Sennentuntschi

Der Mythenkomplex um das Sennentuntschi hat mit dem Rhein eher vage Berührungspunkte: in Dutzenden Versionen soll die Geschichte, die unter den häufig unheimlichen Überlieferungen der Alpen zu den unheimlichsten zählt, regional existieren, so auch auf den Höhen des jungen Rheins. Statt im Alpen-Sagenschatz fanden wir das Thema erstmals in Tim Krohns glarnerdütsch-kunstsprachlichem Roman Quatemberkinder und wie das Vreneli die Gletscher brünnen machte aus dem Jahr 1998, Michael Steiners Film Sennentuntschi aus dem Jahr 2010 verquickt den Horror-Mythos mit einem modernen Kriminalfall, der Film wurde in den Schweizer Kinos zum Renner. In der Identität des Sennentuntschi vermischen sich Golem, Sexpuppe und Serienkiller. In der Essenz verläuft der Mythos wie folgt: die Männer auf der Alm basteln aus sich aus Einsamkeit eine weibliche Puppe aus Alltagsgegenständen, mit der sie Schabernack treiben. Durch Zauber erwacht die Puppe zum Leben. Die Sennen vergewaltigen die Gefährtin. Aus Rache bannt das Tuntschi die Männer auf ewig auf die Alm und verbrennt oder häutet ihre Schinder, um sie selber zu Puppen auszustopfen.

tuntschi_sw Bis zum 26. Februar 2016 zeigt das Räthische Museum in Chur in einer aktuellen Sonderausstellung “das einzige echte Sennentuntschi”, eine hölzerne Puppe, die in den Siebzigern zusammen mit Hirtenamuletten aus Naturmaterialien auf einer Alp im Bündner Calancatal gefunden wurde und seit den Achtzigern zum Museumsbestand gehört.


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