Yorick am Rheinfall

yorick1aLudwig Kamm: Yorick am Rheinfall 1 (II. Biennale, Istanbul 1989)

yorick2Ludwig Kamm: Yorick am Rheinfall 2 (Calcogalerie, Köln 2001)

Auf ein Ereignis im Frühjahr 1969 – dem Jahr der Überführung von Laurence Sternes Skelett (oder dem, was als seine Knochen identifiziert wurde) auf den Friedhof von Coxwold – rekurrieren diese beiden Installationen von Ludwig Kamm. Seinerzeit fand auf beiden Rheinfall-Felsen eine deutsch-französische Doppel-Performance statt, eine dem damaligen Zeitgeist entsprechende Krawallaktion, die in Publikumsausschreitungen mündete, die von der Lokalpresse als “Auseinandersetzungen zwischen alkoholisierten Jugendlichen” weitergegeben wurde. Kramm, heute 88 Jahre alt, war bei der Performance im Publikum anwesend gewesen. Sie habe zunächst auf banale Weise reduziert von den wechselhaften Beziehungen Deutschlands und Frankreichs gehandelt, schließlich seien jedoch noch Momente “shakespear’schen Ausmaßes” und wohl auch ein paar Takte Schweizer Regionalkultur ins Geschehen eingeflossen. Kurz nachdem er der Aktion mit heiler Haut entronnen war, schreibt uns Ludwig Kamm, sei ihm die Idee einer installativen Umsetzung gekommen, das frisch erlebte Spektakel um seine persönliche Sicht der abendländischen Geschichte zu erweitern, doch habe sein damaliger Galerist die Idee für reaktionär und unwert befunden und stattdessen “etwas mit Ärschen und Titten” gefordert. Erst 20 Jahre später ergab sich die Möglichkeit einer ersten Umsetzung von “Yorick am Rheinfall” während der Istanbuler Biennale.


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