Rhein-Meditation (3)


“Der Rhein entspringt einer Szenerie aus Wasser und Fels, die dem weiblichen und männlichen Prinzip entsprechen. Darüber schwebt der Himmel, das All, das Göttliche. Anstatt als permanente Geburtsakte ließen sich die Rheinursprünge auch als permanente Zeugungsakte betrachten. Die Römer personifizierten den Rhein als Flussgott Rhenus, mit dem Beinamen bicornus, was „der Zweigehörnte“ bedeutet. Ob damit die Quell- oder die Deltaarme oder eine ungewisse Vaterschaft angesprochen waren, ist nachrangig, weil die Deutungsmöglichkeiten für sich stehen. Ob nun Zeugung oder Geburt, als Synonyme für den Lebensursprung, klar wird: je mehr Klarheit der Forscher sucht, desto komplexer fallen seine Antworten aus. Es gibt nicht, nicht auf Erden, diesen einen Punkt, an dem alles entspringt; wie die Idee des Huhns dem Ei, ist die Idee des Eis dem Huhn immanent. Doch bekanntermaßen entdeckt sich das Huhn erstmals selbst bei einer wilden Schlacht im Zauberspiegel ausgelaufener roher Eier.”

Stan Lafleur: Rhein-Meditation, Edition 12 Farben, rhein wörtlich, Köln 2014/2015
112 Seiten, 13,5 x 20 cm, Klappenbroschur, 12 Euro
ISBN 978-3-943182-09-5

Die Rhein-Meditation läßt sich über das Kontaktformular bei rhein wörtlich oder über den Buchhandel bestellen. Ab April sind weitere Lesungen entlang der Rheinschiene geplant.


Stichworte:
 
 
 

Kommentar abgeben: