Monatsarchiv für Januar 2017

 
 

Presserückschau (Januar 2017)

1
Kommunikationsstrom
“Zu Silvester haben Flüsse wie der Rhein oder die Sieg eine Art Hochkonjunktur als Kommunikationsstrom. Dann werfen Menschen Flaschenpost mit Botschaften ins Wasser. Aber nicht immer dienen Flaschen als Datenträger, manchmal werden auch Mandarinen und Kürbisse eingesetzt.” (Deutschlandfunk)

2
Retuschierung
“„Das Denkmal entsteht genau an der Stelle, wo vor fast 72 Jahren das 249. Pionierbataillon der 3. US-Armee unter deutschem Artilleriebeschuss und deutschen Luftangriffen begann, drei Pontonbrücken zu bauen, auf denen circa 60000 Fahrzeuge mit nahezu 300 000 Mann innerhalb kurzer Zeit den Rhein überquerten. Das war die größte militärische Operation, die die Weltgeschichte je am Rhein gesehen hat. (…) Es lohnt sich, daran zu erinnern, denn mit dieser gewaltigen Streitmacht konnten die Amerikaner mit ihren Verbündeten den Zweiten Weltkrieg in Europa bald beenden.“ Es gehe nicht um eine Verklärung der Person George S. Patton. „Dass während dieses historischen Events der kommandierende zwielichtige US-General auf einer Brücke steht und vor laufenden Kameras der Kriegsberichterstatter in respektloser, provozierender Weise in den deutschen Rhein pinkelt, bewegt und erregt heute noch mit Recht unsere Gemüter.“ (…) Auch den amerikanischen Militärs im Washingtoner Pentagon sei diese Szene höchst peinlich gewesen – sie hätten eine sofortige Entschärfung, sprich: Retuschierung der Bilder veranlasst.” (Allgemeine Zeitung)

3
Rutschfester Nebelrhein
“Ruhe ist vor einigen Tagen auf der Baustelle am Rathausplatz eingekehrt. Die ausführende Firma macht Betriebsferien. (…) Die Roharbeiten seien abgeschlossen, die Fundamente für die Einbauten (Floßbänke, Rheinpegel, Wasserlauf) fertig, im Randbereich sind bereits Pflastersteine verlegt. (…) Bei einem Blick von oben auf die Baustelle ist der Bogen erkennbar, der für den Rheinverlauf bei Götterswickerhamm steht und der mit Hilfe von 36 Nebeldüsen nachgebildet wird. Eine auf Wasserinstallationen im öffentlichen Raum spezialisierte Firma hat sie eigens für diesen Zweck gebaut. Das Wasser werde mit zehn Bar versprüht und dadurch so fein getröpfelt, “dass es wie Nebel wirkt”. Der habe eine Steighöhe von bis zu einem Meter. In der Werkstatt der Firma wurde das Ganze vorher getestet. Bis der gewünschte Sprühgrad eingestellt war, habe es eine Zeit gedauert. (…) Die Anlage soll auch nicht 24 Stunden am Tag, sondern nur zu bestimmten Tageszeiten und Wetterlagen laufen (…). Die Nebeldüsen werden mit LED-beleuchtet. Licht kommt auch beim Rheinpegel zum Einsatz. Der 15 Meter hohe Stahlkubus mit 80 Zentimetern Durchmesser wird auf dem neu gestalteten Rathausplatz ebenfalls mittels LED-Technik den tagesaktuellen Wasserstand des größten deutschen Flusses anzeigen. Damit soll die Lage Voerdes am Rhein in der Stadtmitte wahrnehmbar gemacht werden. Der Stahlkubus bildet den Wasserstand am Pegel Ruhrort ab. (…) Zum Einsatz kommen verzinktes Material, Cortenstahl oder Holz. Die Pflastersteine werden in drei Graustufungen verlegt, deren Optik eine jeweils andere ist, wenn sie trocken oder nass sind. Im Bereich des Rheinpegels haben die Steine eine andere Struktur, die Oberfläche ist geschliffen, aber (…) “rutschfest”.” (Rheinische Post)

4
Festgefrorene Möwe
“Beamte der Wasserschutzpolizei (haben in) Mainz eine im Industriehafen festgefrorene Möwe aus dem Eis gerettet. (…) Bei einer Kontrollfahrt auf dem Rhein hatten die Polizisten das Tier (…) entdeckt. Die Möwe steckte mit ihren Beinen im zugefrorenen Eis fest. Um das Tier zu befreien, klopften die Polizisten das rund um die Möwe zugefrorene Eis vorsichtig auf. Das erschöpfte Tier ließ sich von den Beamten widerstandslos aufnehmen. Die Polizisten brachten die Möwe nach der Rettungsaktion in das Mainzer Tierheim. Dort wird sie aktuell unter einer Wärmelampe behandelt.” (Merkurist)

5
Rheintaufe
“In einem halben Jahr holt sich Pfarrer Mathias Bonhoeffer nasse Füße. Denn am 9. Juli werden er und seine Kollegin Anna Quaas 30 Kinder taufen – im Rhein. “Jesus wurde im Jordan getauft, also auch in einem fließenden Gewässer”, erklärt der 58-Jährige. “Nur dass der Jordan heute im Gegensatz zum Rhein ein kleines Rinnsal ist.” Und Pfarrerin Quaas, die über Pfingstkirchen in Nigeria promoviert hat, wollte gerne einen Gottesdienst am oder im Wasser machen. “Daher kamen wir auf die Idee”, so der Pastor der Kölner evangelischen Kartäuserkirche. (…) Für Rheintaufe Nummer zwei sehen sich Quaas und Bonhoeffer den Angaben zufolge einer wahren Anmeldeflut gegenüber. Also fahren sie in diesem Jahr “Zweischichtbetrieb”: mit je 15 Taufen pro Gottesdienst. Eigentlich galt das Angebot nur der eigenen Gemeinde, so der Pastor. “Aber wenn man einen Stein in den Rhein wirft, zieht er Kreise.” Als Gründe für die Anfragen weit über Köln hinaus sieht er den wachsenden Wunsch nach individuell gestalteten Ritualen – und die Liebe der Rheinländer zu ihrem Fluss.” (Domradio)

6
Nicht zuständig
“Der niedrige Rheinpegel bringt es zutage: Dort ist ein wahrer Fahrradfriedhof. Zahlreiche dümpeln im Rhein, daneben verrostete Einkaufswagen. (…) Der Rhein ist eine Bundeswasserstraße, über die vor Ort die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung in Köln wacht. EXPRESS rief wegen der Schrotträder an – und bekam lediglich die Antwort: „Da müssen Sie sich an jemand anderen wenden.“ Prompt wurden wir an eine andere Nummer weitergeleitet. Doch auch da konnte fühlte sich niemand zuständig. Nächster Versuch – diesmal bei den Kölner Abfallwirtschaftsbetrieben (AWB). Immerhin, dort will man. (Kann aber nicht, weil die entsprechende Schutzkleidung fehlt; Anm.: rheinsein) Beseitigung am Ufer ja, Müllbeseitigung im Rhein nein. Zuständig dafür sei das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSV). Auf eine erneute Anfrage hieß es vom WSV: „Nicht unsere Aufgabe. Sie werden weitergeleitet.“ Doch auch am Ende der Telefonkette heißt es wieder: „Dafür sind wir eigentlich nicht zuständig. Da müssen Sie sich an jemand anderen wenden.“ An wen genau, darauf blieb die Antwort schuldig. (Express)

7
Rheingfrörne
“Am 3. Februar 1423 (…) wurden 30 Zimmerleute und Knechte auf den zugefrorenen Hausstrom geschickt, um das Eis aufzuhacken, damit es nicht die Pfeiler der Mittleren Brücke, die damals noch aus Holz war, beschädigte. Was ihnen auch in zwei Tagen nicht gelungen sei – “eine halbe Mannshöhe dick” soll das Eis damals gewesen sein. Legendär ist laut Lokalhistorikern auch die Rheingefrörne von 1514. Das Eis war so fest, dass man mit Pferden über den Fluss konnte. Und die Bürger seien mit Trommeln und Pfeifen aufs Eis gezogen, um dort ein Bankett zu halten. Letztmals zugefroren ist der Rhein in Basel – die Älteren dürften sich erinnern – übrigens anno 1963.” (Badische Zeitung)

8
Rheintoter
“In Speyer ist ein Pkw in den Rhein gerollt und untergegangen. In dem Auto fanden Rettungskräfte eine männliche Leiche. Zeugen hatten beobachtet, wie das Auto an einer Rampe ins Wasser fuhr und sofort von der Strömung erfasst wurde. Mit einem Polizeihubschrauber konnte es etwa 400 Meter rheinabwärts gesichtet und anschließend geborgen werden. Ob der Mann darin ertrank oder bereits tot war, als es in den Fluss rollte, ist unklar.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

Köln in Köln (14)

köln in köln_37Nippes

köln in köln_36Belgisches Viertel

köln in köln_35Belgisches Viertel

köln in köln_34Kwartier Latäng

Friederike Brun besucht die Via Mala

Vor uns steigen romantische Felsgestalten auf, und spalten bald in finstere Klüfte zerrissen, deren eine man mir als unsern Weg nach Via-mala bezeichnet. Warme Purpurtinten schiessen an die kalten Felszinken, Gold schwebt hoch in den Buschkränzen, — wir biegen um eine Bergecke, und das alte Thusis erscheint tief im Felskessel versenkt.
Den 10. Ich war lange vor der Sonne auf, die Nähe der Via-mala hatte mich nicht ruhen lassen. Schon der Name hat für ein Wesen meiner Art etwas einladendes; nur hörte ich beinahe mit Bedauern, dass sie bei weitem nicht so sehr via mala sey, wie ehedem; allein doch nur zu Pferde zu passiren. Noch standen die drei nackten Titanenhäupter der Felsen dunkelgrau mit mürrischem Ernst, und kleine Schneebärte hingen an ihnen herab; bald spielte ein lieblicher Sonnenstrahl quer durch eine Bergkluft noch unter ihnen an vergoldeten Waldbergspitzen: — die Murrköpfe achteten es lange nicht, bis das schmeichelnde Licht leise und freundlich (wie mit warmer Hand ein rosiges Mädchen die Stirn des grauen Grossvaters entrunzelt) bis an die nackten Scheitel stieg, die dann plötzlich vor der süssen Gewalt errötheten, und friedlich erhellt, gleichsam freundliche Blicke ins noch dämmernde tiefe Thal warfen, — durch welches wir über einen finstern Giessbach hinreiten, und bald an dem noch gegenüberstehenden Felsberge auf steilen Wegen uns erheben. Die begleitenden Tannen sinken neben uns; links kocht hart am Felssaum die schwarze Nola herunter; rechts steigen von Augenblick zu Augenblick höher die rund aus – und eingewölbten Felsenmauern; der Abhang links sinkt immer tiefer zum Abgrund; der Rhein entschwand uns schon gestern beim Anblick von Thusis; wir können ihm nicht ganz in seiner eignen Via-mala folgen, so ungern wir den lieben Freund auch verlassen haben.
Und nun ist eine einsame hohe Alpenwiese erreicht. Wir sehen die Sonne auf thauigem Grün funkeln; die schwarzen Köhler irren auf schwarzen Pfaden im hellen Grün, und sehen so unfreundlich aus, die Armen! als sey ihr ganzes Leben eine via-mala. Von hier beginnen die echten Alpensteige, von allen Schauern der Einsamkeit und Frühe durchwallt. Tief bergab versinkt Weg und Aug und Herz in die ewige Tannennacht! Uralte moosbehangene ungeheure Tannensäulen streben aus der Tiefe zu uns empor, hängen von grausenden Höhen auf uns herab, liegen um uns hergestürzt; fern, und dann immer näher kömmt uns das Aechzen des gefangenen Rheins entgegen; — wir sind an der ersten Brücke, sie ist kühn über dem Höllenschlund von einem umnachteten Gestade an das andere geworfen; der Rhein stönt in tiefer enger Kluft hindurch! Ich kann nicht viel Worte machen; ich
bin wirklich so beängstigt, dass ich kaum bei der zweiten Brücke auf immer mühsamer klimmenden Pfaden Luft geschöpft habe! Ein schäumender Wassersturz braust 80 Fuss hinab durch die Cozytische Finsterniss
«wo Todesahndungen walten
in grässlichen Spalten.«
Erst bei der dritten Brücke schöpfte ich Athem. Der Felsschlund reisst sich auseinander, man erblickt die Schneefelsen über dem hohen Schembserthale im Sonnenlicht. Rechts sind freundlich emporgetragene Wiesenhöhen mit Erlen, Buchen, Haseln- und Berberitzen-Büschen umkränzt. Links steht ein ungeheurer senkrechter, doch rund ausgewölbter Kalkfelsen. Der Rhein in ungebändigter Jugendkraft und Fülle tobt zwischen, unter, durch und über Granitblöcken, die er wohl selbst von den Wolkenhöhen der Urgebirge herabgerissen hat, muthwillig umher, und hüpft von Damm zu Damm, Wasserfall auf Wasserfall herab!
Hier frühstückten wir auf einem Felsenstück über dem laut-, doch fröhlichrauschenden Strom, uns des warmen Sonnenlichts inniglich erfreuend.
Und nun, lieber Leser, (oder wenn ihr nach Männerart zu störrig seyd) ihr meine lieben Leserinnen allein, seyd so gütig euch anzustellen, als wenn ihr noch gar nichts von der Via-mala gesehen hättet, sondern als wenn wir gestern vom Splügen herabgestiegen, und heute früh durch das Schambserthal bis hieher an die erste Brücke des Rheins beim Eintritt in die Via-mala geritten oder gegangen wären. Ich habe hiezu gute Gründe, denn erstens muss man grossen Ströhmen und grossen Menschen immer so nah wie möglich bis zu ihrem Ursprung folgen; — zweitens ist’s ja natürlicher, vom alten Italien hinab, als aus dem jungen Transalpinien hinaufzusteigen.
Nachdem wir genügsam ausgeruhet, verlassen wir unsern Standpunkt an der ersten Brücke und betreten muthig den finstern Weg, der anfangs leicht am Gürtel der umgrünten Felsen hinschwebt; über ungezählte Tannenlängen steigt das Auge wie von einer Leiter herab in die Tiefe, wo der zart-grüne junge Rhein mit schaumbedecktem Rücken hineilt: herrlich, voll Kraft und Harmonie, ist der Klang seines freudigen Rauschens! aber er versinkt schon allmählig tiefer zwischen wilderen Felstrümmern, doch scheint er sie noch mit unaufhaltbarer Kraft und Fülle, vielmehr vor sich hinzuschieben, als durch sie gehemmt zu seyn. Die immer engeren Pfade krümmen sich bergab in eine öde Wildniss, die eben der erste Sonnenstrahl über ungeheure Felsen steigend begrüsst; ein Giessbach schaümt links aus den steigenden Klippen über den Weg; eine hölzerne Lehne führt hinüber an ein gestürztes Felsenstück, welches Fluss und Abgrund verbirgt; um den Felsblock schlingt sich der Pfad; wir sind herum : — welche Wandlung! Das Gebirg hat sich plötzlich zusammengedrängt; erst senkrecht, dann überhängend, dann Luft und Himmel verschliessend, steigen sich die ungeheuren Klippen zusammen zur grausenden Schlucht, wo Stimm’ und Athem stockt; hoch
erscheint der Felsenrand mit Tannen behaart, im Abgrund windet der Rhein sich erst mühsam durch tiefe Engen, und wird dann von Sekunde zu Sekunde fester und finstrer umschlossen.
Die zweite Brücke erscheint von einer Klippenspitze auf die andere geworfen, und man steigt auf sie herab, doch hängt sie gleichsam am Absturz; denn rechts strahlt der Rhein in einem angstvoll gedrängten Sturz durch die enge, in die Felskluft gerissene Spalte tief in nächtliches Dunkel hinab. — Der Standpunkt auf der Brücke war nicht umfassend; neben ihr hing über dem Abgrund ein Häufchen abgerollter Steine ; ich stieg über die Brustwehr, und nahm Besitz von der schauerlichen Stätte! Die Sonne warf eben den ersten Blick (und es ist bald Mittag) durch die entsetzliche Spalte: die magische Wirkung dieser Erscheinung auf das grün in Schaum zerkochende Gewässer, auf die mit Wassertuff und Moosgrün angeflognen Höhlen und Ränder der Stromkluft — Lasst mich verschweigen! ich vergass dass ich über Grab und Tod, auf einem Häufchen gerollter Steine hing: dieser allmächtige Götterblick zog mich aus mir selbst empor!
Ach! ich sah nicht die Todesangst meiner lieben Gefährten, die theils vor dem Geräusch des Wasserfalls mir nicht zurufen konnten, theils mich gleich den Nachtwandelnden nicht wecken wollten, weil ein schneller Blick auf die Gefahr den Schwindel erregt, dieser aber unmittelbar den Tod nach sich gezogen hätte: ich stieg ruhig wieder über die Brustwehr, auf die Brücke; kaum war ein Bein hinüber, — so zogen sie mich pfeilschnell wie aus dem Feuer, — und es regnete Liebkosungen und Vorwürfe und Schmälen! Der Rhein aber gleitet nach seinem Salto-mortale, in die grässliche Tiefe unter der hochgewölbten Brücke, und wallt in ein kleines tiefes meergrünes Felsbecken, welches ihn wie ein Freundesschoos oder wie der Schlaf den Leidenden, ach! nur zur kurzen Ruh empfängt. Sogleich dämmen ihn zwei ungeheure Granitblöcke von neuem! Wie vom Schicksal getrieben, strömt er aus der stillen Gruft, umfluthet, überschäumt sie, und mischt im innern Kampf des Urstoffs, Schneeschaum und Krystallgrün in wechselnder Bewegung. Hohe, jetzt erst morgenröthlich bestrahlte Felsen, warfen ihren Abglanz hinab ins schaurig glatte Felsbecken, dann aufs Schaumgewoge, welches nie ein Sonnenblick erreichte. Bald waren wir zur dritten und letzten Brücke hinabgestiegen: — sie ist und bleibt doch der entsetzlichste Moment auf diesem Todeswege! Denn hier erstirbt alle Hofnung, hier wo die schwärzeste Nacht mit gleich schwerem Fittig den dunkelsten Abgrund und die schwindelndste Höhe umschwebt; wo fern, kalt und unerreichbar, des Aethers tiefe Bläue uber engem Raum dahingleitet, wo aus den Eingeweiden der Erde der klagende Laut des leidenden Stromes aus seinem kalten Kerker wie die Stimme eines Sterbenden ertönt! Dieser Ton des Rheines rührte mich bis zu Thränen; ich verweilte lange, ich vergass alles über ihm selbst, Felsen, Himmel und Erde! Er war mein junger unvorsichtiger, doch edler Freund. Er war hülflos im tiefsten Leid, er war mein Bruder! er war mein Sohn! Er war das erhabenste wahrste schönste Bild der menschlichen Jugend.
Jetzt wölben sich Felsendächer über dem engen Pfad, und nur verstohlen gleitet der Blick in die Höllennacht des Rheinbettes, wo er mühsam in Felsspalten sich durchkrümmt, — und bald wieder gänzlich entschwindet. Silberquellen rieseln von den Klippen über unsern Weg, wie Freundinnen mit sanftem Trostwort zu ihm in die Tiefe. Jenseit der Stromkluft steigen noch immer finster bewaldete unwirthbare Felsen; fernhallend seufzt er ungesehen aus der entsetzlichen Tiefe.
Plötzlich ist die Bergkluft auseinander gerissen, und der Blick fliegt wie ein entfesselter Adler dahin in die lächelnde Ferne des heitern weit aufgeschlossenen Domletschger Thales. — Dort spielt der Rhein muthwillig in der Ebene mit Hügeln und Wiesen, mit Dörfern, Schlössern und lieblichen Gebüschen umher.
»Vergessen ist all sein Leid,
«Er lebt in Herzensfreud.«
Ich war bei dieser Erscheinung der Zukunft wie festgewurzelt! Hier neben mir hör’ ich ihn aus tiefer Nacht unsichtbar klagen, — vor mir seh’ ich ihn unhörbar spielen! diese anti-Aristotische Schakespearische Zweiheit in der Handlung kann nur die
Alpennatur tu einem grossen Ganzen verschmelzen.

(aus Friederike Brun: Tagebuch einer Reise durch die östliche, südliche und italienische Schweiz, Kopenhagen 1800)

Von der Durstschlangen

Dise schlang hatt den nammen vom dursten bekommen / denn sie entzündt den menschen / so sie in sticht / dermassen daß er durste stirbt / daher sie auch brandschlang (…) genant / die hitzen nemmen dermassen überhand daß der kranck nach dem wasser sicht / nichts denn wasser fordert / un sich selb dara zutodt trinckt. Ettlich der alten scribenten zelen sie den becknatern zu / andere den apsiden. Es ist aber doch nit vil hieran gelegen. (…)
Dise durstschlang ist von leyb kleiner den die becknater / se gifft aber vil tödtlicher unnd vergiffter / unnd bringt den menschen gschwinder umbe läben. Sonst ist sie kurtz / ohngfähr einer spann lang (…) von farben weys mit gelben und schwartzen punckten besprengt / der schwantz ist zugespitzt mit zwen schwartzen strichen oder linien bezogen (…) der kopff ist nit breit anzusehen. Ja sie ist überal nit dick / sonder klein un ran / also daß man sie offt trit / und von ir umkomt eh man sie ersicht.
Dise vergiffte und grusame art ist darneben den menschen auch auffsetzig / unnd vebirgt sich neben der straussen eyer / wartende daß sie betruglich die leüt anfalle un erwürge. (…)
Dises giffte natur ist scharpff hitzig trucken undd einer dicken substantz / welche die inerliche glider deß leybs entzündt / verbrent / trocknet / zusamen ziecht / daß sie von der hitz glych wie daß leder vom fheür zusamen strupffen. Darauff dan ein hefftiger unersettigter durst volget. Desgleychen weyl das geäder zusame laufft / auch die pori (daß ist / die schweißlöcher) sich beschliessen / so mag er weder harnen noch schwitzen / und wirt im darzu das brechen schwer. Derhalbe schreyt der kranck / leydet so grosse hitz und durst als leg er im fheür / und muß zu letst dursts sterben unnd verbrünnen / oder aber trinckt so vil biß daß im der bauch (…) zerspringt. Den je mehr er trinckt und inn sich saufft je mehr der durst zunimpt. Und wenn er schon den gantzen Rhein oder die Donaw außsuffe / so möchte er doch den grausamen durst nit löschen und stillen / dieweyl die hitzen vom trincken gleych wies fheür vom öl nur gemehret angezündt unnd erhalten werden. Der Poet Lucanus erzelt die zeichen darbey man disen bisß erkennen soll / in diser history / da er sagt:

Aulus der jungling ohn geferdt
Ein dipsas schlang getretten hett /
Die bisß jn / doch hatt er kein acht
Der wunden / so kein schmertzen bracht /
Was geschicht: daß gifft bringt ungeheüwr
In gantzen leyb / brennt wie ein fheür /
Verzehreth jhm all feüchtigkeit /
So zu dem läben was bereit /
Die zung fieng an am rachen kleben
Von hitz / der schweiß bstünd auch darneben /
Kein aug sach man jm übergahn /
Der leyb was gar verdorret schon /
Er lieff im vald entzündt umbher /
Nach wasser stund all sein beger /
Kein gwalt kein ernst mocht nit darwider /
So gar verbrannt das gifft die glider /
Das wenn er schon in Rheyn gesenckt /
Hett er sich doch nit gnug getrenckt /
Er sucht im sand ein brunnen quell /
Kein wasser floß im gantzen vald.
Zletst tranck er auß dem gsalznen meer /
Dardurch der durst zunam vil mehr /
Wußt nit das von der schlangen har
Sein läben stund in diser gfahr /
Er meint es kem vom durst allein
Das er müßt leyden dise peyn /
Darumb thet er ein ader auff /
Und sog sein eigen blut darauß.

(aus Conrad Gesner, Conrad Forer, Christoph Froschauer: Fischbuch / Das ist ein kurtze / doch vollkommne beschreybung aller Fischen so in dem Meer und süssen wasseren / Seen, Flüssen, oder anderen Bächen jr wonung habend, sampt jrer waaren conterfactur: zu nutz und gutem allen Artzeten / Maleren / Weydleüten und Köchen gestelt: insondere aber denen so ein lust habend zu erfaren und betrachten Gottes wunderbare werck in seinen geschöpfften. Zürich 1563)

Auf den Spuren Willy Brandts (9)

bonn_willy-brandt-alleeIn Bonn, von wo er in den Jahren 1969 bis 1974 die Bundesrepublik regierte, ist nach Willy Brandt eine Allee benannt, die durch das ehemalige Regierungs-, heute: Bundesviertel führt. Sie deckt einen Teil der sogenannten Museumsmeile ab. Eine verhältnismäßig bedeutende Trasse im Vergleich der sonst nach Brandt benannten öffentlichen Orte, zugleich Abschnitt der Bundesstraße 9 entlang des Rheins vom Westrand Deutschlands in Kranenburg nach Lauterbourg am nordöstlichsten Zipfel Frankreichs.

bonn_tDen Eingang der Willy-Brandt-Allee überwacht mit leeren Augen, einem tätowierten T (für Träne) und seiner auf dem Foto nicht sichtbaren, weil über den ansonsten kahlen Schädel nach hinten frisierten Mercedesstern-Tolle das zum Abriß freigegebene Bonn-Center.

Von der Innenstadt betrachtet, setzt die Willy-Brandt-Allee die Adenauerallee fort und geht in die Friedrich-Ebert-Allee über. Die breit angelegte Straße mit zweispuriger Fahrbahn, Radweg und Bürgersteig wird zudem von einer U-Bahnlinie untertunnelt. Ästhetische Mängel der Nord-Süd-Flucht verbinden sich in Bonn daher nicht allein mit Willy Brandts Namen, sondern verteilen sich zusätzlich auf die vorgenannten Schultern.

bonn_heussDem einst verwirrend großen Auflauf namhafter Politiker im kleinen Bundesdorf Bonn mag geschuldet sein, daß statt Willy Brandt Theodor Heuss in der Willy-Brandt-Allee die Passanten grüßt.

bonn_brdDas Plakat auf der Museumsmeile ist weder Kunst noch Fake, sondern ernst gemeint: “Der 67. Ord. Bundesparteitag der Freien Demokraten stand unter dem Motto Beta Republik Deutschland. Der Gedanke dahinter: Auch bei der Digitalisierung stehen wir für German Mut. Das heißt: Ausprobieren. Austesten. Auch wenn es nicht sofort perfekt ist. Beta eben.”

bonn_gnade und gefahrWeitere Spruchweisheiten mit Anleihen bei Politik und Poesie sind auf den verglasten Eingängen zur Unterwelt angebracht.

bonn_rheinwegEine wie für rheinsein erdachte Koinzidenz: Am Haus der Geschichte (linker Bildrand) mündet, unter für das winterliche Rheinland typischem Leichentuchhimmel, der Rheinweg in die Willy-Brandt-Allee.

Verworrene Bewohner eines Landes, in dem alle Gegenstände namenlos erscheinen und verschwinden

Aus Feldkirch fuhren wir sogleich auf einer Brücke über die schäumende Ill, und bald darauf öfnete sich ein Rückblick, der alle wilde Schönheit des hohen Alpenstyles vereinigte. Der grünliche Felsstrom drängt sich durch ein enges Nebenthal, und die jenseitige Öfnung desselben ist durch zwei prachtvolle Bergprofile bezeichnet, die mich plötzlich an den Aufgang ins Thal von Grindelwald im bernischen Oberland erinnerten. Links ab vom keilförmig gestellten Berge eröfnet sich eine erhabene Bergferne über eine verschleierte Tiefe (ich glaube das Rheinthal) hin (*).
— Es fehlt uns leider an einer guten Charte, und die Bewohner des Landes antworteten so unwillig und verworren auf jede Frage, dass ich immer nur das Land errathe. Auch zogen Wolken und Nebel so magisch um Berg und Fels, dass ich mich geduldig der Gegenwart hingab, ohne weiter wo? und wie? zu fragen: wir fahren an Berggehängen über sanftgesenkten einförmigen Wiesengründen. Plötzlich steigt links ein gewaltiger Berg mit nackten Klippenkämmen aus dem Wolkenrauch empor! Ein Dörfchen lag wie ein Ameisenhaufen von ihm überhängt zu seinen Füssen; wir fuhren hindurch: «Wie heisst der Berg da?« »Weiss nicht!« S’ist halter ä Berg! Mit dieser laconischen Zusicherung wurden wir von drei Bauern abgefertigt; das Dorf aber hiess St. Johann, und wir benahmten den Berg darnach.
Eine halbe Stunde von Vaduz kömmt man in ein ofenes Thal; der Rhein ströhmt zwischen wolkigen Bergen, wie von unbekannten Quellen herab, schon mächtig durch sein erlenumkränztes Kieselbett. Wir erkennen nun das über ihm aufsteigende Schweizergebirg rechter Hand; zur linken steigt auf sonnebeschienener Buchhöh das Schloss Lichtenstein, in dessen Gränzen wir seit Feldkirch fahren; über einer leichten Krümmung des Rheins liegt das Städtchen Vaduz, und höher auf einem Felsenvorsprung die Ruine des alten Schlosses, beides äusserst malerisch. Nie sah ich ein bunteres Wolkenspiel als die Gewölke hier um das von dreifachen Bergschichten und Reihen umdrängte Rheinthal treiben; indem sie diese Waldpyramiden, Wiesenberge und phantastischen Felszinken umgaukeln; ganze Heere derselben ziehen von der Rechten zur Linken, quer über das Rheinthal von den Schweizerbergen an die Lichtensteiner hin; hier wird ein Felshaupt gekrönt, dort ein Riese gegürtet; da kollert eine runde Wolke wie eine Lavine von schroffer Höhe hinab, bis sie in Tannenspitzen fest zu hängen scheint; bald ragt eine Klippenschulter, dann steigt ein geröthetes Bergantlitz hervor, oder eine hohe Waldscheitel sticht durchs Gewölk. Dort sinkt Wolke auf Wolke wie zu einem weichen Baumwollenlager zusammen; hier dampft’s wie Rauch aus einem volkanischen Schlunde empor; dieser droht vom über hängenden Felsblock über den Weg hinab zu stürzen; — allein plötzlich wird ein runder Zirkel mit Regenfarben geschmückt, wie aus einem ungeheuren Brennspiegel, an jene hohe bräunliche Felswand geworfen; ein heller Hintergrund lächelt im abendröthlichen Glanz. Balzers erscheint auf seinem Hügelreihen, der sich wie ein Riegel vor den Rhein lagert und das Thal schliesst, über welchem geheimnisvolle Berggestalten sich thürmen.
Wir logirten diese Nacht in Gott, von einer bunten Engelglorie umgeben. Das Quartier war elend, allein die Wirthsleute freundlich, und eine Schüssel selbstbereiteter Zuckererbsen und frischer Bergforellen genügte den zufriedenen Reisenden vollkommen; allein in der Nacht liessen uns die Insekten keine Ruh, und alle Macht der schützenden Engel scheiterte an diesen leichtfüssigen Legionen.-
Den 4. schon mit dem Morgengrau war ich munter, und genoss vor dem offenen Fenster den Segen der Frühe in der erhabenen Stille dieses tief gesenkten Grundes. Das Dörfchen Balzers liegt tief im grünen Bergbusen, doch auf einem Hügel; unmittelbar vorher sieht man noch den Rhein, nun ist er, ich begreife ganz und gar nicht, wohin? geschwunden; und zu schwach um ihm nachzugehen, unfähig mich diesen guten Vorderösterreichern verständlich zu machen, und sie zu verstehen, reise ich durch dieses wunderbare Land, wo аlle Gegenstände namenlos erscheinen und verschwinden; und alles zieht wie an einer Laternamagikawand mir vorüber. Ein enger zartbegrünter Wiesengrund vertieft sich vor unserm abwärts liegenden Häuschen; drei lieblich bewaldete pyramidalische Hügel treten freundlich aus der Tiefe, und der mittelste trägt die Ruine des Schlosses Guttenberg. — Nach einem blauen Gedankenraum (dessen Tiefe vielleicht der Rhein durchströmt) steigen schneebesprenkelte Felsen. Zu beiden Seiten erheben sich zwei furchtbare Bergriesen, aufwärts das tiefe doch steigende Wiesenthal begrenzend. Eine muntere Ziegenheerde zieht beim Ton der Hirtenflöte auf die Weide. Kleine Dörfchen ruhen kindlich schüchtern in die Falten der Tannengewänder geschmiegt, die von den Hüften der Gebirge abwallen! Dies sind die Umrisse des Alpengemäldes, welches mein erstes Erwachen begrüsste, — auch war alles farbenlos, — allein bald prangt jene erhabene Felsenstirn im reinen Morgenstrahl! Wie ragt jener Felsgipfel aus dem blendendweissen Wolkenbette hervor, während sein starrer Klippenfuss tief ins Thal tritt, und vom jungen Lichte erweckt, majestätisch fortzuschreiten scheint.

(*) Diese durch die Flüsse abgesonderte, und gleichsam durch die Natur terrassirte Position begünstigte die tapfre Gegenwehr des edlen General Hotze ungemein; und war vielleicht der mächtigste Damm, den Gott in der Natur des Landes den wilden Usurpatoren entgegenstellte. Anm. v. 1799.

(aus Friederike Brun: Tagebuch einer Reise durch die östliche, südliche und italienische Schweiz, Kopenhagen 1800)

sic fulgent littora rheni (3)

sic fulgent_fl_heidi starkDer Rhein als winterlicher Grenzfluß zwischen Liechtenstein und der Schweiz. (Eine Einsendung von Heidi Stark.)

Ein Wasserfall mit unaussprechbarem Namen

Den 7. führten uns meine Freunde nach Reichenau. Der Weg geht allmählig steigend im Thal, dem Rhein und den Gebirgen entgegen. Die runden Hügel des Vorgrundes, die wir gestern bewunderten, lösen sich in reizender Bewegung ab, und die Ruine von Felsperg steht mahlerisch; frischduftende Birkenhaine umgrünen das Bette des Rheins, welcher rechts am Fuss des Galanda in abgeneigter Thalsenkung hinfliesst. Links sind heitre grüne Vorberge mit schönem Laubholz, zumahl mit Eichen bewachsen. Die zwei Stunden Weges waren schnell gemacht; äusserst mahlerisch ist von der sich am Abhang hinab krümmenden Heerstrasse die Ansicht von Reichenau, auf kleiner Halbinsel zwischen die zusammenfliessenden Rheinarme gelagert.
Wir besuchten einen dieser linkern Eichenhügel der von dem einen Rhein benetzt, sein grünes Haupt und seine säuselnden Haine so einladend erhob. Hier sahen wir beide Rheine, den hintern der uns links war, aus dem Rheinwaldgletscher; den vordem, der unter uns aus engen Klüften wild dahin brauste vom Gletscher des Badutz herabkommen, der mit den Crispalt, Arme des Gotthardtstosses ausmacht. Dieser runde Hügel ist ein wahres Tempe! Grün spielt in Grün, und die reizende Wildniss ist ganz unentweiht, rundum schaut man durchs mildernde Grün an wildes Gebirg hinan. Dort über Reichenau schlängelt sich ob dem Hinterrhein der Weg nach dem alten Thusis, und nach den Via-mala-Schlünden hinein; weit entfernt, doch vor uns tritt ein Gletscher aus Wolken von schwarzer Granitmauer eingefasst; allein ich kehrte bald in die liebliche Nähe zurück! Wie traulich ist hier das Laub- und Nadelholz gemischt! Tannen, Lerchenbäume, Birken und Eichen (Eichen wie in Thuiskon’s Hainen und Hertha’s) breiten die krausen Aeste wirthlich über die zarten Matten, während die Tannen vom schroffen Bord mit finssterm Ernst dem hellgrünen muthwilligen Strome nachschaut. Alles redet tiefe unentweihte Einsamkeit; selbstgestorbene Bäume liegen von Farrenkraut überwildert, von Eppich umrankt, im hohen Grase, und geben der Erde wieder was ihr gehört! Mächtige Eichen heben die grüne entlaubte Scheitel, oft vom Strahl gespaltet, und ein junges Geschlecht freudig aufschiessender Bäumchen umgrünt die Greise des heiligen Haines. Wir hatten Mühe, uns aus dem Zauberkreise, in dem hohe Natur, Einsamkeit und gleichgestimmtes Gefühl uns umfangen hielten, loszureissen.
Ein freundschaftliches Mahl war im alten gothischen Gasthause bereitet, wo wir aus dem grossen Saale an die Herrlichkeit der Gebirge hinaufschauten. Nach der Mahlzeit ritt ich auf die Höhen über Reichenau nach einem Wasserfall, der einen unaussprechbaren Namen hat. Die Felswände an den engen Wegen entblössten unter andern aus sekondairem, ins Urgebirg übergehendem Gestein, Schiefertafeln vom schönsten matten Apfelgrün. Der Felsbach stürzte von zerrissenen Felsseiten hernieder, in seinem Bette lagen grosse Granitblöcke. — Schöner war wie er selbst , der Ausblick von der Bergheide gerade ins prächtige Pomlesch-Thal hinein; dort steht rechts das Schloss Razinsky, die einzige Habsburgische Besitzung im freyen Graubündten.
Ein schönes Dorf liegt weich gelagert im Thalschoos, von Wein- und Obstgärten umgeben, und Kornfeldern und fetten Triften. Wir besuchten die Erziehungsanstalt des Herrn Tschokke. Das geräumige Schloss liegt hart am pfeilschnell vorbeyströmenden Rhein; das frische Aussehen der Kinder pries die gesunde Lage desselben, und ihre zutrauliche Munterkeit die väterliche Güte ihrer Erzieher. Dieses waren die einzigen Bemerkungen, welche die Kürze der Zeit mir zu machen erlaubte, denn ein Gewitter zog drohend über den Bergen heran, und vor ihm her rauschte der Sturm durch die Wipfel. — Wir eilten hinweg, und ich hatte unterweges statt der erwarteten hohen Lust eines Gewitters in den Alpen, nur das Missvergnügen S***s auf dem Rücksitz des Phaetons vom strömenden Gewitterregen durchnässt, und vom Sturm durchkältet zu sehen, und die Angst der zärtlichen Sina zu theilen. Wir fuhren durch die finstere Nacht neben tobenden Bergwassern, die bei jedem Regen neugebohren durch die Felsklüfte herabstürzen, unter rauschenden Wäldern hin, eng zusammengeschmiegt, (und ich ein wenig verdriesslich, neben Regen und Sturm nicht auch den Donner durch die Bergthäler rollen zu hören,) nach Сhur zurück.

(aus Friederike Brun: Tagebuch einer Reise durch die östliche, südliche und italienische Schweiz, Kopenhagen 1800)

sic vaporant littora rheni

arnhem
Der Nederrijn in Arnhem, abgelichtet von unserem Korrespondenten Roland Bergère.

Siegfried-Gin aus dem Rheinland

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