Monatsarchiv für Juli 2017

 
 

Presserückschau (Juli 2017)

1
Die Göttin wartet
“In sich ruhend und ganz auf die eigene Person konzentriert sind die Skulpturen von Magorzata Chodakowska. Insofern passen die Werke der polnischstämmigen Künstlerin (…) sehr gut in das Konzept der Stille, dem sich die Hitdorfer Galerie Flowfineart verschrieben hat. (…) Inspiriert vom modernen Ausdruckstanz treibt sie ein Urbedürfnis nach Schönheit und Ästhetik an. Die starke Körperspannung vermittelt das Selbstbewusstsein einer Göttin. Zwei der weiblichen Akte von Magorzata Chodakowska sind diesen Sommer in Hitdorf zu Gast, eine Stehende im Erdgeschoss und eine Sitzende, mit einer Art Handtuchturban auf dem Kopf, liegt im oberen leeren Raum, als warte sie hier auf ihr Bad im Rhein, der in Sichtweite vor dem Fenster vorbei fließt. Die Figuren sind in Holz gearbeitet und anschließend in Bronze abgegossen.” (Rheinische Post)

2
Rosaroter Rhein
“Die Wasserschutzpolizei Mainz konnte (…) schnell Entwarnung geben: Es sind keine Chemikalien, die für die rosafarbenen Schimmer des Rheins gesorgt haben. Die Polizisten sind sich stattdessen sicher, dass die Verfärbung vom Roten Hang in Nierstein kommt. Dort besteht der Boden aus rotem Sandstein, Geologen nennen das „Rotliegend“. (…) Die Wasserschutzpolizei spricht von einem etwa fünf Meter breiten und 50 Meter langen Teppich. Der trieb dann Richtung Mainz, wo er nur noch teilweise gesehen wurde und sich dann auflöste. Die Wasserschutzpolizei sagt, das käme immer wieder mal vor, gerade wenn es lange trocken war und dann kräftig regnen würde.” (SWR)

3
Selfie
“Dieses Selfie wird sie wohl nie mehr vergessen: Eine (…) Touristin ist (…) in Chur während des Abdrückens mit der Handykamera in den Rhein gestürzt. (…) Das Missgeschick geschah unterhalb der Rheinbrücke beim Rheinsand (…). Beim Selfie-Machen verlor die 26-Jährige das Gleichgewicht und fiel in den Fluss. Rund einen Kilometer wurde sie von der Strömung mitgerissen. Bei einer Sandbank konnte sie sich auf einen Felsbrocken in Sicherheit bringen. Ein Rega-Helikopter befreite schliesslich die durchnässte Frau aus ihrer misslichen Lage. (…) Die Touristin wurde nach der ärztlichen Untersuchung an ihr Aufenthaltsdomizil zurückgeführt.” (Thurgauer Zeitung)

4
Synthetischer Strand
“Am Rheinufer in Sürth wurden (…) jede Menge winziger Plastikkügelchen angeschwemmt, höchstens fünf Millimeter groß sind sie im Durchmesser und überwiegend weiß. In einer Bucht nördlich des Godorfer Hafens (…) ist der Granulatstreifen besonders dicht gestreut. Aber auch noch rund fünf Kilometer weiter nördlich in Rodenkirchen liegen die Plastikpellets vereinzelt im Sand; sie sind von kleinen Kieselsteinen kaum zu unterscheiden. (…) Das nahe gelegene Chemieunternehmen Lyondell Basell stellt im Industriegebiet in Wesseling/Godorf solches Kunststoffgranulat her. (…) LB hat nach eigenen Angaben am Rheinufer in der vergangenen Woche eine Granulatprobe genommen und analysiert. (…) Es sei möglich, dass aufgrund der starken Regenfälle auch Plastikpartikel aus den Rückhalteeinrichtungen des Werkes herausgespült worden seien.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

5
Herzlich willkommen zurück
“Ein letztes Mal kehrte er zurück an seinen Sehnsuchtsort: Helmut Kohl, aufgebahrt im Dom zu Speyer. Ein Ort, der Kohl als Privat- und als Staatsmann immer wichtig war. In der Totenmesse (…) im Dom erinnerte auch der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann an Kohls persönliche Beziehung zu dem Gotteshaus. Sie hatte damit begonnen, dass Kohl hier mit seiner Mutter im Zweiten Weltkrieg Zuflucht vor Fliegerbomben fand. Als Kanzler führte Kohl Staatsgäste aus aller Welt nach Speyer. (…) Zur (…) Totenmesse nach Speyer kam der Sarg (…) mit dem Schiff. Der Leichnam des Altkanzlers wurde mit der “MS Mainz” von Reffenthal über den Rhein gebracht. Eskortiert von mehreren Polizeibooten legte das Schiff (…) am Rheinufer in unmittelbarer Nähe des Speyerer Doms an. Am Zielort warteten schon mehrere Hundert Bürger. “Danke Helmut. Herzlich willkommen zurück in Speyer”, hatte ein 48-jähriger Speyerer mit roter Farbe auf ein weißes Leintuch geschrieben, das er an einer Brücke am Rhein aufgehängt hat.” (SWR)

6
Störfaktor
“Im NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags von Baden-Württemberg haben am Montag zwei Polizisten den Austausch der Sicherheitsbehörden über Ländergrenzen hinweg als unzureichend kritisiert. “Der Rhein ist ein störender Faktor”, sagte ein 55-jähriger Staatsschützer aus dem rheinland-pfälzischen Ludwigshafen über die Zusammenarbeit mit baden-württembergischen Kollegen. “Was unsere Leute in Baden-Württemberg wissen, wüsste ich auch gerne.”" (Badische Zeitung)

7
Kampf der Giganten
“Seit acht Millionen Jahren kämpfen zwei Giganten im Schwarzwald. Sie ringen langsam, aber stetig und erbarmungslos. Zunächst ging es um das größere Gebiet, mittlerweile geht es um die Existenz. Die Rede ist von Rhein und Donau, (…) die im Schwarzwald den Kampf um die europäische Wasserscheide austragen. Experten räumen der Donau schlechte Chancen ein, denn der Rhein gräbt ihr beständig die Zuflüsse und Quellgebiete ab. Wer beim Wandern die Augen offen hält, kann mancherorts Schauplätze dieses Kampfes erkennen. (…)” (Badische Zeitung)

8
Seilbahn-Drama
“Nach der Rettung von 65 Menschen aus der Kölner Seilbahn sollen (…) die Untersuchungen zu dem Notfall beginnen. (…) Eine Gondel der Seilbahn hatte sich (…) verkeilt. Die Kölner Feuerwehr startete eine spektakuläre Rettungsaktion. Da ein Großteil der Kabinen über dem Rhein festhing, mussten zahlreiche Fahrgäste aus großer Höhe auf ein Feuerwehrschiff abgeseilt werden. Andere Passagiere wurden über Drehleitern vom Ufer oder der Zoobrücke aus der beängstigenden Lage gerettet.” (Spiegel)

9
Rheintote
“Der nach dem Schwimmen im Rhein vermisste 18-Jährige ist tot. Er sei in Höhe des Mainzer Rathauses am Donnerstag aus dem Fluss geborgen worden, teilte die Polizei (…) mit. Der 18-Jährige hatte (…) mit anderen Jugendlichen und Betreuern einer Hilfeeinrichtung für unbegleitete Flüchtlinge einen Ausflug an den Rhein unternommen. Als ein Binnenschiff vorbei fuhr, ging er im Wasser unter. Eine Obduktion soll nun die genaue Todesursache klären.” (Hessenschau)

“(Speyer) Schrecklicher Fund (…) im Rhein: Beim Angeln wird im Hafenbecken eine männliche Leiche (41) im Wasser entdeckt! (…) Nur ein paar hundert Meter weiter befindet sich auch das Großaquarium „Sea Life“. Nach der Bergung durch die Feuerwehr kann der hinzugezogene Notarzt nur noch den Tod des Mannes feststellen. Wie der Leitende Oberstaatsanwalt (…) mitteilt, handelt es sich bei dem Toten um einen 41-jährigen Mann aus Bellheim. Er konnte eindeutig anhand seines Personalausweises identifiziert werden. Aufgrund des Zustands der Leiche, ist von einer kurzen Verweildauer im Wasser auszugehen (…). Während die Kriminalpolizei die Ermittlungen vor Ort aufgenommen hat, wurde die Leiche sichergestellt und in ein Bestattungsinstitut gebracht. Die Staatsanwaltschaft Frankenthal hat die Obduktion der Leiche angeordnet.” (Mannheim24)

“Ein Mann (54) ist (…) im Rhein ertrunken. Er war zusammen mit sieben weiteren Männern auf einem Motorboot auf dem Fluss unterwegs, als dieses (…) in der Nähe von Schaffhausen kenterte. Alle acht Passagiere fielen ins Wasser. Sieben Männer konnten sich selbstständig ans Ufer retten und blieben unverletzt (…). Der 54-Jährige blieb jedoch im Rhein zurück und konnte erst nach umfangreicher Suche mit Polizeitauchern nur noch tot aus dem Rhein geborgen werden. Gefunden wurde die Leiche (…) rund 1,5 Kilometer flussabwärts bei der Feuerthalen-Brücke (…). Der Unfall geschah offenbar bei einem Anlegemanöver, wie die Polizei in einer Mitteilung schreibt. Beim Bootsführer wurde eine Blut- und Urinprobe angeordnet.” (Blick)

“In Höhe des Fähranlegers bei Rheinberg-Orsoy ist (…) eine im Rhein treibende Wasserleiche entdeckt und geborgen worden. Die Identität der Person ist noch unklar. (…) Neben der Wasserschutzpolizei, dem Rettungsdienst und der Rheinberger Feuerwehr (Löschgruppe Orsoy) war auch der Rettungshubschrauber Christoph 9 am Einsatzort. Die Feuerwehr konnte die Leiche von einem Boot aus bergen. Ob es sich um eine männliche oder um eine weibliche Leiche handelt, war noch nicht zu erfahren.” (Rheinische Post)

“Traurige Gewissheit zum Schicksal des Mannes, der (…) von der Mülheimer Brücke in den Rhein gesprungen war: Im Duisburger Stadtteil Alt-Walsum haben Passanten seinen toten Körper im Rhein treibend entdeckt. Die Wasserleiche ist (…) bereits obduziert und auch identifiziert worden. Es handelt sich um einen 38-Jährigen aus Köln.” (Express)

rotraum

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Das Kreismuseum Zons zeigt aktuell die Ausstellung Rhein-Reisende. Flussabwärts-Installationen von Joachim Römer, von dem rheinsein bisher hauptsächlich als Flaschenpostsammler Notiz nahm. Römers rheinische Flaschenpostfunde, gesäubert, datiert und edel in Rundvitrinen arrangiert, sind auch Teil der Zonser Ausstellung. Über Flaschen verschiedener Materialen und Größen hinaus sammelt Römer Anschwemmsel aller Arten, die er mehr oder weniger bearbeitet für Installationen, Schaukästen, Mosaiken oder als Filmintarsien verwendet. Kunststoffprodukte nehmen den weit überwiegenden Anteil der Funde ein, weisen auf aktuelle Kontaminationen der “deutschen Lebensader”. Römers handwerklich hochwertige Arbeiten transportieren Pop- und Trashkultur über rheinischen Humorlinien. Sie wirken unmittelbar und leicht zugänglich. Das beeindruckendste Werk der Ausstellung ist der rotraum (Bilder), der sowohl an James Turrells Perceptual Cells, als auch ein wenig an die Black Lodge aus Twin Peaks erinnert. Ein roter Teppich führt in eine Bretterkammer, die vollständig mit genuin rotem Rheintreibgut ausgekleidet ist. Kleine Leuchten sorgen für Schummerakzente. Wände, Boden und Decke gehen als Reliefs ineinander über. Die Farben erinnern an die Bandbreite der Rosenblüte, ihre Intensität löst sich in Funktionalität bzw Banalität einzelner Gegenstände (Ölbehälter, Feuerzeuge, Bälle, Dildos, Nupsis und Pinörkel), die sich wiederum zu wirren Landschaften mit psychedelischem Potential fügen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Oktober 2017 im Kreismuseum Zons zu sehen. Öffnungszeiten: Di-Fr: 14-18 Uhr, Sa-So: 11-18 Uhr

Bonn

bonn_altstadtSummer in the city. Sonne leuchtet allgegenwärtige Ehemaligkeit aus. “Bonn. Berlin. Brüssel. Bonn.” heißt es bündig auf einem Sticker der notorischen Partei Die Partei. Als alliterierende Ansage im B-Bereich ein dadaistisches Moment in der linksalternativ dominierten Altstadt, die jedoch keinen alten Stadtkern bezeichnet, deren Name sich vielmehr unsichtbaren Arms an der längsten Theke der Welt, der Düsseldorfer Altstadt, anlehnt.

bonn_pippilotta“Alle Menschen werden älter / Alle Menschen werden gleichzeitig alt / Jeden Tag, jede Stunde, pro Minute, pro Sekunde / werden alle Menschen gleichzeitig alt”. Harald “Sack” Zieglers Songzeilen gelten für Heldinnen wie für Flaneure, die Schablonen-Updates ihrer Heldinnen fotografieren.

bonn_rhenus bicornisNoch älterer Held: Vater Rhein als Rhenus bicornis, vermutlich Teil eines römischen Grabmonuments aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert, als janusköpfiges Relief unprätentiös auf einem brusthohen Sockel positioniert auf dem Parkstreifen der Adolfstraße.

bonn_yesterdays poemDeutlich jünger, dennoch veraltet: das Gedicht von gestern.

bonn_beobachterZeitlos hingegen: der stille Beobachter.

Spaltet das Flussland

biesbosch_1Vieles ließe sich sagen zum wirklich letzten Treffpunkt von Waal und Maas, wenn dort auch mittlerweile als Merwede und Amer durch die Gefilde ziehend. Zum Beispiel, dass dieses wässrige Gebiet namens Biesbosch – größtenteils in Noord-Brabant, der Gemeinde Werkendam zugehörend, teilweise auch in Zuid-Holland, innerhalb des Areals der Stadt Dordrecht – 2016 zum viertbeliebtesten Naturgebiet der Niederländer gekürt wurde.
Nur, was soll ich mir da noch den Kopf zerbrechen, mich abrackern, wenn es schon jenes eine Gedicht gibt, in dem Natur, Geografie, Geschichte und Phantasie bündig und verspielt ineinander haken, und zwar das Schlussgedicht von oever drinkt oever, dem zuletzt erschienenen Gedichtband von B. Zwaal (2013):biesbosch_2

spaltet das flußland
der stromschnitt liegt in vollem treiben

werder trugen die weiden
stakten ihre gewässer voran

lastfüße beholzschuhten den fährensteig
asteten sich mit jahrhunderten durch fuhren ab

feuermünder crossten die amer
landeten auf lacrimaestätte

kahne besamen ihre ladungen
häfen dröhnen transito

ufer trinkt ufer
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Ich wüsste kaum, was dem noch hinzuzufügen wäre, außer vielleicht, dass die Bilder hier letzten Herbst aufgenommen wurden, als wenig Menschen da waren. Im Sommer sieht die Lage ganz anders aus. Da gibt sich der von winterlichen Straßenarbeitern nahe des Biesboschmuseums vorbereitete Fremdenverkehr in
biesbosch_4großem Stil dem Genuss hin, einem Großteil der Niederlande nahezukommen, wie der hätte aussehen können, hätte es nie die Kunst der Polder gegeben, die jetzt mit ihrem Agrarland den Biesbosch so gut wie bedrängen. So ist er eine üppig grüne Reminiszenz, ein fröhliches Herumplätschern in der Geschichte, wo drum herum tüchtig gearbeitet wird mit den modernsten Geräten. Die Leute aber sind freundlich, und ihre Brücken zierlich und kunstvoll.
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***
Lucas Hüsgen erkundet für rheinsein die niederländischen Rheinverzweigungen, diesmal mit einem Gedicht B. Zwaals vor Augen das Naturschutzgebiet Biesbosch.

Wesseling (3)

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“Seit dem 17. Jahrhundert gab es in Wesseling eine kleine jüdische Gemeinde. Ihre Synagoge stand seit 1850 Am Markt 3. Sie wurde am 9.11.1938 in Brand gesteckt. Die Mitglieder der Gemeinde kamen fast alle in nationalsozialistischen Konzentrationslagern ums Leben.” (Gedenktafel von 1978)

Wesseling (2)

wesseling_ausfahrtAusfahrt
wesseling_einfahrtEinfahrt
wesseling_einkehrEinkehr
wesseling_welcomeWelcome

Auf den Spuren Willy Brandts (10)

wesseling_willy-brandt-str_8Die Willy-Brandt-Straße in Wesseling erstreckt sich vom Südende der Innenstadt bis zum nächstgelegenen Stadtteil Urfeld. Als Fortsetzung der Konrad-Adenauer-Straße im Zentrum bestätigt sie das Appendixhafte bzw. Nachrangige, das nach Willy Brandt benannten öffentlichen Orten in der Regel eignet, insbesondere im Vergleich zu unmittelbar benachbarten Straßen, Orten, Plätzen, die nach Konrad Adenauer benannt wurden. Die Wesselinger Willy-Brandt-Straße vermittelt den Eindruck einer durchschnittlichen Verbindungsstraße. Böschungen säumen eine in gerütteltem Maße langweilige Gerade, die auf der Westseite von der Köln-Bonner Stadtbahntrasse, auf der Ostseite von einem kombinierten Rad- und Fußgängerweg begleitet wird. Gerade reifen die Brombeeren und verblüht die Wegwarte. Wir wandern die Willy-Brandt-Straße von ihrem Südende in Richtung Ortskern ab. In schöner wie für diese Website gemachter Koinzidenz kreuzt sie zunächst die nach Urfeld hinein führende Rheinstraße. Drückende Julihitze, wenig Verkehr. Die Bahnhaltestelle zieren ungelenke Schriftzüge: anonyme Liebesbeweise mit Eddingstift und gesprayte Ausdrücke jugendlicher Frustration. Eine Böschungslücke erlaubt den Blick über Getreidefelder auf eine Herde Strommasten; dahinter reckt sich in einer Rheinkrümmung die Shell-Raffinierie. wesseling_willy-brandt-str_19 Eingezäunt die Urfelder Photovoltaikanlage, Sonnenkollektorenreihen in strenger Ordnung, aus der Welt gefallene, sinistre Energieakkumulation. Mit haarig-stacheligen, reifenartigen Wesen des Graffitisten Seak bunt besprayt das Schalthaus der Bahnübergang-Sicherungsanlage. Das Zombiestatement “Tot und Hass dem VfL” findet sich in Großbuchstaben am Pfeiler einer Straßenüberführung. Auf dem Parkplatz vor dem Raffineriegelände mit zehn Toreinfahrten wie bei einer Autobahnmautstelle warten Tanklastzüge. Auf einem der Tanks prangt eine zehn Meter breite stilisierte Kölnsilhouette. (Kleinere Kölnsilhouetten-Varianten entdecken wir später alle naslang auf Pkws in der Wesselinger Innenstadt, bisweilen findet auch der Eiffelturm seinen Platz in diesen vor allem im Kölner Umland beliebten Kölnensembles zum Aufkleben.) Kurz vor Erreichen der Stadtgrenze sichten wir im Westen Fabrikleerstand und ein aus mintgrünen Wohncontainern bestehendes, übereinander gestapeltes Viertel, das zum Verkauf zu stehen scheint. Kurz danach ist der Wesselinger Zentrumsrand erreicht, der Jonny Grill eröffnet die Perspektive auf die kleinstädtische Konsummeile, die Nahtstelle zwischen Konrad-Adenauer- und Willy-Brandt-Straße in einer majestätischen Asfaltkurve lassen wir links liegen und fokussieren uns auf die Schönheiten Wesselings, falls denn solche den Tag bevölkern sollten. wesseling_willy-brandt-str_3

Schweizerisch-österreichisches rheinsein

“Freitag 7. Juli bis Sontag 9. Juli 2017
Rheinbrücke Widnau/Lustenau

Während drei Tagen wird der Rhein zum Sein. Auf beiden Seiten bei der Rheinbrücke Widnau/Lustenau finden verschiedene Auftritte von Künstlern/innen statt. Umrahmt wird das Ganze mit Aktionen fürs Publikum und Gastronomie.

Tanzen, Musik hören, essen, erleben, chillen, fühlen, sehen, begegnen und einfach da sein und den Moment geniessen.”

Informationen zu den Programmpunkten auf der nun zweiten rheinsein-Website des deutschsprachigen Raumes.

Europa? Europa!!

Plan B aus Sicht eines Rheinländers
(nicht ganz) ernst gemeinte Einschätzung, Anfang Juli 2017

Die EU wird eher halten als zerbrechen.
Sonst wär’ ein Plan B: gemeinsamer Nenner.
Binnenhanse wecken: Wesel, Solingen
und andere Lebensadern in Ländern.

Durch Luxemburg fließt die Mosel. Die Maas
durch Liège. Aachen ist mit Vatikanstadt
verbunden. Die liegt in Rom. Rauf bis Xanten
alles römische Gründungen. Klare Kante

für’n Kerneuropa aus rheinischer Sicht.
Griechisch-römisch und christliches Erbe. Gewicht
genug, bestehende Länder zu stärken.

Deutsches Grundgesetz bleibt in Kraft, Wesenskern.
Bis hierhin alles realistisch dies.
Zudem: auch für Nato gilt Charta von Paris.

(Ein Gastbeitrag von GrIngo Lahr)

Ahrweiler (2)

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