Monatsarchiv für November 2014

 
 

Presserückschau (November 2014)

1
Gefährliches Angeln: Beim Nachtangeln im Rhein verschwunden ist Anfang des Monats ein Mann in Bonn wie der General-Anzeiger berichtet: “Auf den glitschigen Steinen einer Buhne ist ein 37-jähriger Angler in der Nacht gegen 2 Uhr ausgerutscht und in den Rhein gefallen. Sein Begleiter hatte noch versucht, den Mann aus dem Wasser zu ziehen – ohne Erfolg. Der Nichtschwimmer trieb im Rhein ab. Trotz der Suche mit Booten, am Ufer und mit einer Wärmebildkamera konnte der Mann bisher nicht gefunden werden.”

2
Karneval und Internet: Der Auslandssender Deutsche Welle berichtet vom Hauptereignis des Novembers an der rheinischen Heimatfront: “Jedes Jahr wird am 11.11. um 11 Uhr 11 der Karneval eingeläutet, der im Februar beim Straßenkarneval seinen Höhepunkt hat. Den größten Andrang hat die Party im karnevalsverrückten Köln. Bei milden Temperaturen haben sich auf dem Heumarkt in der Kölner Altstadt gut 70.000 Jecke eingefunden (…). Das Motto in diesem Jahr lautet “social jeck – kunterbunt vernetzt” und zeigt, dass Internet und soziale Medien nun auch im traditionellen Kölner Karneval angekommen sind. (…) Auch Düsseldorf startet mit einem großen Fest in die Session: Auf dem Marktplatz feiert das närrische Volk das Erwachen des Erzschelms “Hoppeditz”. Der klettert aus einem Fass und hält den Düsseldorfern eine bitterböse Eröffnungsrede. (…) In Mainz hat der traditionelle “Mainzer Carneval-Verein” (MCV) das närrische Grundgesetz verkündet. Tausende Karnevalisten konnten den Sternenmarsch der Garden verfolgen, sowie das Auftauchen der “Schwellköpp”, die Figuren mit den riesigen Köpfen, die zum Wahrzeichen des Mainzer Karnevals geworden sind.”

3
Süßer Rhein: Der SWR meldet die Essenz der Forschungsergebnisse von Andreas Fath, der im verstrichenen Sommer als einer von zwei Rheindurchschwimmern für Schlagzeilen gesorgt hatte. Auf seinem 28-tägigen Schwimmtrip hatte der Chemieprofessor, begleitet von einem Tross Studenten, Wasserproben aus dem Rhein entnommen: “Neben vielen mikroskopisch kleinen Kunststoffen fand er Arzneimittel und vor allem – das überraschte ihn selbst – Süßstoffe. (…) Tagtäglich nahmen die Forscher Wasserproben und untersuchten den Rhein auf insgesamt 600 unterschiedliche Stoffe. Ergebnis: Auch Kupfer, Blei, Titan oder Chrom schwimmen im Rhein herum, allerdings wurden stets sogar die Trinkwassergrenzwerte unterschritten.”

4
Fischgleichnis und Apokalypse: Von der Wiedereröffnung der Schatzkammer der Stadtbibliothek Trier berichtet der Volksfreund: “Entstanden ist quasi ein neues kleines Museum, das die alte Schatzkammer im Nachhinein wie ein unwirtliches Kabuff erscheinen lässt: (…) Mit dabei Exponate, deren Namensnennung alleine schon reicht, um die Fachwelt in Entzücken zu versetzen: Handschriften wie die Trierer Apokalypse, das 1200 Jahre alte Evangeliar aus der Trierer Abtei St. Maria ad Martyres (das erstaunliche Parallelen zum Dubliner Book of Kells aufweist), das Mainzer Catholicon, der weltweit einmalige Fischkalender aus der Zeit um 1493, Originalhandschriften von Nikolaus Cusanus, Friedrich Spee, Johann Wolfgang von Goethe und Karl Marx.”

5
Die Schweiz beendet den Kalten Krieg am Rhein: “Switzerland has disarmed the last bridge over the Rhine river on its border with Germany, removing the last defensive traps built to stop an invasion by Communist armies during the Cold War (…). The Swiss army had since the 70s planted explosives under all large bridges over the Rhine that connect it with Germany in case its neighbour fell to armies of the Warsaw pact (…). The last bridge was disarmed on October 16. It was a historical wooden structure connecting the Swiss town of Stein with Bad Saeckingen in Germany. As late as 2005, the army hid TNT in a new motorway bridge connecting the neighbouring countries without knowledge of German authorities (…).” (Europe Online)

6
Tierische Invasion: “In Flüssen wie zum Beispiel dem Rhein leben eine Menge Tierarten, die da eigentlich gar nicht hingehören. Zum Beispiel bestimmte Fische, Muscheln, Schnecken oder Krebse. Sie alle kamen dort bis vor einigen Jahren noch überhaupt nicht vor. Die Tiere stammen aus anderen, oft fernen Ländern. Fast jeden Tag landen neue, fremde Tierarten im Wasser des Rheins”, schreibt die Thüringer Allgemeine und eröffnet damit ein Szenario von Pi mal Daumen 300 neuen Arten pro Jahr, von denen der Artikel halbwegs konkret allerdings nur die länger schon bekannten Grundeln aus dem ponto-kaspischen Raum nennt. Zahlreiche Arten, die häufig in Wassertanks von Schiffen eingeführt würden, überlebten die neue Umgebung nicht, heißt es weiter. Andere Arten brächten Krankheiten, die sich verheerend auf die heimische Fauna auswirkten.

7
Wildschweine vs Intercity: “Ein Intercity der Deutschen Bahn ist (…) bei Budenheim am Rhein mit einer Rotte von Wildschweinen zusammengestoßen. Dabei wurde der Zug so stark beschädigt, dass er nicht mehr weiterfahren konnte (…). Die rund 100 Passagiere mussten ihre Reise mit Taxen und einem Ersatzzug fortsetzen. Durch den Zwischenfall (…) kam es auf der Strecke von Koblenz nach Mainz zu massiven Behinderungen im Bahnverkehr. Verletzt wurde niemand”, meldet die Welt und dürfte dabei geflissentlich den ein oder anderen Verwundeten auf Seiten der Wildschweine übersehen haben.

8
Verwaltung vs Deiche: Langsame Verwaltungsarbeit behindert den Deichbau am Niederrhein, berichtet Der Westen: “2014 sollte alles fertig sein, eigentlich – alle Deiche zwischen Düsseldorf und Emmerich stabil, sicher und auf dem technisch neuesten Stand. Die Sanierung der Hochwasserschutzanlagen am Rhein hinkt jedoch mächtig hinterher. 85 Kilometer Deichlinie müssen noch hergerichtet werden, weitere 33 sind noch nicht einmal untersucht. (…) Bei einer Konferenz (…) in Rees hatten Vertreter von Deichverbänden ihrem Ärger Luft gemacht. „Wenn bei uns der Deich bricht, liegt das daran, dass hier 20 Jahre geschlampt und geschlafen wurde“, meinte etwa der Emmericher Deichgräf Herbert Scheers. Allein am Rhein in Nordrhein-Westfalen werden ca. 1,4 Millionen Menschen sowie Sachwerte in Höhe von 125 Milliarden Euro durch Hochwasserschutzanlagen geschützt.”

Asciburgium

In das Umfeld der gallotrojanischen Legendenbildung am Niederrhein gehört auch der Mythos der bei Tacitus erwähnten Gründung des Ortes Asciburgium (Moers-Asberg) durch Odysseus, den es auf seinen Irrfahrten an den Rhein verschlagen haben soll.

„Ceterum et Ulixen quidam opinantur longo illo et fabuloso errore in hunc Oceanum delatum adisse Germaniae terras, Asciburgiumque, quod in ripa Rheni situm hodieque incolitur, ab illo constitutum nominatumque; aram quin etiam Ulixi consecratam, adiecto Laertae patris nomine, eodem loco olim repertam, monumentaque et tumulos quosdam Graecis litteris inscriptos in confinio Germaniae Raetiaeque adhuc extare.“

„Übrigens meinen einige, dass auch Odysseus, auf seiner langen und sagenhaften Irrfahrt in jenen Ozean verschlagen, die Küsten Germaniens betreten habe und dass das am Ufer des Rheins gelegene Asciburgium, das noch heute bewohnt wird, von ihm begründet und benannt sei; ja, es sei sogar ein Altar, der von Odysseus unter Beifügung seines väterlichen Namens Laertes sei, an eben jener Stelle einst gefunden worden.“

(Wikipedia)

Altstadtfrühling

Vorm urigen Brauhaus
eine afrikanische Tanzgruppe
zu Trommelklängen
per Schmacht-phone auf Video
aufgenommen sowie
russischsprachig kommentiert.

Vis a Vis ein Mann
der sich wider die Schwerkraft
nur auf einen Stock gestützt
in der Luft zu halten scheint
oder gar hält,
während ein ganz anderer
mit Glitzerstieraugen vorbeihechtet
mit irgendwie eckigen Bewegungen
gedankensprünglich: wie auf Chrystal Meth-Entzug.

Bibeln und Korane werden kostenlos verteilt
jeweils von freundlich wirkenden Menschen
- angebotshalber, ohne Aktivaufdrängung -
gedankensprünglich: demnächst wird die
Kirchensteuer automatisch abgebucht,
falls Zinserträge vorhanden.
Ein Umstand, der die “Guten Tag” sagenden
Menschen mit dezent entgegengestreckten leeren
Kaffeepappbechern mutmaßlich eher nicht
betrifft, in Begleitung gepflegter Hunde.
Auch die Seniorin nicht, mit ordentlich
aufgesteckter Frisur, die aus einem Mülleimer
eingangs der Bolker Str. eine Bierflasche
zieht, aus Glas. Pfand: 8 cent.

(Ein Gastgedicht über die Düsseldorfer Altstadt von GrIngo Lahr; rheinsein dankt!)

The Fall of the Aar – Handec

FROM the fierce aspect of this River throwing
His giant body o’er the steep rock’s brink,
Back in astonishment and fear we shrink:
But, gradually a calmer look bestowing,
Flowers we espy beside the torrent growing;
Flowers that peep forth from many a cleft and chink,
And, from the whirlwind of his anger, drink
Hues ever fresh, in rocky fortress blowing:
They suck, from breath that threatening to destroy,
Is more benignant than the dewy eve,
Beauty, and life, and motions as of joy:
Nor doubt but HE to whom yon Pine-trees nod
Their heads in sign of worship, Nature’s God,
These humbler adorations will receive.

(William Wordsworth, Memorials of a tour on the continent, 1820)

Indolente Weinbauern und ein privilegierter Bettler

In Bacharach und Kaub, wo wir ausstiegen und auf einer bedeckten Galerie längs der ganzen Stadtmauer hin an einer Reihe ärmlicher, verfallener Wohnungen fortwanderten, vermehrten die Untätigkeit und die Armut der Einwohner das Widrige jenes Eindrucks. Wir lächelten, als zu Bacharach ein Invalide sich an unsere Jacht rudern ließ, um auf diese Manier zu betteln; es war aber entweder noch lächerlicher, oder, wenn man eben in einer ernsthaften Stimmung ist, empörender, dass zu St. Goar ein Armenvogt, noch ehe wir ausstiegen, mit einer Sparbüchse an das Schiff trat und sie uns hinhielt, wobei er uns benachrichtigte: das Straßenbetteln sei zu Gunsten der Reisenden von Obrigkeitswegen verboten. Seltsam, dass dieser privilegierte Bettler hier die Vorüberschiffenden, die nicht einmal aussteigen wollen, belästigen darf, damit sie nicht auf den möglichen Fall des Aussteigens beunruhigt werden!

In diesem engeren, öderen Theile des Rheintals herrscht ein auffallender Mangel an Industrie. Der Boden ist den Einwohnern allerdings nicht günstig, da er sie auf den Anbau eines einzigen, noch dazu so ungewissen Produktes, wie der Wein, einschränkt. Aber auch in ergiebigeren Gegenden bleibt der Weinbauer ein ärgerliches Beispiel von Indolenz und daraus entspringender Verderbtheit des moralischen Charakters. Der Weinbau beschäftigt ihn nur wenige Tage im Jahr auf eine anstrengende Art; bei dem Jäten, dem Beschneiden der Reben usw. gewöhnt er sich an den Müßiggang, und innerhalb seiner Wände treibt er selten ein Gewerbe, welches ihm ein sicheres Brot gewähren könnte. Sechs Jahre behilft er sich kümmerlich, oder antizipiert den Kaufpreis der endlich zu hoffenden glücklichen Weinlese, die gewöhnlich doch alle sieben oder acht Jahre einmal zu geraten pflegt; und ist nun der Wein endlich trinkbar und in Menge vorhanden, so schwelgt er eine Zeitlang von dem Gewinne, der ihm nach Abzug der erhaltenen Vorschüsse übrig bleibt, und ist im folgenden Jahr ein Bettler, wie vorher.

Ich weiß, es gibt einen Gesichtspunkt, in welchem man diese Lebensart verhältnismäßig glücklich nennen kann. Wenn gleich der Weinbauer nichts erübrigt, so lebt er doch sorglos, in Hoffnung auf das gute Jahr, welches ihm immer wieder aufhilft. Allein, wenn man so räsoniert, bringt man die Herabwürdigung der Sittlichkeit dieses Bauers nicht in Rechnung, die eine unausbleibliche Folge seiner unsicheren Subsistenz ist. Der Landeigentümer zieht freilich einen in die Augen fallenden Gewinn vom Weinbau; denn weil er nicht aus Mangel gezwungen ist, seine Weine frisch von der Kelter zu veräußern, so hat er den Vorteil, dass sich auch das Erzeugnis der schlechtesten Jahre auf dem Fasse in die Länge veredelt, und ihm seinen ansehnlichen Gewinn herausbringen hilft. Man rechnet, dass die guten Weinländer sich, ein Jahr ins andre gerechnet, zu sieben bis acht Prozent verinteressieren, des Misswachses unbeschadet. Es wäre nun noch die Frage übrig, ob dieser Gewinn der Gutsbesitzer den Staat für die hingeopferte Moralität seiner Glieder hinlänglich entschädigen kann?

(Georg Forster. Ansichten vom Niederrhein, von Brabant, Flandern, Holland, England und Frankreich, im April, Mai und Junius 1790, zitiert nach dem Goethezeitportal)

Collection des grands humoristes

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Leuchttürme des Rheins: Skyppy, der Furtwächter zu Waldshut

Aus dem Bodensee, Richtung Nordsee, vorbei am Rheinfall zu Schaffhausen, bald die arge Furt zu Waldshut.
Wohl tuet dem Schiffer, so er rechtzeitig gewarnt, vor den Untiefen der Furt.
Warnen tut das Leuchtfeuer des anmutigen Leuchtturmes „Skyppy“, Hüter der Furt.
„Skyppy“, weil auf dem Halbinselchen vor dem Bauwerke sich der Künstler Kippenberger dermaleinst selbst in eine gewaltige Wanne mit Alabaster-Gips gestürzet und solange er noch der Regung mächtig war, aus sich selber eine Staue geformet: Skyppy, das Buschkänguru.
So steht er nun im Angesicht der Furt für alle Zeit, des Nachts geisterhaft angestrahlt vom Leuchtwerke des Leuchtturmes. Der alte, eigentliche Name ist längst vergessen, der Volksmund, den Schönen Künsten nicht sehr aufgeschlossen, verfolgte mit Hohn und Spott die Handlungen des Künstlers, so der Martin Kippenberger eingegipset ward und langsam am Erstarren, in seiner Gestalt als Skyppy, das Buschkänguru, so wollt niemand Hilfestellung leisten, so man der Meinung ward, ein Künstler weniger, oh, wie das spart Steuergelder und man müsse sich nun nicht mehr streiten mit dem Maestro um kühlen Trunk, suchte dieser doch gerne die Spelunken, Ausschänke und Volksbelustigungen auf und genehmigte sich dort manchen Schoppen auf ander Leuts Kosten -
so schnell ward denn der Name des Leuchtturmes vergessen, auch wenn er noch stehen soll auf einem Pergament aus unvordenklicher Zeit, was schlummern soll, vergessen, in irgeneinem Winkel des Schultheiss-Amts zu Waldshut, mag so sein, oder auch nicht.
Weiß gischtet das Schnellwasser in der Furt und der Schiffer und Fahrensmann ist wohlberaten, dem Fingerzeig des Leucht-Gebäudes zu folgen, sagen doch manche, das Licht wäre ein Fingerzeig des Wahren Seins-Gottes geheiligt und gepriesen sein Name.

(Ein Gastbeitrag von Bdolf. rheinsein dankt!)

Rheineisen bei Bad Breisig

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“Bei der Durchsicht alter Fotos von meinen Rheinausflügen (es sind mittlerweile über zehntausend Aufnahmen zusammengekommen) stieß ich u.a. auf dieses Bild, daß ich Ihnen nicht vorenthalten möchte”, schreibt Marcel Crépon, der bereits mit einigen Gastbeiträgen auf rheinsein vertreten ist. An den Anlaß für das Bild könne er sich nicht mehr erinnern, wahrscheinlich habe es nicht einmal einen Anlaß gegeben, er habe am Rheinufer “einfach unglaublich viele Fotos gemacht”. Beim Sichten sei ihm nun der Eisengehalt im Bildvordergrund aufgefallen, ein seltenes Fänomen, das sonst auf seinen Bildern nicht vorkomme: “Und da kam mir der Klang der deutschen Sprache in den Sinn und ich dachte: Rheineisen, Rheineisen, das erinnert mich an etwas, ach ja, natürlich: rheinsein. Denn rheinsein bildet mit Rheineisen ein Beinahe-Anagramm.” Eine weitere Merkwürdigkeit des Bildes bestünde darin, schreibt Monsieur Crépon, daß das im Vordergrund sichtbare grobe Rheineisen gleichsam veredelt über den Hintergrund zöge, denn aus nichts anderem als dem im Vordergrund befindlichen Rohstoff würden ja die im Bildhintergrund eingefangenen Schiffe und Container hergestellt, der Fluß markiere auf dem Bild sozusagen den Transformator verschiedener Stoffzustände: “Was das zufällig entstandene Bild, wenn man so will, zu einer filosofischen Metafer erheben könnte, die besagt, daß aus Dümpelndem stets Treibendes sich entwickelt, im Rahmen der zur Verfügung stehenden Richtungen.”

Rheinische Tierwelt (18)

Konkretes über Kleinlebewesen, die als Neozoen in den Rhein eindringen, ist der Tagespresse selten zu entnehmen. Weil wir es genauer wissen wollten, scannten wir das Netz und stießen auf die Dissertationsarbeit “Der Einfluss einwandernder Amphipodenarten auf die Parasitozönose des Europäischen Aals” (Universitätsverlag Karlsruhe, 2006) von Frankie Thielen.

Literarizität
Bei der Lektüre fielen uns zunächst einige quasi-literarische Komponenten der Arbeit ins Auge. Selten beachtet wird die Schönheit vieler spezifischer Namensbezeichnungen von Tieren, die der Laie allenfalls grob zu bestimmen vermag, weswegen viele Bezeichnungen weitgehend im Verborgenen blühen. So bietet beispielsweise die Welt der Falter oder der Wanzen (eine Unterordnung in der Bezeichnungshierarchie “Gliederfüßer – Sechsfüßer – Insekten – Fluginsekten – Schnabelkerfe”, die sich wiederum in sieben Teilordnungen mit mehreren Familien und tausenden von Arten splittet) geradezu poetische Namenseinfälle für einzelne ihrer Vertreter. Auch die wissenschaftliche Prosa mit ihren Fachbegriffen und ihrer Präzision läuft bisweilen zu literarischen Qualitäten auf: “Der Aal ist ein unverwechselbarer katadromer Wanderfisch, der die meiste Zeit seines Lebens im Süßwasser verbringt, sich jedoch nur im Meer fortpflanzen kann. Es handelt sich um einen bodenorientierten Fisch, der sich tagsüber zwischen Wurzeln, Wasserpflanzen, Steinen und ähnlichen Unterschlüpfen versteckt. In der Dämmerung wird der räuberische Aal aktiv und geht auf Nahrungssuche. Die Nahrung setzt sich hauptsächlich aus aquatischen Wirbellosen zusammen. Einige Aale spezialisieren sich zusätzlich auf Fische und Fischlaich und wachsen schneller heran. Im Rheinsystem ist der Aal weit verbreitet und zudem häufig. Trotzdem wird diese Art als stark gefährdet angesehen, da seit mehreren Jahren ein konstanter Rückgang der Glasaalvorkommen an europäischen Küsten beobachtet wird.” (Aus der Dissertation)

Elektrofischerei
Der Aal gilt im Rhein als einer der Hauptwirte für Parasiten. Um ihn zu untersuchen, muß er gefangen werden. Der Aalfang wird heute mit der Elektrofischereimethode betrieben. Thielen: “Mit Hilfe eines Generators wird dabei ein Gleichstrom generiert, welcher über die Anode und Kathode ein elektrisches Feld im Wasser erzeugt. Da Fische einen geringen Hautwiderstand besitzen, können sie elektrische Felder gut wahrnehmen und zeigen spezifische Reaktionen wenn elektrischer Strom fließt. Gelangt ein Fisch in ein elektrisches Gleichspannungsfeld, so greift er mit seiner Körperlänge eine gewisse Spannung ab. Diese Spannung stimuliert den Muskelapparat des Fisches dazu, seinen Körper in Richtung Anode hin auszurichten und auf diese zu zuschwimmen. Da die Anode in Form eines Käschers gebaut ist, kann man so die Fische leicht dem Wasser entnehmen. Diesen Vorgang bezeichnet man als anodische Reaktion oder auch als Galvanotaxis. Es handelt sich dabei nicht um ein gewolltes Verhalten, sondern um einen Reflex.”

Krebstiere
Parasiten werden von Zwischenwirten auf den Aal übertragen. Dabei handelt es sich häufig um Krebstiere (Crustaceen). Thielens Untersuchung weist folgende Crustaceen-Arten im Rhein nach: Asellus aquaticus (Wasserassel), Proasellus coxalis (eine Wasserasselart ohne deutsche Namensbezeichnung), Jaera istri (eine pontokaspische Donauassel), Corophium curvispinum (ein aus Osteuropa stammender Schlickkrebs), Dikerogammarus villosus (Großer Höckerflohkrebs), Dikerogammarus haemobaphes (eine Schwesterart des Großen Höckerflohkrebses ohne deutsche Eigenbezeichnung, und wie D. villosus ursprünglich aus dem Schwarzmeerraum), Echinogammarus berilloni (Igelflohkrebs, ursprünglich in Spanien verbreitet), Echinogammarus ischnus (Stachelflohkrebs), Echinogammarus trichiatus (ein weiterer igelig-stacheliger Flohkrebs aus dem pontokaspischen Raum), Gammarus fossarum (Bachflohkrebs), Gammarus pulex (Gewöhnlicher Flohkrebs), Gammarus roeseli (Flußflohkrebs), Gammarus tigrinus (eine nordamerikanische Flohkrebsart), Orchestia cavimana (ein Strandflohkrebs aus der Mittelmeergegend). Hinzu kommen zwei Arten, die in der Alb gefunden wurden: Mysis relicta (Relikt- oder Spaltfußkrebschen, eine Schwebegarnelenart) und Atyaephyra desmaresti (Europäische Süßwassergarnele). Somit ergibt sich eine hübsche Sammlung präzise spezifizierter Rheinbewohner, die außerhalb von Fachpublikationen kaum Erwähnung finden.

Niederes Gewürm
Noch geringer dürfte die allgemeine Aufmerksamkeit für die Parasiten selber ausfallen, von den Thielen folgende Arten listet, die er an befallenen Rheinaalen feststellen konnte: Trypanosoma granulosum (ein Geißeltierchen), Ichthyophtirius multifiliis (ein Wimperntierchen), Myxobolus kotlani (vermutlich, die Wissenschaft ist sich da nicht ganz einig, ein Nesseltierchen), ein nicht näher spezifizierbare, zur Argulus- und zur Ergasilus-Familie gehörende Krebstierchen und weitere Parasitenarten mit folgenden Bezeichnungen: Myxidium giardi, Pseudodactylogyrus anguillae, Pseudodactylogyrus bini, Diplostomum, Anguillicola crassus (Schwimmblasenwurm), Daniconema anguillae (ein Fadenwurm), Acanthocephalus anguillae, Acanthocephalus lucii, Echinorhynchus truttae, Paratenuisentis ambiguus, Pomphorhynchus laevis (letztere fünf allesamt Kratzwürmer, zu denen sich noch eine weitere, nicht näher zu spezifizierende Acanthocephale gesellte), Camallanus lacustris, Paraquimperia tenerrima, Pseudocapillaria tomentosa, Raphidascaris acus, Spinitectus inermis (Fadenwürmer), Bothriocephalus claviceps und Proteocephalus macrocephalus (Bandwürmer).

Rheinische Tierwelt (17)

Der Amerikanische Kratzwurm hat den Rhein offenbar nur vorübergehend bewohnt. Auf seine Geschichte stießen wir angesichts des Ludwigshafen-Tatorts “Hauch des Todes”, in dem der Parasit eine kleine, aber bedeutende Nebenrolle spielt. Kriminaltechniker Becker findet den Wurm im Ohr eines Mordopfers. Die Dialogzeilen, mit denen Becker den Kommissaren Odenthal und Koppper den Wurmfund erklärt, stammen teils wörtlich aus einem Focus-Artikel aus dem Jahr 2005 über den Rheinaal als Wirt exotischer Parasiten.

“Der Aal im Rhein ist ein geplagtes Tier. (…) Eine Gruppe von Parasitologen der Universität Karlsruhe hat den Aal genauer studiert und kam zu dem Schluss: Auch die Welt der Parasiten ist längst globalisiert. Meist ungewollt verschleppt der Mensch Schmarotzer um den Erdball und bringt eingespielte Lebensgemeinschaften durcheinander. (…) Beim europäischen Aal (…) werden die Würmer (gemeint ist der Amerikanische Kratzwurm (Paratenuisentis ambiguus); Anm.: rheinsein) in der Schwimmblase doppelt so groß wie beim eigentlichen Wirt, dem asiatischen Aal. Parasiten werden meist durch den Transport lebender Tiere verbreitet. Häufig lässt sich die Ausbreitung entlang von Handelswegen beobachten. Der Rhein-Aal ist ein drastisches Beispiel: Neben (…) vier bekannten Aliens sind seit 2001 schon wieder vier neue Schmarotzer aufgetaucht, deren Herkunft und Identität die Forscher noch nicht genau kennen: „Die Lebensgemeinschaften werden völlig unberechenbar, was in fünf Jahren los ist, wissen wir nicht.“
Die fünf Jahre sind inzwischen verstrichen und offenbar scheint eine gewisse Berechenbarkeit in die wilde Welt der parasitären Wanderbewegungen zurückgekehrt. Oder die Forschung hängt seitdem artikelträchtigen Erkenntnissen hinterher.
Die kurios anmutende Geschichte des Amerikanischen Kratzwurms ließ sich damals bereits genauer verfolgen: 1957 hatte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium 1000 amerikanische Flohkrebse in die Weser eingesetzt. Sie sollten als Fischfutter dienen. Denn aufgrund von Kalieinleitungen aus der DDR waren die heimischen Flohkrebse ausgestorben. Die aus Übersee eingeführten Kleinkrebse vermehrten sich rasant und wanderten über den Mittellandkanal bis in den Rhein. Was bei der Einführung niemand bedacht hatte: der amerikanische Flohkrebs fungiert als Überträger des Kratzwurms. So tauchte mit dem neuen Fischfutter auch ein neuer Parasit auf. Seit den 80er-Jahren befiel der Kratzwurm überall dort die Aale, wohin der Flohkrebs gelangt war. Doch die Eingriffe des Menschen in die Natur gleichen sich bisweilen auf wundersame Weise aus: “Unerwartete Hilfe erhielt der Schlangenfisch, als (…) 1992 der Rhein-Main-Donau-Kanal öffnete. Durch die neue Wasserstraße wanderte ein kräftiger osteuropäischer Flohkrebs („killer-shrimp“) ein und verdrängte seinen amerikanischen Verwandten.” Im Oberrhein konnte der Kratzwurm bald darauf nicht mehr nachgewiesen werden.

Hymn for the Boatmen, as They Approach the Rapids under the Castle of Heidelberg

JESU! bless our slender Boat,
By the current swept along;
Loud its threatenings – let them not
Drown the music of a song
Breathed thy mercy to implore,
Where these troubled waters roar!

Saviour, in thy image, seen
Bleeding on that precious Rood;
If, while through the meadows green
Gently wound the peaceful flood,
We forgot Thee, do not Thou
Disregard thy Suppliants now!

Hither, like yon ancient Tower
Watching o’er the River’s bed,
Fling the shadow of thy power,
Else we sleep among the dead;
Thou who trodd’st the billowy sea,
Shield us in our jeopardy!

Guide our Bark among the waves;
Through the rocks our passage smooth;
Where the whirlpool frets and raves
Let thy love its anger soothe:
All our hope is placed in Thee;
‘Miserere Domine!’

(William Wordsworth, Memorials of a tour on the continent, 1820)

Heidelberg

Lange lieb ich dich schon, möchte dich, mir zur Lust,
Mutter nennen und dir schenken ein kunstlos Lied,
Du, der Vaterlandsstädte
Ländlichschönste, so viel ich sah.

Wie der Vogel des Walds über die Gipfel fliegt,
Schwingt sich über den Strom, wo er vorbei dir glänzt,
Leicht und kräftig die Brücke,
Die von Wagen und Menschen tönt.

Wie von Göttern gesandt, fesselt’ ein Zauber einst
Auf die Brücke mich an, da ich vorüber ging
Und herein in die Berge
Mir die reizende Ferne schien,

Und der Jüngling, der Strom, fort in die Ebne zog,
Traurigfroh, wie das Herz, wenn es, sich selbst zu schön,
Liebend unterzugehen,
In die Fluten der Zeit sich wirft.

Quellen hattest du ihm, hattest dem Flüchtigen
Kühle Schatten geschenkt, und die Gestade sahn
All’ ihm nach, und es bebte
Aus den Wellen ihr lieblich Bild.

Aber schwer in das Tal hing die gigantische,
Schicksalskundige Burg nieder bis auf den Grund,
Von den Wettern zerrissen;
Doch die ewige Sonne goß

Ihr verjüngendes Licht über das alternde
Riesenbild, und umher grünte lebendiger
Efeu; freundliche Wälder
Rauschten über die Burg herab.

Sträuche blühten herab, bis wo im heitern Tal,
An den Hügel gelehnt oder dem Ufer hold,
Deine fröhlichen Gassen
Unter duftenden Gärten ruhn.

(Friedrich Hölderlin)

Lorefall

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Am 13. April 1992 bebte nächtens im Rheinland die Erde. Es war seit über 200 Jahren das bei weitem stärkste Beben in der Region. Sein Epizentrum lag unweit Roermond, weswegen das Geschehen als “Erdbeben von Roermond” Eingang in die Geschichtsbücher fand. Das Beben – wir erinnern uns noch gut – erschütterte seinerzeit unzählige Menschen. Die Erschütterung spürten auch die Fotografin Martine Klein, ihre Regale und vor allem ihre Vorstellungskraft. Seither versteht Martine Klein die Welt in erster Linie als tektonisches Abenteuer. Visionen traten in ihr Leben. Von riesigen Platten, die sich unter ihren Füßen verschieben; von Teilen Westeuropas, die spurlos in ozeanischen Weiten verschwinden; von der Umkehrung der Himmelsrichtungen und ganzen Bergen, die wie Ballons durch die Lüfte schweben. Eine ihrer rätselhaften Eingebungen ließ Martine Klein, Mitte der 90er Jahre, die Loreley am Rheinfall badend erblicken. Unmittelbar nach der Vision machte Martine Klein sich auf den Weg. Ausgerüstet mit fünf analogen Kameras fuhr sie zunächst nach Schaffhausen, belichtete ihre fünf Filme (à 36 Bilder) ein erstes Mal mit Ansichten des Rheinfalls, fuhr dann weiter nach St. Goarshausen und belichtete die zurückgespulten Filme unterhalb des berühmten Felsens ein zweites Mal, in der Hoffnung, daß wenigstens auf einem Bild tatsächlich die Loreley, am Rheinfall badend, zu erblicken wäre.

Bacharach: petites misères

Bei Bacharach wurde für mich die Flagge aufgehisst mit R.D.S. bezeichnet; Buchstaben, die Rheinisches Dampfschiff bedeuten, vom Schiffsjungen aber witzig genug in “Rette Dich selbst” ausgelegt wurden – und alsbald erschien der Nachen, welcher mich hier ans Land führen sollte. Der in Regen ausgeartete Nebel fiel jetzt gerade in dichten Strömen, und so befand ich mich denn bald in meinem kleinen Fahrzeuge in der trostlosen Lage, mich ohne irgend eine Hilfe bis auf die Haut durchnässt zu sehen. Wenn dergleichen petites misères gar zu toll kommen, so erregen sie bei mir immer Humor, und so kam ich auch an jenem Tage ganz nass und daher ganz heiter in der alten berüchtigten Stadt an, in der ich in meinem wirklich merkwürdigen Aufzuge noch die Lachmuskeln einiger in ihren Haustüren stehender Bacharacher reizte.

Das beste Gasthaus liegt in einer engen übelriechenden Straße und liefert ein Essen, dem man mit einem Seufzer zuruft: Gott gebe, dass ich das verdaue. Das Rindfleisch und die ängstlich darum liegenden Bohnen waren ganz geeignet, meinen Humor in einen Alp zu verwandeln, dem der Krätzer, der mir dazu gereicht wurde, wahrhaftig nicht hindernd in den Weg trat. Der fortdauernde Regen ließ mich nicht einmal durch Bewegung eine Erleichterung finden, und so ergab ich mich als frommer Christ in mein Schicksal und lege dem freundlichen Leser vor, was ich aus meinem Fenster sah, und wonach er mir eine Träne der Rührung gewiss nicht versagen wird.

Am Nachmittag störte mich plötzlich aus meinen Träumereien ein furchtbarer Kinderlärm; Kinder können in diesem Punkt etwas leisten, wie Du, glücklicher Familienvater, aus Erfahrung weist; was aber die Kinder von Bacharach anbetrifft, so glaube ich nicht, dass andere Rangen mit diesen leicht konkurrieren können. Der Lärm näherte sich mehr und mehr, und ich hörte sogar eine Art von Melodie heraus, in der ich auch endlich die Wörter “Weck und Speck” zu verstehen glaubte. Ich lief nach dem Hofe und erblickte nun einen Haufen menschlicher Sprösslinge beiderlei Geschlechts von 4 bis 8 Jahren, denen ein Junge eine Art Erntekranz vortrug, während die anderen folgenden auf alten Säbeln drei bis vier Wecken – Semmeln – und oben ein Stück Speck bis ans Heft gespießt hatten, und die Mädchen dieselben Nahrungsmittel, nur noch durch Eier und Butter vermehrt, in Schalen und Körben nachschleppten. Alles stellte sich dann im Halbkreise um den Aufseher der Bande herum, und vollführte den oben erwähnten Höllenlärm, bis endlich von dem Wirt meines Hotels – passez-moi l’expression – der Zauberstab erhoben wurde und der Schwarm zerstob und Luft ward. Ganz aber waren doch wohl diese Ohrenpeiniger noch nicht vertilgt; denn ich hörte bald darauf aus einer andern Gegend denselben Chor, dieselbe Weise herüberschallen.

Es rührt diese Komödie von einem alten Gebrauch her, dessen Ursprung sich, wie der Dichter sagt, “in der Nacht der Zeiten verliert”. Die Stadt hat nämlich vier Brunnen; wenn nun einer derselben gereinigt wird, so versammeln sich die Kinder des Stadtviertels, worin derselbe liegt, reich und arm, keines darf sich ausschließen, und tragen Brunnenkranz auf jeden Hof, wo sie dann die oben erwähnten Esswaren und auch Geld erhalten. Alles dies wird beim Brunnenmeister abgeliefert, der ihnen am nächsten Tage davon einen kleinen Schmaus gibt, und ihnen dicken Brei und gelbe Schnittchen macht, an denen sich das kleine Volk gütlich tut.

Wie reich und originell Bacharach in seiner Bauart ist, zeigt vorliegende Straßenansicht und seine Kirche. Das Volk ist gemütlich, kleinstädtisch, und ich verbrachte die Abende ganz gut mit der Nobilitas des Ortes, mit dem Bürgermeister, Baumeister und Gott weiß was für Meistern sonst noch, und zwei Militärpersonen, deren Existenz bei uns in Berlin fast ins Reich der Mythe gehört: zwei Gendarmen.

(Ludwig Loeffler: Skizzenbuch in Worten und Bildern. Aus Westfalen, dem Rheinlande, der Schweiz, Baiern und Sachsen. Leipzig 1852; zitiert nach dem Goethezeitportal)

Ferngruss eines Triesenbergers an die Heimat

Lass herzlich von ferne dich grüssen,
Mein Nestlein auf sonniger Höh’!
Denk’ dein ich, der Heimat, der süssen,
Ergreift mich ein wohliges Weh:
Ich sehe vom Felsen mir winken
Maseschas Kirchlein so traut;
Die Bäume im Blütenschnee blinken
Und drüber der Himmel blaut.

Vom Kulmen grüss ich im Tale
Der Dörfer und Burgen Kranz,
Seh’ glitzern im Sonnenstrahle
Saminas silbernen Glanz;
Dort laden zu wonnigem Schauen
Die Gotteswunder der Schweiz,
Hier rufet mit Hügeln und Auen
Vorarlbergs holdseliger Reiz.

Mein Dörflein, es lebe und blühe
Dein Völklein so edel und gut!
Gott segne die Freude, die Mühe
Dem wackeren Walserblut!
Du gabst mir des Glückes die Fülle
In herzlieber Eltern Haus;
In deines Friedhofs Stille
Möchte’ einstmals ich ruhen aus.

(Josef Gassner)