Kölner Gebirgswelt

Digital StillCamera

“Heiliges Köln, du bist nicht mehr! Heiliger Dom, wohl bist du noch schön, furchtbarer Mitschuldiger an der Verpfuschung Deutschlands, könnte ich dir fluchen? Wie ein Gletschergebirge sah ich dich, von Mülheim aus, ins Augustblau tausendzackig funkeln. Das industrielle Großgewölk konnte nicht bis zu dir hinüber. Unweigerlich gipfelst du, Dom, mit steinernen Sehnsuchtshälsen über alle Menschlichkeit empor ins ewige Sanftblau. Lilasilbriges Eigengewölk umhalste dich in riesenhafter Schwanenhaftigkeit. Du wußtest, daß du ein Berg bist, denn du hattest Nebel und Wolken, du wußtest, daß du zuerst abkühlen würdest, um dann der Stadt Nachtkühle zu spenden. Du bist ein Sinai, Kölner Gebirgswelt, Bekennerhand hat dich aufgebaut; du bist der Berg, aus unsern Gesetzen hervorgetürmt: du, du birgst unsre heilige Wolke in Pfeilerhut. Ich habe den Kölner Dom betreten. Ein Schritt, und ich war in eine himmelhohe Sphäre entrückt. Nur zufällig bist du, Heiligtum, bei uns zu Gast. Kölner Gletscher, bist du aus einer Region kristallener Vollkommenheit zu den Menschen emporgeflogen?” (Theodor Däubler: Der neue Standpunkt, Leipzig 1919)


Stichworte:
 
 
 

Kommentar abgeben: