Ein Grieche endet im Rhein

Chalampe-Neuenburg-SchiffbrückeSchiffsbrücke Chalampé-Neuenburg

Über die Brücken vom badischen Neuenburg ins elsässische Chalampé, weiter auf der Rheinstraße in nördlicher Richtung. Nach 9 Kilometer links ab nach Blodelsheim in die „Rue du Canal d’Alsace“ bis zur Kirche. Jetzt rechts in die „Rue de l’Église“, hier auf den Parkplatz und zum Nordeingang. Beim Betreten des Friedhofs den Blick nach rechts hinten wenden. Eine weiße Marmorplatte erinnert an ein tragisches Ereignis:

grabstein spiro sklawunos

Er kannte Deutschland gut, war in Hamburg, Leipzig und anderen Städten, arbeitete beim Frankfurter Baukonzern Philipp Holzmann, war Mitglied in einer Ortsgruppe der Deutsch-Griechischen Gesellschaft in Patras. Nach erfolgreich abgeschlossenem Ingenieurstudium an der Technischen Universität in Karlsruhe, plante er vor der Heimreise nach Hellas eine Bootsfahrt auf dem Rhein. Zusammen mit einem Freund als Begleiter, in einem Kahn stromabwärts vom Hochrhein bis nach Mainz. Über 400 Kilometer auf dem schon seit Wochen Hochwasser führenden Strom.
Doch die Reise endete jäh bei Rheinkilometer 199 vor Neuenburg. Das Boot zerbrach bei der Kollision mit der 200 Meter langen Schiffbrücke, welche hier seit 1873 über den Rhein führte. Kurz zuvor hatten sie noch die alte Eisenbahnbrücke unterquert, vielleicht abgelenkt vom imposanten Bauwerk, sahen sie die sich schnell nähernde Gefahrenstelle zu spät.
Sein Begleiter schaffte es gerade noch ans deutsche Ufer, während Spiro Sklawunos von den schäumenden Wellen verschluckt wurde.

Sechs Wochen später, am 12. September fand man am französischen Ufer bei Blodelsheim eine männliche Leiche. Vielleicht 25 bis 30 Jahre alt, eher klein. In der rechten Hosentasche eine Reichsmark und eine Uhr, sonst nichts. Da die Identität nicht feststellbar war, begrub man den Unbekannten anonym auf dem Friedhof der elsässischen Gemeinde. Erst später und nach längeren Ermittlungen konnte die griechische Familie den Verbleib des 23-jährigen klären und die letzte Ruhestätte ausfindig machen. Die Eheleute Albertine und Eugen Sitterle aus Blodelsheim pflegten dann das Grab die ganzen Jahre, obwohl sie den jungen Mann und seine Familie nicht kannten. Die Gedenktafel des Grabes wurde nach abgelaufener Ruhezeit auf Initiative von Emile Decker, einem Heimatforscher aus Blodelsheim, an der jetzigen Stelle angebracht. Die traurige Geschichte vom Neuenburger Stadtarchivar Winfried Studer veröffentlicht, der dazu schrieb:

„Die Tafel erinnert auch daran, dass eine Blodelsheimer Familie einem ihr nicht bekannten jungen Mann, der zufällig auf der Gemarkung Blodelsheim gefunden wurde, einen letzten Dienst erwiesen hat.“ Vergelt‘s Gott…! kann der Europäer da nur sagen.

(Für rheinsein zusammengestellt von Bruno Haase)


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