Neptunstein

Digital StillCameraZur Geschichte des Ettlinger Neptunsteins kursieren zahlreiche Versionen. Der obere Teil aus Buntsandstein ist römischer Herkunft, die Inschrift “IN H(ONOREM) D(OMUS) D(IVINAE) / D(EO) NEPTUNO / CONTUBERNO / NAUTARUM / CORNELIUS / ALIQUANDUS / D(E) S(UO) D(EDIT)” besagt, daß Cornelius Aliquandus den Neptun und dem Kaiserhaus geweihten Stein für die Albschiffer gestiftet hat. Daß es einst eine Albschifffahrt gab, mutet heute beinahe sagenhaft an. Leichter vorstellbar ist jedenfalls Albflößerei. Die Herkunft des Steins wird auf das zweite oder dritte Jahrhundert nach Christus datiert. Gefunden wurde er 1480 nach einem Albhochwasser vom Ettlinger Bürger Andreas Hauer, wovon der Sockeltext auf hellem Sandstein, ursprünglich geschrieben von Kaspar Hedio (1494-1552), einem Ettlinger Humanisten und Reformator, erzählt: “Es geschah im Jahres des Erlösers Jesus 1480, daß die Alb wie eine Sintflut über die Ufer trat und Ettlingen und die umliegenden Felder unterspülte und zerstörte. Als die Ländereien wieder trockneten, wollte Andreas Hauer ein Stadion unterhalb der Stadt, unweit der Ruinen des Lagers Fürstenzell, jetzt Burgstall genannt, den Teich reinigen. Da fand er dieses Neptunbildnis mit einigen anderen weiblichen Statuen, die vielleicht Thetis, seine Gattin oder Wassernymfen darstellen sollten.” Der Fundort läßt sich heute nicht mehr sicher zuordnen, wahrscheinlich handelt es sich um Busenbach, ein wenig talaufwärts.
Für Spekulationen sorgte vor allem Hedios Eingangssatz, in dem er behauptet, daß Ettlingen 1111 v. Chr. gegründet worden sein soll. Seither wird ein Trojaner namens Phorzys in unbelegten Quellen als Stadtvater angeführt*, dieweil die Passage “ANTE MCXI ANTE CHRISTUM NATUM ETTLINGIACUM CONDI PRIMUM ET INHABITARI COEPIT, SED MULTUM VETUSTATIS INTER RHENUM ET NICRUM, AC INTERMEDIIS LOCIS, BADENAE, DURLACI, PHORCENAE QUUM INVENIAS” glaubwürdig mit “Im Jahre 1111 vor Christi Geburt wurde Ettlingen zuerst gegründet und fing an, bewohnt zu werden; aber ein hohes Alter hatten auch die zwischen Rhein und Neckar liegenden Orte Baden, Durlach und Pforzheim” übersetzt werden kann. Trojanische Wurzeln lassen sich daraus nur mit reich blühender Fantasie ableiten. Neben Ettlingen wird im Übrigen auch Xanten bisweilen als Trojanergründung behauptet, eine “rheinische Trojaklammer” Ettlingen-Xanten fehlt jedoch in der Literatur, ein Indiz für jeweilige lokalpatriotische Geschichtsklitterung.

*Die Behauptung stammt ursprünglich, soweit bekannt, von Franziskus Irenicus, einem weiteren Ettlinger Humanisten und Zeitgenossen Hedios, sodaß sich gut vorstellen läßt wie die beiden Schriftkundigen gemeinsam Ideen ausheckten, die Stadtlegende aufzuhübschen.


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