Monatsarchiv für September 2015

 
 

Rheingold (3)

Brennender Rhein


Von einem Schiffsunglück mit drei Toten (andere Quellen berichten von zwei Toten), zahlreichen Verletzten und zwei gesunkenen Schiffen an der deutsch-niederländischen Grenze bei Emmerich im Jahr 1960, bei dem wie anno Null der Rhein gebrannt hat, handelt dieser Kurzfilm der Polygoons Wereldnieuws, dem niederländischen Äquivalent zur deutschen Kino-Wochenschau, auf Youtube eingestellt vom Nederlands Instituut voor Beeld en Geluid (Institut für Bild und Ton) in Hilversum, das die Bild- und Schallausstrahlungen der öffentlich-rechtlichen Sender der Niederlande komplett archiviert. Das Unglück wurde seinerzeit als das schlimmste der gesamten Rheinschifffahrtsgeschichte betrachtet, insgesamt sollen ein Dutzend Schiffe kollidiert sein und zehn davon gebrannt haben.

Duisburg (2)

duisburg_rhein Zu den ausuferndsten unterirdischen Rheinpanoramen der Welt dürften diejenigen der U-Bahnstation Meiderich zählen

Auch oberirdisch kommt das Flußmotiv in Duisburg zur Geltung

Industrieanlage unter Leichentuchhimmel: Hochöfen der Kokerei Schwelgern

Die Pyramide von Duisburg samt Anschlußbügel für Fahrradtouristen

Urbane Kuh beim Spaziergang über die Dächer der Innenstadt

Lokales, lokalpatriotisches Schnellrestaurant

Filiale eines weiteren lokalen Schnellrestaurants

Innenhafen Duisburg

Schwanentor mit Landesarchiv: kein Schwan weit und breit

Am Innenhafen, der auf einem ehemaligen Rheinarm liegt, zieht sich am einen Ufer die historische Stadtmauer, am anderen eine massive Reihe mehrstöckiger neuer Gebäude entlang, nebst der Schwanentorbrücke, einer Hubbrücke, verbindet eine graziöse Fußgängerbrücke die Ufer. Gerade findet ein Volksfest statt, dessen Attraktionen (kleine Aktionszelte, Bratwurst- und Kibbelingstände) tausende Besucher, Familien, locken, dieweil die restliche Stadt an einem Sonntagmittag, mit Ausnahme muslimischer Nachbarschaften, an einem ausgewachsenen Kollektivkater zu laborieren scheint.

Direkt hinter dem WDR-Gebäude in einer Unterführung angepinselt: das WDR-Gebäude

WDR, Landesarchiv, Museen, Büros und wohl auch Wohneinheiten stehen auf einer Meile am Hafenbecken zusammengefaßt, in dem nurmehr Miniyachten ankern. Zentral gelegen, aufgewertet, steht der Innenhafen als Monument für Neuanfang, Kostenexplosion und Korruptionsverdacht. Als pflanzten sich die ehemals alleinherrschenden Industriebauten nun in klinischen Arbeits- und Freizeitklötzen fort.

Die Salvatorkirche bei einer gespreizten Spiegelübung

Wie die Mücke im Bernstein: ausgedienter Ladekran in Bürofassade

Waljagd im Duisburger Hafen

nowottny_waljagd ruhrort

Dramatische Jagdszene: im Mai diesen Jahres reinszenierte Michael Nowottny Vorkommnisse um den Beluga, der 1966 den Rhein besuchte, im Duisburger Hafen. Am Bug eines modernen Walfängers positioniert: ein antiquiert wirkender Bogenschütze, der an Harpunier Queequeg und Captain Ahab von der Pequod erinnert. Das Beiboot ähnelt dem Motorboot, auf dem Dr. Gewalt in James Bond-Manier mit Pistole posierte, bis er aus einem von Naturschützern eigens gemieteten Luftschiff mit Apfelsinen torpediert wurde. Der Luftangriff bleibt auf dem Foto ausgespart, die verfilmte und mit Soundtrack versehene Jagd wurde in der zweiten Maihälfte ab Sonnenuntergang auf dem Steuerhaus des Kohle-Schleppkahns Fendel 147 im Duisburger Schimanski-Viertel Ruhrort als Videoinstallation projiziert.

Moby Dick (3)

Moby Dick durchschwimmt die Unterführung am Duisburger Schwanentor. Ein straßenkünstlerischer Rückblick auf das Jahr 1966. Von den rheinischen Städten, die ein im Rhein verirrter Beluga seinerzeit passierte, pflegt insbesondere Duisburg die Erinnerung. Im Frühjahr hatte der Kölner Künstler Michael Nowottny eine Waljagd im Ruhrorter Hafen inszeniert. Der Duisburger Künstler Jörg Mazur widmet sich seit Jahren dem damaligen Walbesuch und hat neben mehreren Skulpturen eine Website erarbeitet, mit dem Ziel dem weißen Wal ein dauerhaftes Denkmal zu errichten.

Duisburg-Marxloh (2)

Bundesweit bekannt ist die 2008 im osmanischen Stil mit mehreren Rundkuppeln erbaute DITIB-Merkez-Moschee, die zu den größten Deutschlands zählt. Von der Landespolitik wird das Gotteshaus für seine “gute Integrationsarbeit” gelobt. Beim Fotografieren der Fassade ernten wir auf unseren Gruß nur desinteressierte bis abweisende Blicke der Männer im Hof. Eine Ecke weiter springt fröhlich eine Schar kleiner mit Kopftüchern bekleideter Mädchen herum. Das Kopftuch als Ausdruck muslimischer Identität ist im Viertel deutlich präsent.

34 Meter Höhe erreicht das Minarett. Das Ensemble rundet, mit weiteren architektonischen Highlights wie den Industriegebäuden und der katholischen Kirche, erstaunlich organisch das Reihenhaus-Einerlei des Viertels. Auf dem Innenhof der Moschee steht ein Koranvers auch auf Deutsch angekachelt, der von der Notwendigkeit rechtmäßigen Glaubens handelt.

Einige Moscheefenster spiegeln variantenreich den 75 Meter hohen Turm der kaum minder beachtenswerten katholischen Pfarrkirche St. Peter. Eine enorme Brachfläche dümpelt zwischen beiden Gotteshäusern. Dieweil die Glocken von St. Peter zum Gottesdienst schlagen, verzichtet die Moschee auf den öffentlichen Gebetsruf des Muezzins.