Rheinische Sinfonie

Welle. Denken Sie das Wort Welle. Dehnen Sie das Wort Welle. Dehnen Sie es lang, ca. 1230 Kilometer lang. Das ergibt die Basslinie des Rheins. Verinnerlichen Sie die Klänge innerhalb dieser Dehnung. We-we-we! Eeelllllelllell. Lelelele! Dehnen und pressen Sie diese Wellenelemente. Variieren Sie die über kurz oder lang gedehnten und gestauchten Wellenelemente über der 1230 Kilometer langen Hauptwelle. Sie erhalten vorläufig einen tief sinnlichen Klang! Denken Sie jetzt Industrien. Kleinere, größere, riesige. Jede Industrie hat ihren Bumm. Kleinere einen kleineren Bumm, größere einen kräftigen Bumm, riesige einen gewaltigen Bumm fast schon über der Grenze des Aushaltbaren. Setzen Sie Bumm für Bumm an die Stelle der Basslinie, welche geografisch den vorhandenen Industriestandorten entspricht. Denken Sie Groppen. Denken Sie Hechte. Denken Sie Äschen und Stichlinge, Lachse. Denken Sie Grundeln, denken Sie den Wels. Jedem Fisch entspricht ein Plopp. Die kleinen Fische erhalten einen höheren Plopp als die größeren. Der Plopp des Welses ist von historischem Ausmaß. Denken Sie Huflattich. Denken Sie Gras. Denken Sie Rüben. Denken Sie diese und jene Nutzpflanze, denken Sie Unkraut. Jede Pflanze erhält einen frei wählbaren Klang. Denken Sie Menschen. Denken Sie Wuseln. Denken sie zahlreiche Sinngebungsversuche. Denken Sie Kurven aus Menschen, Wuseln, Sinngebungsversuchen. Dies sind Ihre Melodien. Denken Sie Wohnbauten, denken Sie Verdichtung, Schlummer, Friedhöfe, Bücher. Denken Sie Himmel, denken Sie Meer. Denken Sie deren jeweiliges Rauschen. Denken Sie alles nicht zu knapp: voilà, was für eine wunderbare rheinische Sinfonie!

(Ein Gastbeitrag von Jeremy Fuhrmann)


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Ein Kommentar zu “Rheinische Sinfonie”

  1. :Ludwig
    6. Mai 2017 um 09:44

    Wunderschön ausgedacht und ausgebreitet! Vorstellungsmäßig war ich jedoch bald (ab Menschen und Sinngebungsversuche) bei einer Kakofonie. Himmel und Meer rissen es dann heraus – es geht halt nichts über ein gutes Mastering … :)

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