In Nähe der südlichen Düssel

Ein Bäcker seit 1632,
in Düsseldorf seit 1889,
unweit der Ecke Suitbertus- und Brunnenstraße.
Dem (örtlich) schräg gegenüber:
ein sich Backkönig nennendes Ladenlokal,
ausweislich dessen Beschilderung es heißt: „wir backen, du König.“

Süß, wenn auch weniger lecker
riecht’s um die Ecke aus der Fabrik
in der Fruchtstraße.
Karton & Papier Rohstoff seit 1886.

Von St. Suitbert klingt die Mittagsglocke.
Zwischen den Aluminiumsilos der Fabrik
steigt Rauch auf.

Optimistisch, weiterhin, werden Opel und GM
vertrieben, in einem Autohaus mit Werkstatt in der Buysstraße.
Älterer Verkäufer, Silberfuchs,
und ein ganz junger mit dunklem Haar.

Unweit des Autohandels und der Papierfabrik
kann sich eine Eckkneipe halten, aus der es auch mittags leuchtet.
Nach Schichtende hat man dort Geld und Muße.
Das Zone-30-Schild bemoost.

Von der Ecke Karolinger- und Merowingerstr.
blickt man auf Abbruchgelände.
Ebenso wie vor Ewigkeiten diese Dynastien verschwand
kürzlich auch das zuletzt leerstehende Firmenareal
von Auto Becker, einer Firmengründung der Wirtschaftswunderzeit.
Begriffe wie Autos aus zweiter Hand, vor allem auch Luxusvertrieb von Ferrari
sind in Erinnerung.

Am Düsselufer;
Gebrauchte Fahrräder in großer Zahl,
mit schweren Sicherheitsschlössern am Geländer gesichert.
Gebräuchlichstes Individualfortbewegungsmittel der Gegenwart.

Höhe Bachstraße ein blauer Pontiac Strato Chief.
Viertürig mit Rechtssteuer (seinerzeit vermutlich für den australischen Markt).
Voluminös brummendes Motorröhren, Spritgeruch duftnostalgisch.
Schöner Wagen. Ein solitärer Veteran.
Vielleicht auch besser so. Würden mehr von seiner Sorte herumfahren,
wäre die Luftbelastung stärker und die Kriege um Öl noch härter.

Bleisatz im Fenster einer Druckerei
zeigt, von rechts nach links, deren Bestehen seit 1924 an.
Derweil arbeitet der Inhaber per Mausklick am Flachbildschirm.
Bach- Ecke Martinstraße:
Die genau hundert Jahre nach ihrer Begründung 1843
im Jahr 1943 durch Fliegerbomben zerstörte Bilker Sternwarte
hinterließ in ihren Trümmern den Rest des großen Fernrohrs,
das samt Sockel 1952 als Denkmal aufgestellt wurde,
mit Blickrichtung auf den goldenen Wetterhahn, Turmzierde von
Alt St. Martin, der wohl ältesten Kirche Düsseldorfs,
auf karolingischem Fundament erbaut, welches um 700 datiert.
Der Wetterhahn blickt stolz ins Land und
wenn überhaupt, dann mit gönnendem Wohlwollen
auf die beiden thailändischen Köche,
die an der rückwärtigen Gebäudeseite des ehemaligen Deutzer Hofes
an der Tür zu ihrer Küche rauchend Kaffeepause machen.

Als unauffälliger Passant wird man öfters angelächelt,
freundlich und einfach so,
natürliches rheinisches Laissez Faire.

Von der Benzenbergstraße Höhe Bilker Allee
in Blickrichtung Neusser Straße
wirken die hohen stolzen Gründerzeitgebäude
wie winzige Häuschen
vor dem Hintergrund der in den Himmel ragenden
Chrom- und Glashochhäuser

Doch wer von jenseits, vom Fürstenwall her
nach hier herüberblickt,
erkennt die Bilker Kirche mit ihren Flügeln zu beiden Seiten
wie einen imposanten Vogel,
der sich schützend vor das Viertel stellt.
Gleichwohl einladend.

(Ein Gastbeitrag von GrIngo Lahr. rheinsein dankt!)


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