Leuchttürme des Rheins: der „Harte Gustav“ zu Hartheim

Hartheim, ein kleines Fischerdorf am weitläufigen Delta des jungerwachsenen Stroms. Endlos die Verzweigungen, Verschachtelungen, Irr- und Abwege des Gewässers. Tümpel, kleine Seen, Wasserlöcher, manche Sackgassen, manche gefährliche Fallen für Fahrensmann und Binnenschiffer…

Wie wichtig, dem schmucken Schiff den Weg zu weisen, die Fahrrinne im Hauptstrom, dem schiffbaren, zu weisen –

Diesen so essentiellen Dienst leistet der „Harte Gustav“ zu Hartheim am Rhein.

Mächtig steht dessen gewaltiger Turm am Eingang der Hartheimer Gemarkung.

Wichtiger noch als heute, in diesen unseren aufgeklärten, ja fast entzauberten Tagen, war es in unvordenklicher Vergangenheit – als allerlei Tückebolde, Zwerge, Kobolde, Ghoule, Untote und halblebiges Diebesgesindel, auf Beutezug nach Gold, Gut und Fleisch vom lebenden Menschen versuchten, den unbedarften Schiffer ins Verderben zu locken –

Manch Skelett gab durch dunkle Künste die blondgelockte nackerte Loreley und lief dem Käpt’n am Steuerruder vor sein Fernglas – auf dass er geraden Kurs aufgab und mit Mann und Schiff ins Verderben lief…

Mag sein, dass das Miasma aus Fäulnis, Sumpf und uralten Gräbern am Rand des Stroms die Machenschaften des Halb- und Ganztotenreiches die Handreichungen wider geordnetes Schifffahrtswesen bestärkten –

Allein, der mächtige Markgraf Sulzhardt sah dem unheiligen Treiben lange Zeit von seiner Sulzburg aus zu, sprach dann ein entschlossenes „Samen Aleikum!“, was in der Markgräfler Mundart so viel bedeutet wie „Nu isch aba gudd!“, erhöhte zweckgebunden Steuer, Zins und Abgaben und ließ am Eingang der Gemarkung den gewaltigen „Harten Gustav“ errichten, „Gustav“ für seinen Urgroßvater, dem zu Ehren, „Hart“ wegen des Flurnamens und der Entschlossenheit, alles an Schindluderei und unheiliger Halblebigkeit auszutilgen.

So kam es und heuer leuchtet es…

(Ein Gastbeitrag und elfter Teil der Exklusivserie “Leuchttürme des Rheins” von Bdolf. rheinsein dankt!)


Stichworte:
 
 
 

Kommentar abgeben: