Un soir d’été

Le Rhin
Qui coule
Un train
Qui roule

Des nixes blanches
Sont en prière
Dans la bruyère

Toutes les filles
A la fontaine
J’ai tant de peine

J’ai tant d’amour
Dit la plus belle
Qu’il soit fidèle

Et moi je l’aime
Dit sa marraine
J’ai la migraine

A la fontaine
J’ai tant de haine

***

In Guillaume Apollinaires 1913 erschienenem, epochalen Gedichtband Alcools ist ein Zyklus mit neun Rheingedichten (Rhénanes) enthalten. Drei davon, Nuit rhénane, Mai und Schinderhannes sind bisher als Kacheln dem rheinsein-Mosaik eingepflegt. Entstanden waren sie um die Jahrhundertwende, Jahre vor ihrer Veröffentlichung. Noch einmal neun Rheingedichte schafften nicht die Aufnahme in Alcools. Diese Texte, zu denen auch der hier vorgestellte Sommerabend (Un soir d’été) gehört, erschienen erst lange nach Apollinaires Tod (1918) im Nachlassband Le guetteur mélancolique bei Gallimard (1952). Die Analogie des fließenden Rheins mit einem rollenden Zug lässt sich lautlich im Deutschen nicht so leicht ohne Bedeutungsverschiebungen widergeben. In seinen schlichten, existentiellen Reimen erinnert der Text an spätere Art brut-, sowie an Kindergedichte. Die alten Rheinthemen (Nixen, Brünnlein, Liebe, Treue, Hass) ergeben aufgemischt mit moderneren Begriffen (Zug, Kopfschmerz, Patentante) ein erwartungsgeladenes Rheinstill, das kurz vor der Explosion oder Implosion zu stehen scheint.


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