Monatsarchiv für Juni 2017

 
 

Spargelaustreibung am Niederrhein

Heute am Johannistag findet am Niederrhein traditionell die große Spargelaustreibung statt. Dorfjungfern und -älteste ziehen gemeinsam mit Blotschen (Klompen) auf die verbliebenen Spargelfelder und machen die Anhäufelungen dem Erdboden gleich. Hierbei singen sie in einer bewusst zwischentonartlich gehaltenen Melodie ein Lied, dessen Ursprünge sich im Geldern des 17. Jahrhunderts verlieren:

Spaajel! Spaajel! Bäss jewääse!
Stonz mer no bes on de Nääse!
Jonz no fott, do witte Prengel:
Diss Jor nimmer enen Stengel!

Aus getrocknetem Spargelkraut wird anschließend ein symbolischer Scheiterhaufen errichtet, auf welchem der sogenannte ‘Erzspargel’, die bis zu 5 Meter lange Nachbildung einer Spargelstange, unter symbolischen Verwünschungen verbrannt wird. Spargelbauern der Orte Emmerich, Hünxe und Walbeck verbrennen in dem Feuer zugleich traditionell ein Drittel ihrer Verkaufsbelege, was für das nächste Jahr reiche Ernte und niedrige Steuern verheißen soll. Lokale Sonderformen des Brauchtums sind in fast allen spargeltreibenden Ortschaften der Region nachweisbar, etwa die Alpener Spargelhatz, bei welcher die entkleideten Burschen des Orts bei verbundenen Augen auf dem letzten Spargelfeld die letzte Spargelstange suchen, traditionell eine Veranstaltung, bei der sich Rauheit mit Frohsinn paart. Mögen sie besonders an regnerischen Tagen hinterher auch noch so verklütert (erdbesudelt) sein; zur mitternächtlichen Spargelaussegnung in der Kirche finden sie sich wie in allen übrigen Orten nahezu vollständig ein. Denn mit Glockenschlag Mitternacht zerbricht der Priester traditionell die Asparagille und teilt das Abendmahl in Gestalt von Brot und Spargelcremesüppchen aus. (Am Niederrhein werden Portionseinheiten dieses Gerichts unabhängig von der tatsächlichen Größe niemals als ‘Suppe’, sondern stets als ‘Süppchen’ bezeichnet.) Nach der abschließenden gemeinsamen Spargelbeweinung, dem ‘Stangenplanctus’, ziehen die Gläubigen in ihre Häuser, wo in dieser Nacht stets der Spargeltopf bereit steht, ein gelblichweiß lasiertes, mit Spargelmotiven verziertes Nachtgeschirr, um den sogenannten Johannisbrodem zu sammeln. Mit dem Abklingen dieses Geruchs im Laufe des folgenden Tages gilt die Spargelsaison endgültig als beendet.

(Ein Gastbeitrag von Martin Knepper)

Hoek van Holland: Blau

hoek_nordseeDie Nordsee spült Rheinbestandteile zurück in den Himmel
hoek_fast ferry_2aMit der Schnellfähre durch den Rotterdamer Hafen
hoek_kanadagänseKanadagänse ziehen über die Hafenanlagen (Bild: Finn, 12 Jahre)
hoek_stranddrinksStranddrinks
hoek_finnwal bo jenssonFinnwal Bo Jensson
hoek_nontierDas Nichttier auf der Jagd nach einem anderen Blau

Hoek van Holland: Rot

hoek_leuchtturm_2Fensterscheiben-Panorama mit altem gußeisernen und neuem Betonleuchtturm
hoek_leuchtturmmuseumKüstenbeleuchtungsmuseum
hoek_seekuhSeekuh auf Bojehoek_rotGebäudeensemble am Marktplatzhoek_geistermöweGeistermöwe

Gewächshaus City

gewächshaus citygewächshaus city_3gewächshaus city_2De glazen stad, die Glasstadt wird im Niederländischen die nördliche Gegend der letzten Rheinkilometer in der Provinz Südholland genannt: umrandet von Kanälen reiht sich kilometerweit ein Gewächshaus ans andere. Das Gebiet heißt seit einer Gemeindereform im Jahr 2004 offiziell Westland und umfaßt die Gemeinden De Lier, ’s Gravenzande, Monster, Poeldijk, Ter Heijde, Naaldwijk, Honselersdijk, Maasdijk, Wateringen und Kwintsheul. Ein lokales Wiki nennt unter Regionalkultur an erster Stelle den Alkoholkonsum in sogenannten hokken, “verlängerten Wohnzimmern” auf Dachböden, in Scheunen, Kantinen oder Wohnwagen, Wochenendtreffpunkte mit privatem bis kommerziellem Charakter.

Marcel Broodthaers beschäftigt sich mit dem Rhein

(von unserem Korrespondenten Roland Bergère)

Neulich besuchte ich die sehenswerte Marcel Broodthaers-Retrospektive in Düsseldorf. In einer Vitrine lag ein Buch mit dem Titel: „En lisant Lorelei / Wie ich die Lorelei gelesen habe” von 1975. Die aufgeschlagenen Seiten zeigten drei Mal die gleiche Zeichnung (eine Familie vor einem Fernsehgerät versammelt), mit den Legenden: Programme I, Programme II, Programme III. Die Zeichnungen unterscheiden sich voneinander nur dadurch, was auf dem Bildschirm erscheint (schwer zu erkennen, auch im Katalog, alles recht klein gedruckt), bei Programme II steht eine Blumenvase auf dem Fernsehgerät. Auf der rechten Seite sind drei verschiedene Chromolithographien reproduziert, welche drei Ansichten der Lorelei zeigen. Dazu gehört ein textkritischer Apparat. Das Buch „En lisant Lorelei“ wurde 1974 in Basel ausgestellt, in einem gleichnamigen Raum.
Zu sehen waren auch vier „Zeichnungen“. Drei ohne Titel, eine mit der Legende: „Au bord du Rhin“. Drei der vier Zeichnungen stellen Meerjungfrauen dar. Eine, auf einem Felsen stehend, hält eine Baby-Meerjungfrau in ihren Armen, ein Matrose nähert sich dem Felsen mit einem Ruderboot. Die zweite hebt (so scheint es zumindest) die Deckel eines Topfs, welcher womöglich auf einem nicht dargestellten Herd steht. Im Vergleich zu den anderen ist ihr Fischschwanz nur angedeutet. Die dritte trägt einen dampfenden Topf. Die vierte (diejenige mit dem Titel „Au bord du Rhin“) sitzt am Fluß und trinkt eine Tasse Kaffee und hört nachdenklich (dafür spricht die Haltung der rechten Hand, die das Kinn stützt) einer zweiten Frau zu. Die vier Zeichnungen haben verschiedene Größen, sind auf das Jahr 1974 datiert und als Abziehbilder auf Papier bezeichnet, die mit Bleistift und Tusche überarbeitet worden sind.

broodthaers_au bord du rhin

Fotografieren war nicht erlaubt, doch wie eine Wächterin mir flüsterte: „Wenn ich nicht gerade hinschaue, können Sie es versuchen.“ (Später sah ich, wie sie in einem menschenleeren Raum auf die Begleitmusik eines Films Tanzschritte machte). Das Foto zu machen war natürlich nicht einfach. Sie war nicht die einzige Aufpasserin. Die Besucher (in geringerer Anzahl als Wächterinnen vorhanden) wurden von einem Raum zum anderen wortwörtlich verfolgt. Ein Aspekt des aufregenden Museumslebens, über den Broodthaers sich recht amüsieren hätte können.

marcel broodthaers_remonter le rhin

Marcel Broodthaers Werk „Musée d’art moderne – Département des aigles“ (1968-1972) wurde 2015 in Paris ausgestellt (Monnaie de Paris). Am Tag der Eröffnung fand ein Happening statt: ein Frachtkahn fuhr die Seine aufwärts, beladen mit Kisten, Koffern, Palmen, Säcken, usw… die am Ufer abgeladen und in den Ausstellungsräumen plaziert wurden. Die Aktion sollte, laut der Presse-Mitteillung, an zwei nicht realisierte Projekte Broodthaers erinnern: „L’Ile du Musée“ und „Bateau sur le Rhin“ (1971), eine Video-Aufnahme dokumentierte die Aktion.

Im Katalog der Retrospektive steht folgendes zu lesen:
„Die Einladung zur Teilnahme an einer Konferenz im Rahmen von between 6, die im Juni 1971 mit der britischen, nach Düsseldorf eingeladenen Art and Placement Group (APG) stattfand, nutzte Broodthaers zur Präsentation einer hochironischen Variante seiner Museumsidee. Mit dem Collage-Projekt einer unbewohnten Insel im Rhein (“Museumsinsel”) entwickelte er die Vorstellung einer einsamen nahe dem Lorelei-Felsen im Rhein gelegenen Insel als Ort eines Museums, die in größtem Widerspruch zu der von der APG vertretenen Absicht stand, Kunst in der Industriegesellschaft zu verankern und dabei auch vor den Chefetagen nicht Halt zu machen. Broodthaers’ isoliertes Museum entwarf einen Ort der Utopie, das in die Collage eingefügte Cover einer Schallplatte mit Richard Wagners Oper Das Rheingold wies auf die „musikalische Untermalung der Museuminsel hin.“
(Doris Krystof in: Marcel Broodthaers, Eine Retrospektive)

Ein Blog zeigt zwei Fotos, welche eindeutig im Zusammenhang mit der „Museumsinsel“ stehen. Roland Bergère hat sie aus rechtlichen Gründen für rheinsein nachskizziert:

marcel broodthaers_museuminsel_2

marcel broodthaers_museuminsel

Projet pour un musée sur une île déserte (1971)

Außenwandleuchte Rhine

aussenwandleuchte rhine anthrazit

LED Außenleuchte/Wandleuchte, Aluminium Druckguss, pulverbeschichtet, mit Bewegungsmelder, IP Schutzart 54, staub- und spritzwassergeschützt, SMD-LED Leuchtmittel der Energieeffizienzklasse A+, 1-flammig, 9 Watt, 900 Lumen, 3000 Kelvin, gewichteter Energieverbrauch kWh/1000 h: 9, Reichweite ca. 9 m, Erfassungswinkel 120 Grad, Höhe 16 cm, Tiefe/Ausladung 10,5 cm, Breite 10 cm

Das Hungertuch

Ein zweijährlicher Preis, der von Künstlern an Künstler vergeben wird, die “mit experimentellem Pioniergeist im 21. Jahrhundert” zu neuem künstlerischen Terrain aufbrechen ist Das Hungertuch, vor 16 Jahren von Ulrich Peters initiiert. Bedacht werden die Sparten Bildende Kunst, Musik und Literatur mit besonderem Fokus auf interdisziplinär arbeitende Künstler. Dieses Jahr zählen zwei ständige rheinsein-Autoren zu den Preisträgern: Roland Bergère und Stan Lafleur, eine Auszeichnung also auch für rheinsein wie die Rheinische Post in einem Vorbericht zur heute in Neuss stattfindenden Preisverleihung schreibt:

“Das Hungertuch im Bereich Literatur wird der bekannte Spoken-Word-Performer und Lyriker Stan Lafleur (…) bekommen. Neben zahlreichen Buchveröffentlichungen, zuletzt: “Mini Welt”, gestaltet er seit 2009 sein gigantisches Netzprojekt rheinsein.de. Das Projekt strebt “eine komplexe, neuartige, literarisch basierte Hybridform um Faktisches und Fiktives zum Thema Rhein und zugleich die umfassendste zusammenhängende, stets wachsende Sammlung rheinischer Kulturgeschichte im Internet” an, wie er selbst es beschreibt. Dieser Blog enthält inzwischen über 2000 Beiträge, auch von anderen Autoren.”

Walporzheim

walporzheim_2walporzheimwalporzheim_4walporzheim_3

Ahrweiler

ahrweilerahrweiler_3ahrweiler_2ahrweiler_regierungsbunkerahrweiler_5