Essen

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Wieweit Essen rheinische Identität besitzt (nämlich nahezu keine) hatten wir zum Anlaß der Präsentation eines Gedichts von José Oliver geklärt. Nun stießen wir in Essen, einer angenehm gesichtslosen Stadt mit beachtlicher Flächenausdehnung und breiten Autotrassen im Zentrum, deren historische Bauten von Industrieverwaltung und Kaufhäusern überwuchert wurden und die am Bahnhof mit dem Slogan “Einkaufsstadt” für sich wirbt, auf einige Berührungspunkte mit rheinischer Kultur wie etwa den augenfälligen Rheinischen Platz mit seinem U-Bahn-Zugang im Amfitheaterstil.

Einst wurde uns eine Theorie unbekannter Herkunft zugetragen, derzufolge Orte (Straßen und Plätze), die nach Willy Brandt benannt wurden, stets für trostlose Anblicke stünden. Der Willy-Brandt-Platz in Essen bestätigt diese Theorie. Als wir ihn passierten, begann dort gerade die Präsentation eines BMW-Modells. Promoter beschallten über Lautsprecher die öffentliche Fläche mit einstudierten Werbedialogen (“Schauen Sie mal, was wir Ihnen Neues aus München mitgebracht haben!”), addierten ihre mitgebrachte heruntergeleierte gleichsam der lokalen in situ-Trostlosigkeit, welche Passanten und Leute, die am Platzrand im Sonnenschein ihre Arbeitslosigkeit diskutierten mit einem breit angelegten Gleichmut ignorierten, der langjähriger Gewohnheit zu entspringen schien.


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