Leuchttürme des Rheins: der Täuschturm von Leverkusen-Hitdorf

hitdorf_leuchtturm

Uns ist in alten Mären Wunders viel gesait: nicht alle Leuchttürme dienen der Sicherheit – nein – es gibt auch sogenannte „Täuschtürme“ – sie dienen der Unsicherheit, schlimmer noch: dem Untergang des Gegners!
So ein schelmiger Täuschturm befindet sich zu Leverkusen-Hitdorf.
Man sagt von ihm Folgendes: auf der „falschen“ Rheinseite – „Scheelsick“ tummelten sich die Treverer. Auf der „guten“ Rheinseite die Ubier. Beide Volksstämme hassten sich mordsabartig.
Warum? Das ist seit unvordenklichen Zeiten vergessen – manche munkeln an den Kaminfeuern, es habe sich dermaleinst um eine unschickliche Verquickung der Pissgeschirre gehandelt – der Bube, erzkeck, habe dem Mädel beigewohnet, so aber die Frucht des Leibes empfangen worden wär, sich bei mondloser Nacht ins Welsche davongemacht, andere meinen munkeln zu müssen, das Mädel habe dem Erzbuben heiße Träume gemacht, sich aber denn doch dem mit dem dickeren Klingelbeutel an den Hals, respektive das Gemächt geworfen – einerlei, warum, wieso und überhaupt – so viel Hass war selten respektive nie – es begann mit Handgemeinheiten auf allerlei Geselligkeiten, dann errichteten beide Seiten sogenannte Shitkatapulte und katapultierten allerlei Verdautes, Versautes und Halbverdautes über den unbeirrbaren Strom – als auch das nicht mehr genug, beschloss man ubierseits eine arge Erzbüberei: da auch der Treverer als solcher und überhaupt, gerne zu Schiffe ausfuhr und damals der wilde Strom noch wild und unbezähmt – so man gerne des Nachts allerlei Lagerfeuer, Fackelei und ander Licht entzündet, um Nachen, Kahn, Scholle und Windjammer, zu schweigen von Kajak, Ruderboot und Floß, heimzuführen – erst die eine Seite, dann die andere Seite errichtet einen Leuchtturm an der ärgsten und überhaupt kecksten Stelle – wo der Strom zürnt und die Gefahr groß – und so wurde durch falsches Leuchtfeuer manch’ Barkasse gen Grund, Strudel und Hölle geschickt – das falsche, halblebig Licht täuscht den Binnenseemann – Not und Tod, der Klabautermann, der auch binnenseits zu Werke, triumphieret -
Als die Altvorderen das sogenannt’ Deutsche Reich gründeten, musst’ auf der einen Seite der Täuschturm einem Autobahnanschluss weichen, auf der anderen Stromseit’ aber blieb der Schandturm erhalten – man sagt, „Leverkusen“ geht auf den Brauch zurück, zu trinken bis die „Lever“ – althochdeutsch für „Leber“ „kust“, das ist neuhochdeutsch „versagt“, „Hitdorf“, aber so vermutet der Heimatforscher, sei eine Schwundform von „Shitdorf“, was verweist auf die „Shitkatapulte“, mit denen man sich früher beharkt – also Exkremente, Gülle, Auswurf und anderen Unrat hin- und herüber schoss.
Aus den Ubiern wurden denn die Kölsche Jungs und Maidsche – aus den Treveren die Scheelsicker – und, so steht es geschrieben, man hasst sich bis auf den heutigen Tag.
Seltsam, aber so steht es nun einmal geschrieben.

(Fünfzehnter Teil der Exklusivserie “Leuchttürme des Rheins” von Bdolf)


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