Leuchttürme des Rheins: die HEROLDe zu Rheinfelden

Die Törichten bezichtigen den Hochrhein als nicht schiffbar.

Doch höret des HERRN Wort: „Verdammnis und Verderbnis aller Körpersäfte, sintemalen der Fortpflanzungssubstanz, den KLEINGLÄUBIGEN…!“, ja so spricht der HERR und hat Recht – dem munteren Fahrensmann ist auf dem Hochrhein soviel Wasser unter dem Kiel wie dem Kleingeist kurz vor Rotterdam – Rheinfelden, das für Banausen, Ignoranten, Idioten, Kleingeister, Schwachköpfe und Querulanten das Ende der „Schiffbarkeit“ markiert, hin oder her – wer das Pergament und die heiligen Tätowierungen seines Kapitänspatentes auch nur für drei Groschen würdig ist, befährt ohne Schuld und Angst den Hochrhein, der Loter lotet so oder so die Wassertiefe und wer es wert ist, ein Steuerruder in seinen verschwielten Händen zu führen, der segelt dortselbst wie in der Gnadenmutter Schoß – so sicher und unangefochten wie zwischen Bingen und St. Täublein – der Rest mag sich mit Wanderungen zu Lande aufhalten –

Diffiziler als Wasserstand und Flachwassernavigation ist allerdings die Schwierigkeit der Wirklichkeit.

Die Klugen wissen es: unzählig ist die Zahl der Welten, die sich parallel zueinander schmiegen – und manchmal verwechselt es, gerade im Zuge der Bewegung, den Strang, auf dem man sich beweget, lebet – gefährliche, ja höchst verderbliche Wechsel mögen vorkommen, Verhängnis, ja Verdammnis liegt im Wesen dieses Phänomens –

Justament vor Rheinfelden gabelt sich die Wirklichkeit – ostwärts wie westwärts – und mehrere parallele Welten schmiegen sich an den noch jugendlichen Rhein …

Zu warnen den Fahrensmann und die Fahrensfrau, so wurden errichtet die stolzen Leuchttürme „HEROLD OST“ im Westen und „HEROLD WEST“ im Osten, jeweils exakt fünf dreiviertel archimedäische Meilen vom Stromkilometer Sechsundsechzig, angezeigt durch einen Monolithen aus kaschubischem Obsidian auf dem Pier des Flachwasserhafens von Rheinfelden.

Nur wer die Lichtzeichen rechtzeitig achtet, bleibt auf dem ihm angestammten Pfad durch Realität und Existenz, den schaurigen Rest holen die Flußnymphen – so ist es eingerichtet seit der Zeit vor der Zeit von unserem HERRN und der Gnadenmutter höchstselbst –

(Ein Gastbeitrag und achter Teil der Exklusivserie “Leuchttürme des Rheins” von Bdolf. rheinsein dankt!)


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