Lorefall

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Am 13. April 1992 bebte nächtens im Rheinland die Erde. Es war seit über 200 Jahren das bei weitem stärkste Beben in der Region. Sein Epizentrum lag unweit Roermond, weswegen das Geschehen als “Erdbeben von Roermond” Eingang in die Geschichtsbücher fand. Das Beben – wir erinnern uns noch gut – erschütterte seinerzeit unzählige Menschen. Die Erschütterung spürten auch die Fotografin Martine Klein, ihre Regale und vor allem ihre Vorstellungskraft. Seither versteht Martine Klein die Welt in erster Linie als tektonisches Abenteuer. Visionen traten in ihr Leben. Von riesigen Platten, die sich unter ihren Füßen verschieben; von Teilen Westeuropas, die spurlos in ozeanischen Weiten verschwinden; von der Umkehrung der Himmelsrichtungen und ganzen Bergen, die wie Ballons durch die Lüfte schweben. Eine ihrer rätselhaften Eingebungen ließ Martine Klein, Mitte der 90er Jahre, die Loreley am Rheinfall badend erblicken. Unmittelbar nach der Vision machte Martine Klein sich auf den Weg. Ausgerüstet mit fünf analogen Kameras fuhr sie zunächst nach Schaffhausen, belichtete ihre fünf Filme (à 36 Bilder) ein erstes Mal mit Ansichten des Rheinfalls, fuhr dann weiter nach St. Goarshausen und belichtete die zurückgespulten Filme unterhalb des berühmten Felsens ein zweites Mal, in der Hoffnung, daß wenigstens auf einem Bild tatsächlich die Loreley, am Rheinfall badend, zu erblicken wäre.


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