Rheinzander

Während unseres Aufenthalts in Istanbul ließen sich auf der Galatabrücke Tag für Tag mehr Angler erblicken, als wir, die letzten 30 Jahren zusammengenommen, am Rhein je ausmachen konnten. Vielleicht täuschte das Erscheinungsbild ein wenig – bei einem Verhältnis von einem halben Brückenkilometer über das Goldene Horn zu rund 1230 Flußkilometern herrscht am Rhein eine ungleich stärkere Ausdünnung als in Istanbul, einer extrem bevölkerten Stadt, in der der Anblick Schulter an Schulter stehender Brückenangler zur touristisch bestaunten Folklore gehört. Gehen die Istanbuler Angler vornehmlich auf Sardinen (ihre Schnüre sind in der Regel mit acht Haken bestückt, damit sich das Auswerfen überhaupt lohnt), wird am Rhein gerne nachts und an weniger urbanen Stellen nach Zandern geangelt. Das erfuhren wir im Anschluß an eine unserer Rhein-Meditationen.

rheinzanderUnser Gewährsmann mit einem imposanten, bei Rees an Land gezogenen Zander

Die größten Exemplare werden bis zu einem Meter lang. Wegen ihres festen, wohlschmeckenden Fleisches und der wenigen Gräten zählen Zander zu den beliebtesten Speisefischen aus dem Rhein. Wikipedia gelten sie als vorsichtige Naturen. Ein Rheinangler berichtet:

“Nachts werden die Zander etwas übermutig und trauen sich auch ins flache Wasser. Da kann es vorkommen, dass sehr große Fische einen halben Meter vor meinen Füßen, direkt an der Buhne beißen. Wenn man mal den Bogen raus hat, ist es nicht so wahnsinnig schwer einen Zander zu überlisten.
Im Schnitt fange ich einen Zander pro Angelausflug. So ein Ausflug dauert sechs bis acht Stunden. Manchmal fange ich nichts, dafür ein andermal zwei oder drei an einem Tag. Ich sitze ja auch gerne nur und starre auf’s Wasser. Dann läßt sich nichts fangen, weil der Köder aktiv mit der Spinnrute geführt werden muss. Der Fisch steht bei mir gar nicht so sehr im Mittelpunkt. Ich brauche die Ruhe am Rhein.
Zander beißen meist sehr beherzt zu, es geht dann ein ordentlicher Ruck durch die Rute, weil sich die geflochtene Schnur nicht dehnt. Mit geflochtener Schnur angelt man, weil sich mit ihr der Rheingrund ertasten lässt und auch schwächere Attacken, bei denen der Fisch nicht richtig zubeißt, zu spüren sind. Fangstellen sind bevorzugt kieselig und tief. Sandbuchten eignen sich nicht so sehr. Der bebleite Gummifisch wird über den Grund gezupft und wenn man Glück hat, macht es beim zigsten Wurf „Peng“. Das ist dann immer sehr gut für den Adrenalinspiegel.
Allerdings haben Zander nicht viel Kraft, ein Hecht oder eine Barbe können stärker kämpfen. Selbst ein großer Zander kann nach drei bis vier Minuten nicht mehr. Ich drille allerdings auch immer sehr hart, um dem Fisch diese Tortur nicht lange zumuten zu müssen.
Als Fänger eines “maßigen Fisches” (bei Rheinzandern ab 40 Zentimetern) bin ich gesetzlich verpflichtet, den Fisch mitzunehmen. Angeblich rauben große Zander zuviel. Hinter der Grenze in den Niederlanden lautet die Gesetzgebung gleich wieder anders.”


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