Auf der Rheinbrücke in Basel.

Ich stand auf hoher Brücke
Sah in die Fluth hinein;
Sie schimmerte wie Silber
Im blassen Mondenschein.

Des Rheines Wellen sangen
ein alt-bekanntes Lied;
Das klang wie Bursches Singen,
Der aus der Heimath zieht.

Die Fluthen sprachen leise
Dass ich es kaum verstand:
“Wir möchten alle wieder”
“Zurück in’s Alpenland.”

Sie flüsterten zusammen
Die Wellen klein und gross:
“Nichts gleicht der lieben Heimath”
“Dem Alpenmutterschooss.”

“Gebt uns die Wiesgelände”,
“Die fröhlich wir durchspült”,
“Die Felsenschluchten wieder”,
“Die schäumend wir durchwühlt.”

“Lasst uns zurücke fliessen”
“Zur starren Gletscherwelt:”
“Wo neben blauen Seen”
“Grün wogt das Saatenfeld.”

Sie wurden immer lauter
Und rauschten stärker fort:
“Das war ein lustig Treiben”
“Im Heimathlande dort.”

Dann schwand des Mondes Schimmer
Und ruhig floss der Rhein,
(Die Wellen sprachen nimmer)
In’s weite Land hinein.

Und mich ergriff ein Sehnen,
Nach längst entschwund’nem Glück
Gern zög ich mit den Wellen
In’s Alpenland zurück.

(Nur mit Kürzel C. L. wird der/die VerfasserIn des Gedichts angegeben, das im “Alpen-Dichter-Album”, einer ständigen Rubrik der Zeitschrift Alpenpost, Repertorium der gesammten Alpenkunde, populär-wissenschaftliche Blätter für die gebildete Welt vom 28. April 1872 zu finden ist.)


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