Notizen von unterwegs (3)

Als gescheitert betrachten dürfen wir den ersten zaghaften Ansatz einer Meditation nach der Meditation. Zu frostig das Februarwochenende, zu hoch das Aufkommen von Menschen und Hunden am Niehler Ufer. Auffallend viele fotografierende Frauen waren unter den Passanten. Im Nachmittagslicht überlagerten sich dem kölnischen Grün eindeutig irische Farben. Während wir überlegten, was das eine (Irland) mit dem anderen (Köln) gemein haben könnte, z.B. ob die vorübergehende Überlagerung zweier geografischer Fänomene, die eher wenig miteinander zu schaffen haben, als typisch für die Postmoderne angesehen werden könnte, riefen Möwen und Krähen vereinzelte Statements, als beabsichtigten sie in einem großteils von Rechthaberei und Sturköpfigkeit geprägten Disput ihre Dialekte abzugleichen. Wir ließen uns auf einem Steinbrocken nächst einer Hochwasserlache nieder. Das Eis auf der Pfütze glich einer zersplitterten Fensterscheibe. Ringsum bedeckten kleine Schneekuppen das niedergedrückte Ufergras. Erstaunlich wenig Müll lag herum, das Hochwasser dürfte ihn ins Meer mitgenommen haben. Ein wenig erwärmender Gedanke. Alles war fahl, kühl, kalt, der Dom machte in Sichtweite einen suizidären Eindruck, als wolle er sich demnächst ins Wasser stürzen. Wir machten uns Gedanken über einen möglichen Rückstau des Flußes, sollte der Dom sein Vorhaben verwirklichen, als mehrere Frauen, ihre Kameras gezückt, in mittlerem Abstand verharrten: offenbar mit der Absicht, aber ohne rechte Traute, uns zu fotografieren. Unvermittelt rückten wir uns in Position, die alte Eitelkeit. Die Frauen ihrerseits wirkten wie hingestellt, ein eingefrorener Moment, der Unbehagen verursachte. Schließlich kramten wir unsere Kamera aus dem Rucksack hervor und fotografierten die Frauen, die, sobald sie unsere Initiative bemerkten, sich in die Landschaft zurückzogen. Die allgemeine Kälte war nun doppelt spürbar. Wir standen auf, brauchten Bewegung. Verspürten Lust auf eine andere, blühendere Jahreszeit. Erinnerten den Kommentar einer Leserin, der von einer Schweine-Meditation berichtete. Die verläuft folgendermaßen: der Meditierende plaziert sich am Rande eines Kobens voller Schweine aller Konfektionsgrößen. Im Koben herrscht mal Ruhe, mal Gedrängel. Indem er das Durcheinander der Körperteile beschaut, dem Gegrunze und Gequietsche lauscht, gewinnt der Meditierende einen Aufblick auf sein Leben, seine Familie, sein Eingezwängtsein im Alltag, in seiner Wohnung, seinem Job. So stellten wir uns das jedenfalls vor, indem wir stehenden Fußes, erschreckend plastisch, allerdings geruchsneutral einen Koben voller Schweine imaginierten. Immerhin mochte  unsere mißglückte Post-Rhein-Meditation nun von einer fiktionalen Schweine-Schnell-Meditation abgelöst worden sein, Befriedigung und Ausgeglichenheit waren der Situation jedoch nicht abzugewinnen. Also schossen wir noch ein paar leidlich motivierte Möwenbilder, portraitierten schon etwas ernsthafter eine Krähe, welche sich die gesamte Zeit auf einem Kilometrierungsstein in die Brust geworfen hatte und machten uns mit einem Anflug klassischer Schwermut vom Acker, mit dem Vorsatz, ihn am ersten wärmeren Tag, dann aber in der Frühdämmerung wieder aufzusuchen.


Stichworte:
 
 
 

Kommentar abgeben: