Das blinde Auge des Rheins

Am Ufer der Poesie
ein blinder Mann
er treibt die Eichen
durch die Strömung
er sieht durch Fels
die Silben all
er spricht den Segen
über Sand und Stein
er flechtet Sterne
in die Kiesel
er gibt den Glanz
auf Treibholz,
Blech und Scherben
er spricht mit Bergen
wie mit Versen
ganz aus Luft
auf seinen Fingerkuppen
tanzen alle Burgen
und wie ein steinern Herz
die Pfalz ihm ist im Rhein
durch Schatten geht er
durch die Sagen all
und bunte Bänder
tanzen da in seinem Haar
das wellengleich sich
strömt und fließt dahin
im Kahn da lacht er
aus Eibenholz die Ruderblätter sind
er fängt den Mond in Netzen noch
und holt zu Ufern uns
die sind aus Traum und Schlick
doch nichts versandet,
nichts vergilbt, taghell ist
alles leuchtend klar
die Tore sind geöffnet
zu Städten die aus
Mauern hoch noch sind
doch von den Türmen
blitzt der Schiefer
spiegelnd ganz die Sonne
ein Feuer sind wir
das in einer Nische wacht
und Reben schlingen sich
um Pfade eng die
pilgern zu Kapellen
ein Stern er badet
in dem alten Kloster noch
die Schlangen zischen
durch die alten Synagogen
und in Ruinen blüht
der Goldlack paradiesesgleich
am Ufer treideln sich die Weiden
ganz im Wind, die Brombeerhecken
glühen dornig schwarz im Frost, das Eis,
es staut der Fluß sich nicht mehr
zugefroren Schicht für Schicht da
hochgezackt in Eisessplitter,
die Vögel nisten in den Höhlen,
der Blinde greift nach einem Stab,
der weiß Gesang ist
Quarzader ganz
die hell den schwarzen Fels
durchreißt, durchschlägt
die Quelle sind wir alle
tief verborgen in der
Ferne ganz des Stroms
die Segel die wir setzen
sind aus dem Tuch des Schweigens
das gleitet floßgleich durch die Klippen hin
Gesang, Gesang, es zackt der Fels
Gesang sich noch von allen Felsenriffen
die der Strom durcheilt
die Brandung reibt und wäscht da glatt
der Fels er widersteht
doch weggesprengt hörst du
dies Lied nicht mehr
der tosend wirbelnd weißen Gischt
der Strömung und des Widerstands
die beides ganz ein Atem ist
der Blinde greift nach einem harten Kiesel
zuvor sein Haar von Efeu ganz umkränzt
ein Feuerhaar in seinem Bart
umzingelt schlangengleich sein Glas voll Wein
er trinkt und wirft sein Herz
tief in die Flut unsterblich kieselgleich

(Ein Gastbeitrag von Friedrich G. Paff und exklusive Textprobe aus seinem Langgedicht “Das blinde Auge des Rheins”. rheinsein dankt!)


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