Schaftobelfall

schaftobelfall_lmDer Schaftobelfall, pittoresk stürzender Bestandteil des Schaftobelbachs, eines Nebenflußes der Albula, die als Quellarm des Rheins heuer kaum mehr Beachtung findet. Ein Lehrschild zu Füßen des Sturzes klärt über Wasserfälle als Fischgrenzen auf: “Zwar können einige Fischarten kleine Stufen und Schiessstrecken noch überwinden, aber Wasserfälle mit einer Fallhöhe von drei Metern und mehr lassen auch für den Wildlachs keine Wanderung mehr zu. Der einzige Fisch, der eine solche natürliche Barriere umgehen kann, ist der Aal. Aber auch er kann nur Fälle mit optimalen Bedingungen überwinden, so etwa den Rheinfall.” Hier widerspricht die moderne Lehrmeinung dem großen Kosmografen Sebastian Münster, der steif und fest über den Rheinfall behauptet hatte, “es mögen auch keine Fisch die Höhe dieser Felsen übersteigen, wann sie noch so lange krumme zeen hätten, wie das Mörthier Rosmarus oder Mors genannt”. Der Lehrtext endet in bestechender Logik: “Wenn in einem Gewässer also Fische oberhalb eines Wasserfalls vorkommen, so müssen sie entweder schon vor der Entstehung des Falles dort heimisch gewesen, oder durch den Menschen dorthin gebracht worden sein. Beispiele dazu lassen sich in verschiedenen alpinen und voralpinen Fliessgewässern finden, wo regelmässig Fischeinsätze durchgeführt werden”. Eine recht anthropozentrische Beweisführung, die völlig außer Acht läßt, daß Fische von anderen Tieren in die Höhe transportiert werden könnten, oder (als Quasibeiheftung des Wasserkreislaufs als ichthyöser Regen bzw als schlichtes sterntalerartiges Wunder, das aus dem Himmel fällt) aus der Höhe selbst darniederkommen könnten. (Bild: Lutz Mittler)


Stichworte:
 
 
 

Kommentar abgeben: