Monatsarchiv für Januar 2015

 
 

Presserückschau (Januar 2015)

1
Tödlicher Sturz: Die Presse meldet jährlich etwa 25 Rheintote – damit dürften jedoch nicht alle Fälle erfaßt sein, in denen der Rhein ein Schicksal besiegelt. Einzelne Todesfälle erhalten besondere mediale Aufmerksamkeit, so der Unglücksfall einer jungen Frau, die in der Silvesternacht in Köln über Bord eines Schiffes ging: “Ein Gast, der in der Nacht zum Donnerstag mit Freunden auf dem Partyboot war, (…) erhebt schwere Vorwürfe: „Nach 0.30 Uhr ging es an Bord richtig rund. Neben mir haben sechs Typen auf einen eingetreten, der am Boden lag“, so der Kölner. Der tödliche Sturz ereignete sich um kurz vor 1 Uhr in der Nacht auf Höhe der Kölner Altstadt. An Bord gab es offenbar nicht nur eine Schlägerei: „Überall prügelten Typen aufeinander ein“, so der Augenzeuge. (…) Auch Drogen hätten an Bord eine Rolle gespielt: „Da wurde gekifft ohne Ende“” (Focus)

2
Waghalsiger Sprung: “Ein angeschossenes Wildschwein hat am Wochenende die Innenstadt von Oberwesel unsicher gemacht. Es wurde am Bahnhof und auf dem Marktplatz gesehen. Viele Passanten hatten nach Polizeiangaben den Notruf gewählt. Grund für die Flucht des Keilers könnte eine in der Nähe stattgefundene Treibjagd gewesen sein. Die Jäger waren dem Tier auf den Fersen bis es sich zu einem waghalsigen Sprung in den Rhein entschloss und ihn durchschwamm. Nach Polizeiangaben konnte das Tier den Jägern entkommen.” (SWR)

3
Russisch-orthodoxes Ritual: “Es ist eine Tradition in der russisch-orthodoxen Kirche: Zum Epiphania-Fest segnen Geistliche die Gewässer in ihrer Umgebung. In Bonn ist das natürlich der Rhein. Erstmals nahm Erzpriester Sokratis Ntallis von der orthodoxen Gemeinde in Limperich diese Segnung (…) auf der “Rheinnixe” vor. (…) Zuvor (…) hatte Ntallis die Göttliche Liturgie zelebriert. Dann wurde nahe des Beueler Fähranlegers, wo sich viele Gemeindemitglieder und Zuschauer eingefunden hatten, eine Segensfeier nach orthodoxer Tradition auf dem Oberdeck zelebriert. Am Ende warf (…) der Erzpriester (…) ein an einem Seil befestigtes Kreuz in den Rhein, das er anschließend wieder aus dem Wasser zog. Dieses Ritual erinnert an die Taufe Jesu im Jordan und an die Bedeutung von Flüssen als Teil der lebendigen Schöpfung. (…) “Den Fluss zu segnen, bedeutet, alle zu segnen, die auf ihm unterwegs sind, aus welchen Gründen auch immer.”" (General-Anzeiger)

4
Massenkentern: Bei Wiesbaden findet im Januar eine traditionelle Rudersternfahrt statt. Bei stürmischem Wetter kenterten dieses Jahr sechs Boote mit jeweils fünf Insassen, die im Rhein zu verschwinden drohten. Der Hessische Rundfunk berichtet: “Auf dem Rückweg des gemütlichen Treffens mit gemeinsamem Eieressen bei Glühwein und Kinderpunsch im Mainzer Stadtteil Weisenau kenterten am Nachmittag bei Wiesbaden mehrere Boote. (…) Im Vereinsheim der Biebricher Rudersportler kümmerten sich Ärzte und Sanitäter um die frierenden Geretteten. Nach Angaben der Einsatzkräfte wurden sieben Insassen der gekenterten Boote verletzt, zwei müssen demnach wegen Unterkühlung im Krankenhaus behandelt werden. (…) Als die Ruderer sich in Weisenau auf den Rückweg machten, sei es zwar windig, aber nicht bedenklich gewesen. (…) Die äußerst heftigen Böen und hohen Wellen, die später die Boote zum Kippen brachten, seien völlig überraschend gekommen. (…) Es sei auch nicht übermäßig viel Glühwein getrunken worden. Laut den Statuten gilt beim Rudern genauso wie beim Autofahren eine Grenze von 0,5 Promille Alkohol.”

5
Kalkars Flutmulde: “Gerade ist noch ein Schiff in die Flutmulden-Baustelle eingefahren, um ein paar schwere Steine abzuladen, mit denen der Bereich befestigt werden soll. Jetzt ist allerdings erst einmal Pause auf der Riesen-Baustelle am Rhein. Wegen des Hochwassers kann auf Reeserschanz erst einmal nicht mehr gearbeitet werden. (…) Wie berichtet, wird direkt gegenüber der Reeser Promenade ein riesiger Bypass für den Rhein angelegt. Dieser kilometerlange Kanal hat allerdings im oberen Teil nur bei einem gewissen Wasserstand eine direkte Verbindung zum Rhein. Ziel ist nämlich, dass bei Hochwasser die Schwelle zur Flutmulde überspült wird, so dass es einen Parallel-Kanal zum Strom gibt. Dadurch wird der Druck auf den Rheinboden und die Stadtmauer Rees gemindert. Aktuell ist die Schwelle um 2,50 Meter überflutet: Die Flutmulde ist also “angesprungen”", berichtet die Rheinische Post. Das schöne Wort “Flutmulde” war uns bis dato gänzlich unbekannt. Der erwähnte “Bypass” soll eine Länge von rund drei Kilometern bei 130 bis 180 Metern Breite erreichen.

6
Holzbrücke für Köln: “Sie könnte eine Top-Attraktion für die Stadt sein: Eine rund 430 Meter lange Holzbrücke verbindet den Rheinauhafen mit dem rechten Rheinufer. Hoch über dem Fluss schwingt sich elegant und schlank eine Holzkonstruktion mit rekordverdächtiger Länge. Was für viele schwer vorstellbar ist, ist technisch möglich, wie die 24-jährige Kölnerin Stefanie Gorgels bewiesen hat. Für ihre Abschlussarbeit als Ingenieurin an der Fachhochschule hat sie eine „Spannbandbrücke“ für Fußgänger und Radfahrer entworfen und berechnet. Geschätzte Baukosten: 3,4 bis 4 Millionen Euro.” (Kölner Stadt-Anzeiger) Die Brückenplanung greift eine Idee aus Albert Speers städtebaulichem Masterplan für Kölns auf, den Rhein mit zwei weiteren Brücken zum absoluten Zentrum der Stadt aufzuwerten. Ob der Plan jemals umgesetzt wird, bleibt allerdings fraglich.

Bald gras ich am Neckar

Bald gras ich am Neckar
bald gras ich am Rhein
bald hab ich ein Schätzel
bald bin ich allein.

Was hilft mir das Grasen
wenn die Sichel nicht schneid’t,
was hilft mir das Schätzel,
wenn’s bei mir nicht bleibt.

Und soll ich denn grasen
am Neckar, am Rhein,
so werf’ ich mein schönes
Goldringlein hinein.

Es fließet im Neckar,
es fließet im Rhein,
soll schwimmen hinunter
ins tiefe Meer ‘nein.

Und schwimmt es, das Ringlein
so frißt es ein Fisch,
das Fischlein soll kommen
auf’s Königs sein Tisch.

Der König tät fragen
wem’s Ringlein soll sein?
da tät mein Schatz sagen:
das Ringlein g’hört mein.

Mein Schätzel tät springen
bergaus und bergein,
tät wied’rum mir bringen
das Goldringlein fein.

Kannst grasen am Neckar,
kannst grasen am Rhein,
wirf du mir nur immer
dein Ringlein hinein.

Der Liedtext “Bald gras ich am Neckar” wurde von Auguste Pattberg unter Verwendung volkstümlicher Vorlagen geschrieben und 1808 zum ersten Mal im dritten und letzten Band der Sammlung “Des Knaben Wunderhorn” von Clemens Brentano und Achim von Arnim veröffentlicht. Das Lied genoß bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts Popularität.

Lauernde Loreley, verirrte Loreley

malvira hahn_lauernde lolelei braunAls “rheinverrückt” bezeichnet sich Malvira Hahn. Vergangenen Herbst hatten wir eine ihrer Loreleyen in einem Schaukasten des Lorcher Robert-Struppmann-Museums erblickt, abgelichtet und auf rheinsein gestellt. Die Ausstellung mit Bildern und Gedichten von Malvira Hahn indessen war während unseres Lorch-Besuchs geschlossen. Nun schickt uns die Künstlerin zwei ihrer Loreleyen, eine lauernde und eine nach Duisburg verirrte. rheinsein dankt!malvira hahn_verirrte loreley

R.I.P. Wolfgang Jorzik (1962-2015)

Eine traurige Nachricht ist zu vermelden: Wolfgang Jorzik, der für rheinsein das Foto Brücke ins Nichts aus seiner Serie Transit sowie mehrere Hinweise beigetragen hat und auch weitere Beiträge avisiert hatte, ist gestern nach langem, auf seiner Website auch öffentlich geführten Kampf gegen den Krebs gestorben. Wir korrespondierten per Mail und waren auf Facebook verbandelt. Die Titel des Fotos und der Serie erhalten vor dem Hintergrund seines Dahinscheidens eine zusätzliche, persönliche Dimension. Gute Reise, Wolfgang!

Rheinische Tierwelt (19)

tierwelt_münster_murmelIch möcht wol vil von dissem thier schreiben / wan ich nit eylen müst in andere lender die zu besichtigen und zu beschreiben. Dan ich hab deren thier ein par in meinem hauß / die mir zugeschickt hat herr landvogt Johannes Kalbermatter / deshalb ich jr natur zum theil erkundiget hab / in den drey oder vier monaten die weyl sie bey mir gewesen. Plinius nent das thier murem alpinum / ist darnach genent worden mus montanus / das ist / ein bergmauß / wie es die welschen noch murmont nennen / aber die Teütschen nennen es mormelthier / felicht darumb das es morret / unnd korret all mal so es schlafft. Es sicht gleich wie ein groß künglin / hat aber abgeschnitten oren / ein schwantz der einer spannen lang ist / lang vorderzen / beißt übel so es erzürnt wirt / hat kurtz schenkel / die seind under dem bauch gantz dick von har gleich als hett es schlotter hosen angezogen / hat beren tapen und lang klawen daran / mit denen es gar onbillich tieff in das ertrich grebt. So man jm etwas zu essen gibt / nimpt es das selbig in sein vorder füß wie ein eichhörnlin / sitzt uffrichtig wie ein aff biß es solichs gessen hat. Kan auch uff den zweien hindern füssen ghan wie ein ber. Milchspeiß ißt es fast gern / und schmatzt darzu wie ein iung ferlin. So sie miteinander spilen / schreien und rerren oder bellen sie darzu wie die iungen hündlin. Sie schlaffen trefflich vil / und wann sie wachen mögen sie onfantisirt nit sein. Wann sie stro / hew / lumpen / dischlachen unnd dergleichen dingen finden / tragen sie es alles in jr nest / stossen auch das maul so voll / dass nichts mere darin mag / dz überig schleiffen sie hernach / ist fast kurtzwylig zu sehen. Sie essen allerley speiß / fleisch / fisch / milch / brot / suppen / gemüß / etc. Etlich seind graw und etlich rot farb. Die grawen sollen zamer sein dann die roten. Ich find in mein zweien das widerspil / So sie in den wilden bergen seind /unnd wollen auss jren löchern uff die weid ghan / bestellen sie eins das bey dem loch bleibt und die wacht halt / und das lugt fleyssig umb sich / und als bald es leüt oder viech sicht / faht es an zu pfeiffen oder bellen / dan lauffen sie alle zu dem loch. Ir geschrey laut gleich wie ein scharpffe pfeiff  / die eim in den oren wee thut / zeigen domit an enderung des wetters / wie wol sie auch also pflegen zu schreyen wann jn etwas widerdruß beschicht. Es schreibt Plin(ius) dass zu herbst zeyten so der winter her zu streicht / sie sich gar empsig rüsten und den winter leger zurichten. Sie faren aus jren löchern und lesen allenthalben helm und hew zusammen / und eins von jnen legt sich an rucken / richt die vier bein obsich / und die andern legen uff es gleich als uff ein wagen alles so sie zusammen geraspelt haben / nemen es darnach bey dem schwantz und ziehen es wie ein geladen wagen zu dem loch. Und doher kompt es / das sie zu der selbigen zeyt geschunden seind uff dem rucken. Wann sie nun das nest also zu bereit haben / beschliessend sie sich selber mit herd und grundt / dz kein lufft noch feüchtigkeit zum nest komme / ligen und marpfflen oder schlaffend also den gantzen winter biss zum früling oder glentzen / wickelen sich zusammen in die rundi wie ein igel. Daruff haben die leüt in den thälern gut acht / graben zu jnen und nemen sie herauß mit dem nest / sie erwachen auch nit biß man sie thut an die sonnen oder nahe zum feüwer daß sie wol erwarmen. Man findt / gemeinlich in eim nest 7, 9 oder 13. Ist ein edel essen den kintbetterin / auch ißt man sie für die muter und das krimmen im bauch / oder schmirt und salbet den bauch mit irem schmaltz. Dienet auch wol denen so übel schlaffen mögend. Sie seind über dem rucken trefflich feißt und ist sunst wenig fleisch an jnen / wie wol sie nit ein recht feißte haben / sunder ist gleich wie der brustkern in eim ochsen / dz weder fleisch noch feißte ist. (Sebastian Münster, Cosmographia)

Das blinde Auge des Rheins

Am Ufer der Poesie
ein blinder Mann
er treibt die Eichen
durch die Strömung
er sieht durch Fels
die Silben all
er spricht den Segen
über Sand und Stein
er flechtet Sterne
in die Kiesel
er gibt den Glanz
auf Treibholz,
Blech und Scherben
er spricht mit Bergen
wie mit Versen
ganz aus Luft
auf seinen Fingerkuppen
tanzen alle Burgen
und wie ein steinern Herz
die Pfalz ihm ist im Rhein
durch Schatten geht er
durch die Sagen all
und bunte Bänder
tanzen da in seinem Haar
das wellengleich sich
strömt und fließt dahin
im Kahn da lacht er
aus Eibenholz die Ruderblätter sind
er fängt den Mond in Netzen noch
und holt zu Ufern uns
die sind aus Traum und Schlick
doch nichts versandet,
nichts vergilbt, taghell ist
alles leuchtend klar
die Tore sind geöffnet
zu Städten die aus
Mauern hoch noch sind
doch von den Türmen
blitzt der Schiefer
spiegelnd ganz die Sonne
ein Feuer sind wir
das in einer Nische wacht
und Reben schlingen sich
um Pfade eng die
pilgern zu Kapellen
ein Stern er badet
in dem alten Kloster noch
die Schlangen zischen
durch die alten Synagogen
und in Ruinen blüht
der Goldlack paradiesesgleich
am Ufer treideln sich die Weiden
ganz im Wind, die Brombeerhecken
glühen dornig schwarz im Frost, das Eis,
es staut der Fluß sich nicht mehr
zugefroren Schicht für Schicht da
hochgezackt in Eisessplitter,
die Vögel nisten in den Höhlen,
der Blinde greift nach einem Stab,
der weiß Gesang ist
Quarzader ganz
die hell den schwarzen Fels
durchreißt, durchschlägt
die Quelle sind wir alle
tief verborgen in der
Ferne ganz des Stroms
die Segel die wir setzen
sind aus dem Tuch des Schweigens
das gleitet floßgleich durch die Klippen hin
Gesang, Gesang, es zackt der Fels
Gesang sich noch von allen Felsenriffen
die der Strom durcheilt
die Brandung reibt und wäscht da glatt
der Fels er widersteht
doch weggesprengt hörst du
dies Lied nicht mehr
der tosend wirbelnd weißen Gischt
der Strömung und des Widerstands
die beides ganz ein Atem ist
der Blinde greift nach einem harten Kiesel
zuvor sein Haar von Efeu ganz umkränzt
ein Feuerhaar in seinem Bart
umzingelt schlangengleich sein Glas voll Wein
er trinkt und wirft sein Herz
tief in die Flut unsterblich kieselgleich

(Ein Gastbeitrag von Friedrich G. Paff und exklusive Textprobe aus seinem Langgedicht “Das blinde Auge des Rheins”. rheinsein dankt!)

Tulla, der Gepriesene

tullaJohann Gottfried Tulla als schief hängender Ritter der Ehrenlegion

“Über ganz Karlsruhe lag ein Gebet an Tulla, den gepriesenen Mann, allgegenwärtig in Straßen und Unterrichtsstunden, Tulla hier, Tulla da, als Namenspate für Schwimmbäder und Konferenzen, Tulla, der badische Herkules und Befreier des Volkes aus den Sümpfen mit ihren Fiebern und Überschwemmungskatastrofen, Tulla, der die einstige Hölle des Oberrheins in ein Paradies verwandelt hatte. Er klingt fremd, lateinisch, der Name Tulla, ich verbinde ihn mit einer römischen Büste. Tulla war in Wirklichkeit, soweit Wirklichkeit sich aus vergangenen Jahrhunderten ins Jetzt übertragen lässt, ein Ingenieur, der um bescheidenen Lohn (…), nicht ganz ohne Hilfe zahlreicher namenloser Arbeiter, den mäandernden, inselaufwerfenden, wilden Rhein von Basel abwärts weit über hundert Kilometer in eine Schnurgerade zwang. Als Gerichteter und Gefangener zieht der Fluß heute an meiner Geburtsstadt vorüber, Nacht für Tag, Tag für Nacht, ein paar dümpelnde Auwälder und Altarme als Pin ups an seine Zellenwand geklebt. Fahre ich hinaus an seine gemauerten Ufer, verläuft dieser kanalisierte Oberrhein für mich wie eine Endlossequenz meiner eingeengten Jugend. Das Meisterwerk, initiiert von Gottfried Tulla und neuverfilmt von David Lynch, lässt menschengemachtes Grauen in neugeschaffenen Idyllen lauern, bevölkert mit absonderlichen Randgestalten, die mich mit schiefen Mäulern mustern, grüßen: „Ah, der Anner!“ „Der Andere“, das bin ich, der Gegrüßte, eine badische Personalisierung für denjenigen, den man zu erkennen meint, ohne seinen Namen zu erinnern oder aussprechen zu mögen.” (Rhein-Meditation)

Daß die Tulla-Preisung zu Karlsruhe fortgesetzt geschieht, davon gibt ein vor wenigen Tagen in den Badischen Neuesten Nachrichten erschienener Artikel in der Reihe “Karlsruhe und seine Köpfe” Zeugnis. Darin wird Tulla, 1770 als Sohn eines Rüppurrer Pfarrers geboren, nicht nur als der Mann beschrieben, der den Oberrhein schiffbar machte und die Malaria eindämmte, er legt mit seiner 1807 gegründeten Karlsruher Ingenieursschule auch “einen Grundstein zum heutigen KIT*”, eine der Vorzeigeeinrichtungen der Residenzstadt. Regionaler Widerstand erwuchs Tullas Großprojekt, das von 1817 an über 70 Jahre (somit weit über den Tod des Ingenieurs im Jahr 1828 hinaus) umgesetzt wurde, vor allem aus dem heutigen Karlsruher Stadtteil Knielingen. Die Knielinger, “rebellische Untertanen”, sorgten sich aufgrund der Begradigung um ihre Fischgründe “und mussten letztlich mit Militärgewalt zum Einlenken gezwugen werden”. Nicht nur die “weit über hundert” bis Karlsruhe, wie in der Rhein-Meditation niedergelegt: ganze 266 Kilometer beträgt heute die rektifizierte Strecke von Basel bis an den Südrand Hessens. “In der Region erinnern nach ihm benannte Schulen und Straßen an den Rhein-Begradiger. Ein Denkmal wurde am Rhein bei Maxau errichtet.”

* Karlsruher Institut für Technologie

Hochwasserpumpwerk Schönhauser Straße

pumpwerk_südseiteDas Hochwasserpumpwerk an der Schönhauser Straße in Köln gilt zurecht als gelungenes architektonisches Werk. Auf der Website des ausführenden Büros Kaspar Kraemer steht das Projekt in Architektensprache beschrieben. Bei Nacht wird das Gebäude analog zum Kölner Pegelstand illuminiert: die Palette reicht von Weiß bei Normalpegel bis zu Alarmrot bei Hochwasser. Anläßlich der Buchpremiere der Rhein-Meditation am 22. Januar inszenierten die Stadtentwässerungsbetriebe Köln eine Lightshow mit der kompletten Farbpalette!

Blick in den Pumpenraum. Ab einem Pegelstand von sieben Metern springen die Pumpen an und erschaffen ein widerständiges Dröhnen gegen die Launen der Natur.

Die Stille am Rheinfall

die stille am rheinfall_finn_klFür rheinsein gemalt von Finn (9)

Kölner Gebirgswelt

Digital StillCamera

“Heiliges Köln, du bist nicht mehr! Heiliger Dom, wohl bist du noch schön, furchtbarer Mitschuldiger an der Verpfuschung Deutschlands, könnte ich dir fluchen? Wie ein Gletschergebirge sah ich dich, von Mülheim aus, ins Augustblau tausendzackig funkeln. Das industrielle Großgewölk konnte nicht bis zu dir hinüber. Unweigerlich gipfelst du, Dom, mit steinernen Sehnsuchtshälsen über alle Menschlichkeit empor ins ewige Sanftblau. Lilasilbriges Eigengewölk umhalste dich in riesenhafter Schwanenhaftigkeit. Du wußtest, daß du ein Berg bist, denn du hattest Nebel und Wolken, du wußtest, daß du zuerst abkühlen würdest, um dann der Stadt Nachtkühle zu spenden. Du bist ein Sinai, Kölner Gebirgswelt, Bekennerhand hat dich aufgebaut; du bist der Berg, aus unsern Gesetzen hervorgetürmt: du, du birgst unsre heilige Wolke in Pfeilerhut. Ich habe den Kölner Dom betreten. Ein Schritt, und ich war in eine himmelhohe Sphäre entrückt. Nur zufällig bist du, Heiligtum, bei uns zu Gast. Kölner Gletscher, bist du aus einer Region kristallener Vollkommenheit zu den Menschen emporgeflogen?” (Theodor Däubler: Der neue Standpunkt, Leipzig 1919)

Ralf Tietz: Stream

tietz_stream tietz_stream_2 tietz_stream_3 tietz_stream_4 tietz_stream_5
Seit zehn Jahren beschäftigt sich der Kölner Fotograf Ralf Tietz mit dem Rhein, den er in tagebuchartiger Manier dokumentiert. Nun hat er für rheinsein eine Werkprobe zur Verfügung gestellt. Die Bildpaare stammen aus seinem Projekt Stream und stellen jeweils einen Blick auf die Oberfläche des Stroms einem Blick in den Himmel gegenüber. 188 solcher Paare hat Tietz über ein Jahr hinweg erstellt. Stream beinhaltet desweiteren visuelles Material von Strandgut, Baumwuchs und Landschaftsstrukturen bei Köln-Sürth. Weitere Einblicke bietet Ralf Tietz’ Website.

Köln in Köln (7)

In Köln boomen seit ein paar Jahren Wand-, Pfeiler- und Fassadenmalereien. Das Straßenbild gewinnt dadurch an Farbe, indes scheint die Motivwahl häufig nicht sonderlich originell. Viele der flächigen Gemälde zeigen zusammengeschusterte Kölnsilhouetten: Dom, Rhein, Fernsehturm, Groß St. Martin und Hohenzollernbrücke sind beliebte Motive mit Wiedererkennungswert.

Diese Ehrenfelder Wandmalerei bietet einen Blick vom Deutzer Ufer über den Fluß auf eine sympathisch zurückhaltende Kathedrale.

Die gleiche Perspektive – diesmal mit Nashornvogel und Kathedrale in vollem Saft – auf der Außenmauer des Kölner Zoos.

Auch in den umliegenden Ortschaften, wie hier in Kerpen-Sindorf, lassen sich Köln-Darstellungen finden. Um Verwechslungen auszuschließen, steht der Stadtname mit angeschrieben.

Rheinmöwen (4)


“Ein Möwenlicht zischt durch den verbauten Himmel und ich forme seine Erscheinung vor meinem unsichtbaren Auge zu einem guten Geist, der mich beflügeln, der mir erlauben soll, meinen Plan einzuhalten, am nächsten Morgen das Meer zu Fuß zu erreichen.” (Zitat aus: Rhein-Meditation)