Monatsarchiv für Februar 2018

 
 

Presserückschau (Februar 2018)

1
Protesthupen
“Mit lautstarkem Hupen protestieren derzeit die Binnenschiffer in Köln. Sie sind sauer darüber, dass sie nicht mehr im Rheinauhafen anlegen dürfen. Während des Rheinhochwassers hatten Schiffe zwei ältere Festmachvorrichtungen aus ihrer Verankerung gerissen. Die Anlagen an der Kaimauer seien nicht mehr für Zugkräfte moderner Frachtschiffe ausgelegt, teilen die Häfen und Güterverkehr Köln kurz HGK mit. Die verbliebenen Anlagen wurden entfernt und für die Kaimauer ein Anlegeverbot erlassen. Doch dieses Verbot stößt bei den Binnenschiffern auf Protest. Die Liegestellen am Rheinauhafen in Köln zählen zwischen Rheinland-Pfalz und der deutsch-niederländischen Grenze zu den letzten verbliebenen Möglichkeiten, um die Fahrt eines Schiffes zu unterbrechen (…). Um ihren Protest hörbar zu machen, hupen die Schiffe nun bei ihrer Durchfahrt. Vereinzelt hängen Kölnfahnen verkehrt herum.” (WDR)

2
Gesunkenes und wieder aufgetauchtes Hausboot
“Bornheim-Hersel – Ein Hausboot ist (…) in den Fluten des Rheins versunken. (…) Der Vorfall ereignete sich am Anfang des Herseler Werths, Ecke Hafenstraße/Leinpfad. Um die Sicherheit der Rettungskräfte zu gewährleisten, wurde eine Elektroleitung stillgelegt. (…) Mehr als 30 Einsatzkräfte waren vor Ort, darunter Rettungsschwimmer vom Deutschen Roten Kreuz und der Wasserwacht sowie Taucher der Berufsfeuerwehr Köln.” (General-Anzeiger)
“Das (…) in Hersel gesunkene Hausboot wurde (…) aus dem Rhein geborgen. Mehrere Helfer (…) versuchten in einer privaten Aktion, das Schiffswrack aus den Fluten zu ziehen. Nachbarschaftshilfe wird in Hersel groß geschrieben. (…) Mit einem Traktor, Seilwinden und Umlenkrollen zogen (…) Helfer das havarierte Boot aus dem Wasser. (…) Die Seile liefen über fünf Rollen, damit die Kraft zum Herausziehen verstärkt wurde. Allerdings mussten die Helfer das Ganze nach einigen Stunden abbrechen, weil das 22 Tonnen schwere Boot mit Wasser vollgelaufen und somit zu schwer geworden war. Hinzu kommt, dass die Uferböschung recht steil ist. Nun müssen alle Beteiligten erst einmal darauf warten, dass der Wasserpegel sinkt, um das Boot leer pumpen zu können. Erst dann wird es weiter an Land gezogen.” (General-Anzeiger)

3
Ausstellung
“Bad Honnef – Impressionen vom Rhein sind ab sofort in der Ladenzeile im Postgebäude an der Bahnhofstraße, die der Kunstverein antiform bespielt, zu sehen. Die vier Fotografen Helmut Reinelt, Frank Homann, Frank Landsberg und Jens Unglaube präsentieren in der Schau ihre Werke zum Thema „Der Rhein und seine Landschaft“. (…) Die Ausstellung ist bis 8. April jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet, zusätzliche Termine nach Absprache.” (Bonner Rundschau)

4
Bär im Rhein
“In Höhe des Tanzbrunnens mussten Einsatzkräfte von Feuerwehr und Wasserschutzpolizei einen als „Bär“ verkleideten Jugendlichen (17) aus dem Wasser ziehen. Mit einer Unterkühlung wurde er von Rettungssanitätern versorgt.” (Kölnische Rundschau)

5
Müll
“In Basel sind mehrere Abfallsammler des Swiss Litter Reports unterwegs – und sie finden einiges an Müll. An einem Tag im Juni etwa trug ein Sammler an einer Stelle beim Tinguely-Museum alleine über 1100 Glas- oder Keramikstücke, 336 Metall- und knapp 3000 Plastikgegenstände, wobei unter Letzteren auch (…) 2630 Zigarettenstummel verbucht sind. Auch grössere Müllgegenstände werden in Basel oft im Rhein entsorgt. An der letztjährigen «Ryybutzete» holten Taucher acht Tonnen Müll aus dem Fluss.” (Aargauer Zeitung)

6
Trinkwasser
“Der Ballungsraum ist durstig: 223 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Ried konsumieren die Rhein-Main-Bewohner pro Jahr. Bis 2030 wird der Bedarf seiner Kunden um weitere 7,5 Millionen Kubikmeter steigen, schätzt der Wasserverband Hessisches Ried. Bevölkerungsprognosen und Klimawandel erforderten, die grundwasserschonende Wassergewinnung auszuweiten. Eine weitere Infiltrationsanlage sei in Planung, kündigte Verbandsvorsteherin und Hessenwasser-Chefin Elisabeth Jreisat in Frankfurt an. Das Prinzip wird das gleiche sein wie das der vier bereits vorhandenen: Rheinwasser wird aufbereitet und versickert dann im Untergrund, um Grundwasser aufzufüllen. (…) Trotz der starken Niederschläge der vergangenen Wochen saugt der Verband derzeit weiter Wasser aus dem Rhein ab und bereitet es auf. Der Grundwasserspiegel sei noch nicht hoch genug, um für einen eventuellen trockenen Sommer gerüstet zu sein.” (Frankfurter Rundschau)

7
Hydraulische Besonderheit
“Ärger über angeblich falsche Fluss-Pegelstände gibt es in Leutesdorf am Rhein (…). Der stellvertretende Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Bingen, Florian Krekel, sagte (…), am Pegel Andernach gebe es eine “lokale hydraulische Besonderheit” im Zusammenhang mit zwei 80 Meter davon entfernten Mess-Sensoren. Die bekanntgegebenen Pegelstände könnten daher tatsächlich verwirren. “Wir prüfen, wie wir das verbessern können”, erklärte Krekel. Das sei aber eine Sache von Monaten und nicht wenigen Tagen. “Mess-Stellen verlegt man ungern.” Denn es gehe um die Vergleichbarkeit mit früheren Werten. Krekel riet Rheinanliegern, sich bei ihren Vorkehrungen für Hochwasser nicht auf eine Genauigkeit von zehn Zentimetern bei der Vorhersage der Pegelstände zu verlassen.” (T-Online)

8
Heizungsfunktion für Halsbandsittiche
“Halsbandsittiche breiten sich langsam aus. “Sie wandern entlang des Rheins und des Untermains weiter”, sagt Bernd Petri, Vogelexperte beim Naturschutzbund NABU. So könnten sie im Winter gut überleben. Die Flüsse fungierten wie eine Heizung. Zudem gebe es dort viele Menschen und Futterstellen.” (Hessenschau)

9
Wupperbiber
“Erstmals seit 140 Jahren wurden in Leverkusen Biber gesichtet. (…) Entdeckt hat man die Wassertiere an den durchnagten Weiden, Eschen und Pappeln in der nähe des Ufers, welche den Bibern als Nahrung dienen. Die Nager können ganze Bäume fällen um an die oberen Zweige heranzukommen. (…) Da die Wasserstände der Flüsse in Leverkusen sich kaum verändern, baut der ein Meter lange und 30 Kilogramm schwere Biber keine Dämme, sondern Höhlen in der lehmigen Uferböschung, deren Eingang unter der Wasseroberfläche ist. Dort leben Biber in Familienverbänden von zwei bis acht Tieren. (…) Die Jungtiere bleiben bis zum dritten Lebensjahr im Revier der Eltern. Das neue Revier liegt im Durchschnitt 25 Kilometer vom Revier der Eltern entfernt. Wenn man genau hinschaut, dann kann man einen Biber nicht nur an den Nagespuren an einem Baum erkennen, sondern auch auf dem Wasser, wenn er mit einem kräftigen Schwanzklatscher aufs Wasser auf Tauchgang geht.” (Leverkusener Anzeiger)

10
Früher Film
“Es sind nur 47 grobkörnige Filmsekunden – und doch haben sie unschätzbare Bedeutung für die Erforschung von Basel an der Schwelle zum 20. Jahrhundert: Der Film „Bâle: Pont sur le Rhin“ aus dem Jahr 1896 stellt das älteste Filmdokument der Stadt am Rheinknie dar (…). Ausschnitte aus dem Basler Rheinbrücken-Film mit Erläuterungen sind im Internet unter www.filmpodium.ch zu sehen (unter dem Menüpunkt „Stummfilmfestival 2018“.)” (Weiler Zeitung)

11
Wasserbusse
“Sie könnten den Verkehr in der Region entlasten: Die Städte Köln und Leverkusen wollen prüfen lassen, ob künftig Wasserbusse auf dem Rhein fahren könnten. Eine Machbarkeitsstudie soll in Auftrag gegeben werden. Die Infrastruktur in der Region sei starken Belastungen ausgesetzt, erläuterte die Stadt Köln (…) in einer Mitteilung. Man wolle dafür Lösungen erarbeiten. (…) Das zu untersuchende Wasserbussystem solle mit dem übrigen Nahverkehrsangebot und dem Radverkehr verknüpft werden. Unter einem Wasserbus verstehen die Beteiligten nach Angaben einer Sprecherin in diesem Fall Schiffe. Partner in dem Projekt sind neben Köln und Leverkusen auch Wesseling und regionale Verkehrsanbieter.” (Rheinische Post)

12
Neuer Seitenarm
“In der Rheinaue bei Emmerich ist ein neuer, zwei Kilometer langer Flussarm entstanden, der Lebensraum für Fisch- und Vogelarten bieten soll. (…) Das Gelände ist schwer zugänglich. Die Zufahrt zur Emmericher Ward erfolgt über die Steinfabrik Muhr. Im Sommer wie im Winter ist westlich der Rheinbrücke kaum jemand zu sehen: „Na ja, ab und an ein illegaler Angler, der Bisamfänger und der Biber“, scherzt Klaus Markgraf-Maué, der die Stille an diesem Wintermorgen sichtbar genießt. Sein geschultes Ohr hört zahlreiche Vogelstimmen, und noch bevor in der Luft etwas zu sehen ist, hat er bereits Stare, Brachvogel, Wasserläufer, Kanadagänse und Weißwangengänse ausgemacht. (…) Die neue Nebenrinne des Rheins entwickele sich prächtig. Durch das Hochwasser wurde das Flussbett neu geformt. Der Biologe erkennt die ersten neuen Kies- und Sandablagerungen im Uferbereich: „Genau so wollen wir es haben“, sagt er. Durch das starke Wassertreiben im Januar haben sich auch einige steile Uferböschungen gebildet: „Das ist ein idealer Brutraum für Eisvögel und Uferschwalben.“ Fast 17 Jahre lang hat Klaus Markgraf-Maué sich für diesen Flusslauf eingesetzt. 2001 starteten die ersten Planungen, im November 2017 fuhren die letzten Bagger von der Baustelle. Zwei Kilometer umfasst der Rheinarm, der jetzt vielen Vogel- und Fischarten ein neues Zuhause bieten soll. An 270 Tagen im Jahr wird der Rhein das Gelände durchströmen: „Das ist aus ökologischer Sicht eine ideale Sache“, so Markgraf-Maué.” (NRZ)

13
Rheintote
“Am Morgen (…) entdeckten Zeugen am Anleger unterhalb der Schnellenburg in Höhe der Messe an der Rotterdamer Straße in Düsseldorf-Stockum einen leblosen menschlichen Körper im Rhein. Die zur Hilfe gerufene Feuerwehr und die Wasserschutzpolizei bargen den Körper kurze Zeit später. Bis jetzt steht laut Polizei fest: Bei dem Toten handelt es sich um einen etwa 20 bis 50 Jahre alten und 1,85 Meter großen Mann. (…) Die Leiche konnte noch nicht identifiziert werden.” (NRZ)

“In den Niederlanden ist eine Wasserleiche gefunden worden. Die Polizei konnte die Identität des Mannes bisher nicht klären. Der Mann sei (…) in Waal, einem Mündungsarm des Rheins, gefunden worden, teilte die niederländische Polizei mit. Vermutlich habe er schon mehrere Wochen im Wasser gelegen. Angaben zur Todesursache machten die Ermittler nicht. Möglicherweise stamme der Tote aus Deutschland und sei im Rhein flussabwärts getrieben. Erst vor wenigen Tagen war in den Niederlanden die Leiche eines Mannes gefunden worden, der aus Oberhausen stammte und seit einer Weihnachtsfeier in Düsseldorf vermisst worden war.” (Rheinische Post)

Welkom pierewaaiers

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Nicht nur wurde die Schelde jüngst episch von Maarten Inghels bedichtet (s. vorangegangener Eintrag), sondern es säumt auch ihr Antwerpener Ufer ein über drei Kilometer sich entlang der innerstädtischen Scheldemauer streckendes Poem. Organisiert hat es der ehemalige Stadtdichter Peter Hoelvoet-Hanssen. Über die Zeitung waren alle Antwerpener aufgerufen, Sätze zum geplanten Mauergedicht beizusteuern. Aus den Eingängen und eigenen Passagen komponierte Hoelvoet-Hanssen den Text Welkom pierewaaiers (Willkommen, Freunde des Piers), der mittels Schablonen von einem Trupp Anstreicher in zweiwöchiger Arbeit angebracht wurde. Der Scheldekaai ist aktuell eines von mehreren Antwerpener Großbauprojekten. Am innerstädtischen Ufer soll eine großzügige Promenade mit Sport- und Freizeitmöglichkeiten entstehen. Das Piergedicht, dessen voller Wortlaut auch als städtische Broschüre erhältlich ist, die außerdem über die architektonischen Pläne informiert und sämtliche Beiträger listet, verbindet den Antwerpener Norden mit dem Süden, nimmt Elemente eines vorangegangenen Ufergedichts von Herman J. Claeys auf, das 1991 an der Mauer angebracht war und kann auch als poetische Antwort auf das Gedicht mijn stad von Adriaan de Roover gesehen werden, das auf dem gegenüberliegenden Ufer zu finden ist. Wie lange das Werk Bestand haben wird, ist u.a. von Wind und Wetter abhängig. Die Stadt hat bereits beschlossen, es für eine geraume Zeit zu pflegen. Nicht nur wegen dieses monumentalen, nicht zu übersehenden Textes, sondern auch wegen weiterer und teils wechselnder literarischer Interventionen im öffentlichen Raum lässt sich Antwerpens Innenstadt mit Fug und Recht die poetischste nennen, die rheinsein bisher besucht hat.

Ik volg de rivier, ik ben de rivier

“Ich folge dem Fluss, ich bin der Fluss” lautet der Titel eines überaus lesenswerten Prosagedichts von Maarten Inghels, der als Antwerpener Stadtdichter im Jahr 2016 den Lauf der Schelde, deren Mündungssystem sich dem des Rheins vermengt, von ihrem französischen Ursprung bis Antwerpen zu Fuß verfolgte. Das zugleich als Verlag tätige Antwerpener Antiquariat Demian gab vergangenes Jahr den Text in Kombination mit geschöpftem Scheldewasser heraus. Das Dichter-Ich durchforstet entlang des Schelde-Laufs für ihn als Stadtmensch unbekannte, Staunen und Ängste freisetzende Sequenzen “in der Großstadt Natur”, konstatiert die Automatisierung und Kapitalisierung des Flusses und sieht sich mit der Fortsetzung alten Mythenzaubers in die eigene, moderne Lebenswirklichkeit konfrontiert. Auf der Website des belgischen Magazins Knack ist der gesamte Text im Original nachzulesen. Als Teaser für das deutschsprachige Publikum übersetzt rheinsein die ersten drei Strophen:

“1
In der Schule lernte ich dass Regen in einen Bach strömt der in einen Fluss mündet der in einen Strom mündet der ins Meer mündet der ins Weltgewässer mündet.
Ich folge der Schelde von der Quelle im französischen Gouy-Le-Catelet bis nach Antwerpen, eine Wanderung von 284 Kilometern in ungefähr 11 Tagen. Ich prüfe den Strom auf Unregelmäßigkeiten und Unebenheiten.

2
In meinem Rucksack trage ich: einen Block Hartkäse, Nusskuchen und Cracker, ein Taschenmesser Opinel Nr. 8, zwei braune Hefte, fünf Bücher, Unterwäsche, Wollhemden, eine zweite Hose, einen Pulli, eine Regenjacke, Turnschuhe, ein Telefon mit Ladegerät und Ersatzbatterie, eine Taschenlampe, einen Nagelknipser, Pflaster, eine Karte von Nordfrankreich, ein weißes Hemd.
Ich packe stets ein weißes Hemd ein. Du weißt nie ob du eine Einladung zum Dinner im Pariser Ritz erhältst.

3
Ich fülle eine Flasche während das Brunnenwasser eiskalt in meine Haut sticht. Der Ursprung des Flusses hat eine beschauliche Schönheit – das Wasser ist kristallklar und rein. Da kommt ein altes Pärchen an, das einen Klapptisch aufstellt, Sekt einschenkt, Wurst aufschneidet und anstößt. Das ist ein mögliches Ende einer Geschichte.
Ich suche nach dem Ende und dem Anfang der Dinge, doch gleitet die Zeit mir durch die Hände. Der Fluss ist ein Seil aus Wasser mit zwei zappelnden Enden.
Ich weiß dass die Stadt an der Mündung auf Walgebein und Mammutknochen und den Überresten von Wollnashörnern ruht und dass man deswegen lange dachte dass dort Riesen lebten. Ein Riese presste einen Fels mit seinen Händen und molk den Fluss aus dem Stein.
Ich eile durch hohes Gesträuch. Mein Trab geht auf in der Bewegung des Baches. Der Fluss ist noch nichts weiter als ein mageres Mädchen das auf brackigem Wasser lebt. Schüchtern schneidet er tiefer ins Moor, teilt für ewig und drei Tage den Backstein entzwei. Hinter der ersten Biegung liegt ein Becken mit anderthalb Meter tiefem Wasser, doch die opalblauen Flecken machen es verdächtig. Soll ich ein Bad nehmen bis meine Haut vor Kälte rot und blau wird?”

(nach Maarten Inghels: Ik volg de rivier, ik ben de rivier, Uitgeverij Demian, Antwerpen 2017)

Satellitenbilder vom Scheldeufer

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Beim selben Spaziergang entlang des rechten Scheldeufers, bei dem wir auf neo-prähistorische Zeichen stoßen (s. vorangegangener Eintrag), entdecken wir nach Jahren die Satellitenfunktion unserer Kamera. So gerät der an sich harmlose Anblick des Ufergeländers durch das Objektiv zu schwindelerregend schönen Vogelperspektiven auf eine Gegend, die wir, aufgrund der leichten Schräghaltung beim Fotografieren, außerhalb Antwerpens in der Nähe des Schelde-Maas-Rhein-Nordseeästuars vermuten.

Neo-prähistorische Zeichen am Scheldeufer

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Die Schelde gehört, obgleich ihr Wasser sich nicht direkt mit dem des Rheins mischt, zum Mündungssystem des Rhein-Maas-Deltas. Außerdem verbindet der sogenannte Eiserne Rhein, eine Güterzugstrecke, die Schelde- und Hafenstadt Antwerpen mit Nordrhein-Westfalen. Grund genug für rheinsein, Schelde und Antwerpen aufzusuchen. Am innerstädtischen rechten Flussufer stoßen wir auf Zeichen, die uns an steinzeitliche Höhlenmalerei und Höhlenritzungen erinnerten.

Schnee von gestern

land art_südbrücke“Dass der Rhein als Bildhauer tätig ist, wissen wir; dass er gerne Kieselsteine „beschriftet“, wissen wir auch; nun aber ist bewiesen, dass, stimmen die Wetterbedingungen, er auch Land Art betreiben kann. Das Bild ist wahrhaftig „Schnee von Gestern“… (von der Süd-Brücke fotografiert)”, schreibt unser Korrespondent Roland Bergère vom anderen Ende Kölns.

Kornblumenblau

Ist der Himmel am herrlichen Rheine,
Kornblumenblau
Sind die Augen der Frauen beim Weine.
Darum trinkt Rheinwein, Männer seid schlau,
Dann seid am Ende auch ihr kornblumenblau.

Es gibt kein Plätzchen auf Erden,
Wo sich’s so herrlich und fein
Lebt wie am Rhein, wo die Reben
Blühen im Sonnenschein.
Reich an Farben, so bunt und so prächtig
Erstrahlt Wald und Flur,
Von den Farben am Rhein
Eine allein tritt ganz besonders hervor.

Kornblumenblau
Ist der Himmel am herrlichen Rheine,
Kornblumenblau
Sind die Augen der Frauen beim Weine.
Darum trinkt Rheinwein, Männer seid schlau,
Dann seid am Ende auch ihr kornblumenblau.

(Text: Jupp Schlösser, erstvertont und gesungen von Willy Schneider 1937 bei Polydor)