Catwik

Von diesem Orte komt der Rhein auf die Dörfer Valkenburg, so ein altes Schloß hat, ferner auf Morsdam und Catwick op Rhin, ein schönes Dorf anderthalb Meilen von Leyden, welches von Burgern, die von ihren Renten leben, und zu mehrerer Gemüthsberuhigung aus der Stadt gezogen sind, hingegen aber das Landleben erwehlet haben, stark bewohnet wird. Es ist mit einer schönen Kirche versehen, die in allen Unruhen verschonet geblieben und niemals, wie andern geschehen, geplündert worden.

Von Catwik op Rhin vollführt unser Rhein, der aber nunmehro, wie leicht zu erachten, keinem Strom oder schifbaren Fluß mehr gleich sieht, seinen Lauf noch ein Stük Wegs fort bis Catwik op Zee, ein Dorf in den Sandhügeln oder Dünen, ohnweit dem Gestade des Meers, drey Meilen, (einige sagen nur zwey) unterhalb Leyden, allwo er sich, eh er das Dorf erreichet, in die Dünen oder sandhügel dergestalt verkrieget und verlieret, daß man nicht sehen kan, wo er hingekommen. Folglich thut es dieser Strom heutiges Tages dem gemeinen Lauf der meisten Hauptflüsse nicht nach, wenn sich dieselben bey ihrem Ausfluß wiederum in das Meer ergiessen, aus dem sie vorher ihren Ursprung genommen haben. Inzwischen ist dieses von unserm Rheinstrom nicht zu verwundern, weil er nach so vielfältiger Abzapfung seines Wassers, so ihm nach und nach zu seinem gänzlichen Untergang gereichet, in seinem schwachen Lauf endlich fast ganz ohnmächtig wird, und sich daher auch 860. oder, nach anderer Vorgeben, 1170. und, wie die gewissesten sagen, 1360. wider die damals wütende und gewaltsam tobende See nicht beschützen konte; weswegen sein Einlauf ins Meer durch die viele ausgeworfene Sandhaufen, so die Holländer Duynen nennen, damals gänzlich verstopfet wurde.

Bey oben gedachtem Dorfe Catwik op Zee, welches von dem Meer und dessen Aufschwellen oftmals ziemlich Anstoß leidet, allwo auch unterhalb der Rhein, ehe dessen Ausfluß, wie gemeldet, ganz mit Sand verstopfet worden, in die See gelauffen, sieht man annoch ohnweit von dannen dessen äussersten Canal, den man den alten Rhein nennet. Aus diesem hatten ehemals die Herrn von Leyden auf einen Musketenschuß weit von der See, einen Graben geführt, in der Meinung, den alten Ausfluß dadurch wieder zu öfnen. Es wird aber selbiger Ort Het Mallegat oder das närrische Loch genant, weil dieser Anschlag nicht angegangen ist, indem man befunden haben soll, daß der Grund der See in selbiger Gegend höher als das Land selber gelegen sey, und zwar wegen des allda überaus vielen in dem Grund befindlichen und von Zeiten zu Zeiten zusammengehäuften Sandes. Inzwischen wollen andere behaupten, man habe vielmehr deswegen von diesem Vorhaben abgelassen, weil allzugroße Unkosten darzu erfordert worden, den Graben, welchen man durch lauter Sandberge geführet habe, für Verschüttungen zu verwahren und zu erhalten. Zwar wolllen auch noch einige andere wissen, als sey solches wegen der Stadt Amsterdam verboten worden, indem man besorget, wenn dieser Fluß wieder in seinen vorigen Gang käme, so möchte solches der Handlung selbiger Stadt zum Nachtheil gereichen. Inzwischen wird doch noch auf diesem Graben aus der See zum Salzsieden Wasser zugeführet.

(aus Dielhelm: Rheinischer Antiquarius)


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