Kim Jong-un am Rheinfall

03kamerad“Leuchtender Kamerad” (Aquarell)

01general“Junger General” (Aquarell)

02stern“König Morgenstern” (Aquarell)

05lithographie“Kim Jong-un am Rheinfall” (Lithografie)

04installation“Die kluge politische Führung der asiatischen Schweiz bringt die hervorragenden Eigenschaften von Pinolensäure zum Tragen” (Installation)

Vergangenes Jahr nahm Jīn Shǒuzhǐ, ein aus Shanghai stammender Grafiker, an einer Wissenschaftsexpedition in Nordkorea teil. Ziel der Gruppe war die Provinz Hwanghae-pukto zur Erforschung der weißen Korea-Kiefer (Pinus koraiensis) und deren an Pinolensäure reichen Samennüsse, insbesondere wiederum deren Eigenschaften als Cholesterinsenker und Appetitzügler. Vornehmliche Aufgabe Jīn Shǒuzhǐs war die bildnerische Dokumentation der Forschungsergebnisse. Der Gruppe gehörte auch der Schweizer Ernährungsberater Peter-Marie Perlstein an, der rheinsein mit den nach der Expedition entstandenen künstlerischen Arbeiten aus Jīn Shǒuzhǐs Werkstatt versorgte.

Perlstein schreibt, daß bereits sein Vater Nordkorea bereist hatte, 1953, zum Ende des Koreakriegs, als er während des ersten Auslandseinsatzes des Schweizer Militärs überhaupt auf dem 38. Breitengrad Dienst tat. Für die letztjährige Expedition habe Nordkorea aus zugänglichen Zonen bestanden, durch welche das Reisen aufgrund fehlender Transportmittel (respektive fehlender Energien, sie in Bewegung zu setzen) unmöglich gewesen sei, dann wieder aus angeblich unzugänglichen Zonen, die jedoch mit ominösen Passierscheinen durchaus bereist werden durften, wohl, weil dort nichts zu verbergen gewesen sei.

Zur Entstehung der Bilder Jīn Shǒuzhǐs schreibt Perlstein, es ginge das Gerücht, daß Kim Jong-un am Fuße des Paektusan, wo er angeblich geboren sein soll, unterirdische Höhlen habe graben lassen, in welchen er aufwendige Dioramen gestalten ließ, um sich darin fotografieren zu lassen. Abzüge würden unter Parteianhängern und um das Volk verdienten Personen verteilt. Im Volk wiederum kursierten märchenhafte Geschichten über die Intention dieser Inszenierung: Kim Jong-un sei ein gern gesehener Gast im Ausland, wo man die Richtigkeit seine Politik anerkenne und zu schätzen wisse. Neben Porträts vor dem Reichstag, in Disneyland, unter dem Eiffelturm, im Taj Mahal, beim Teetrinken in Sandringham House, oder beim Schippern in venezianischen Gondeln, soll auch ein Bild des “Leuchtenden Kamerads” am Rheinfall existieren, den Kim Jong-un während seiner Schulzeit in der Schweiz besucht und spontan seine Bewunderung mit einem Gedichtzitat “… mir ist, als falle die Milchstraße vom Himmel” (*) geäußert haben soll.

Zurück in Shanghai fertigte Jīn Shǒuzhǐ Aquarelle und Lithographien, die er für eine Ausstellung verwendete. Die Bilder wurden auf Kellerwände projiziert, ein Ast der weißen Korea-Kiefer schwebte in einem Kubus aus Plexiglas. Die Ausstellung habe laut Jīn Shǒuzhǐ kaum Publikum erreicht, schreibt Perlstein, sie sei nach wenigen Stunden von den chinesischen Behörden geschlossen worden und die gezeigten Arbeiten beschlagnahmt. Zuvor jedoch hatte Jīn Shǒuzhǐ seine Arbeiten dokumentiert und an Peter-Marie Pechstein geschickt.

(*) Aus dem berühmten Gedicht “Der Hauptwasserfall des Lushan-Berges” von Li Po


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