Nonnenwerth (von Agnes Franz)

Freistatt der Ruh’, du stille Klostermauer,
Von hoher Linden dunklem Kranz umstrickt,
Du lichter Stern, auf den in Wonn’ und Trauer
Einst hoffnungslose Sehnsucht hingeblickt;

Und du, o Rolandseck, deß graue Zinne
Von jenes Ufers Felsen niederschaut,
Unsterblich durch die Sage treuer Minne,
Wie durch die Hand, die trauernd dich erbaut,

Denkmäler frommer Liebe, aufgerichtet
im Schooße der erhabensten Natur,
Schwermüthig ernst, und doch so hold gelichtet
Durch ferner Tage abendhelle Spur;

Die Zeit, die Felsen um euch her verheerte,
Die auf der Siebenberge grauem Haupt
Der hohen Wolkenburgen Pracht zerstörte,
Und ihres Ruhmes Kunde uns geraubt:

Sie ging vorbei mit schonend leisem Schritte
An eures Ufers friedlicher Gestalt,
An diesem Lindenhain, aus dessen Mitte
Der Himmelsbräute frommes Lied geschallt.

Und stürzte auch die Rolandsburg in Trümmer,
Ein Pfeiler blieb, den willig sie vergaß,
Es ist das Fenster, wo im Morgenschimmer
Als Leiche noch der treue Ritter saß.

So wahrt die Zeit selbst liebend noch die Sage,
O Nonnenwerth, die deinen Reiz erhöht,
So pflegt sie an dem morschen Sarkophage
Der Lieb’ ein Lorbeerreis, das nie vergeht.

(aus: Rolands-Album, herausgegeben von Ferdinand Freiligrath, Köln 1840. )


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