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	<title>rheinsein &#187; Rhein</title>
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	<description>stan lafleur schlafwandelt durch die rheinische sferiferie</description>
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		<title>Linie 18</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Feb 2012 15:02:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Von Köln, heißt es, fährt die Stadtbahnlinie 18 zur Karnevalszeit (also praktisch fast ganzjährig) bis nach Istanbul. Diese Behauptung ist nicht neu, wir erfuhren davon jedoch erst vor wenigen Wochen. Das kam so: ein Mann, der sich Jürgen nennt (und einst erhebliche Popularität erlangt hat, indem er sich mit einigen anderen in einen Wohncontainer sperren und dabei für einen Privatsender filmen ließ), verkündete Mitte Januar mitten in unserem schönsten Feldforschungsareal, der Rückseite der Stadt, gleichsam als entrückter KVB-Muezzin, die wertvolle Information in einer Art Brüllgesang. Jürgens Gebrüll überraschte uns bei einem Routinecheck. Es drang durch die massiven Butzenscheiben einer Kölsch-Kaschemme auf die Straße und machte uns stutzen: &#8220;Heute fährt die 18 bis nach Istanbul!&#8221; Dieser Jürgen (auf den Butzenscheiben klebte ein Plakat mit seinem studiogebräunten Konterfei und Namen) schien sich drinnen in der Kölsch-Kaschemme in Trance zu befinden: immer wieder und wieder erscholl aus seiner Kehle derselbe Satz: &#8220;Heute fährt die 18 bis nach Istanbul!&#8221; &#8220;Heute fährt die 18 bis nach Istanbul!&#8221; &#8220;Heute fährt die 18 bis nach Istanbul!&#8221; Unterlegt von einem Rhythmus wie Stampfen und Schenkelklopfen erreichte das Gebrüll eine kaum zu beschreibende Penetranz. Schwer wieder aus dem Kopf zu bekommen. Nicht gerade angenehm. Und unbedingt inhaltlich zu überprüfen. </p>
<p>Wir hatten seit dieser Begegnung &#8211; die eigentlich gar keine war, sondern nur die zufällige Aufnahme einer intensiven akustischen Absonderung &#8211; noch keine Gelegenheit, besagte Bahnstrecke auszuprobieren. Falls jedoch nur annähernd stimmt, was dieser Jürgen so energetisch herausbrüllte, als müsse noch der letzte Mensch davon erfahren, dürfte der Kölner Stadtbahnlinie 18, die wir, nachdem sie uns vor ein paar Jahren sozusagen von der Haustür wegverlegt wurde, lange nicht mehr benutzt haben, mittlerweile etwas Sagenhaftes, Mythisches anhaften, vergleichbar etwa der Route 66, der Seidenstraße oder der Panamericana &#8211; und ergo eine Probefahrt ein absolutes Muß für <em>rheinsein</em> darstellen. Natürlich lassen wir uns da nicht lumpen. </p>
<p>Morgen wird es soweit sein: wir begeben uns mit offenem Ticket und der eindeutigen Zielvorgabe Istanbul in die Linie 18. Die Fahrt dürfte eine Weile dauern und in Gefilde führen, die wir bisher noch nicht betreten haben. Natürlich: genau wie Köln ist auch Istanbul eine von einem nicht nur geschichtlich bedeutenden Wasserlauf zweigeteilte Stadt mit hohem türkischen Bevölkerungsanteil. Westliche und östliche Stadtteile bilden hier wie dort jeweils recht unterschiedliche Eigenschaften aus. Kongruenzen über Kongruenzen, die einzeln aufzulisten wir besser unterlassen, denn schließlich müssen wir morgen aus dem Haus. Da Istanbul trotzdem nicht ganz am Rhein liegt, wird <em>rheinsein</em> für die Zeit unserer Abwesenheit aus primärrheinischen Territorien auf nurmehr sehr wenige Neueinträge gedimmt: so ca jeden Montag dürfte hier ein neuer Eintrag zu erblicken sein. Leser mit Entzugssymptomen verweisen wir auf das Archiv. Güle güle und auf bald!   </p>
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		<title>ein Schreck der Thierwelt</title>
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		<pubDate>Thu, 09 Feb 2012 13:29:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;(&#8230;) Leise, stets lauernd, mit schiefem, scharfem Blick, halb furchtsam und halb tölpisch durchforscht der alte Mörder, den sein hagerer, knochiger Bau, sein schleichender, unentschlossener Gang charakterisiren, gegen den Wind das Dickicht des Hochwaldes, und hinterläßt eine Fährte, die der eines großen Hundes ähnlich, aber länger, breiter und gewöhnlich schnurgerade ist. Widerlich und unangenehm in seinen Manieren, gierig, boshaft, verschlagen, gehässig in seinem Naturell, unerträglich durch seinen abscheulichen Geruch, ist er ein Schreck der Thierwelt, der sich naht. Mit hängendem Schwanze lauert er auf die spärliche Beute, beschleicht ein Hasel- oder Steinhühnchen, paßt den Ratten, Wieseln und Mäusen auf und schlingt auch eine Eidechse, eine Kröte, einen Grasfrosch, oder selbst eine Blindschleiche oder Ringelnatter hinunter, wenn ihm bessere Jagd abgeht. Größere Thiere verfolgt er laufend, bis sie müde sind, was die Katzenarten nie thun. Doch verscheucht er durch seinen Gestank und sein tölpisches Wesen oft alles Gethier (er ist bei weitem nicht so vorsichtig und elegant in seinem Auftreten wie der klügere Fuchs) und lungert beinmager, elend und verkommen viele Nächte lang durch die menschenleeren Felsenödungen. Im Winter vermehrt die Kälte seinen ohnehin fast unersättlichen Heißhunger; doch ist dann die Jagd besser, die Fährte sicherer. Er überrascht den weißen Alpenhasen und selbst den vorsichtigen Fuchs; aber immer hungrig und gierig schleicht er mit seinen schiefen, funkelnden Augen, die kurzen, spitzen Ohren stets aufgerichtet, den fuchsartigen Kopf lauernd nach allen Seiten hin wendend und den Hinterkörper einziehend, als ob er lendenlahm wäre, von Berg zu Berg, von Wald zu Wald und heult in den kalten, frostklirrenden  Winternächten schauerlich durch die in Schnee begrabenen Hochweiden. Dann dehnt er seine Jagd nicht nur stundenweit aus, sondern geht durch ganze Alpenzüge, vom Engadin durch die berner und walliser Alpen bis in die offenen Ebenen des Waadtlandes oder vom Wasgau den Rhein hinan und die ganze Jurakette entlang, ein Schrecken für Mensch und Thier. (&#8230;)</p>
<p>Vor dem Beginn unsers Jahrhunderts war die Auffindung einer Wolfsspur das Signal zum Aufbruch ganzer Gemeinden, und die Chronik erzählt: „Wiebald man einen Wolf gewar wird, schlecht man Sturm über ihn: alsdann empört sich eine ganze Landschaft zum Gejägt, bis er umbracht oder vertriben ist.“ Letzteres geschah bei solchem „gemeinen Gejägt“ denn auch häufiger als ersteres, da die Wölfe, besonders wenn sie starke Beute gemacht haben, als ahnten sie die nothwendig eintretende Verfolgung, rasch das Revier verlassen. Man bediente sich großer Netze, „Wolfsgarne“, die der Reisende noch jetzt in den Leberbergischen Dörfern und auf dem Rathhause zu Davos sieht, wo bis in die neueste Zeit noch mehr als dreißig Wolfsköpfe und Wolfsrachen unter dem Vordache herausgrinzten und ihm wol deutlich genug erzählten, wie furchtbar häufig diese Bestien in jenen Gebirgen hausten. Gar kalte Winter, die alle Alpenthiere den Thälern zutreiben, zwangen die Wölfe oft, sich bis an die größern Städte hinanzuwagen, und wir lesen in den Chroniken oft genug, wie im sechzehnten Jahrhundert und bis in die neuere Zeit diese Tiere selbst bei Zürich und Schaffhausen Menschen und Tiere zerrissen, die Schindanger aufsuchten und die Hunde an der Kette erwürgten. (&#8230;)</p>
<p>Das Graben von Wolfsgruben ist auch bei uns in frühern Zeiten gebräuchlich gewesen und Vater Geßner erzählt, daß ein Jäger Gobler in einer solchen einen dreifachen Fang auf einmal gemacht habe, nämlich einen Wolf, einen Fuchs und ein altes Weib, von denen jedes aus Furcht vor dem andern die ganze Nacht sich nicht gerührt habe. (&#8230;)</p>
<p>Menschen hat er im letzten Jahrhundert in der Schweiz kaum angegriffen; er flieht sie vielmehr und ist sehr feige, wenn ihn nicht der bittere Hunger halb rasend macht oder schwere Verwundung zur Nothwehr reizt. So wurde ein Herr v. Marca aus Misox, als er an einem Winterabend aus der Hauthür trat, plötzlich von einem hungrigen Wolfe überfallen. Mit einem Faustschlage streckte ihn der kaltblütige, baumstarke Mann todt zu Boden. Dann nahm er ihn beim Schwanze und warf ihn seiner Frau, die ihn eben erzürnt hatte, in der Stube vor die Füße. (&#8230;)</p>
<p>In der Reihe der thierischen Individualitäten nimmt er eine sehr tiefe Stufe ein; selbst unter den Raubtieren ist er eines der widerwärtigsten. Mit dem reißendsten wetteifert er an Heißhunger, der selbst dem schlechtesten Aase gierig nachstellt, an Tücke, Perfidie, während er dabei keine Spur vom Edelmuth des Löwen, von der frischen Tapferkeit des Eisbären, vom Humor des Landbären, von der Anhänglichkeit des Hundes hat. Tölpischer als der Fuchs, dabei aber tückisch und höchst mistrauisch, ist er tollkühn ohne Schlauheit, in seinem ganzen Wesen ohne alle Schönheit und wol überhaupt eine der häßlichsten Thiernaturen. Mit dem Hunde hat er nur körperliche Aehnlichkeit; man kann nicht sagen, er sei der wilde Hund, der Hund im Urzustande; er ist vielmehr der durch und durch verdorbene Hund, das Zerrbild des Hundes, das alle übeln Seiten der Hundenatur an sich trägt, aber nichts von den guten, sodaß er hierin, da die Natur sonst nicht so häufig in Zerrbildern zeichnet, eine wirklich interessante Erscheinung bildet. (&#8230;)&#8221;</p>
<p>(aus: Friedrich von Tschudi &#8211; Das Thierleben der Alpenwelt, Leipzig 1853)</p>
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		<title>ein galoppirendes, oft dämonisches Leben</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Feb 2012 06:08:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer im Frühling die Alpen besucht und sieht, wie von allen Schneefeldern, über alle Felsen, aus jeder Bergfurche kleinere oder größere Bächlein niederströmen, wird sich einen Begriff von der unendlichen Wassermasse bilden, die aus dem ganzen, gewaltigen Alpengebiete in das Tiefland geht und dort so vielfach zur Bedingung der Fruchtbarkeit und des Verkehres wird. Am mächtigsten ist aber der Wasserabgang zu Zeit der heißen Fönwinde und warmen Regenniederschläge. Ueberall entstehen dann neue Wasseradern; kleine Kieselbäche werden zu trüben, tobenden Strömen; die Abtropfbretter der Gletscher sind von hundert sprudelnden Rinnsalen durchzogen. Der heiße Wind des Südens, der die Thier- und Menschenwelt lähmt, erweckt in der Pflanzen- und Wasserwelt ein galoppirendes, oft dämonisches Leben. Wie viel Millionen Eimer Wassers das Rheinbett jede Minute aus den Hochgebirgen entführt, mag man ahnen, wenn man sich erinnert, daß zur Zeit der Schneeschmelze das dreiunddreißig Quadratstunden haltende Bodenseebecken 8-10 Fuß steigt, im Jahr 1770 aber um 20-24 Fuß sich gehoben hat. Bei manchen Strömen ist es schwer, die eigentliche Quelle anzugeben; ja diese eigentliche Quelle ist da blos illusorisch, wo mehrere Bäche von ungefähr gleicher Stärke zusammentreffen und nicht Eine Bachader als Stamm des Flusses sich heraushebt. So entsteht z. B. der Vorderrhein aus mehrern Bächen, von denen jeder „Rhein“ mit einer Localbezeichnung heißt. Die Quellen dieses berühmten 190 Meilen langen Stromes, der auf seinem Laufe 12,283 Flüsse und Bäche aufnimmt, liegen alle in der Alpenregion, die des Vorderrheins im Tomasee (7240&#8242; ü. M.) und Krispalt (6710&#8242; ü. M.), des Mittelrheines im Scursee (6670&#8242; ü. M.), des Hinterrheines am Rheinwaldgletscher (5760&#8242; ü. M.). Dabei gilt der Grundsatz, daß den eigentlichen Quellbächen stets vor den bloßen Gletscherabflüssen der Vorzug gegeben wird. Die drei Quellenbäche der Rhone empfangen vom Rhonegletscher zwei Eisabflüsse, die wol mit zwanzigmal reichern Massen aus den Eishöhlen hervorsprudeln, und doch haben nicht diese den Namen der Rhonequellen und verdienen auch nicht, da sie nicht eigentliche Quellwasser sind. Damit stimmt ganz die Verachtung zusammen, welche so häufig die Alpenbewohner gegen die „wilden“ Gletscherwasser bezeugen, und ihre Verehrung vor den „lebendigen“ Quellen. Und doch haben manche Ströme nur solche gering angesehene Gletscherquellen; so wird gerade die Aare durch die starken Bäche des Oberaar-, Finsteraar- und Lauteraargletschers gebildet, die bei ihrer Vereinigung 6270&#8242; ü. M. liegen. Der einzige Bach, der lange durch die Alpenzone strömt und in ihr zum Flusse wird, ist der Inn; doch auch die Aare gewinnt rasch eine bedeutende Stärke durch die Zuflüsse aus allen den finstern Eisthälern, die sie in wildem, tobenden Gange durchströmt; dann geht sie ruhig durch das trostlos öde Aarbodenthal unter dem Grimselhospize weg, einer engen Schlucht zu, durch die sie von Stufe zu Stufe fällt und dem Röterisboden (4880&#8242; ü. M.) entgegeneilt, bis sie oberhalb der Handecksennhütte einen hübschen Fall, unterhalb derselben aber (4260&#8242; ü. M.) mit dem Aarlenbach zwischen den Granitfelsen in einen hundert Fuß tiefen Abgrund stürzend, den berühmten Handeckfall bildet, den einzigen großen Wasserfall der Alpenregion. </p>
<p>„Da ragen zwei mächtige Felsenkolosse<br />
So dicht aneinander aus gähnendem Schlund;<br />
Die Häupter bekränzet der Tannen Gesprosse,<br />
Die Füße verbirgt der umnachtete Grund.</p>
<p>Und vor mir, hinab in die schaurige Hölle,<br />
Ergießt sich der breite, gewaltige Fluß!<br />
Wie zischen die Schäume, wie fliegt das Gerölle,<br />
Wie stürmen die Wogen mit donnerndem Schuß!</p>
<p>Und siehe von grünender Höhe zur Linken,<br />
Da rauschet der Arle zerstäubender Bach,<br />
In schäumenden Güssen, mit silbernem Blinken,<br />
Hinab in die Schlucht, in die klaffende, jach.“</p>
<p>Kurz nach diesem köstlichen Salto mortale tritt sie aus der Alpenregion hinaus. Die übrigen Wasserfälle der letzern sind nicht besonders wasserreich, da sie den Quellen zu nahe liegen, dafür aber sehr zahlreich und oft außerordentlich kühn. In allen höhern Revieren sieht man diese schwankenden Schaumfäden an den Felsen hängen, oder hört die jungen Bäche über die großen Felsenstufen ihrer Schluchten hinunterkommen; die Zahl der kleinern Wasserfälle unsers Alpengürtels übersteigt wol tausend.</p>
<p>(aus: Friedrich von Tschudi &#8211; Das Thierleben der Alpenwelt, Leipzig 1853)</p>
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		<title>Gorrh (18)</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 08:33:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Fällt Schnee? Schnee fällt. Vor und hinter, über und unter sinkenden Flocken sinkende Flocken. Auch diagonal oder digital: zwischen den Flocken: Flocken. Heute dicke Flocken. Und jeder Flocke wohnt eine kleine Kälte inne, sozusagen das Gegenstück zu schwach aufgedrehter Heizung. Im Verbund gelingt den kleinen Kälten eine umfassende Netzwerkkälte, dh, die Kältestrahlen der einzelnen Flocken [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fällt Schnee? Schnee fällt. Vor und hinter, über und unter sinkenden Flocken sinkende Flocken. Auch diagonal oder digital: zwischen den Flocken: Flocken. Heute dicke Flocken. Und jeder Flocke wohnt eine kleine Kälte inne, sozusagen das Gegenstück zu schwach aufgedrehter Heizung. Im Verbund gelingt den kleinen Kälten eine umfassende Netzwerkkälte, dh, die Kältestrahlen der einzelnen Flocken vereinen sich zu einer sirrenden Gesamtkälte &#8211; oder anders ausgedrückt: Schnee durch Schnee ist gleich Schnee. Eine wunderbare Winterlandschaft, gegeben im Schaufenster der Galeria Kaufhof. Eine kleine, zerzauselte, gegen den Strich gebürstete Gorrhpuppe in knitterfreier  Martinsmantelhälfte hockt mittendrin, spielt E-Gitarre, singt: „isch glaub, isch bin so happig“, schlägt rhythmisch mit der Faust in die Luft, rebellische Geste, bangt head, kickt ass, fällt mit Batterieschaden aus. Vor dem Schaufenster Gorrh, der echte, als unscheinbare Bettlerin verkleidet, ein Glas Ahrschwärmer, ehemals Glühwein, nun mit einer Haube aus Zuckerguß, dh Schnee, denn auch draußen fällt Schnee, wenngleich nicht ganz so viel und gar so hübsch wie drinnen, in der Linken festgefroren. Vereinzelt Passanten, die sich ihre bibbernden Gebisse zeigen. Arbeitslose Jugendliche natürlich, die sich über die vermeintliche Bettlerin im Schnee lustig machen: „die letzte totale Mondcoolness is bei der aber auch schon paar zig`n`zwanzig Jährchen her“; Gorrh grinst undeutbar, putzt sich demonstrativ die Zähne mit Remoulade und sinniert über Hirnweichheit im Verhältnis zu demoskopischen Strukturen. Es sieht nicht gut aus für die Gesellschaft. Es sah mal gut aus für die Gesellschaft, es wird für die Gesellschaft auch mal wieder gut aussehen, aber im Präsens ist das nicht zu schaffen. Plötzlich steht etwas still. Die Schneeflocken bremsen, die Erdrotation kommt ans Ruckeln, ein Riß geht durch das gefrorene Glas Ahrschwärmer in Gorrhs linker Hand. Es ist Gorrhs mentale Stärke, die diesen Moment ausgelöst hat. Die Menschen reißt es erst leicht nach hinten, dann prallen sie, durch den Rückschlag des totalen Stillstands, heftig nach vorne in ihr weiteres Leben. „Wat war dat denn noch?“ Der Stillstand, so absolut Gorrh ihn auch inszenierte, hielt nur für Sekundenbruchteile, ein kleiner Warnschuß, Gelegenheit zum Innehalten, mehr nicht, vielleicht ein Scherz unter arbeitslosen Jugendlichen. Die nun auf Gorrh eintraten, der als Bettlerin verkleidet irre verkrümmt auf dem Boden lag. Anderntags die Zeitungstitel: „Gesellschaftliche Kälte im Schnee“, „Rheinland polar“ und „Hurra! Der Wahnsinn hat Methode!“ &#8211; ein einziger Aufschrei! Darunter Fotos von Fleisch- und Knochenresten arbeitsloser Jugendlicher mitten auf der Königsallee. Gut sichtbar im Schnee: Skalps mit CR7-Frisuren. Die Mordkommission ermittelt. Gorrh lehnt jede Stellungnahme ab. Der Präsident hält seine berühmte Rede vom Ruck, der durch das Land zu gehen habe.     </p>
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		<title>Von Thusis nach Chur</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 18:21:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;(&#8230;) I will now returne unto that part of the Grisons country where-hence I digressed, even to Tossana, where I entred a fourth valley which is called by the same name as the other immediately behind it, namely the valley of Rhene, because that river runneth through this also where it inlargeth it selfe in a farre greater bredth then in the other valley. Also some doe call it the valley of Curia from the citie of Curia the metropolitane of the country, standing in the principall and most fertil place thereof.<br />
I departed from Tossana about seven of the clocke in the morning, the three and twentieth of August beeing Tuesday, and came to Curia tenne miles beyond it, which is the head citie of the country (as I have before said) about one of the clocke in the afternoone.<br />
I observed many wooden bridges in this valley, made of whole pine trees (as those of Savoy) which are rudely clapped together. One of those bridges is of a great length, about one hundred and twenty paces long, and sixe broad, and roofed over with timber. Also it hath foure very huge wooden pillars in the water. This bridge is made over the river Rhene, about five miles on this side the citie of Curia, over the which every stranger that passeth payeth money.<br />
I observed this country to bee colder by halfe then Italie, the ayre beeing heere as temperate as with us in England.<br />
The abundance of peares and apples in many places of Rhetia, especially about the citie of Curia, is such that I wondred at it: for I never saw so much store together in my life, neither doe I thinke that Calabria which is so much stored with peares, can yeeld more plenty for the quantitie or space of ground, then this part of Rhetia doth. Their trees being so exceedingly laden, that the boughes were even ready to breake through the weight of the fruite. (&#8230;)&#8221;</p>
<p>(aus: Coryat`s Crudities, hastily gobled up in five moneths travells in France, Savoy, Italy, Rhetia commonly called the Grisons country, Helvetia alias Switzerland, some parts of high Germany and the Netherlands; newly digested in the hungry aire of Odcombe in the county of Somerset, and now dispersed to the nourishment of the travelling members of this kingdome)</p>
<p>Vergeblich suchten wir in den <em>Crudities</em> nach einer Beschreibung der Via Mala, die Coryat &#8211; so ziemlich zu ihren wildesten Zeiten &#8211; auf seiner Alpenrheinreise passiert haben müßte. Der Marktflecken Tossana (Thusis) bleibt ebenso nahezu unbeschrieben wie die übrigen Dörfer des Hinterrheins, erst Chur erfährt ausführlichere Notizen (die wir evtl noch hier vorstellen). Von Chur geht Coryats Reise den Rhein abwärts bis Sargans, von wo er über Walastat (Walenstadt) nach Zürich abbiegt, um erst wieder bei Basel auf den Strom zu treffen. Seine Ausführungen zu diesem Alpenrheinabschnitt bleiben dürftig, viel mehr als Schätzungen der Wiesenflächen stehen nicht zu Buche, doch vermerkt Coryat, daß er ab Sargans bis tief in die Niederlande fortan lückenlos jeden Reisetag mindestens einen Rheinwein kredenzt bekam. </p>
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		<title>Coryat`s Crudities (2)</title>
		<link>http://rheinsein.de/2012/01/24/coryats-crudities-2/</link>
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		<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 17:32:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Thomas Coryat]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Coryats Stelle mit den Hüpffröschen ist gefunden („I never saw the hundreth part of them in so short a space in all my life: most of their meadowes being so full of them, that I could not step five or sixe steps but I should finde a little frogge“). Er sah diese Froschwiesen im Veltlin, also nicht ganz in Deutschland &#8211; es sei denn, es tauchen noch mehr solcher Stellen auf. Coryat sah allerdings nicht nur Unmengen Frösche in Rhätien, sondern auch Unmengen Schafe („I saw great abundance of sheepe here, which I met driven in the way in many great flocks, all the sheepe being according to my estimation at the least foure thousand“), und Freiluft-Kinderarbeit („I observed that the poore Alpine people dwelling in the mountaynous places of the Grison territory, doe send their children abroad into the high wayes with certaine hoddes tyed about their necks, to gather up all the horse-dung that they can finde, which (as I take it) serveth onely for the dunging of their gardens“). Bei Splügen erreicht er den Rhein: „From this place Splugen forward all the Grisons speake Dutch. Here at Splugen I entered into a third valley of the Grisons country, namely the valley of the Rhene, which is so called because a little arme of the noble river Rhene runneth through it. In this valley of Rhene I travelled tenne miles. The Rhene which runneth through this valley, flowes with such an extreme swiftnesse, that the water thereof in certaine places where it falleth downe from steepe cataractes, raiseth a certaine reaking mist to a great heigth, which proceedeth from the greate violence of the torrent. (&#8230;)“ Hinter Splügen erfährt Coryat, daß die Bündner Entfernungen nicht in Meilen, sondern in Stunden angeben, was ihn erstaunt, da doch jeder mit unterschiedlichem Tempo sich bewege und nirgends sonst unter christlichem Himmel solche Sitte vorzufinden sei. Das <a href="http://www.youtube.com/watch?v=G-2Aig9TK2w" target="_blank">Bünderfleisch</a> bezeichnet Coryat mit einem merkwürdigen Begriff: „Amongst many dishes that come to their table Martelmasse beefe is very frequent.“ Der neuzeitlichen Zumutung, er sei „der erste Tourist“ gewesen, widerspricht Coryat in seiner Rhätien-Passage übrigens höchstpersönlich, indem er vorherige und nachfolgende Reisende bittet, eine eingestreute Textpassage, eine Coryatsche Übersetzung einer lateinisch verfaßten Rede von Hermannus Kirchnerus, ein einziges Lobpreisen des Reisens in Deutschland, freundlich aufzunehmen. </p>
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		<title>Gorrh (17)</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Jan 2012 17:53:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhein]]></category>
		<category><![CDATA[Basel]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Gorrh]]></category>
		<category><![CDATA[Laufenburg]]></category>

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		<description><![CDATA[„Gorrh, unser Größter, jung Görrhling, erwachsen vom Frühling bis August Grrhoarrh, dann bis zu Neujahr Gorrh genannt, Gorrhus gorrhus (das Männchen heißt vom September an auch G. musculus, das Weibchen G.a schizopulcherrima), ist ein höchst sonderbarer Wandergott, halb Wald-, halb Stadttier, halb aus reinem Nichts gesponnen, Dividende des Unnatürlichen, Nenner der Menschheit, Elektrospacke, manche sagen: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Gorrh, unser Größter, jung Görrhling, erwachsen vom Frühling bis August Grrhoarrh, dann bis zu Neujahr Gorrh genannt, Gorrhus gorrhus (das Männchen heißt vom September an auch G. musculus, das Weibchen G.a schizopulcherrima), ist ein höchst sonderbarer Wandergott, halb Wald-, halb Stadttier, halb aus reinem Nichts gesponnen, Dividende des Unnatürlichen, Nenner der Menschheit, Elektrospacke, manche sagen: Befall aus dem All. Aus dem Asfalt, wo er besonders entlang der Rheinschiene hinstreicht, steigt er oft im April schon, oft später, in langsamen Zügen in spitzwinkeligen Linien, die schwersten Gedanken voran, alle Flüsse Deutschlands hinauf, kommt im Mai bei Basel durch den Rhein her, schnellt sich mit kräftigem Schwanzschlag die Laufenburger Stromschnelle hinan, schwimmt im August in die kleinern Flüsse, zieht ohne Aufenthalt durch die Länge der Seen nach deren Zufluß, fährt diesen aufwärts, überspringt leicht Wehre und Rechen, verteilt sich in alle großen Seitenbäche, die schnellen Lauf und kiesigen Boden haben, und gelangt so in die Bergregion auf wunderbarer Irrfahrt. Hier laicht er vom Oktober bis Dezember und zieht dann wieder in großen Reihen flußabwärts, dorthin, wo er herkam, zurück. Es sind dies die Monate unter den Monaten, an denen er unsichtbar bleibt, wie auch zu anderen Monaten im Jahr. Seine dreißigtausendfache Vervielfältigung kann nur durch einen ebenso schweren Gedanken aufgehoben werden. Ein Gedankensprengsatz, gehalten von untereinander verkabelten, intelligent gesetzten Plastiksprengstoffkommata, ein eiliges, wuchtiges Gewebe, das den Riß in der Luft, den sein Erscheinen verursacht, zum Loch umreißt, dessen Rand zerfetzt, bis von allem Nichts nichts mehr übrig bleibt als die reine Vollkommenheit und Fülle, eine antimaterielle Überfülle, das nonmaterielle Megamaterial. „Süperendesüpere“, summt Gorrh zu Lichtmeß, knocht und wobbelt, protzt und schlorcht, Gorrh, unser Größter, jung Görrhling, erwachsen vom Frühling bis August Grrhoarrh, dann bis zu Neujahr Gorrh genannt.“</p>
<p>(Obiges fanden wir in Strondtners Notizen. Der Text ist im Original s-förmig durchgestrichen. Oder markiert. Serpentiert? Wo zur Hölle ist Strondtner eigentlich abgeblieben?)    </p>
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		<title>von den Micrometern</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Jan 2012 10:25:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhein]]></category>
		<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Dreisatz]]></category>

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		<description><![CDATA[§. 15. Hinwiederum von einem meinem Fenster gegenüber liegenden Dache wollte ich den Abstand des Gibels finden. Ich richtete das Fernrohr gegen die unmittelbar vom Giebel abwärts hangenden Ziegel, so daß die Scala des Micrometers Horizontal zu liegen kam. Den Tubum müßte ich bis auf 572 Theile ausziehen, um die Ziegel deutlich zu sehen; damit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>§. 15. Hinwiederum von einem meinem Fenster gegenüber liegenden Dache wollte ich den Abstand des Gibels finden. Ich richtete das Fernrohr gegen die unmittelbar vom Giebel abwärts hangenden Ziegel, so daß die Scala des Micrometers Horizontal zu liegen kam. Den Tubum müßte ich bis auf 572 Theile ausziehen, um die Ziegel deutlich zu sehen; damit fand sich, daß die Breite von zween Ziegeln genau 7 Theile des Micrometers bedeckte. Da mir nun bekannt war, daß auf jede Ziegelbreite 1/2 rhein. Fuß gerechnet werden kann, so machte die Breite von zween Ziegeln 1 rhein. Fuß. Damit ließ sich nun nach der Regel Detri</p>
<p>7 : 573 = 1 : 81 5/7</p>
<p>schließen, daß diese Ziegel 81 5/7 rhein. Fuß und daher der Giebel 82 rhein. Fuß von dem Objectivglase des Tubus entfernet seyn mußten. Aehnliche Versuche giengen noch sehr genau bis auf die Entfernung von 700 Fuß an. Denn das Micrometer war in 14 größere, oder 70 kleinere Theile getheilt, und jeder kleinere Theil ließ sich nach einer bloßen Schätzung des Augenmaaßes sehr leicht noch in 10 kleinere Theile theilen, so daß, wenn ich so viele Ziegel zusammen nahm, als die Scale des Micrometers fassen konnte, auf 700 nicht um 1 verfehlt wurde. Daran fehlte es also nicht. Die Hauptfrage war aber wohl diese: ob man immer sicher genug auf jede Ziegelbreite genau 1/2 rhein. Fuß rechnen könne. Denn, wo dieses nicht ist, da wird zwar eben nicht viel fehlen, indessen ist alsdann die darauf gegründete Berechnung nur beyläufig. Uebrigens lassen sich bey Fensterscheiben, zumal wo sie rund und auf den Glashütten, gerundet sind, ähnliche Versuche anstellen. (&#8230;)</p>
<p>(aus: Abhandlungen der Churfürstlich=baierischen Akademie der Wissenschaften Fünfter Band, welcher die philosophischen enthält., München 1768)</p>
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		<title>Heiliger Berg des Rechtsrheinischen</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 15:19:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhein]]></category>
		<category><![CDATA[Boris Sieverts]]></category>
		<category><![CDATA[Kalk]]></category>
		<category><![CDATA[Kalkberg]]></category>
		<category><![CDATA[Köln]]></category>
		<category><![CDATA[St. Florian]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute fanden wir eine Mail des Kölner Stadtführers Boris Sieverts im Postfach. Sieverts Führungen gehen häufig durch wenig bekannte urbane Räume: Brachen, Slums, Randständiges, Untertrassenbefindliches. Seit einigen Wochen setzt er sich für den Erhalt des Kalkbergs als öffentliche Erholungsfläche ein. Die Stadt Köln will dort eine Hubschrauberstation einrichten. Vergangenen Samstag errichteten Gegner der städtischen Pläne [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute fanden wir eine Mail des Kölner Stadtführers Boris Sieverts im Postfach. Sieverts Führungen gehen häufig durch wenig bekannte urbane Räume: Brachen, Slums, Randständiges, Untertrassenbefindliches. Seit einigen Wochen setzt er sich für den Erhalt des Kalkbergs als öffentliche Erholungsfläche ein. Die Stadt Köln will dort eine Hubschrauberstation einrichten. Vergangenen Samstag errichteten Gegner der städtischen Pläne dort einen Lattenzaun im Stile des Hollywood-Schriftzugs. </p>
<p><img src="http://rheinsein.de/wp-content/uploads/2012/01/kalkberg.jpg" alt="kalkberg" title="kalkberg" width="510" height="340" class="aligncenter size-full wp-image-5436" /></p>
<p>Wir zitieren aus Sieverts Schreiben: „(&#8230;) Wir werden uns den Kalkberg weiter erobern und ihn zu dem machen, was er verdient: Den &#8220;heiligen Berg des Rechtsrheinischen“, einen Ort mit Fernsicht zum Träumen, der Stadt entrückt und doch mittendrin, mit freiem Platz zum Experimentieren und Feiern, Tafeln und Spielen, vielleicht sogar für Theater, Open-Air-Kino und Konzerte. Einen Ort, an dem Menschen zusammen kommen, um sich gemeinsam über den Alltag zu erheben! (&#8230;)</p>
<p>Nach den zahlreichen Presse-und Fernsehberichten (&#8230;) ist es vielleicht an der Zeit, nochmal zu betonen, dass wir nicht gegen den Bau einer Hubschrauberbasisstation sind und dass es hier auch nicht um das St. Florians-Prinzip geht, das die Last immer zu den anderen verschieben will. Man kann es nicht oft genug betonen: Eine Hubschrauberbasisstation mit zwei Landeplätzen, einem kleinen Hangar, Aufenthaltsräumen und einer Betankungsstelle ist ein so &#8220;handlicher&#8221; und damit in seiner Standortwahl so freier Eingriff, dass man damit nicht tausenden von Bürgern ihre Ruhe rauben und eine der großartigsten Freiflächen der Stadt weitgehend zerstören muss. Die Hubschrauberstation gehört in eines der zahlreichen Gewerbe- oder Industriegebiete, auf Brachflächen, die nicht inmitten von Wohnbebauung liegen oder, und das wäre wohl die beste Lösung, auf die Dächer der Kölner Messe, die 13 Hektar besten Hubschrauberlandeplatzes fernab jeglicher Wohnbebauung bieten und 90 Prozent des Jahres weitgehend ungenutzt sind!</p>
<p>Wir werden nicht aufhören, lautstark auf die Unsinnigkeit und Ignoranz der Standortwahl Kalkberg hinzuweisen und eine Prüfung anderer Standorte zu fordern, die die Bezeichnung Prüfung auch verdient! Außerdem wird es höchste Zeit, dass die Stadt Köln für diejenigen anderen Standorte, deren grundsätzliche Eignung sie nach ihrer eigenen Punktematrix bereits jetzt nicht bestreitet, ebenfalls Genehmigungen beantragt, damit die Kölner nicht länger als nötig auf ihre Hubschrauberbasisstation warten müssen! Zur Beantragung dieser Genehmigungen hatte die Stadtverwaltung in den vergangenen 7 (!!) Jahren reichlich Zeit. Dass sie diese Zeit nicht genutzt hat, ist verantwortungslos und unter diesen Umständen von Alternativlosigkeit zu sprechen eine Verhöhnung aller Bürger dieser Stadt!“</p>
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		<title>Zwischenbilanz (4)</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 19:47:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhein]]></category>
		<category><![CDATA[Bosporus]]></category>
		<category><![CDATA[Das Lachen der Hühner]]></category>
		<category><![CDATA[Düsseldorf]]></category>
		<category><![CDATA[Liechtenstein]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir nehmen diesen tausendsten Primäreintrag nach rund drei Jahren rheinsein im Internet zum Anlaß für eine weitere Zwischenbilanz. Über die fragwürdige &#8211; denn rheinsein läßt sich nicht ausschließlich über Primärposts definieren &#8211; Jubiläumszahl hinaus paßt jedoch auch ihr Zeitpunkt für kurze Rück- und Ausblicke.
Im Jahr 2011 gab es ein neues Büchlein (Das Lachen der Hühner), [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir nehmen diesen tausendsten Primäreintrag nach rund drei Jahren <em>rheinsein</em> im Internet zum Anlaß für eine weitere Zwischenbilanz. Über die fragwürdige &#8211; denn <em>rheinsein </em>läßt sich nicht ausschließlich über Primärposts definieren &#8211; Jubiläumszahl hinaus paßt jedoch auch ihr Zeitpunkt für kurze Rück- und Ausblicke.</p>
<p>Im Jahr 2011 gab es ein neues Büchlein (<a href="http://parasitenpresse.wordpress.com/buchladen/" target="_blank">Das Lachen der Hühner</a>), das sowohl als eigenständige Publikation, als auch als <em>rheinsein</em>-Derivat betrachtet werden kann. Für einen handgearbeiteten Gedicht-Bild-Band aus einem unabhängigen Kleinstverlag geht es ganz ordentlich übern Tresen. Wir durften <em>rheinsein</em> in einigen Lesungen und Vorträgen präsentieren, eine Besonderheit/Neuheit war die aus <em>rheinsein</em>-Material zusammengestellte Liechtenstein-Show, eine weitere unser Lehrauftrag an der Düsseldorfer Fachhochschule zum Thema „Rheinische Identität“, das die Studenten in Spoken Word-Performances umzusetzen hatten. Die Stichwortwolke, <em>rheinseins</em> lexikalisches Register, wuchs auf über 2600 Begriffe an. Falls wir unsere Statistiken richtig deuten, sorgt insbesondere die thematische Bandbreite für zahlreiche Seitenaufrufe. Die häufigsten bzw lustigsten Suchanfragen zusammenzustellen, verkneifen wir uns heute &#8211; vielleicht ein andermal.</p>
<p>Von Februar bis Juno 2012 wird <em>rheinsein</em> die Artikelfrequenz stark herunterdimmen. Denn wir verbringen diese Zeit aus beruflichen Notwendigkeiten am Bosporus &#8211; erhoffen jedoch, dort einen bisher noch unbekannten Rheinnebenarm zu entdecken. Zu erwarten steht nach dem bisher ca werktäglichen demnächst also vorübergehend ca ein wöchentlicher (evtl an einem festen Tag erscheinender) Neueintrag. <em>rheinsein</em> wird dafür insbesondere auf Gastbeiträge angewiesen sein. (Der geneigte Leser und alle hier mitlesenden Korrespondenten möge/n dies bitte als Aufforderung verstehen. Wir sammeln bereits ein wenig auf Halde.) Falls wir für die Zwischenzeit ein Bosporus-Blog einrichten, geben wir`s hier bekannt.</p>
<p>Im Hintergrund grummeln derweil einige noch nicht spruchreife Optionen für die zweite Jahreshälfte 2012. Was immer sich ergibt: hier wird es zu erfahren sein.</p>
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