Monatsarchiv für Februar 2015

 
 

Presserückschau (Februar 2015)

1
Mensch vs. Tier: “Im Kampf gegen die Mücken am Oberrhein wollen die Schnakenjäger demnächst auch eine ferngesteuerte “Drohne” einsetzen – wenn die Behörden grünes Licht geben. Das Fluggerät solle bei der Bekämpfung auf kleineren Flächen wie Regenrückhaltebecken verwendet werden und in diesen Fällen Flüge mit dem Hubschrauber überflüssig machen.” (morgenweb.de) Allerdings steht die Bewilligung noch aus: laut behördlichen Vorschriften dürfen Drohnen nicht schwerer als 25 Kilogramm sein. Die Kabs (Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage) möchte jedoch ein Fluggerät einsetzen, das 60 Kilo Kampfmittel tragen kann.

2
Mensch vs. Tier (2): Unter der boulevarddadaistischen Überschrift “Ein neues WALzeichen fürs Revier” berichtet BILD von einer geplanten Skulptur, die rund 50 Jahre nach seinem Besuch an den Belugawal im Rhein erinnern soll und ergeht sich in weiteren Wortspielen: “Walkommen, Rhineheart: Dem weißen Wal, der 1966 vor den Ufern Duisburgs gesichtet worden war, will der Oberhausener Künstler Jörg Mazur jetzt ein Denkmal setzen.” Die Aufstellung der Stahlskulptur soll via Crowdfunding finanziell abgesichert werden und laut Mazur daran erinnern, daß das Auftauchen des Wals das Umweltschutzgesetz zur Renaturierung des Rheins ausgelöst habe: “Reinhart heißt nicht nur mein Vater, es bedeutet auch ,weiser Ratgeber‘ – und auf englisch wird es zum Herzen des Rheins…”

3
Abyss: “Von der Rheinbrücke bei Rees sind zwei junge Leute (…) in die Tiefe gestürzt. Sie hatten Glück: Beide landeten nicht im Fluss, sondern etwa vier Meter tiefer auf einem Vorsprung. Die jungen Leute mussten mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. (…) Zum genauen Unfallhergang konnte die Polizei zunächst keine Angaben machen.”(Rheinische Post)

4
Noch ein Sturz: “Auf einem Tankschiff im Rhein ist (…) der Kapitän ums Leben gekommen. (…) Der 54-Jährige war in einen drei Meter tiefen Tank gestürzt, der Benzol enthalten hatte. Das Schiff lag in Höhe des Worringer Hafens vor Anker.” (Kölner Stadt-Anzeiger) Unklar war zunächst, ob der Niederländer an den Sturzfolgen oder an Giftdämpfen gestorben ist. In einer ersten Meldung hatte es geheißen, das Schiff sei bei Dormagen auf dem Rhein getrieben.

5
Mensch vs. Tier (3): “Platzverweis für Tiger in Not” war eine Woche vor Beginn des Straßenkarnevals eine Kölner Polizeimeldung überschrieben, die das Boulevardblatt EXPRESS als Steilvorlage aufnahm: “Über Notruf 110 wurde (…) ein hilfloser Tiger am Rheinufer gemeldet. Erwartungsvoll und mit Unterstützung der Feuerwehr näherten sich die Polizisten vorsichtig dem Einsatzort. Doch statt tierischer Laute klang betrunkenes Rufen entgegen… (…) Ein Jeck im Tigerkostüm hatte nachts auf seiner Trommel gespielt, als plötzlich ein Drumstick den Abflug machte. Katzenartig sprang er hinterher, kam aber die Böschung nicht wieder hochgekraxelt. Um sein Kiesbett herum strömte der Rhein. (…) Der Tiger soll nicht gefaucht haben…”

6
Maximallängentourismus: “Flusskreuzfahrten im „Fünf-Sterne Segment“ bietet laut Duisburg-Marketing (DMG) der Anbieter Scenic Cruises, der ausschließlich Gäste aus dem angelsächsischen Sprachgebiet (Australien, Kanada, USA, Großbritannien) an Bord habet. Die luxuriösen Schiffen tragen allesamt Namen von Edelsteinen (Jewel, Pearl, Diamond oder Jade) und sind 15 Tage auf der „Romantic Rhine & Moselle River Cruise“ von der Schweiz bis nach Amsterdam und entgegengesetzt auf Tour. Die Schiffe für die Kreuzfahrt auf Rhein und Mosel sind zwischen 2009 und 2015 erbaut worden, jeweils 135 Meter lang (die erlaubte Maximallänge auf dem Rhein) und haben drei Decks, zudem Lounges, Bars und Restaurants. Die Schiffe bieten 169 Passagieren Platz – viel Platz.” (Der Westen)

7
Kein Zustand: “Der Oberbürgermeister von Bingen Thomas Feser spricht sich für den Bau einer weiteren Rheinbrücke aus. Diese soll Bingen mit Rüdesheim verbinden. Feser reagiert damit auf das aktuelle Verkehrschaos rund um die Schiersteiner Brücke. Es sei kein Zustand, dass der Rhein im 21. Jahrhundert eine Grenze darstelle, die man nicht überwinden könne. (…) Auch eine Mautbrücke hält Feser nicht für ausgeschlossen. Kritik übte der Binger Oberbürgermeister an Umweltschützern, die sich gegen den Bau aussprechen. Er sei davon überzeugt, dass Flora und Fauna sich sehr schnell auf Veränderungen einstellen könnten.” (SWR)

Kölner Dom (6)

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Vor gut anderthalb Jahren haben wir Johannes Schröers Dombilder auf rheinsein vorgestellt. Vergangenen Herbst gab es die erste Ausstellung in einem Kölner Frisiersalon, begleitet von einem Interview im Kölner Stadt-Anzeiger. Schröer fotografiert weiterhin beinahe täglich den Dom, Kölns Sakralgebirge, und gewinnt dem Bau und seiner Umgebung immer wieder neue und erstaunliche Perspektiven ab. Wir zeigen in loser Folge ausgewählte Motive aus Schröers Dombetrachtungen und danken dem Fotografen fürs freundliche Überlassen des Bildmaterials.

Wispertal und Loreley

“Adelheid war die liebenswürdigste Wirtin, die Gäste in der besten Laune, und so fragt sich’s, ob die Kammermühle im Wisperthal je wieder eine fröhlichere, poetischere Gesellschaft unter ihrem Dache beherbergt hat. Aber der Abend sollte allem erst noch die Krone aufsetzen. Von Lorch aus fuhr die Gesellschaft, der sich auch Adelheid angeschlossen, im Nachen stromunter. Es war einer der heißesten Tage dieses heißen Sommers gewesen, und nun sank die Sonne in einem Glutmeer von unbeschreiblicher Pracht. Himmel, Berg und Strom, der Nachen und die Menschen drin, die Tropfen, die von den Hudern fielen, alles war eitel Purpur; dahin glitt der Kahn durch die goldne Herrlichkeit, und in andachtsvoller Stille schauten alle hinein. Dann aber machte sich die Begeisterung in lautem Jubel und Gesang Luft. Die Dichter wurden aufgefordert, zu Ehren des unvergleichlichen Abends etwas zu improvisieren und diesem Wunsche wurde auch bereitwillig entsprochen, und Longfellow begann, worauf F. fortfuhr: Die Gläser klangen, und „hoch, hoch!” tönte es von der Lurlei nieder, deren riesige schwarze Masse jetzt über dem kleinen Boote ragte, und da die goldige Beleuchtung längst erloschen war und der mächtige Fels einen unheimlichen Schatten auf den Strom warf, so ergriff es manch zaghaftes Herz im Boote, wenn auch nicht mit „wildem Weh,” so doch mit stillen Grauen. Fest hielt Frau Ida die Hand ihres Gatten, denn für ihn fürchtete sie die Tücke der Lurlei. Aber unbeschädigt stiegen sie alle in St. Goar ans Land, und unvergeßlich blieb ihnen der Tag.“

(Ida Freiligrath über einen Dichterausflug Mitte des 19. Jahrhunderts mit ihrem Mann Ferdinand und dem amerikanischen Gast Longfellow im Nachen rheinab. Diegleiche Passage bereisten wir im Oktober vergangenen Jahres, weniger dichterisch umgeben und abenteuerlich, doch bietet die berühmte Strecke bis heute prägnante, bleibende Eindrücke.)

Rheinmöwen (5)

Anflug auf Köln

Digital StillCamera Check-in, Altstadt Köln

Leuchttürme des Rheins: das Große Delta

Nördlich des Rheinknies windet sich der gewaltige Strom durch ein wildes, fast grenzenloses Delta, bei genauer Betrachtung zieht es sich bis weit hinter den Zusammenfluss mit dem Neckar, wenn sich bald das vereinigte Paar Rhein und Neckar durch die felsigen Klüfte und Abgründe Rheinhessens windet…
Kundige erinnern sich, der geniale Konstrukteur und Ingenieur Tulla habe in der markgräflichen Gewerbeakademie zu Mannheim einen Entwurf erarbeitet, den Fluss nördlich des Rheinknies bis weit hinter die markgräfliche Residenzstadt in ein künstliches Bett zu zwingen, einerseits wegen besserer Beschiffbarkeit, andererseits um weitere Flächen für Bevölkerung, Landwirtschaft, Industrie und allgemeines Gewerbe zu gewinnen – allein, ein unglücklicher Ehrenhändel, der im Tod des genialen Konstrukteurs ausging, habe das kühne Projekt verhindert – bis heute wagte sich niemand mehr an eine derartige Herausforderung…
Ein Weniges hinter dem Rheinknie sitzt der Pralle Hans-Erwin, der erste einer langen Reihe mächtiger Leuchttürme, die, aufgereiht wie eine Perlenschnur, die mäandrierende Fahrrinne ausweisen und sowohl dem Fracht- wie dem Personenschiffer den Weg weisen, im Besonderen zur Nacht, wenn die Orientierung im konfusen Delta sonst praktisch unmöglich –
Das nächste Schifffahrtszeichen ist dem weiblichen Geschlechte gewidmet – die Dulle Greet steht in einer Entfernung, die den Austausch lichttelegraphischer Zeichen ermöglicht, ein weiterer Gewinn neben dem alleinigen Stromverkehre –
Die Leuchttürme sind mit einem auffälligen Gewirr dicker und dickster elektrischer Stränge verbunden, muss doch die Elektrizität im Historischen Kraftwerk zu Rheinfelden-Lauffenburg gewonnen werden und vermittels Überlandleitung an ihren Einsatzort transportiert werden, am Prallen Hans-Erwin wird sie eingespeist und in der Folge von Turm zu Turm weitergereicht.
Stromabwärts reihen sich in sinnfälliger Folge der Fidele Hanspeter; der Lässige Kasper; die Grüne Minna; der Heilige Sei-Bei-Uns; der Helle Gunki; die Fette Metze; der Horige Hudeli; und am Ende der Stromtrasse Fidelia mit den breiten Schenkeln; dort sind wir schon auf Höhe Hardtheims – aber das ist eine andere Geschichte…

(Ein Gastbeitrag und zehnter Teil der Exklusivserie “Leuchttürme des Rheins” von Bdolf. rheinsein dankt!)

Kleine Trilogie vom Niehler Ufer

Kaiserlich deutscher Humor

rheinfall_Abschiedvostellung_kladderadatsch1870 Napoleon III. und sein Sohn Lulu überqueren den Rheinfall (Karikatur aus dem Kladderadatsch vom 7. August 1870 anläßlich des Deutsch-Französischen Krieges)

Von unten auf!

Ein Dämpfer kam von Bieberich: – stolz war die Furche, die er zog!
Er qualmt’ und räderte zu Thal, daß rechts und links die Brandung flog!
Von Wimpeln und von Flaggen voll, schoß er hinab keck und erfreut:
Den König, der in Preußen herrscht, nach seiner Rheinburg trug er heut!

Die Sonne schien wie lauter Gold! Auftauchte schimmernd Stadt um Stadt!
Der Rhein war wie ein Spiegel schier, und das Verdeck war blank und glatt!
Die Dielen blitzten frisch gebohnt, und auf den schmalen her und hin
Vergnügten Auges wandelten der König und die Königin!

Nach allen Seiten schaut’ umher und winkte das erhabne Paar;
Des Rheingau’s Reben grüßten sie und auch dein Nußlaub, Sankt Goar!
Sie sahn zu Rhein, sie sahn zu Berg: – wie war das Schifflein doch so nett!
Es ging sich auf den Dielen fast, als wie auf Sanssouci’s Parket!

Doch unter all der Nettigkeit und unter all der schwimmenden Pracht,
Da frißt und flammt das Element, das sie von dannen schießen macht;
Da schafft in Ruß und Feuersgluth, der dieses Glanzes Seele ist;
Da steht und schürt und ordnet er – der Proletarier-Maschinist!

Da draußen lacht und grünt die Welt, da draußen blitzt und rauscht der Rhein –
Er stiert den lieben langen Tag in seine Flammen nur hinein!
Im wollnen Hemde, halbernackt, vor seiner Esse muß er steh’n,
Derweil ein König über ihm einschlürft der Berge freies Weh’n!

Jetzt ist der Ofen zugekeilt, und Alles geht und Alles paßt;
So gönnt er auf Minuten denn sich eine kurze Sklavenrast.
Mit halbem Leibe taucht er auf aus seinem lodernden Versteck;
In seiner Fallthür steht er da, und überschaut sich das Verdeck.

Das glüh’nde Eisen in der Hand, Antlitz und Arme roth erhitzt,
Mit der gewölbten haar`gen Brust auf das Geländer breit gestützt –
So läßt er schweifen seinen Blick, so murrt er leis dem Fürsten zu:
“Wie mahnt dies Boot mich an den Staat! Licht auf den Höhen wandelst Du!

Tief unten aber, in der Nacht und in der Arbeit dunkelm Schoos,
Tief unten, von der Noth gespornt, da schür’ und schmied’ ich mir mein Loos
Nicht meines nur, auch Deines, Herr! Wer hält die Räder Dir im Takt,
Wenn nicht mit schwielenharter Faust der Heizer seine Eisen packt?

Du bist viel weniger ein Zeus, als ich, 0 König, ein Titan!
Beherrsch’ ich nicht, auf dem Du gehst, den allzeit kochenden Vulkan?
Es liegt an mir; – Ein Ruck von mir, ein Schlag von mir zu dieser Frist,
Und siehe, das Gebäude stürzt, von welchem Du die Spitze bist!

Der Boden birst, aufschlägt die Gluth und sprengt Dich krachend in die Luft!
Wir aber steigen feuerfest aufwärts an’s Licht aus unsrer Gruft!
Wir sind die Kraft! Wir hämmern jung das alte morsche Ding, den Staat,
Die wir von Gottes Zorne sind bis jetzt das Proletariat!

Dann schreit’ ich jauchzend durch die Welt! Auf meinen Schultern, stark und breit
Ein neuer Sankt Christophorus, trag’ ich den Christ der neuen Zeit!
Ich bin der Riese, der nicht wankt! Ich bin’s, durch den zum Siegesfest
Ueber den tosenden Strom der Zeit der Heiland Geist sich tragen läßt!”

So hat in seinen krausen Bart der grollende Cyklop gemurrt;
Dann geht er wieder an sein Werk, nimmt sein Geschirr, und stocht und purrt.
Die Hebel knirschen auf und ab, die Flamme strahlt ihm in’s Gesicht,
Der Dampf rumort; – er aber sagt: „Heut, zornig Element noch nicht!’

Der bunte Dämpfer unterdeß legt vor Kapellen zischend an;
Sechsspännig fährt die Majestät den jungen Stolzenfels hinan.
Der Heizer auch blickt auf zur Burg; von seinen Flammen nur behorcht,
Lacht er: “Ei, wie man immer doch für künftige Ruinen sorgt!”

(Ferdinand Freiligrath)

Protest

Solang ich noch ein Protestant,
Will ich auch protestieren,
Und jeder deutsche Musikant
Soll’s weiter musizieren!
Singt alle Welt: Der freie Rhein!
So sing doch ich: Ihr Herren, nein!
Der Rhein, der Rhein könnt freier sein -
So will ich protestieren.

Kaum war die Taufe abgetan,
Ich kroch noch auf den Vieren,
Da fing ich schon voll Glaubens an,
Mit Macht zu protestieren,
Und protestiere fort und fort,
O Wort, o Wind, o Wind, o Wort,
O selig sind, die hier und dort,
Die ewig protestieren.

Nur eins ist not, dran halt ich fest
Und will es nit verlieren,
Das ist mein christlicher Protest,
Mein christlich Protestieren.
Was geht mich all das Wasser an
Vom Rheine bis zum Ozean?
Sind keine freien Männer dran,
So will ich protestieren.

Von nun an bis in Ewigkeit
Soll euch der Name zieren:
Solang ihr Protestanten seid,
Müßt ihr auch protestieren.
Und singt die Welt: Der freie Rhein!
So singet: Ach! Ihr Herren, nein!
Der Rhein, der Rhein könnt freier sein
Wir müssen protestieren.

(Georg Herwegh: Gedichte eines Lebendigen, 1841)

C. G. Jung bringt den Rhein ins Spiel

„Symbole sind schon vor dem Bewußtsein da. Das ist der Grund, warum wir uns unserer eigenen Riten zutiefst unbewußt sind. Viele von ihnen sind unerklärlich. Ist jemand hier, der mir eine befriedigende Erklärung für unseren Weihnachtsbaum geben könnte? Nehmen wir an, ein Chinese käme vorbei und fragte Sie, was er bedeutet. Sie würden sagen: «Es ist zum Gedenken an den Tag, an dem unser Erlöser geboren wurde.» – «Aber ist das in Ihren heiligen Büchern vorgeschrieben? Gibt es irgendeinen Beleg, daß in einem Stall in Bethlehem ein solcher Baum war?» Wir sind genauso dumpf und dumm wie der Primitive, der die aufgehende Sonne begrüßt.
In meiner Heimatstadt Basel kommen jedes Jahr am 13. Januar drei maskierte Tänzer, ein Vogel Greif, ein Löwe und ein wilder Mann, auf einem Floß den Rhein heruntergefahren; sie legen an und tanzen in der Stadt umher, und niemand weiß warum. Das ist eine wunderliche Sache in einer modernen Stadt. Derartiges ist früher als der Verstand und das Bewußtsein entstanden. Am Anfang war die Tat, und erst später entwickelten die Menschen Meinungen darüber oder ein Dogma, eine Erklärung für ihr Tun.“
(C. G. Jung, Gesammelte Werke: Traumanalyse. Nach Aufzeichnung des Seminars 1928-1929, 4. Seminarsitzung, 30 Oktober 1929)

„Das «Vaterland» bedeutet Grenzen, das heißt bestimmte Lokalisation, der Boden aber ist mütterliche Erde, ruhend und fruchtbar. Der Rhein ist ein Vater, wie der Nil, wie der Wind, Sturm, Blitz und Donner. Der Vater ist auctor und Autorität, daher Gesetz und Staat. Er ist das in der Welt sich Bewegende, wie der Wind, das mit unsichtbaren Gedanken – Luftbildern – Schaffende und Lenkende. Er ist der schöpferische Windhauch – pneuma – Spiritus – atman, der Geist.“
(C. G. Jung, Gesammelte Werke: Zivilisation im Übergang, Seele und Erde)

Normierung

Menschen sitzen mit
seelischen Radiergummis
in Bus & Bahn
und wischen
Arten von Gehirnfilmen
durch verstöpselte Ohren
in ihre Köpfe.

Wie normal war er
dagegen selbstbefindlich:
Strommasten & rheinische Autobahnen
waren einst seine Gebärmutter.

Norm aber:
Wissen- & Irgendwasschaftler
die den Begriff verwenden,
sind sie nicht verdächtig?
Auch wenn sie
nobelpreis-
sind?

(Ein Gastgedicht von GrIngo Lahr; rheinsein dankt!)

Notizen von unterwegs (4)

Der erste Winterabend. Über den Gropiusbauten des Dammerstocks, in die Karlsruher Himmel eingefügt, flachdachflache airbrushne Sonnenuntergänge aus dem Fantasygenre. Dann, wenige hundert Meter weiter, beim Schulterblick zurück vom Schwarzwaldkreuz, das den Verlust von Johnny’s P.S. Stube, dem legendären Wellblechimbiß an der südlichen Stadteinfahrt, mit der kalten Trauer einer ewigen Baulücke kompensiert, entzündet sich die frisch gewendete Sonne komplett. Autos fliehen vom Land Richtung Stadt, fädeln ein in die Bahnunterführung. Rechter Hand grüßt, 40 Meter hoch, Pimmel mit Hut, Wegweiser zum Straßenstrich, der ausrangierte Wasserturm. Der Weg ins Stadtzentrum seit Jahren verstellt von Bauzäunen. Dahinter wird Nacht produziert und in die Luft gepumpt. Innert zehn Minuten ist der Sonnenuntergang vertrieben. Durch das Dunkel über die Bauzäune hinweg fliegt ein Weihnachtsmann mit Rentierschlitten, aus dessen Auspuff Goldregen sprüht. Landet mitten auf dem Christkindlesmarkt. Es riecht nach Sauerkraut mit Zuckerwatte.

Rotterdam Journal

I
Rain in Rotterdam. Dusk. Environment.
Opening the hood, I raise the gate.
Four days later they bombed the city,
and the city was gone. Cities
not people and not hiding in the stairwell
during a downpour. Streets, houses
not converge in these cases, the mind
and, falling, do not call for vengeance.

II
The July afternoon. Drips from the wafer
on the trouser leg. Chorus of children’s voices.
Around – the huge new buildings.
In Corbusier something in common with the Luftwaffe,
Both have worked from the heart
over the variable shape of Europe.
What pozabudut furious Cyclops,
a sober finish pencils.

III
As the time nor healthily, but the stump,
seeing no means different from the goals,
smart. And the stronger – from a panacea.
Night. Three decades later,
We drink wine with big old star
in an apartment on the twentieth floor -
at the level achieved already
soaring here once on the air.

Joseph Brodsky (St. Petersburg, 1992)

Rheinische Tierwelt (20)


“Halte ich inne, bemerke ich Tiere, und Wesen, tierähnliche, klar konturiert” (Rhein-Meditation)

Dieses Rheintier hätte natürlich auch in die Serie Rheinkiesel gepaßt. Um die Darstellung welchen Tieres es sich handelt, konnte bisher nicht geklärt werden. Unsere Vermutung geht in Richtung Dackelschrecke, andere Stimmen wollen den Rheinischen Schlipshund, sogar den Rheingasus erkennnen.

Ludwixhafen

gräf_ludwixhafen

Die lyrische Ludwigshafen-Studie mit reichlich Rhein ziert die Rückseite von Dieter M. Gräfs Gedichtband “Rauschstudie: Vater + Sohn”, der 1994 in der edition suhrkamp erschienen ist. Bild und freundliche Publikationsgenehmigung stammen vom Autor. rheinsein dankt!
Der Gedichtband ist auf der Website von Suhrkamp nicht mehr gelistet, jedoch als Sammlerstück über diverse Online-Buchversender erhältlich.

Köln

Mit der 16 raus bis Sürth
Am Rhein entlang stadteinwärts
Umarmt mich diese Stadt
Und bietet mir flüsternd das Du
Hier geh ich wie verliebt
Aber an den KD-Anlegern
Siezen wir uns immer noch

In der Altstadt haben wir uns nichts zu sagen
Und am Ring mit seinen Leuchtreklamen
Und den umgebauten Kinos ist sie oft zu laut
Trägt sie diesen grellen Modeschmuck
Der Marken Mediapark Arena
Ein überkandideltes Makeup
Unter dem eine gewöhnliche Frau
Ihr großes Herz verbirgt

Im Vringsveedel hat sie mich
An die Hand genommen
Und eines Nachts geküßt
Das schmeckte nach Kölsch und Karneval
Nach BAP und Wirtz
Nach türkischen Gemüsehändlern
Und vertrauten Freunden
Und nach dem Versprechen
Mir Unterschlupf zu geben
Solange wie ich will
Ich glaube auch der Dom
Hat leicht genickt
Ich gebe nichts auf seine Zustimmung
Aber wenn er mir unterwegs
Von weitem seine Spitzen zeigt
Weiß ich ich bin bald
Zu Hause

(Ein Gastbeitrag von Amir Shaheen. Zuerst erschienen in seinem Gedichtband Das andere Ende der Schlaflosigkeit (Weilerswist 2000). Mit freundlicher Genehmigung des Autors. rheinsein dankt!)

Notizen von unterwegs (3)

Als gescheitert betrachten dürfen wir den ersten zaghaften Ansatz einer Meditation nach der Meditation. Zu frostig das Februarwochenende, zu hoch das Aufkommen von Menschen und Hunden am Niehler Ufer. Auffallend viele fotografierende Frauen waren unter den Passanten. Im Nachmittagslicht überlagerten sich dem kölnischen Grün eindeutig irische Farben. Während wir überlegten, was das eine (Irland) mit dem anderen (Köln) gemein haben könnte, z.B. ob die vorübergehende Überlagerung zweier geografischer Fänomene, die eher wenig miteinander zu schaffen haben, als typisch für die Postmoderne angesehen werden könnte, riefen Möwen und Krähen vereinzelte Statements, als beabsichtigten sie in einem großteils von Rechthaberei und Sturköpfigkeit geprägten Disput ihre Dialekte abzugleichen. Wir ließen uns auf einem Steinbrocken nächst einer Hochwasserlache nieder. Das Eis auf der Pfütze glich einer zersplitterten Fensterscheibe. Ringsum bedeckten kleine Schneekuppen das niedergedrückte Ufergras. Erstaunlich wenig Müll lag herum, das Hochwasser dürfte ihn ins Meer mitgenommen haben. Ein wenig erwärmender Gedanke. Alles war fahl, kühl, kalt, der Dom machte in Sichtweite einen suizidären Eindruck, als wolle er sich demnächst ins Wasser stürzen. Wir machten uns Gedanken über einen möglichen Rückstau des Flußes, sollte der Dom sein Vorhaben verwirklichen, als mehrere Frauen, ihre Kameras gezückt, in mittlerem Abstand verharrten: offenbar mit der Absicht, aber ohne rechte Traute, uns zu fotografieren. Unvermittelt rückten wir uns in Position, die alte Eitelkeit. Die Frauen ihrerseits wirkten wie hingestellt, ein eingefrorener Moment, der Unbehagen verursachte. Schließlich kramten wir unsere Kamera aus dem Rucksack hervor und fotografierten die Frauen, die, sobald sie unsere Initiative bemerkten, sich in die Landschaft zurückzogen. Die allgemeine Kälte war nun doppelt spürbar. Wir standen auf, brauchten Bewegung. Verspürten Lust auf eine andere, blühendere Jahreszeit. Erinnerten den Kommentar einer Leserin, der von einer Schweine-Meditation berichtete. Die verläuft folgendermaßen: der Meditierende plaziert sich am Rande eines Kobens voller Schweine aller Konfektionsgrößen. Im Koben herrscht mal Ruhe, mal Gedrängel. Indem er das Durcheinander der Körperteile beschaut, dem Gegrunze und Gequietsche lauscht, gewinnt der Meditierende einen Aufblick auf sein Leben, seine Familie, sein Eingezwängtsein im Alltag, in seiner Wohnung, seinem Job. So stellten wir uns das jedenfalls vor, indem wir stehenden Fußes, erschreckend plastisch, allerdings geruchsneutral einen Koben voller Schweine imaginierten. Immerhin mochte  unsere mißglückte Post-Rhein-Meditation nun von einer fiktionalen Schweine-Schnell-Meditation abgelöst worden sein, Befriedigung und Ausgeglichenheit waren der Situation jedoch nicht abzugewinnen. Also schossen wir noch ein paar leidlich motivierte Möwenbilder, portraitierten schon etwas ernsthafter eine Krähe, welche sich die gesamte Zeit auf einem Kilometrierungsstein in die Brust geworfen hatte und machten uns mit einem Anflug klassischer Schwermut vom Acker, mit dem Vorsatz, ihn am ersten wärmeren Tag, dann aber in der Frühdämmerung wieder aufzusuchen.

das alte, poetische Straßenpflaster

Mitten im lieblichen Kinzigtale des an wunderbaren Talgründen so reichen Badnerlandes erhebt sich meine kleine Vaterstadt Haslach, im Volksmunde Hasle genannt. Hohe Berge, mit stolzen Tannen und Buchen gekrönt, üppige Matten und der silberhelle Bergluß schließen das Paradies meiner Jugendzeit ein.
Es sind bald sechzig Jahre mit mir durchs Leben gegangen, seitdem ich das erste Bild des Städtchens in meine Seele aufnahm. Meiner Großmutter Schwester, die uralte “Lenebas”, der greise Schutzengel meiner Jugend, führte mich eines Tages auf die Zinne des kleinen “Schänzleberges” und zeigte mir die Herrlichkeit der Heimat. Sie wies zuerst hin auf den mit “Silber” beschlagenen Kirchturm, von dem ich bis zur Stunde manchmal träume aus der Kinderzeit, als zöge ich an seinen Glocken oder hörte die alte Turmuhr schlagen.
Sei mir heute wieder gegrüßt, du erster Himmelszeuge meiner Kindheit! Zwar weiß ich schon längst, daß dein Silber eitel Blech ist; – aber dieses Blech glänzt wie heller, echter Silberschein in meine Jugenderinnerungen, und um dich reihen sich die Häuser, Straßen, Gassen und Gäßchen, durch die meine Kinderseele ihre Hochzeit hielt alle Tage. Du bist der Mittelpunkt meiner Erinnerungen an die Heimat, an die ich nicht denken kann, ohne daß dein “Silberhaupt” zuerst mir entgegenstrahlt, um welches alles andere sich im Geiste gestaltet! Von dir geht mir das Städtchen aus.
“Eng ist der Weg und schmal die Pforte, die zum Himmel führt.” Diese Bibelworte verewigten die alten Haslacher an ihrem Gotteshause, zu dem ein gar enges Gäßchen vom Marktplatz hinaufführt zum “silbernen” Kirchturm. Er ist uralt wie seine beiden Nachbarn, die ihn vorne und hinten einrahmenden alten Zehntgebäud der ehemaligen regierenden Herren, der Fürsten von Fürstenberg. “Kästen” nennt sie bezeichnend das Volk bis heute, und die Vogtei über sie war in meinem Geschlechte und der letzte Kastenvogt mein seliger Vetter Eduard.
Die meisten Haslacher wissen nicht, daß sie einstens zähringisch waren und daß Agnes von Urach, Schwester Bertolds V. von Zähringen, ihrem Gemahl, Egino V., 1218 Haslach zubrachte. Als die Uracher sich in Urach-Fürstenberg und Urach-Freiburg abzweigten, kam Haslach an das Haus Fürstenberg, das vom 13. bis 19. Jahrhundert sein Zepter führte über das Kinzigtal.
Seine eigene Residenz schlug 1284 dies Geschlecht zu “Hasela” auf, aber schon in der Schlacht bei Sempach endigte der letzte dieser Linie. Schloß und Burg sind längst verschwunden, nur die Zehntkästen sind noch Zeugen der einstigen fürstenbergischen Herrschaft. Sie und das alte Rathaus am Marktplatz sind die einzigen Freunde des Kirchturms, die den spanischen Erbfolgekrieg überlebt haben, und zu ihnen kommt noch St. Sebastian, der gepfeilte Heilige auf dem Brunnen am Platz (1704 brannten die Franzosen das alte Städtchen gänzlich ab.).
Aber wie sie, so ist alles beim alten geblieben seit jenen Tagen, da ich den ersten Eindruck bekam von der Heimat. Straßen, Häuser und Gassen sind dem Zahn des Fortschrittes nicht verfallen. Meist noch die alten Läden und Fenster, und nur der veränderte Hausschild eines Wirts, Krämers oder Hutmachers verkündet, daß die Menschen gewechselt haben. Doch eines vermisse ich! Das alte, ehrwürdige Straßenpflaster haben sie mir herausgerissen, von dem jeder Stein meinen flüchtigen Knabenfuß trug und dessen Kühle den kleinen Barfüßler im Sommer doppelt sprungfertig machte. Auf diesem Pflaster dröhnten einst die Thurn- und Taxis´schen Postwagen durch das Städtchen, von Ulm oder Frankfurt kommend; sie vermittelten den Weltverkehr und brachten Briefe und Zeitungen.
Draußen vor der Stadt, oberhalb der Mühle, die von Osten her den Reigen der Häuser beginnt, stand ich manchen Morgen und harrte, bis der gelbe “Eilwagen” das Tal herabkam und des Postillions gelbes Röcklein und sein Hörnlein sichtbar wurden. Und wenn dann der Jakob, der Mann der Köchin meiner Taufpatin im Adler, gerade als Kondukteur die Route hatte von Stockach bis Offenburg, da jubelte mein Kinderherz. Denn der Jakob nahm mich in sein Coupé, oder er schob mich dem Postillion auf den Bock zu, und hinein ging´s ins “Städtle”. Und wenn dann der Postillion sein Hörnlein ansetzte und der Wagen auf dem Pflaster rasselte, da klang´s wie “Orgelton und Glockenklang” in meine Seele. Darum vermisse ich schmerzlich das alte, poetische Straßenpflaster. (…)

(Heinrich Hansjakob: Die Heimat; gefunden in: Schwarzwaldleut’ – Fünf Erzählungen, New York 1913)

Le Rhin (2)

A M. DE LAMARTINE.

Au premier coup de bec du vautour germanique,
Qui vient te disputer ta part d’onde et de ciel,
Tu prends trop tôt l’essor, roi du chant pacifique,
Noble cygne de France, à la langue de miel.
Quoi ! sans laisser au moins une plume au rivage,
Gardant pour ta couvée à peine un grain de mil,
Des roseaux paternels tu cèdes l’héritage ;
Et sur l’aile de l’hymne agrandi dans l’orage,
Du Rhin tu fuis jusques au Nil !

Ah ! qu’ils vont triompher de ta blanche élégie !
Que l’écho de Leipsig rira de notre peur !
Déjà l’or de ton chant transformé par l’orgie,
Dans l’air m’est renvoyé comme une balle au cœur.
J’écoutais l’avenir dans ta voix souveraine,
Au joug harmonieux me soumettant d’abord ;
Mais la douleur m’éveille au sein de la syrène ;
Ma lèvre, en pâlissant, repousse encore pleine
La coupe où tu verses la mort.

Ne livrons pas si tôt la France en sacrifice
A ce nouveau Baal qu’on appelle unité.
Sur ce vague bûcher où tout vent est propice,
Ne brûlons pas nos dieux devant l’humanité.
L’holocauste n’est plus le culte de notre âge.
Comme Isaac pliant sous le glaive jaloux,
Pourquoi tenir courbé ce peuple sous l’outrage ?
Est-ce pour l’immoler, sans revoir son visage,
Que vous l’avez mis à genoux ?

Si patrie est un mot inventé par la haine,
Tente vide, en lambeaux, que l’amour doit ployer ;
S’il faut des nations briser la forme vaine,
Arrache donc aussi la famille au foyer !
De tout champ limité condamne la barrière.
Maudis le jeune hymen dès que son temple est clos.
Au lare domestique interdis la prière ;
Tous ensemble, au hasard, mêlant notre poussière,
Fraternisons dans le chaos.

Regarde ! dans ton vol, les cieux que tu visites,
Par des rivières d’or divisent l’infini.
Ces royaumes profonds dont tu sais les limites,
Désertent-ils l’azur que Dieu même a béni ?
Le Bélier au Verseau cède-t-il sa frontière ?
Au vain rugissement de l’Ourse ou du Lion,
Quand vit-on reculer le sanglant Sagittaire,
Ou fuir les deux Gémeaux s’inclinant : jusqu’à terre,
Dans la cité du Scorpion ?

L’humanité n’est pas la feuille vagabonde,
Sans pays, sans racine, enfant de l’aquilon.
C’est le fleuve enfermé dans le lit qu’il féconde,
Parent, époux des cieux mêlés à son limon.
Au peuple ne dis pas : « Abandonne ta rive. »
Quand l’herbe boit le flot promis à l’Océan,
C’est qu’aux sommets sacrés d’où l’avenir dérive,
La source de l’idée a tari toute vive
Dans l’esprit glacé du géant.

Du chœur des nations la lutte est l’harmonie ;
Dans mille chants rivaux, d’où naissent leurs concerts,
Chaque peuple a sa voix, sa note, son génie.
Tout, dans l’immense accord paraît un et divers.
L’un parle-t-il trop bas par la voix du prophète,
A l’hymne de la peur enchaîne-t-il ses jours,
La danse des cités, en chancelant, s’arrête.
De leurs fronts de granit, ridés par la tempête,
Tombe une couronne de tours.

Sur la lyre accordée aux prières des femmes,
Pourquoi de tant d’encens nourrir notre sommeil ?
De trop de voluptés ne chargeons pas nos ames
Après le songe heureux es-tu sûr du réveil ?
Que sais-tu si l’aspic ne dort pas sous la rose,
Si la lutte est finie entre l’homme et le Dieu ?
Convive du banquet que plus d’un pleur arrose,
Sur le mur prophétique où cette main se pose,
Ne vois-tu pas des traits de feu ?

Pour désarmer nos cœurs, apprivoise le monde ;
D’avance à l’avenir as-tu versé la paix ?
Et du Nord hérissé le sanglier qui gronde,
De ta muse de miel a-t-il léché les traits ?
Au soc de la charrue a-t-il courbé le glaive ?
Albion, sur sa nef, détruit-il son rempart ?
Parmi les flots d’airain que l’Orient soulève,
Orphée a-t-il enfin marié sur la grève
L’aigle blanc et le léopard ?

Le Rhin sous ta nacelle endort-il son murmure ?
Que le Franc puisse y boire en face du Germain.
L’haleine du glacier rouillant leur double armure,
Deux races aussitôt se donneront la main.
Nous ne demandons pas tout l’or de la montagne.
Du Nil de l’Occident nous ne voulons qu’un bord,
Pour que les cieux de France et les cieux d’Allemagne,
Sous les eaux partageant l’astre, de Charlemagne,
Roulent ensemble au même port.

Aux troupeaux divisons la source de nos pères.
Quand ils ont sur la rive assis la liberté,
Craignaient-ils d’éveiller les gothiques vipères ?
Goûtons l’eau du torrent par droit de parenté.
Avec les rois germains tout nous réconcilie.
Dans leur nid féodal nos aigles sont éclos.
Sans qu’au bruit de leurs pas notre écho s’humilie,
Consentons que leur ombre à notre ombre s’allie
Dans le sein pavoisé des flots.

Mais si lui-même en vain le torrent nous appelle,
Si l’onde du glacier ne coule pas pour tous,
Et s’il faut nous sevrer du lait de la Cybèle,
Quand ce peuple aura soif, où l’abreuverons-nous ?
Au pays des palmiers tu penses le conduire !
Notre Dieu ne veut pas qu’on nous mène en exil.
Pendant que tu chantais, tout près de nous séduire,
Sur son flanc irrité j’ai vu son glaive luire.
La France en aiguisait le fil.

Tu pars, dis-tu ? – Marchons, au vent de tes bannières,
Non pas, comme Joseph, en sa captivité,
Au joug du Pharaon liant ses onze frères ;
Il pleurait, dans Memphis, sur Jacob insulté.
Mais ainsi que Moïse, au sortir du servage,
Loin d’Apis entraîné par le serpent d’airain,
Fais-nous rentrer, joyeux, dans l’ancien héritage ;
Et le glaive épousant les lyres au rivage,
Allons revoir notre Jourdain.

(Edgard Quinet, 1803-1875)