Monatsarchiv für Juli 2016

 
 

Presserückschau (Juli 2016)

1
“Der Rhein ist nichts für Anfänger, meint Mike Pernox. “Da findet man vor allem Wasser-Pokémon – wenn man sie denn haben will. (…) Dem Rhein würde ich als Standort drei von fünf Sternen geben. Die Wasser-Pokémon, die man dort findet, sind gut, es gibt Enton, Karpador und Goldini”, sagt er. Vor allem aus Karpador könne man später viel machen – das Pokémon entwickelt sich nämlich mit genügend Pflege weiter zu einem Pokémon namens Garados, und das ist zum Beispiel im Kampf mit anderen Spielern und ihren Monstern kaum zu schlagen.”" (Rheinische Post)

2
“Am (…) 10.07.2016 wurden zum ersten Mal elf Kinder aus Köln im Rhein getauft. Pfarrerin Dr. Anna Quaas und Pfarrer Mathias Bonhoeffer der evangelischen Kartäusergemeinde feierten den Taufgottesdienst mit über 100 Gästen. (…) Carl, Milla, Lion, Zoe, Marlene, Leonie, Ben, Timm, Trixi, Frida und Jake gehören jetzt zur Gemeinde. (…) Damit der Gottesdienst im Rhein tatsächlich stattfinden konnte, mussten zunächst Genehmigungen eingeholt werden. Sowohl das Grünflächen- als auch das Schifffahrtsamt mussten zustimmen. Auch wenn die Strömung an der Taufstelle nicht besonders stark ist, sorgte die DLRG von einem Boot im Wasser aus für Sicherheit.” (WDR)

3
Rheintote
“Ein vermisster Matrose ist bei Ludwigshafen im Rhein gefunden worden. Die Leiche war laut Polizei am Werksgelände des Chemiekonzerns BASF an einer Wasserentnahmestelle entdeckt worden. Der Mann hatte laut Sprecher der Polizei seine Ausweispapiere bei sich, daher konnte er identifiziert werden. Vermutlich ist er ertrunken. Das 46 Jahre alte Besatzungsmitglied war (…) bei Mannheim von einem Kreuzfahrtschiff in den Rhein gefallen.” (Stuttgarter Zeitung)

“Ein 19-jähriger afghanischer Asylbewerber ist (…) im Rhein in Laufenburg AG ertrunken. Seine Leiche wurde (…) im Rechen des Kraftwerks Laufenburg angeschwemmt. Der Mann gehörte zu einer Dreiergruppe von gleichaltrigen Landsleuten, die (…) im Rhein ein Bad nahmen. Dabei gerieten sie in Not. Einer konnte sich selber ans Ufer retten, ein zweiter wurde von einem privaten Bootsfahrer aus dem Rhein gefischt. Der dritte Afghane blieb trotz einer Suchaktion verschwunden. (…)
Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) hatte Anfang dieses Sommers darauf hingewiesen, dass im Hitzesommer 2015 auffallend viele Touristen und Asylbewerber beim Baden tödlich verunglückt waren. Die SLRG liess darauf ihre Baderegeln in mehrere Sprachen übersetzen – unter anderem auf Arabisch und Somalisch.” (Blick)

“Horrorfund am Colonia-Hochhaus! Bei einem Spaziergang am Rheinufer stieß der Kölner Adrian H. (Name geändert) am Mittwochnachmittag auf die verstümmelten Überreste eines Mannes. „Es handelte sich um eine männliche Leiche, circa 40-50 Jahre alt, verschnürt in einen blauen Müllsack, ohne Arme und ohne Kopf“, so H. (…). Die sterblichen Überreste sollen nun obduziert werden, um Näheres über das noch nicht identifizierte Opfer und dessen Todesumstände zu erfahren. (…) Eine Mordkommission wurde gebildet, um das Todesrätsel zu lösen.” (Express)

“Die Wasserschutzpolizei musste (…) eine groß angelegte Suchaktion auf dem Rhein bei Orsoy ergebnislos abbrechen. Sie galt einem jungen Mann, der vermutlich ertrunken ist. Dabei handelt es sich (…) um einen 26-jährigen Flüchtling (…). Nach ersten Erkenntnissen soll er ein ungeübter Schwimmer gewesen sein und am Strand in Höhe des Hafens als Einziger im Fluss gebadet haben. Plötzlich sei er von einer Welle erfasst worden, die ihn weggerissen habe. (…) Mehr als 100 Leute beobachteten das beängstigende Szenario. Nach gut einer Stunde wurde die Suche eingestellt.” (Rheinische Post)

“Schon wieder ist ein Flüchtling den Fluten des Rheins ausgeliefert gewesen: Nach einem 19 Jahre alten Nigerianer wurde (…) in Bad Säckingen bei einer großangelegten Rettungsaktion im Rhein gesucht. Der Flüchtling, der laut Polizeiangaben nicht schwimmen konnte, wird bisher noch vermisst. Die Behörden rechnen mit dem Schlimmsten. Der 19-Jährige ist (…) zusammen mit einer Gruppe von Flüchtlingen an den Rhein gegangen, um dort zu baden. Dabei ging der Nigerianer nach Angaben seiner Begleiter einige Schritte ins Wasser und wurde von der Strömung mitgerissen. Der Nichtschwimmer trieb ab und ging unter.” (Badische Zeitung)

“Bei Albbruck (wurde) eine männliche Leiche im Rhein gefunden. Über die Identität des Toten und die näheren Umständen seines Todes ist (…) nichts bekannt. (…) Die Fundstelle befindet sich in der Nähe eines beliebten Freizeitgeländes direkt am Rhein gegenüber der früheren Papierfabrik. (…) Ob der bei Albbruck aufgefundene Tote eventuell mit dem Vermisstenfall G. B. (…) in Zusammenhang steht, ist ebenfalls offen. Mehr Klarheit dürfte erst die von der Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen angeordnete Obduktion durch einen Gerichtsmediziner bringen.” (hierzuland)

4
Konzert auf der Rheininsel Grafenwerth: “”Aus nacktem Felsen dringt es. Noch namenlos, das Quellende, das Rinnende, das Wässrige.” Scheinbar aus dem Off ertönte am Freitag die Stimme von Sven Puchelt. Er saß am Bug des “Rheingold”-Schiffes und erzählte die Geschichte des Rheins, während die Musiker des Ensembles die Schiffsbühne am Heck eroberten. Unter der Leitung von Rüdiger Oppermann reist das Ensemble am Rhein entlang zu insgesamt 15 verschiedenen Orten von Basel über Worms bis Xanten, um das Publikum an den Ufern der Rheinstädte zu begeistern. (…) Rund 150 Gäste lauschten den musikalischen Geschichten vom Rhein als “Alpenwanderer” über den Goldhut von Schifferstadt bis hin zum Nibelungenlied und der Loreley. Und während hinter der Bühne über dem Rhein langsam die Sonne unterging, begeisterten Oppermans Weltmusiker mit teils mittelalterlich anmutender Musik, asiatischem Lautgesang und afrikanischen Trommelkonzerten bis hin zum Big-Band-Gefühl, wenn die 15 Musiker gemeinsam auf der Bühne standen.” (Kölnische Rundschau)

5
Unter “füdliblutt” versteht der Schweizer “nackt”. So erklären sich Schlagzeile und Artikel der kostenlos verteilten Tageszeitung 20 Minuten, die sich in der Schweiz, anders als in Deutschland, bis auf den heutigen Tag erhalten hat: “Füdliblutt am Rhein – Ein Nackter zog (…) am Kleinbasler Rheinufer die Blicke vieler Passanten auf sich. Verboten ist das in Basel nicht. Er sei dem Wasser entstiegen, wie Gott ihn geschaffen hat, berichtet ein Leser-Reporter. (…) Einen verwirrten Eindruck soll der Langhaarige gemacht haben, als er im Adamskostüm die Promenade rheinabwärts schritt.”

6
“Eine Wette zwischen Schweizern aus Zürich und Elsässern aus Straßburg aus dem Jahr 1456 ist der Hintergrund der Hirsebreifahrt. Zwischen den Städten bestand eine Partnerschaft und die Zürcher Zunftleute wollten mit dieser Fahrt ihren Partnern beweisen, dass sie im Notfall innerhalb eines Tages bei ihnen sein könnten. Als Beweis brachten sie einen Topf Hirsebrei, der bei der Ankunft noch warm war. Seit 1946 findet die Fahrt als Zeichen der Verbundenheit (fast) alle zehn Jahre statt.” (Badische Zeitung)

7
“Der zwischen Hinterrhein und Nufenen neu erbaute Rheinquellweg ist (…) eröffnet worden. Gleichzeitig wurde auch das Projekt «Sprudelnde Geschichten und Dorfbrunnen» feierlich eingeweiht.” (Südostschweiz)

8
“Ein Velofahrer ist (…) in Graubünden über steile Felsplatten hinab in den Rhein gestürzt. Er trieb rund 100 Meter den Fluss hinunter, bis er sich an einem Stein festklammern konnte. (…) Der Unfall hatte sich bei Haldenstein ereignet, als der Velofahrer auf einem schmalen Wanderweg dem Rhein entlang fuhr. Dabei verfing sich laut Polizei seine Lenkstange in einer Stahlkette, die als Haltevorrichtung für Wanderer dient, und er stürzte.” (Basler Zeitung)

9
“Damit der Aal eine Zukunft hat, wurden (…) 40.000 Jungtiere zwischen Lampertheim und Wiesbaden-Biebrich in den Rhein gesetzt. Ehrenamtliche Helfer und örtliche Angelvereine hatten diese Aufgabe unter Regie des Darmstädter Regierungspräsidiums übernommen. Sie erfüllen damit die EU-Aalverordnung. (…) Die ausgesetzten Tiere sind etwa 20 Zentimeter lang und damit für viele Fressfeinde nicht mehr interessant. (…) Damit die meisten der 40.000 Aale eine Überlebenschance haben, wurden sie zunächst an Europas Küsten als Jungtiere gefangen und dann in Aquakulturanlagen bis zu ihrer jetzigen Größe aufgezogen. Die beim Darmstädter Regierungspräsidium angesiedelte Fischereibehörde geht davon aus, dass die Aale in den nächsten fünf bis 20 Jahren im Rhein leben und dann auf Wanderschaft in ihre bis zu 6000 Kilometer entfernten Laichgebiete ziehen. Diese Tour geht quer durch den Atlantik bis zur Sargassosee am Rand der Karibik. In der Regel verliert sich dort die Spur der Tiere. Forschern ist es bisher nicht gelungen, Aale bei der Fortpflanzung zu beobachten.” (Echo)

Jacques Boucher de Perthes am Rheinfall

À peine débarqué à Schaffouse que je me réserve de voir au retour, je prends l’omnibus qui conduit à la chûte du Rhin. La route est très-accidentée et, en raison de la montée, demande une demi-heure. On a une très-belle vue à gauche, et je reconnais la place où je me suis promené avec mes frères en 1815. Depuis quarante-quatre ans, rien n’y est changé ; mais il n’en est pas de même à la chûte : on y a bâti, il y a environ vingt ans, un bel hôtel dont le nom, Schweizerhof, est difficile à prononcer pour un Français. Heureusement que celui du maître, F. Wegenstein, l’est un peu moins. De la maison, placée sur la cime de la montée, on domine le fleuve et le paysage.

En entrant dans le salon, je fus frappé de la magnificence du spectacle : c’est de ce point et de la terrasse qui est devant que la chûte apparaît dans toute sa splendeur. En face est le château de Laufen, nommé aujourd’hui la maison Bleuler, nom du peintre qui l’a acheté et réparé, et qui a obtenu du gouvernement l’autorisation de percevoir un franc sur chaque visiteur étranger, et soixante centimes sur le visiteur suisse. Le nombre de ces voyageurs s’élève annuellement de trente à quarante mille. Le peintre est mort. Sa veuve, devenue propriétaire, est Française et n’a qu’une fille. La dame, à sa perception, a ajouté un magasin de gravures représentant les vues et curiosités du pays, et des ouvrages qui les décrivent.

De la chambre où je suis logé, la vue est presqu’aussi belle que du salon ; mais je me demande si, dans cette chambre, on peut dormir, car, à ses beautés, la chûte joint un vacarme épouvantable ?

Le jardin de l’hôtel, qui s’étend jusqu’au bord du Rhin, n’est pas à cent pas de la cascade ; cependant je veux profiter de ce qui reste de jour pour la voir de plus près encore, et malgré une pluie battante, je descends la côte pour gagner la rive. De là, un bateau me conduit dans le remous du tourbillon où nous nous laissons balancer, recevant à la fois la pluie et les éclaboussures de la chûte.

Guidé par un domestique, j’escalade la rampe qui conduit à la maison Bleuler. Une entrée assez mesquine mène à une petite porte sur laquelle est inscrit le nom de la propriétaire. J’y suis reçu par un homme aux cheveux et aux yeux noirs, de taille moyenne, d’environ trente ans, bien mis et bien fait, mais à la mine des plus rébarbatives, ce qui ne l’empêche pas d’être fort poli : c’est, me dit mon conducteur, l’associé et, croit-on, le gendre futur de la maîtresse du logis.

Arrivé sur la terrasse, je m’y trouve en compagnie d’un cavalier, voyageur comme moi, et d’une femme fort élégante qui paraît être la sienne. De là, l’œil plonge sur la chûte, mais trop rapproché, on en perd les alentours. De ce point, elle me semble moins belle que de l’hôtel et du bateau. Une éclaircie nous apporte les rayons du soleil couchant, et vient égayer la scène un peu sévère.

D’un autre balcon, la vue est plus étendue, et gagne ainsi beaucoup.

Pour arriver au troisième balcon, on traverse un magasin où Mme Bleuler elle-même vous fait offre de ses dessins et de ses livres. Son air est plus riant que celui de son associé.

Nous pénétrons alors dans un pavillon où des verres de couleurs nous montrent la cascade sous divers aspects : nuit, jour, aurore, hiver, etc. Le soleil, qui se révèle encore, aide beaucoup à ces effets bien connus, mais qui plaisent toujours.

Nous descendons ensuite, en traversant le jardin, à un quatrième balcon au moyen duquel la cascade est vue en dessous ; enfin à un cinquième, plus bas encore, où l’on est en quelque sorte sous la cascade même. Le bruit est intolérable, et l’on reçoit pas mal d’eau. Là, on est tout près des trois roches à pic qui partagent le fleuve, et dont l’une semble prête à tomber, ce qui ne peut manquer d’arriver tôt ou tard. La veille, le domestique qui m’accompagne a passé, en se servant d’une échelle, d’une roche à l’autre, aidé par ce même batelier qui venait de me conduire. C’était la première fois qu’on tentait ce passage, opération fort inutile et imprudente. Le grand danger était de placer l’échelle par le poids de laquelle on pouvait être entraîné.

L’éclaircie n’ayant pas duré, nous repassons le Rhin par une pluie battante. Je rentre à l’hôtel passablement mouillé, mais moins que la jeune femme que j’avais rencontrée avec son mari, et dont le parapluie ne pouvait couvrir la crinoline.

Je n’avais, de toute la journée, pris qu’un petit pain ; il était six heures et demi, et je mourais de faim. On m’annonce que la table d’hôte est servie. Bonne nouvelle ! Je m’y rends. Il y a peu de monde. Je me trouve en face d’une Anglaise grande et belle, pompeusement vêtue, buvant du vin du Rhin à l’aide d’une pipette et abondamment.

Un peu plus loin, deux Anglais à figures distinguées se disputaient en français avec un garçon d’hôtel pour ne payer que vingt francs une voiture qui devait, cette nuit même, les conduire à quelques lieues de là, course dont on voulait vingt-cinq francs. Nos gentlemens, avec cette ténacité anglaise qui leur fait tenir à honneur de ne pas revenir sur un mot dit, ne voulurent jamais céder ; ils se remirent à table, et préférèrent rester à l’hôtel en dépensant probablement vingt francs ou plus pour cette prolongation de séjour, et ceci pour ne pas en payer cinq.

Bientôt entre une jeune femme assez petite et coiffée d’un chapeau rond à plume noire. Elle-même était vêtue de noir. Tout était bizarre dans sa toilette d’ailleurs très-fraîche et qui, quoique simple, annonçait la richesse. Mais l’étrangeté de ce costume n’était rien à côté de celle de sa figure : sans être belle, je n’en ai jamais vu de plus mobile et en même temps de plus expressive. Elle avait quelque chose de fascinateur qui attirait et qui effrayait. Ses sourcils noirs et épais, se joignant au-dessus d’yeux plus noirs encore, lui donnaient l’air, quand elle les fronçait, d’une conspiratrice ou d’une magicienne.

Un moment après, entra un jeune homme. Dès que je l’aperçus, je me dis qu’il ne pouvait être que l’amant, le frère ou l’époux de cette femme. Tout était en harmonie dans leurs costumes et leurs figures. Ils se mirent à table en parlant une langue qui m’était inconnue et que j’étais disposé à prendre pour un argot, car elle ne ressemblait à rien. En ce moment paraît un nouveau personnage de très-bonne mine. Celui-ci était un Français, on ne pouvait s’y tromper. Il connaissait la dame et son compagnon, car il les salua en français et lui répondirent de même, mais avec un accent étranger très-prononcé.

Bientôt une discussion s’élève entre ce nouveau venu et les Anglais sur le prince russe Demidoff. Le Français prétendait qu’il était fils d’un esclave ; les Anglais soutenaient le contraire, et le mari de la dame au chapeau était de leur avis. Comme, dans ma jeunesse, j’avais eu occasion de voir le père du prince actuel et que je connaissais aussi le fils dont M. de **, mon parent, avait épousé une sœur, je pris la parole. Les Anglais riaient sous cape en me voyant si bien renseigné, et ce fut un triomphe pour eux, surtout lorsqu’un autre Français, qu’à sa tournure je reconnus pour un militaire, se joignit à moi pour soutenir l’ancienne origine des Demidoff. Cet officier avait connu M. de ** et M. R**, dont il faisait un grand éloge. Il me donna sa carte, je lui présentai la mienne, et la connaissance fut ainsi faite : c’était le colonel de Prebois.

Le dîner était excellent, la conversation des plus animées. La dame noire et son mari étaient grecs de Constantinople. Ils voyageaient en touristes ; ils avaient vu la meilleure société de Paris et de l’Italie qu’ils connaissaient parfaitement. Nous causâmes jusqu’à dix heures et demie, et chacun fut se coucher.

Je passai une mauvaise nuit. Le bruit assourdissant de cette chûte qui tombe sous mes fenêtres, la pluie qui les bat de son côté, le vent qui s’en mêle, forment une cacophonie terrible qui me dit que le sommeil, s’il est possible ici, est au moins assez difficile. Cependant la fatigue l’emporte : par instant, je m’endors, mais ce n’est pas pour longtemps. Bientôt je me réveille en sursaut, croyant que la maison s’écroule et qu’une poutre me tombe sur la tête. Je m’apprêtais à gagner la campagne, quand je me rappelle que je suis dans un lit, à cent pas d’une cascade, et que la poutre n’est autre qu’un édredon trop chaud pour la saison et qui, en m’étouffant, m’a donné le cauchemar.

(Jacques Boucher de Perthes, Voyage à Aix-Savoie, Turin, Milan, retour par la Suisse, en 1859, Jung-Treuttel 1867)

Am Rheine

Du freundlich ernste starke Woge,
Vaterland am lieben Rheine,
Sieh’, die Tränen muß ich weinen,
Weil das alles nun verloren!
Die Felsen, so die Ritter sich erkoren,
Schweigend dunkle Klagen trauern,
Noch zerstückt die alten Mauern
Traurig aus dem Wasser ragen,
Wo in alter Vorzeit Tagen
Hohe Helden mutig lebten,
Voll von Lust nach Ruhme strebten;
Franken, Deutsche und Burgunden,
Die nun im dunkeln Strom verschwunden,
Tapfre Lanzen damals schwungen,
Noch die deutschen Lieder sungen,
Die Verderbnis weit verjugen,
Hand in Hand zum Bunde schlugen,
In edlem Rittertume,
Aus aller Tugend Eine Burg zum Ruhme
Durch alle Land’ erbauten;
Da der Mann dem Mann noch traute,
Deutsche Lust im Walde blühte,
Glaub’ in Demut liebend glühte,
Ach da keiner noch alleine,
In des Herzens tiefem Schreine,
Um sein Vaterland mußt’ klagen,
Selbst sich bittre Wunden schlagen,
Wie ich hier am heil’gen Rheine
Hohen Unmuts Tränen weine.

Dunkle Trauer zieht mich nieder,
Will in Wehmut ganz vergehen;
Wenn ich sehe, was geschehen,
Wenn ich denke, was gewesen,
Will die Brust in Schmerz sich lösen! –

So fahrt denn wohl, ihr lieben Wogen,
Wo ich Schmerz und Mut gesogen;
Denn den Mut auch fühl’ ich schlagen,
Und inmitten solcher Klagen
Springt die Quelle starker Jugend,
Und es waffnet feste Tugend
Unsre Brust mit Heldentreue.
Da entweicht denn alle Reue;
Kann ich gleich mit euch nicht leben,
So ergreift euch doch mein Streben.
Wo ich wandre, wo ich weile,
Glühen Männer, blühen Lieder
Und ich fühle wohl Vertrauen,
Auf des Herzens Fels zu bauen,
Eine neue Burg der Liebe,
Die in allem Sturme bliebe,
Mächtig durch die fernen Zeiten
Einen allvereinten Strom zu leiten,
Einen Strom von Lust und Schmerzen,
Alles aus dem eignen Herzen,
Wo die Lieder all’ verschlungen
Alle Herzen wiederklungen,
Hohe Freunde dann verbündet,
So der Freude Reich gegründet.

(Friedrich Schlegel, 1802)

Köln vs Düsseldorf

“Moritz August von Thümmel, Minister des Herzogs von Sachsen-Coburg-Saalfeld, schrieb am 6. Juni 1772 an den Erbprinzen von Sachsen-Coburg: “In Köln, wo wir uns einen ganzen Tag aufhielten, um auszuruhen, wünschten wir uns zehnmal auf unser Schiff zurück. Ich kann mich nicht erinnern einen so unangenehmen Ort gesehen zu haben und ich möchte nicht Kaiser sein, wenn ich mich daselbst krönen lassen müßte. Stellen sich Ew. Durchlaucht eine schmutzige Stadt dreimal so groß wie Erfurt und dreimal so todt vor; wo in jeder Gasse einige Kirchen und Klöster stehen, wo ein beständiges Läuten der Glocken die Ohren und der Anblick einzelner ausgezehrter und zerlumpter Bettler das Auge zu Tode ermüdet. Wir besuchten daselbst ein Carthäuserkloster und wurden bis zum Jammer über das Elend gerührt, zu welchem sich vernünftige Menschen aus eingebildetem Gottesdienste freiwillig verdammen können. Den Tag darauf hatten wir eine desto angenehmere Reise. Wir gingen über Düsseldorf einer schönen, reizenden Stadt. Das erste was wir daselbst aufsuchten, war die prächtige Bildergalerie, wo die Rubens einen ganzen Saal einnehmen und die meisten Gemälde des unnachahmlichen van der Werff aufbehalten werden.”" (Zitiert nach Wikipedia)

Düsseldorf in Köln

ddorf in kölnIn jüngster Zeit beobachten wir eine enorme Zunahme von Stadtsilhouetten auf Autos, in Schaufenstern, ja selbst als ad hoc-Kunsthandwerk auf dem Asfalt: Köln ist vor lauter Kölnpanoramen kaum noch zu erblicken. In Zeiten der Migration erlangt die Identifikation mit dem Standort eine hohe Ausdrucksquantität, die im Einzelfall stets auch von Qualität spricht. Verirrt sich unter all die Kölnpanoramen ein Düsseldorfpanorama (aufgrund ihrer geschichtlich verankerten Rivalität nennen Kölner und Düsseldorfer die jeweils andere die Verbotene Stadt) wie hier am Nippeser Markt, zieht es sofort die Aufmerksamkeit des als tolerant geltenden Kölners auf sich, dessen Gehirnhälften automatisch auf den Kampf um die Bewertung verfallen, ob das überraschend eingetretene Bild eher einen Störfaktor oder einen Farbtupfer darstellt.

Chinesisch

schang dsunn schint schun lang
schun fufzéhundert johr
züe lȧng schun schintse schȧng
mr dunke se ens chlor

un dich dezüe dü dauwer schȧng
wannd witersch dgosch ufrisch
gajenajede bürefȧng
ȧn rhin un ill un brisch

mr stecke di ene kenjelestȧll
mr verhunze dini seel äu bȧll
un kumm noch emol un wétt
un kumm noch emol un trétt

mr stecke di ene bȧbeldurm
ȧtomkiëhldurrn ȧm rhin
dȧss d kläin wursch wi e roder wurm
un wecke die dert in

schȧng dsunn schint schun lȧng
schang schint dsunn noch lȧng
un wilȧng noch gets e schȧng
wilȧng wilȧng

(Die Empfindung, daß dem Franzosen Elsässisch wie Chinesisch klingt, liegt diesem von elsässischer Lautlichkeit geprägten Liedgedicht André Weckmanns zugrunde, womit wir Rheinchinesisch offiziell in unsere Sprachsammlung aufnehmen.)

Deutzer Brücke

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deutzer brücke

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Drachenfels: une de ces collines sacrées où l’âme d’un temps s’élabore

Il souffle sur le Drachenfels un vent à jeter bas le dernier pan de mur de ce vieux burg dont le démantèlement date de la guerre de Trente ans. C’est une moitié de tour couronnée de créneaux, percée de fenêtres, envahie par le lierre et les plantes sauvages. Une balustrade de fer permet de se pencher sur le roc pour fixer le paysage. Mais le paysage, ce sont des nuages à la débandade qui courent au ras des Sept-Montagnes et qui ne laissent apercevoir qu’à des rares intervalles des cimes difficiles à nommer, le Breiberg, le Minderberg ou le Hemmerich. En bas, le fleuve court à pleins bords, large, sombre, presque noir, tant le jour est sinistre. “La vue, dit le guide, est une des plus belles du Rhin.” Je veux bien, mais il faut retenir son chapeau.
(…)
J’ai pensé toute à l’heure que Tristan pouvait passer le Rhin. Un Chateaubriand, un Gesril donnent à l’honneur une marque française. C’est le même honneur dont témoignent la vie d’un Bayard ou les vers d’un Corneille. J’en cherche l’équivalent dans la poésie allemande. Fustel de Coulanges a dès longtemps prouvé que les anciens Francs se fondirent avec la tradition gauloise, et que l’origine de nos mœurs et la source de notre sensibilité ne sont pas germaines. L’honneur, qui est une façon de sentir, ne se confond ni avec l’honnêteté ni avec l’honorabilité. Ses limites ne sont définies que chez ses loyaux serviteurs.
… Le Drachenfels est une de ces collines sacrées où l’âme d’un temps s’élabore. Depuis que j’en suis descendu j’ai vue que l’Allemagne rajeunie prenait volontiers pour symbole Siegfried forgeant le glaive. Ainsi l’art donne à une nation les fortes image où elle mire son énergie.

(Henry Bordeaux: Sur le Rhin, Paris 1905/1919)

Dinslaken, Dienstag Fünfter Juli

Fahrradreichtum
ist das einfallende Wort für den ersten Eindruck
auf dem Bahnhofsvorplatz.

Südlich von und parallel zu
den Gleisen verläuft die
Wilhelm-Lantermann-Straße.
(Bis 1933 in der SPD und ab
1946 wieder bis zum Tod 1973
siebenundzwanzig Jahre Bürgermeister.)

Auch die Schillerstraße
bildet einen nach Norden
zulaufenden Schenkel eines
geographischen Dreiecks
mit der Willy-Brandt-Straße.

Darin,
der Stadtplan orientiert den Besucher,
findet sich zwischen Goethe- und
Hölderlin- eine
Scharnhorststraße.

Schneller als angenommen
passiert die Straßenbahn 903
via Friedrich-Ebert-Straße
den Kreisverkehr des Platz d`Agen,
in dessen womöglich bewusst ungemähter
Mitte aus Sommerblumen einige
Elstern spazieren.

Fußläufige Dimension.
Haltestelle Neustraße
am Bürgerbüro ausgestiegen.

Das Fantastival, Juli 2016, kündigt
Anastacia als Stargast an.

Wind und Sonne.

Eine Garten- und Landschaftsbaufirma
verrichtet finale Schönheitsgriffe
vor dem, ein Plakat kündet es an,
ersten Frankreichfest (am 09. Juli).
Über den Parkbänken noch Plastikfolie.
Unweit der nach der ehemaligen Theaterintendantin
benannten und derzeit geschlossen /saniert werden erscheinenden
Kathrin-Türks-Halle ein frisch angelegtes Areal
junger Bäume in Dreierreihen
(deren eher spitz zulaufende Blätter sie dem botanisch
kaum Kundigen und auf Bestimmungsabbildungen Angewiesenen
mehr vermutet als möglichen Steineichen-Nachwuchs ausweisen).

Hinter der Halle,
am Rathaus als Teil der ehemaligen Burg
- dort einige Beete ggf. dem Urban Gardening zurechenbar -,
ein Teich mit lebendigem Goldfischschwarm
im nicht ganz algenarmen Wasser,
Taubenfedern auf der Oberfläche wie Croutons.
Zu Lande eine Plastik,
zwei schnatternde Vögel stilisierend,
deren wasserzugewandte Seite stärker
oxidiert, wohl durch die Springfontäne.

Über den Teich hinweg schweift der Blick
auf eine Reihe überwiegend auf jeweiligen Garagen
einstöckig erbauten niederrheinischen Häusern mit Giebeldach,
über denen der Kirchturm von St. Vincentius wetterhahngekrönt
aufragt.

Laut Stadtplan (hinterm Rathaus steht freundlich ein weiterer)
liegt das Gewerbegebiet Dinslaken-Mitte
östlich des Zentrums und zu geschätzten zwei Dritteln
nördlich der DB-Gleise.
Weiter südlich ist eine Trabrennbahn eingezeichnet.

Per pedes Perspektive
für den Nachmittag:
Schillerstraße nordwärts,
Willy-Brandt-Straße südwestwärts,
Adenauerstraße west- das heißt stadtaus- und rheinwärts,
genauer: ab der Emscher diese flussabwärts bis zur Mündung.

Kurz hinterm Platz d`Agen beheimatet
die Schillerstraße das Finanzamt (1950er zweckästhetische Architektur)
und das Amtsgericht, dessen Hauptportal um circa 16 Uhr
von einer Dame mit größerem Schlüsselbund zugeschlossen wird,
und ist nach Norden hin alleebaumbestanden.

Vorm Stadtplan stehend, keimte die Hoffnung
dass die These, nach Willy Brandt benannte Plätze und Straßen
wirkten oft nüchtern bis trist
(von rheinsein erkannt, auf rheinsein diskutiert und empirisch belegt)
in Dinslaken ein freudiges Pendant erfahren könnte,
weist doch die Kartographie eine breite, blickeinnehmende Straße aus.

Tatsächlich handelt es sich dann real um ein Teilstück der B8,
um diese Tageszeit von Stau geprägt.
Obwohl keine Prachtallee, neigt der Chronist im
Falle Dinslaken dennoch zur Annahme, dass die
Straßenbenennung eine eindeutige Würdigung Brandts darstellt.
Das Straßenschild an mehreren Stellen nicht nur an einem,
sondern zwischen zwei Pfählen.

So Ecke Voerder Straße, wo allerdings das Hotel
Zum schwarzen Ferkel den Namensblickfang bildet.

Rötlich schimmerndes Bachbett
führte zum Namen Rotbach.

Eine alteingesessene Bäckerfamilie seit 1853
bietet an der Ecke Im Bremerkamp nebst Backwaren
kostenloses WLAN, während gegenüber
ein gelbes Telefonhäuschen noch
funktionsfähig und gepflegt ist, weil
am Krankenhaus St. Vinzenz gelegen.
Diesem vis-à-vis der Friedhof – falls es anders nicht weitergehen sollte,
an dessen Eingang ein Blumengeschäft mit
schwarzen, roten, goldenen Kunststoff-Schafen
und ebenso angeordneten Gartenzwergen mit Sonnenbrille, je 19,95 €.

Die Konrad-Adenauer-Straße westwärts wirkt
vergleichsweise ländlich
(was die oben angedeutete Einschätzung zur Würdigung Willy Brandts stützt).

Wo sie die Emscher überquert, blickt es sich
über Weizenfelder auf das Kraftwerk Walsum,
im Volksmund Block 10 genannt
wie eine hundebegleitete Dame auskunftet.

Die begradigte und wegen Bergbaufolgen umdeichte
Emscher ist, teils mit Stacheldraht, eingezäunt,
es wird mit Schildern vor Ertrinken gewarnt.

Neben der westlichen Verlängerung des Emscherwegs
auf Eppinghoven zu beenden Kühe und Kälber ihre
Mittagsruhe, sich träge erhebend auf ihrer Wiese
mit eingezäunten Apfelbäumen, vereinzelt Jogger anmuhend.
Die Siedlung mehr bevillt als bloß behaust mit gepflegten Gärten,
die, wohl durch Gala-Betriebe, eher fremdgestaltet denn eigengepflegt wirken.
Ruhig. Zum Augenblick passt sonnige relative Windstille.

Auf dem Rheindeich pfeift der Wind.
Während nördlich ein riesiges Kraftwerk den Blick bestimmt,
das Steag-Kohlewerk in Voerde-Möllen,
wühlen südlich davon und nördlich der
aktuellen Emschermündung
Bagger und Baufahrzeuge,
um die Flussmündung (2014 begonnen) nach Norden zu verlegen.

Hagelstraße 53 ist die Adresse des Baubüros,
in der nördlichen Doppelhaushälfte von 1910,
die südliche Hälfte wurde bereits abgerissen.

Die Straße heißt nach dem Hagelkreuz,
an dem früher zum Schutz vor Hagel gebetet wurde.
Das Kreuz wurde vor dem Fronleichnamstag 1935
durch Nazis geschändet, so ein Informationsschild
unweit des Hofes Emschermündung.

Rückflanierend präsentiert sich stadteinwärts
die Konrad-Adenauer-Straße östlich der
Willy-Brandt-Straße doch einfamilienhaus-
und bungalowgesäumt, kurz hinter dieser
Straßenecke durch einige Ziegen und eine
Gruppe Gänse grasbesiedelt.

Höhe des Kreisverkehrs Duisburger Straße
finden sich vorm Edith-Stein-Caritashaus
drei große Kruzifixe,
wie auch an der Fassade von St. Vincentius.

Nah dem stadthistorischen Museum Voswinckelshof
und dem Neubau des Stadtarchivs
findet sich eine alte Wasserpumpe samt
Hinweisschild auf die vor der Kanalisierung
ehedem lebenswichtigen Pumpennachbarschaften.

(Ein Gastbeitrag von GrIngo Lahr)

Elektronische Postkarte aus Koblenz

mammut_koblenz
Liebes Rheinsein,

“Coblence est jolie, vue de l’extérieur je ne puis parler de l’intérieur, car nous n’y sommes pas entrés… (*)”. Das gleiche könnte ich Ihnen berichten, denn es fehlte mir die Zeit um die Stadt genauer anzuschauen. Aus meiner Schulzeit erinnere ich mich gelesen zu haben wie Chateaubriand (**) dorthin fuhr, um sich der “Armee der Prinzen” anzuschließen und bei der Gelegenheit große Taten vollbringen zu können. Als er jedoch eintraf, war die Armee weg. Meinerseits landete ich in der Festung Ehrenbreitstein, wo ich auf Mammute stieß. Es fiel mir schwer, mein Staunen zu verbergen. Ein alter Mann näherte sich mir an und wies mich darauf hin, daß die Elephantidae selbstverständlich unecht waren, doch keineswegs fehl am Platz, denn wie ich vielleicht wüßte (was nicht der Fall war), liefen Gerüchte, welche aufgrund einer von Astronomen festgestellten verminderten Sonnenaktivität das Eintreten des Maunderminimum als so gut wie sicher prognostizierten und damit eine unvermeidliche Eiszeit, klein aber kalt.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Marcel Crépon

(*) Antonio De Beatis, Voyage du cardinal d’Aragon en Allemagne, Hollande, Belgique, France et Italie (1517-1518) – (Paris 1913)
(**) Châteaubriand, Mémoires d’Outre-Tombe, Tome II (Paris, 1975)

Rheingold (4)

ka_badisches staatstheater_rheingold

Keine Haie im Rhein

Kantonspolizei_Rhein_Plakatsujet_WiffeAn uns vorüber ging anno 2014 die Präventionskampagne der Schweizer Polizei. Um den Gefahren des Sommerlochs zu begegnen, haben wir sie für unsere Leserschaft, frisch wie am ersten Tag, aus dem Netz gefischt.

Gorinchem: eine Route voller Gefahren (2)

(…) Auch die beiden Natursteinskulpturen, von denen die heutige Fähre imgorinchem_5Gorinchemer Hafen bewillkommnet wird, standen da noch nicht herum, als Hugo de Groots Bücherkiste eintraf. Trotzdem gibt es mit diesem Befürworter der Meeresfreiheit eine gewisse Bewandtnis, wo doch die Meeresfreiheit grundlegend war für den weltweiten Aufschwung der meeresfahrenden Republik der Niederlande. Wie die Texttafel zu ihren Füssen schon vermuten lässt, sind die zwei ulkigen Figuren koreanischer Herkunft. Koreanische Orte werden traditionell von solchen Schutzgeistern vor Unheil bewahrt. Ihre Anwesenheit an der Pforte der alten Kleinstadt in der Provinz Zuid-Holland will aber nicht auf eine besondere Beziehung zu heutigen Firmen wie Hyundai, Samsung oder LG hindeuten. Die geht nämlich genau auf jene Zeit zurück, als die niederländische Seeflotte die Weltmeere beherrschte. Gorinchem ist der Geburtsort des nebst Guus Hiddink wohl berühmtesten Niederländers in Südkorea: Hendrik Hamel (1630-1692). gorinchem_6Hier ist er immer noch relativ unbekannt, in Korea aber muss man als Niederländer immer darauf gefasst sein, von neuen Bekanntschaften auf Hamel angesprochen zu werden, und auch nicht von ungefähr: Als erster hat er, wenn auch relativ ungewollt, den Westen bekannt gemacht mit dem Land, das sich im 17. Jahrhundert nach verheerenden Erfahrungen mit zuerst dem japanischen, daraufhin dem chinesischen Mandschu-Nachbar, von der Welt abgeschottet hatte.
1653 als Buchhalter des Schiffes Sperwer von Batavia, dem heutigen Djakarta, zum niederländischen Handelsposten Deshima in Japan unterwegs, musste Hamel miterleben, wie das Schiff bei schlechtem Wetter an der Felsenküste einer Insel zerschellte. Das war die koreanische Insel Jeju, den Niederländern als Quelpart bekannt, wenn auch nur zum Verproviantieren betreten. Die 36 Überlebenden der insgesamt 64 Besatzungsmitglieder wurden schon bald von koreanischen Soldaten aufgegriffen und unter Gefangenschaft gestellt, und hätten Korea eigentlich nie mehr verlassen dürfen. Im Laufe der Jahre verstarben die meisten; nur Hamel und sieben seiner Schicksalsgenossen schafften es 1666 vom heutigen Yeosu heraus die Flucht zu ergreifen, woraufhin dank japanischer Vermittlung auch sieben der acht noch in Korea Zurückgebliebenen in Freiheit gestellt wurden. Der Achte soll sich (als einziger) nicht von seiner koreanischen Ehefrau und Kindern haben trennen lassen wollen.
Die Geschichte wäre ohne Folgen geblieben, hätte nicht die niederländische Handelsgesellschaft VOC der Truppe einen ausführlichen Bericht zu ihren Erlebnissen abverlangt. Der wurde dann von Hamel erstellt, und irgendwie, eigentlich wider Willen des Auftraggebers, wurde der Text dann auch veröffentlicht. Zu beachtlichem Erfolg: Das Buch erzielte mehrere niederländische Editionen, sowie auch französische, deutsche und englische Übersetzungen. Bis ins 19. Jahrhundert war das Journael von Hendrik Hamel sogar der einzige im Westen verfügbare Text über Korea. Auch in den letzten Jahrzehnten hat es noch zwei Ausgaben gegeben: 1989 Hollanders in Korea von H.J. Van Hove, sowie 2003 die mit weit stärkeren Begleittexten ausgestattete Ausgabe De wereld van Hendrik Hamel, herausgegeben von Vibeke Roeper und Boudewijn Walraven (gleichzeitig erschien eine englische Fassung, Hamel’s World). Der Erfolg des Textes ist nachvollziehbar, ist er eben eine gelungene Mischung aus mitreißend erzähltem Erfahrungsbericht und so etwas wie anthropologischer Feldforschung, wobei die Sicht aufs exotische Land nie von christlichen Wertschätzungen benommen wird. Auch streckt dem Text zum Vorteil, dass die Schiffbrüchigen eine zeitlang am königlichen Hofe zu Seoul als Leibwächter zu dienen hatten, sich daher im Machtzentrum einigermaßen auskannten. Umso mehr, weil die Truppe dort Unterstützung fand von einem Jan Janszoon Weltevree aus De Rijp, der 1627 schon auf Quelpart von seinem Schiff hinterlassen worden war, sich dann als Waffenkundiger am Hofe emporgearbeitet hatte, den späteren schiffbrüchigen Landsleuten als Dolmetscher und Berater diente. Und wo er dem Hofe den Umgang mit Schusswaffen beibrachte, brachten Hamel und seine Männer den Koreanern das Bauen mit Zement bei.

Das Gorinchemer Museum hat, nach langer Vorbereitungszeit, erst seit diesem Jahr geöffnet, in einem späteren errichteten Haus an der genauen Stelle, wo einst Hamels Geburtshaus stand. Es erzählt mittels in Südkorea hergestellten Maquetten der jeweiligen Aufenthaltsorte im Kurzen die Geschichte von Hamel;gorinchem_7 darunter, wie in diesem Bild zu sehen, das Fort zu Yeosu, Hamels letzte koreanische Bleibe. Pro Maquette sind weiterführende Videos abzurufen. Hier im Foto sieht man links gerade einen Ausschnitt des Yeosuer Hendrik Hamel-Museum, das es noch nicht gab, als ich selber 2002 zur Vorbereitung eines Romans die Stadt besuchte. Das niederländische Museum bietet darüber hinaus noch eine Einführung zur niederländischen Schifffahrt zu Zeiten von Hamel, sowie mehrere Schenkungen aus koreanischen Museen, darunter koreanische Gebrauchsgegenstände und Töpferware, insbesondere eine recht schöne Seladonsammlung. Auch kann man sogar das Originalkonvolut des Hamel-Textes bewundern. Das Ganze wird vervollständigt von einem absonderlichen Raum für Wechselausstellungen koreanischer Künstler. Man wird aber hart dagegen anzukämpfen haben, dass Korea in den Niederlanden immer noch als eine Art Ersatz-China oder Reserve-Japan empfunden wird; bestenfalls als Heimatsort der nördlichen Kim-Dynastie oder als Auto- und Elektroniklieferant Interesse erregt. Daran hat auch die koreanische Filmindustrie oder gar Psy’s „Gangnam Style“, das nicht nur an den amerikanischen Rap, sondern auch an die traditionell koreanische Gesangkunst des P’ansori anknüpft, vorerst kaum etwas ändern können.
gorinchem_8Das breite Lächeln eines der Mitarbeiter bleibt aber als Hoffnungsschimmer. Damit endet hier vorerst auch meine Erkundung des Waals, denn Gorinchem an der Merwede fällt ohnehin schon außerhalb jenes Rahmens. Aber vielleicht regt das Lächeln noch zu weiteren Erkundungen an, entweder der Breite der Merwede entlang, oder gar rückwärtsgewandt: Übersprungenes gibt es ja immer. Man soll sich von einem Thema nicht einbetonieren lassen. Und auf weitere Gänge des tapferen “Ventjager” bin ich eh gespannt. Bis nach Korea wird er es allerdings nicht schaffen. Schade eigentlich.

Der niederländische Autor Lucas Hüsgen erkundet für rheinsein den – oder wie es heute häufiger in Gebrauch ist: die Waal, einen der niederländischen Rheinabschnitte. Diesmal stößt er in einem Zweiteiler bei Gorinchem auf Verbrechen (Teil 1) und Koreanisches (Teil 2).