Badebuchten

An heißen Sommersonntagen kommt in den Rodenkirchener Buchten ein Volk zusammen, das sich leicht ganz ähnlich zur Okkupationszeit durch Rom vorstellen ließe: Internationalität mit vorwiegend südsüdosteuropäischem Einschlag und Tonfall, doch auch Westafrikaenglisch, britannisiert und nachfolgend us-amerikanisiert manifestiert sich da im Strandsand, in Person etwa eines Hobbyprivatdozenten, der über die vier heißesten Mittagsstunden ununterbrochen über internationale staatliche Toleranzschwellen gegenüber Homosexualität, Oprah, öffentliche Kühlräume für Senioren ohne eigene Klimaanlage etc pp, vor allem aber die Großartigkeit der Vereinigten Staaten, ablabert, als sei dies ein asiatischer Hippiestrand und eben nicht Rodenkirchen, um schließlich anhand von Safttüten (nicht etwa von Tütensaft) amerikanisch-simpel das internationale Denken in verschiedenen fixen Größenmaßstäben zusammenzufassen, dabei nur das Klischee vom überselbstbewußt dauerparlierenden, dabei völlig nichtssagenden Ami zu verfestigen, während die Natur so einige Wölkchen an den Himmel getupft hat, um welche sie nun die Luftzüge herumzuleiten scheint. Die Wölkchen jedenfalls stehen reglos wie Wölkchen nur reglos stehen können. Der Autor dieser Zeilen beobachtet das Geschehen indessen von innerhalb einer der berühmten Rodenkirchener Badebuchten. Die Hände in den Sand gekrallt, ansonsten in der Horizontalen, den Blick direkt über die bisweilen von vorüberziehenden Frachtern leicht wogende Wasseroberfläche, vermeint er sich in die Lage eines Schlammpeitzgers oder ähnlichen Bodenfisches zu versetzen, eines solchen, der, den Körper unter der Wasserhaut getarnt, die Augen darüber offen hält, ein für Fische vergleichsweise kosmisches Bewußtsein zu erlangen. Das limitierte Imitieren immerhin führt zu einströmender Weite, Sensualität und schwer dimensionierbaren Gedanken und falls erwähnte Fische tatsächlich ebenso denken sollten, täte kultische Verehrung ihnen recht. Aus dem Hinterkopf dringen hektische Liedzeilen “wir ham als Kinder im Rhein gebadet / das hat uns sicher nicht geschadet” von Family 5. Ein Tretboot mit zwei Insassen unter Schweizer Flagge dimmt dazu in Ufernähe von Süd nach Nord, fadet weg unterm Domdunst wie eine kleine nichtige Halluzination. Glitzernde blitzende Blattwelt der Uferweiden. Schwebender Pappelschnee. Unter der Wasserhaut in Schlieren sich verbergende, verlierende Tiere: schlangenartiges, egliges; insektöses irrschwirrt, sich tiefspiegelnd, drüber hinweg, verliert unter Wasser seine Schatten, vermehrt sich auf solche Art. Seit Stunden plantscht ein blonder Kindergartenknabe im Flachwasser, läßt Steine hüpfen, vergißt sich selbst. Seit Stunden auch zieht ein gigantischer schwarzer Frachter von Nord nach Süd durchs Bild, sein Name: Anaconda.

(Ein Gastbeitrag von Sven Löffler. Rheinsein dankt!)

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Tretbootfahrt auf dem Rhein

Es gibt eine vermutliche, taufrische Pioniertat auf dem Rhein zu vermelden, die Rheinische Post hats heut zumindest in einem Kurzbericht getan, ohne den vermeintlichen Pioniercharakter gesondert hervorzuheben: die Basler Ricardo Schällibaum und Roman Eugster seien mit ihrem schweizerkreuzbeflaggten Tretboot Marke “Retro Pedalo” in zehn Tagen von Basel bis Emmerich gefahren, um das Gefährt dort seinen neuen Besitzern auszuhändigen. Rheinsein, selbst tretbooterfahren, wenngleich auf eher weniger bis garnicht strömenden Gewässern wie dem Boden- oder dem Mummelsee, mag diese in die Plötzlichkeit der Post-WM-Leere platzende Nachricht ob der ungeheuren Strömungsgefahren für die Wasserpedaleure kaum glauben, und dankt Costa “Quanta” Costa für die Übermittlung solch sommerlochstopfender Nachricht.

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Ad Küha uf Sassförkle

o Kühe, rehäugige, taumelkrauthighe, euterpralle
dem Himmel so nah! dem Himmel einschwebende:
Angela, Afra, Anja, Rosi, Streusel! s wuseln Molche
in euren feuchten Hufabdrücken, die ihr hinterließt

dieweil ihr entschwebt, Molche & Alpensalamander
zu Füßen eures eleganten Tritts: der Almrausch
rostrot! euer Glocken! den himmelblauen Himmel
zu rocken, Blick auf Fleischberge, die ihr hinterließt

ein großes Reich im Kleinen. im Großen. noch seid
ihr geerdet, herdet in enzianischem Blaulicht, stellt
euch für Fotos in Posen; seid so verdammt boden-

ständig, daß mans garnicht glauben kann. s rocken
nur die Engel droben, Kühe, scheckige, merkts euch
mit euren Rehaugen merkt euch auch das Wort Metzger

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Rheinische Tierwelt (3)

fleckenmunk
Von der Alp Gafadura auf etwa 1400 Metern Höhe lassen sich herrliche Rheinblicke tätigen. Doch sind die Berge nicht jedermanns Sache. Gefahr droht u.a. vom Fleckenmunk (bei den Einheimischen auch: Teufelsmunk), dessen geruchsmarkiertes Territorium der auswärtige Wanderer besser meiden sollte. Der kompakte Räuber mit der aggressiven Fellzeichnung ist berüchtigt für seine cholerischen Attacken, die glücklicherweise selten über Wadenhöhe hinausreichen. Bei zureichend Abstand läßt sich das Tier, leicht grantelnd zwar, sogar fotografieren, denn auch der Fleckenmunk zieht, zumindest an sein Wesen milde stimmenden Sonnentagen, den erhebenden Blick übers Rheintal den ihn selber auf Dauer ennuyierenden Ausfällen gegenüber Touristen vor - während er mit den Einheimischen, mit denen er jasst, nonverbal gleichsam per Du steht.

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Mein unsichtbares Auge empfiehlt: Rheinfänomen

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Vignetten

“(…) Nataly pflegt eine tiefe seelische und körperliche Beziehung zum Rheinland, seinem Verfall, den Gerüchen, die dieser Landstrich bewahrt. Ihre Fahrt führt sie an den Ort der Jugend, den Erfahrungen der ersten Liebe, dem Versuch das Erleben des anderen zu integrieren, die Zurückweisungen, die sie sich ein Leben lang gemerkt hat.
Flickermaschine. Dem Reiz des Zwielichts folgend, mit gleichmässigem Tritt in die Pedale des Fahrrads, durch leere Strassen fährt sie an dem Haus vorbei, in dem sie ihre Kindheit verbracht hat. Der verwilderte Garten umschliesst das Gelände. Emporragende Bäume umstehen die zur Giebelseite sich öffnende Rasenfläche. Zwischen Farne, Schachtelhalme und Buschwerk zieht sich ein versteckter Pfad. Der im Winter abgestorbene Wacholder flammt rostbraun. (…)
Betört von Nachtatem steigt sie ab. Legt geflissentlich ihr Fahrrad in das nasse Ufergras. Die Aluminiumfelgen spiegeln das Mondlicht gegen die glatt geschliffenen Steine. Während Nataly genüsslich den Rauch einer Zigarette einsaugt, lässt sie die Bewegungen des Tages ausklingen. Blickt dem Strom nach, der seinen Lauf nimmt. Der Fluss tut seine Pflicht, er fliesst immer in eine Richtung und trennt die Ufer. Einerseits befördert er die Menschen, andererseits separiert er sie. Nataly betrachtet das Schwemmland, die sandigen und die bewaldeten Ufer, die von russigen Industrieanlagen gesäumt sind, hört die Schiffe mit den tuckernden Dieselmotoren. Hier wie dort erreicht der Schwimmer sein Ziel auch bei günstiger Strömung nicht ohne eigenes Zutun.
Unstillbare Sehnsucht. Nataly fühlt ein Fernweh… das Reisen auf dem Wasser ist für sie stets ein mythischer Akt, gleichsam ein Bewusstseinsstrom. Die Natur, der Fluss, das Meer, all das bedeutet für Nataly in gleichem Masse Freiheit wie Auflösung. (…)
Nataly beschwört die Kosmogonien des Kontinents, aus denen das alte Europa heraufsteigt. Unter der Oberfläche liegen Vergangenheiten begraben, Geschichte im buchstäblichen Sinn. Sie senkt ein Echolot in die Kulturgeschichte. (…)
Die Anfänge dieser Besiedlung liegen im Dunkel der Vorgeschichte. Wahrscheinlich begann die Geschichte dieser Spezies, bevor die Erde existierte. Mutmasslich sind die Bewohner des Rheinlands Emigranten aus anderen Galaxien, ihnen ist nichts Menschliches fremd, aber auch nichts Unmenschliches. (…)”

Auf der Rheinsein-Lesung in Neuss drückte A.J. Weigoni mir seine Novelle “Vignetten”, aus der die obigen Zitate (hier ausschließlich Stellen mit direktem Rhein/land-Bezug) stammen, in die Hand. Darin geht es um relativ viel auf einen Schlag, das sich zu nährstoffsattem Text verdickt, in Absätze gespalten, die je für sich kleine Welten öffnen/konstituieren, die wiederum vom Erzählpräsens beschleunigt auf ihrem Weg durchs sie verbindende Textnetz preschen. Weigoni selbst nennt die Vignetten unter anderem eine Langzeitbeobachtung intermedialer Wechselwirkungen: der Text unterlag von seinen Anfängen bis zur Publikation rund dreißigjähriger Knetung. Ich finde formal und vom Vokabular viel Achtzigerindieneunzigerlappendes darin, wie es für Düsseldorf (wo der Text vermutlich entstand) in jener Zeit spezifisch gewesen sein mag, eine persönliche Empfindung, sicherlich weil ich es in/seit meinen Ddorfer Anfängen ähnlich gehalten habe: eine Mischung aus u.a. Akademismen, kleiner Form, Punk und Poststrukturalem (hier mit 1a Wortschätzchen wie “Moof” oder “alte Knortze”). Der Text atmet, der Rhythmus bleibt stets spürbar unter den Worten, bisweilen unter- bzw. überspült er auch seine eigenen Bedeutungsketten, ich habe den Text jedenfalls zu hohen Anteilen von seiner Rhythmik erfaßt. Es geht desweiteren um einen Abgleich des Rheinischen mit etwa Nilistischem. Und Nataly schließlich ist eine Figur, der mehrfach im Leben persönlich begegnet zu sein mich dünkt.

»Vignetten«, Novelle von A.J. Weigoni, Edition Das Labor, Mülheim 2009 – Limitierte und handsignierte Ausgabe als Hardcover

Eine Hörprobe der »Vignetten« (Begriffssuche nach “Vignetten” führt zu Hörausschnitten aus den beiden Kapiteln “Mäander” und “Uräus”)

Ausführlichere Informationen zum Text finden sich in der Bücherwiki.

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Autowäsche

autowaesche
Das Bild zeigt eine von Rheinsein frisierte Repro-Aufnahme von Roland Bergère, entnommen einem Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger, welcher wiederum ein zugrundeliegendes Filmstill zur Illustration seiner Printausgabe gerastert hat: ein mehrstufiges/-kantiges Digitalisat sozusagen, das eine maßgebliche Rheinsein-Verfahrenstechnik, nämlich Verschränkungen und Überlagerungen rheinischer Raum-Zeit-Kontinua zu bewerkstelligen, in beispielhafter Weise birgt. Zu sehen sind Autowäscher am Rhein in den 50er Jahren aus einer Doppel-DVD-Dokumentation von Hermann (sic!) Rheindorf (sic!): Die große Rheinfahrt in historischen Filmaufnahmen – die laut Zeitungsartikel mit Aufnahmen kurz vor dem Ersten Weltkrieg einsetzt und seltenes bis unbekanntes Material verspricht.

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Wie die Römer vor zeiten so hart vnd lang wider das Teütsch land gestritten haben. (2)

Die ander oder vnder Germania / ist gewesen von Cöln abhin biß an das möre / vnd hat sich gegen vndergang gestreckt biß zu der Mas / vnd waren jre fürnempste stett / Agrippina Vbiorum / das ist Cöln / vn Tungri / do nachmals ein bisthum auffgericht ward / aber jetzunt zu Lüttich ist. Des gleichen hetten die Römer auff der Tonaw auch jre prouintzen / nemlich Rhetia / Norico vnd Pannonia. Sie vnderschieden Rhetiam in zwo prouintzen / die erst Rhetia begreifft in jr den Bodensee / vnd waren diß die fürnempsten stett darin / Bregentz / Arben / vnd was den Rhein hinauff biß ghen Chur zu gelegen ist / vnd item das Lintzgöw vn Allgöw biß an den Lech. Das ander Rhetia ist gangen von dem Lech biß an den Yn / vnd hat in jm begriffen Augustam Vindelicam / das ist Augspurg / do sich gehalten hat der schatzbehalter der selbige prouintz. Darnach seind zwo andern prouintzen komen / die haben geheissen prouintie Noricorii / die haben sich gestreckt über Oestereich biß in Ungerland / das laß ich hie anston / vnd kom widerumb auff vnsern Rheinstrom. Do Julius der erst keyser lag in Sequania bey Bisantz / kam gegen jm gezogen Ariouistus der hohen Teütschen künig / mit eine grossen hore das er über Rhein gefürt hat / aber er ward von dem keyser in die flucht geschlagen / vnd kamen wenig mit jrem leben daruon / die über den Rhein schwumen / oder sunst mit kleinen schifflin daruber kamen / vnd dem fyend entrunen. Dise schlacht sol geschehen sein ein meil wegs fern von Basel an dem ort das jetz heißt Apollinaris. Darnach legt sich diser Julius mit seine kriegßuolck auff de Rhein vnd schwam offt mit jnen darüber / vnd strit wider die Teütschen. Jm Niderland bey den Vbijs vnd Menapijs / das ist bey Cöln / vnd im Gellerlad / macht er zwo brucken von holtz über den Rhein / domit er mit gewalt möcht an die Schwaben setzen / die dozumal herschere biß an die Elb / vnd den überrheinische vil trangs anthete. Aber wan er sie ergriff / ertrunen sie jm vnd verlieffen sich vnd verborge sich in dem Hartzwald oder in den lachen / vnnd hülen / das er jnen nichts oder gar wenig mocht abgewinnen. Aber was über dem Rhein gegen Franckreich / vnd über der Tonaw gegen dem Alpgebirg ligt / bracht er vnd sein nachkommen Augustus alles vnder der Römer gewalt. Zum aller ersten überkamen sie das ober theil an dem Bodensee / darnach das Sunggöw vmb Bisantz / darnach den Straßburger strich vnnd das ober Germaniam / mit der reuier vmb Metz vnd Trier / darnach das ander Germania / vnd dar zwischen brachten sie auch vnder jren gewalt beide Rhetiam vnd Noricum vn Pannoniam / das ist das Allgöw / Lechgöw / Baierland / Oestereich / Steiermarck biß in Ungern / aber von dem rechten Teütschen land / zwischen dem Rhein vnd der Tonaw begriffen / hetten sie nichts. Sie strebte aber lange zeit mit allem vermögen darnach / vnd hetten es gerings vmb an disen wässern vmblägert mit kriegern vnd hauptleüten / vnder wölche der keyser Julius der erst was der sie anfieng zu kriegen. (Aus Sebastian Münsters Cosmographia)

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Wie die Römer vor zeiten so hart vnd lang wider das Teütsch land gestritten haben.

MJt was grosser müh vnd arbeit / ia kosten vnd verlust die Römer vorzeiten haben gestritten wider das Teütsch land / ist niemand on wissen der echter gelesen hat die alte historien. Es ist jnen gering gewesen vnder jren gewalt zubringen Hispaniam / Galliam / Britanniam / Greciam / Asiam / Egypten / Macedoniam vn ander villänder / aber Teütsch land wolt sich nit also liederlich ergeben / besunder das Teütsch land das der Rhein von occident / vnnd die Tonaw gegen mittag als starcke rinckmauren beschleüßt. Es hat manch tausent man müssen darüber zu grund ghan zu beiden seiten / wie du hören wirst. Dan die Teütschen theten solichen gewaltigen widerstand den Römern vnd allen jren fyenden / das vnder jren nachbauren ein solich sprichwort auß gieng. Will einer übel streiten / so reib er sich an die. Teütschen. Vnd wil einer streich lösen / so fahe er an ein zäck mit den Teütschen. Es habe die grausamme vnnd stäte überfäl der Teütsche gegen jren nachbauren den Römern so vil zu schaffen geben / das sie an eroberug Germanien offtermals verzweifflet / allein understünden jre prouintzen gegen den Teütschen vor überfal zu beschirmen / deshalb sie beide flüß Rhein vnd Tonaw auff jrer seiten mit vil trefflichen stetten vnd befestigungen verwaretend / als dan seind am Rhein / Bingen / Bopparten / Jngelheim / Mentz / Wormß / Speier / Rheinzabern / Seltz / Straßburg / Augst ob Basel / Keyserstul / Costentz / Arbon / vnd an der Tonaw / Augspurg / Regenspurg / Passaw / etc. Durch dies stett habe die Römer verhütet / das die Teütschen mit den jren / noch sie hinwider mit den Teütschen kein gemeinschafft dorffte haben. Der starck vnd namhafftig held Julius der erst keyser / legt sich zum ersten wider die Teütschen / vnd nam jnen die stett so an dem Rhein gelegen waren / die vor zeiten vnder den Galliern waren gewesen / aber durch die Teütsche erobert vnnd den Galliern ab getrungen / alsdann fürhin gemeldet ist / wie die Teütschen mit grossen scharen über den Rhein gefaren / die besten länder yngenommen vnd besessen haben. Do nun die Römer begerten des Rheinstroms vn den mit gewalt jnen zuziehen wolten / haben sich die Teütsche nit gesaumpt / sunder jnen fräuenlichen widerstand gethan. Doch mochte sie den Rheinstrom vo Basel an biß ghen Mentz nit behalten / sunder die Römer brachte jn zeitlich vnder jren gewalt / vnd besetzten alle stett vnd vn wärhafftige flecken mit haupleüten vnd kriegern. Die machten prouintzen darauß vnd vogteien / vnnd gaben den eroberten Teütschen ländern herzliche tittel vnd setzten grauen vnd hertzogen daryn. Die erst vnd gröst prouintz begreifft in jr Heluetiam / Sequanos vnd Rauracos/ das ist / Schweytzerland gegen Burgud / das Sunggöw biß ghen Bisantz vnd Baßler ladschafft biß ghen Colmar. Der hauptman diser prouintz hielt sich zu Bisantz / vnnd der vnder jm ander hauptleüt / vnder welchen einer sich hielt / bey Basel im Hole / der wartet das die Teütschen nitt über Rhein kämen / vnd den Römern in das land fielen. Nach diser prouintz kam Tractus Argentoratensis / das ist der Straßburger strich / vnd fieng an ob Schletstatt vnd gieng biß vnder Straßburg / wölche landschafft wir ietz zumal das vnder Elsaß nennen. Jr vorweser hieß der Straßburger graue / vnd was dem hertzogen zu Mentz vnderworffen. Do gieng an das erst Germania vnd begriff vnder jm das Straßburger land / Speirer land / Wormsser land vn Mentzer land. Die andern nennen es das ober Germaniam / vnd strecket sich biß in Lothringen. Ptolemäus streckt es biß an die Mosel / die er Obrincam nent. Sein oberster vorweser oder hauptman saß zu Mentz / vn her vnder jm eylff vögt / die hatten jre sitz / einer zu Salerion / das ist Seltz / einer zu Zabern / einer zu Vico Julio / jch acht es sey Weyssenburg oder Landaw / einer zu Speier / einer zu Alta ripa vnder Speier / das jetz heißt Altrip / einer zu Worms / einer zu Mentz / einer zu Bingen / einer zu Bodobriga / jetzunt Boppart / einer zu Confluentz oder Cobolentz / vn einer zu Antonaco / jetzunt Andernach. (Aus Sebastian Münsters Cosmographia)

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Randnotiz (4)

Rheinsein wird nun auch vom Deutschen Literaturarchiv Marbach archiviert.

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