Durch den Breisgau

tour_weizengrün vs weingrünWeizengrün, maisgrün, weingrün, apfelgrün, weidengrün, brennnesselgrün, spargelgrün, zwiebelgrün, sogar ein wenig tabakgrün, insgesamt ganz übermäßig grün unter Azurhimmeln, in die mit Bedacht flauschige Wölkchen gesetzt wurden, fläzt sich, von freundlichen Junisonnen beleuchtet, der Breisgau ins Oberrheintal. Vereinzelte rote Tupfer stammen von Erdbeeren, Süßkirschen, Klatschmohn, an den Rändern der ans tolkiensche Auenland gemahnenden Landschaft harren in tiefblauer Wartestellung die Kurven des Schwarzwalds und der Vogesen. Schallstadt trägt seinen Namen aufgrund der B3 und der samstagmorgendlich den Hausumschwung kärchenden Einwohnerschaft. Entlang der B3 plädieren Schallstadts Einwohner für eine Umgehungsstraße, Schallstadts Einwohner entlang der möglichen Umgehungsstraße plädieren dagegen. Wir radelten schnell durch den auf unangenehme Weise schallenden Ort und auf dem Rückweg lieber daran vorbei. Auch Bad Krozingen querten wir schnellstmöglich, es zog uns hinaus in die Natur, mit ihren ländlichen Eigenheiten und Menschen. Suizidäre Weinbergschnecken schnurten übers Pflaster, von Böschung zu Böschung katapultierte Wiesel in haargesträubter Felligkeit, die Lufthoheit lag bei den von einer frustrierten Vogelwelt angezwitscherten Insekten. Von Offenburg her zogen Kolonnen knatternder Quads überland. Unweit des Dörfchens Tunsel stießen

wir auf ideenreiche und lebensfrohe Nutzungsvorschläge für üblicherweise eher vernachlässigte Orte des öffentlichen Raums; neben Gratisumarmungen waren auch Farbtestverabredungen im Angebot, versehen mit dem südbadischen Gütesiegel “Wir werden siegen!”. Je weiter wir in die Gegend vordrangen, desto stärker wehte Geruch überhitzter Erdbeeren in unsere Nase und verwirrte die Sinne. Von märchenhaft anmutenden Passanten in Gummistiefeln ließen wir uns den mehrfach verlorenen Weg erklären. In ihrem Idiom gerann unserer pluralis modestiae zur dritten Person Singular Neutrum, derart neutralisiert gingen wir vollends in der zu durchtreppelnden Umgebung auf, bis ungefähr bei Bremgarten knallharte politische Dichtung (“Bauern fordern es mit Mut / Deckel auf der Bahn ist gut” etc), auf großen Bannern am Straßenrand angebracht, uns in die Echtwelt zurückrief. Sofort witterten wir Zusammenhänge mit dem nahen Hartheim, dessen jugendkulturelles Rödelreim-Projekt dereinst mit alemannischem Bauernrap für überregionales Aufsehen gesorgt hatte.


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