Ansichten des Rheins, 1804

So drehet man sich immer rechts und links in den Krümmungen des Rheins herum, sucht in neugieriger Ungewissheit rückwärts den Eingang, und vorwärts den Ausgang aus diesem Wasserschlunde, bis einem Bacharach mit seinen Bergen den Weg zu versperren, und den Rhein unter seinen Häusern aufzunehmen scheint.

Dieses alte Städtchen hat eine romantische Lage. Es rühmt sich Römischen Ursprungs zu sein, und leitet seinen Namen von einem nahen Felsen im Rheine her, welchen man Bacchi ara oder Bacchus-Altar nennt. Bei hohem Wasser ist er nicht zu sehen, aber in den Jahren 1654, 1695, 1719 und 1750 hat ihn die seichtere Flut dem Auge bloß gegeben. Ein untrügliches Zeichen von einem guten Weinjahre.

Die Ansicht von Bacharach ist nicht ganz freundlich. Es trägt zu viel Spuren der Verwüstungen verflossener Kriege. Die untern Häuser sind dicht an den Rhein gebaut, und scheinen senkrecht aus dem Wasser hinauf zu streben. Über ihnen erheben sich die Kirchtürme. Seine alten Ringmauern ziehen sich hoch über die Stadt an die Ruinen der Feste Staleck, und umschließen Gärten und Weinberge, welches alles einen malerischen Kontrast hervorbringt.

Hier wächst der berühmte Muskateller, welcher schon den Gaumen des Kaisers Wenzel und des Papstes Pius II. reizte. Bacharach gegenüber ist die Grenze des schönen Rheingaues, und zwei Galgen stehen neben einander als schreckliche Marksteine da, jeden Räuber warnend.

Wenn man nun von oben herab gen Bacharach zu kommt, glaubt man in einem von Felsen umschlossenen Schweizer-See zu sein. Man denkt hier anhalten oder zurückkehren zu müssen; allein auf einmal dreht sich der Nachen wieder rechts, und schnell kommt er durch einen neuen Strudel, das wilde Gefährd genannt, in einen neuen See, auf dessen Mitte ein gerüstetes Kriegsschiff [die Pfalz] zu schwimmen scheint.

(Nicolaus Vogt: Ansichten des Rheins, Frankfurt/Main 1804. Gefunden auf dem Goethezeitportal)


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