anleitung zu geben, in welcher Weise sie das Zerstörte zu ersetzen haben, sei es an Häusern, Menschen oder Vieh.
Aachen ist wirklich eine liebenswürdige Stadt – alle drei Jahre einen Tag lang ist Aachen das Nonplusultra des Schönen und Interessanten. Da kommt irgendein großer Meister von Berlin, von Wien oder sonst woher und dirigiert das Musikfest; da kommt die schwedische Nachtigall und trilliert und flötet viel schöner als alle die kleinen Brüder und Schwestern im Gebüsch des Louis-Berges; da kommt das Kölner Quartett, da kommen die Liedertäfler, die Gesangvereine, die Barden-Gesellschaften, die Arion-Kränzchen, und da kommen all die lustigen Lerchen, Wachteln, Buchfinken, Kanarien- und Paradiesvögel, welche vereinzelt die Welt mit ihrem Gesange erfreuen, so daß bald in dem alten, grauen Aachen ein Trillern und Musizieren beginnt, als hätte sich, ähnlich der Sage des Siebengebirges, wo sich auf das Wort des zornigen Priors alle Nachtigallen der Abtei Heisterbach einst aus ihren Nestern erhoben, um jenseit der Berge in einem einzigen, kleinen Wäldchen zusammenzukommen und vereint ihr Konzert zu beginnen – so auch dann in Aachen die ganze musikalische Welt der Heimat wie auf den Befehl eines Zauberers eingestellt. Und ich bin fest davon überzeugt: wenn es nicht gar zu anstößig wäre, die heilige Cäcilie schwebte an einem solchen Tage gern vom Himmel nieder und setzte sich für drei Taler preußisch Kurant in das Parterre des Aachener Komödienhauses. Denn so etwas hört man nicht alle Tage. Ob Aachen außer diesem einen Tage alle drei Jahre, außer diesem Tag der Musik der Nachtigallenkehlen und der Kontrabässe noch viele Reize aufzuweisen hat, konnte ich nie in Erfahrung bringen. Ich erkundigte mich oft danach bei einem alten Brüsseler Gelehrten, natürlich einem deutschen, der zweimal jährlich von Brüssel nach Aachen reist, um sich auf dem Büchel drei lange deutsche Pfeifen zu kaufen. Er wußte mir nie etwas zu erzählen; er versicherte mir aber stets, die Aachener Pfeifen seien vortrefflich.

(Georg Weerth, Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten)

Johanna Schopenhauer quert das Rheinland im Eilverfahren und setzt zu einigem Westfalenbashing an

“(…) In Lille ließ ich ein paar Tage von unsern Freunden wie ein verzogenes Kind mich pflegen; in Lüttich, wo keine uns bekannte Seele lebte, mußte ich zum ersten Mal seit wenigstens zehn Jahren einen ganzen Tag im Bette zubringen, weil das schnelle Reisen meine Kräfte erschöpft hatte. Dann ging es nach dem nahen Aachen. Dort verbrannte ich in einem frisch aus der heißesten Quelle geschöpften Glase Wasser aus kindischer Neugier mir die Finger und verlor darüber einen nicht kostbaren, aber mir sehr werthen Ring; weiter weiß ich für diesmal von der uralten berühmten Kaiserstadt nichts zu bemerken.

Von der vortrefflichen Kunststraße, die jetzt von Köln nach Mainz längs dem Rhein durch das Paradies von Deutschland führt, war vor fünfzig Jahren noch keine Spur vorhanden; der Weg war theils unfahrbar, theils gefährlich und in keinem Fall uns zu empfehlen. Wir wandten uns also von Aachen geradezu nach Düsseldorf, um von dort aus durch Westphalen den kürzesten Weg nach Berlin einzuschlagen, ohne das wegen seiner Düsterheit damals verschrieene Köln mit seinen dreihundert Kirchthürmen, welche die Sage der frommen Stadt zuschrieb, zu berühren.

So viel ich von Düsseldorf, das ich seitdem nicht wieder gesehen, mich erinnere, machte die Stadt einen recht freundlichen Eindruck auf mich; die berühmte, damals noch nicht nach München abgeführte Bildergallerie war die erste bedeutende, die ich seit Berlin und Potsdam, oder vielmehr überhaupt gesehen, und staunend über den Reichthum, der hier sich mir offenbarte, schlich ich langsam durch die weiten Räume, bis ich vor Rubens’ jüngstem Gerichte stand. Auch dieses weltberühmte Gemälde habe ich seitdem nicht wieder erblickt, aber den gewaltsamen, ich kann sagen fürchterlichen Eindruck, den es auf mich machte, haben die fünfzig Jahre, die seitdem verstrichen sind, nicht völlig auslöschen können.

Alle diese wunderseltsam in einander verschlungenen nackten Leiber verzweifelnder oder zu Paradiesesseligkeit entzückter Menschen, die wilden Teufelsfratzen, die holden Engelsbilder, die alle zusammen rings um das kolossale Gemälde zu einem schauerlichen Kranz sich gleichsam verflechten! ich konnte vor innerem Grauen den Anblick kaum ertragen und auch nicht mich davon abwenden. Lange hat er wachend und im Traume mich verfolgt. Ich wünsche, das Gemälde jetzt wieder zu sehen, um es in der Wirklichkeit mit dem zu vergleichen, das noch immer meiner Phantasie davon vorschwebt.

Aber wie soll ich es anfangen, um die tragikomischen, oft unüberwindlich, oft unaushaltbar scheinenden Mühseligkeiten unserer ferneren Reise durch Westphalen gebührend zu beschreiben? diese mit großen rohen Feldsteinen überschütteten Straßen, welche die Leute Chausseen nannten, auf welchen wir Tage lang uns fortschleppen lassen mußten, wollten wir nicht zur Abwechselung auf dem daneben hinlaufenden sogenannten Sommerwege bis über die Achse in Koth versinken! (…)”

(aus: Johanna Schopenhauer – Jugendleben und Wanderbilder)

Ah quel chien de pays!, schimpft die Schopenhauer gleich im Anschluß an obigem Textausschnitt auf Westfalen und berichtet wortreich über die Unbill dieses Landstrichs. rheinsein hingegen zieht sich vornehm aus der Berichterstattung zurück und verweist Interessenten an frühem Westfalenbashing auf das Projekt Gutenberg.

Rheinische Küche (3)

Rheinischer Sauerbraten wird traditionell aus der Oberschale vom Pferd zubereitet.

Für vier Personen
:
1 kg Pferdefleisch

Für die Beize:
1/2 Liter Wasser
1/2 Liter Kräuteressig
1-2 Möhren
1-2 Zwiebeln
Gewürznelken
Wacholderbeeren
Senfkörner
Lorbeerblätter
nach Geschmack auch Majoran, Rosmarin
Salz

Für die Soße:
150 Gramm Rosinen
2 Eßlöffel Korinthen
1 Zwiebel
1 Eßlöffel Apfelkraut
Salz
Schwarzer Pfeffer
Sahne
3 Aachener Printen

Zubereitung:
1 Zunächst wird die Marinade aus fein gewürfeltem Gemüse mit den Gewürzen aufgekocht. Die Marinade erkalten lassen und anschließend über das Fleisch gießen. Das eingelegte Fleisch sollte nun sieben Tage unter gelegentlichem Wenden an einem kühlen Ort den Geschmack der Beize aufnehmen.
2 Das Fleisch gut abtropfen lassen und in einem Bräter in geschmacksneutralem Fett scharf anbraten. Rosinen, Korinthen und Zwiebel zugeben und mitbrutzeln lassen, dann einen Teil der Marinade zugießen.
3 Nun den Braten unter gelegentlichem Angießen zwei Stunden schmoren lassen.
4 Apfelkraut, Salz, Pfeffer, Sahne und geriebene Printen zugeben, bis die Soße schön sämig ist.
Eine typisch rheinische Beilage dazu sind Reibekuchen mit Apfelmus.

(Quelle: Herrn Topowskis Lieblingsrezepte aus aller Welt)

Der Graf zu Rhein

Am Rhein, wo die Wasser rauschen,
Wo er reift, das duftigste Wein,
Stand ein hohes Schloss in Reben,
Drin hauste der Graf zu Rhein.

Er sah mit den ersten Lerchen
Des Morgens zum Strom herab,
Auch abends ging sein letzter,
Sein seligster Blick hinab.

Es sang ihn der Rhein in Schlummer
Schon einst in der Wiege Raum,
Seine Sehnsucht blieb er im Wachen,
Und rauschte durch seinen Traum.

Viele Ritterfahrten bestand er,
Nie wich er dem Feind im Strauß
Nur Heimweh trieb ihn immer
Und immer zum Rheine nach Haus.

Und sah er ihn wieder ziehen,
Den blauen, treuen Strom,
Da musst` er niederknien
Und beten fast wie im Dom.

Die schmeichelnde Welle küsste
Die frohe, kräftige Brust,
Im goldenen Weine trank er
Des Lebens schöne Lust.

Nie hat er sein Wort gebrochen,
Seinen Mund nie mit Lüge getrübt,
Die Locke war ihm verblichen,
Ohne dass er einmal geliebt.

Die Locke war weiß geworden,
Zu Aachen stand er am Thron,
Es kam der Tod und winkte,
Der Rheingraf kannte ihn schon.

Das Herz fing an zu brechen,
Und trübe wurde sein Blick,
Doch konnt` er noch nicht sterben,
Es hielt ihn noch Eines zurück.

Zu Rosse mussten sie setzen
Den alten Grafen schnell,
Zwei Knechte täten ihn halten,
Und weiter ging`s zur Stell`;

Und zwischen Leben und Sterben
Ward geritten der Tage zwei,
Da hielten sie still am Hügel,
Der Rhein zog unten vorbei;

Da horchte der Graf hinunter,
Da starrte der Graf hinein:
Er konnte nirgends sterben
Als nur am heiligen Rhein.

(Adolf von Tschabuschnig)

X-mas-Gebäck

Xantner Printen, Pseudo-Aachner,
falsch wie Feigenblatt im Rücken
und wie Echtgold unterm Rhein,
wie ein Keks von Richard Wagner,
wie Tsatsiki kurz vor Brügge
und wie dieser schöne Reim.

Ein Gastbeitrag von Àxel Sanjosé. rheinsein dankt!

Rheinelefant (2)

Wir haben bereits über prähistorische, leonardische und sonstige Rheinelefanten berichtet. Nun fanden wir noch mehr über die Geschichte dieses bemerkenswerten Tiers am Rhein. Der erste namentlich erwähnte Elefant auf deutschem Staatsterritorium war demnach Abul Abbas, ein Geschenk Harun al-Raschids an Karl den Großen. Abul Abbas lebte vom 20. Juli 802 an in Aachen und ertrank der Legende nach 810 bei einer Rheinüberquerung in Deutschlands Schicksalsstrom. Es dauerte bald 700 Jahre, bis 1482 erneut ein Elefant in Deutschland, und zwar in Köln, gezeigt wurde, wo er von seinem Mahout Hans Viltzhover erstochen worden sein soll. Genaueres ist auch hierzu nicht bekannt, wohl aber eine weitere Quelle, die vom Tod dieses Elefanten samt seines Führers im Ärmelkanal spricht.

Was tatsächlich aus Abul Abbas geworden ist, bemühte sich aus gegebenem Anlaß ein Periodikum namens Wochentliche Duisburgische Adresse- und Intelligentz-Zettel (Nummer 27) anno 1750 zu klären: „Es sind im Anfang dieses Jahrs von den Fischern aus der Lippe, in der Herrschaft Gartrop einige Knochen von ungeheurer Grösse gesichtet, und dem hochwohlgebohrnen Freyherrn von Gartrop, als Grundherrn des Orts überliefert worden, welche mir wegen ihrer Seltenheit zu dieser Betrachtung Anlaß geben. Ich bedaure daß diese Fischer nicht ehe den Einfall bekommen, dergleichen Knochen zur Verwahrung zu übergeben, weil sie bezeugen, daß sie seit einiger Zeit verschiedentlich grosse Stücke mit den Netzen ausgezogen, und aus Unachtsamkeit wieder weggeworfen haben. Es ist unläugbar, daß es Knochen eines Elephanten sind, wie ich nachher aus deren Beschreibung dartun werde. (…) Man pfleget, wenn dergleichen fremde Dinge gefunden werden, so gleich zu fragen, wo mag ein solcher Knochen herkommen seyn? (…)“ Der Autor kommt also sogleich auf die Sintflut als gern genannter Ursache vieler ungewöhnlicher Anschwemmsel und schließlich, präziser, auf Karl den Großen, dessen berühmter Elefant auf einem gemeinsamen Feldzug gen Friesland just bei einem Ort namens Lippa, Lippeha oder Lippenheim – „nachdem der Kayser über den Rhein gegangen“ – eines schnellen Todes gestorben und „vermuthlich“ auch dort begraben sei. Diese Stadt Lippa enttarnt der Artikel nun nach zackigen Rückschlüssen aus lateinischer Quelle als Wesel oder ein unbestimmtes Lippenheim weiter nördlich davon, weswegen „vermuthlich“ von den Fischern keine andern als Abul Abbas` Knochen aus der Lippe gezogen worden seien, Fortsetzung würde folgen. Die Fortsetzung findet aber erst hier, gut weitere 250 Jahre nach dem Artikel im Intelligentz-Zettel und 1200 Jahre nach Abul Abbasens Tod statt. Solange es niemandem Schaden zufügt, ist das Anzetteln von Spekulationen nicht nur nicht verwerflich, sondern des Artiklers hartes Brot. Falls beim aktuellen Restniedrigwasser also statt Einkaufswagen- und Mopedskeletten auch Elefanten- nah bei Menschenknochen aus dem Rhein gezogen werden sollten, könnte man ja die Geschichte von Hans Viltzhover nochmal aufrollen. Wer wüßte sonst, wo der abgeblieben ist?

Du Camp am Rhein

Die französischen Literaten des 19. Jahrhunderts hatten ihre je eigenen, nicht selten amüsanten Beziehungen zum Rhein. Während Flaubert fast am Fluß seines Begehrens vorbeireiste (wie bereits hier kundgetan), bewegte sich Du Camp hübsch darauf – was ihm zuvor auf der Donau, auf der er persona non grata war, weil er auf Seiten der Italiener gegen Österreich gekämpft hatte, versagt blieb. Doch am Rhein herrschte zweifellos das größere Heiligkeitsgedränge:

“Baden-Baden, 5 Août 1861

Je suis venu m’échouer ici, mon vieux, après avoir été faire un tour sur le Rhin à défaut du Danube qui est fermé cette année pour ton ami. (…)
A Aix et à Cologne, il y a dans le trésor des cathédrales, de belles orfévreries qui feraient très bien dans nos cabinets de travail; j’ai touché de ma main les vrais crânes des vrais mages, le vrai bras du vrai Christ, etc., etc. Tu aurais pu, avec Bouilhet, te livrer à ta rage contre les ecclésiastiques, rage que je partage et à laquelle je me livre souvent; à Cologne, dans la cathédrale, je me suis écrié, comme Agénor: Des Pontifs maudits l’hypocrite délire!*”

* Das Zitat entstammt „Jenner ou la découverte de la vaccine“, einer burlesken Tragödie, welche Flaubert und Bouilhet um 1846 schreiben wollten.

(aus: Flaubert – Correspondance 3, Maxime Du Camp à Flaubert)