Das Land Gling-glang

Marcel Crépon, der uns bereits verschiedentlich von seinen Ausflügen in rheinische Gefilde berichtete, war wieder einmal in Deutschland unterwegs und schickt uns folgende Anekdote von einer Zugfahrt, in der sich die Ritterzeit über den Umweg der hebräischen Sprache kurzfristig in der Gegenwart manifestiert:

“Vor zwei Wochen reiste ich mit dem Zug entlang des Mittelrheins, es war der Eurocity von Chur nach Hamburg, der sich ab Basel, wo ich zustieg, mit Karacho durch die Täler und Ebenen des Rheins bewegt. Mir gegenüber saß eine israelische Familie. Die Mutter kümmerte sich um das Baby, der Vater erklärte dem etwas größeren Kind, was links und rechts durch die Fenster zu erblicken war. Da er hebräisch sprach, verstand ich kein Wort, bis in seinen Schilderungen der bekannte Name “Nibelungen” auftauchte. Das Kind versuchte das Wort nachzusprechen, schien jedoch einige Schwierigkeiten damit zu haben, und vereinfachte es in Nibe-gling-glang. Das Kind wiederholte freudig unter leichten Abwandlungen Nibe-gling-glang, Nibe-gling-glang, sein Singsang erinnerte an das Scheppern von Ritterrüstungen, den Aufeinanderprall schwerer Schwerter und verbeulter Schilde, bis nach einer Weile aus den Nibelungen “Eretz-gling-glang”, das “Land Gling-glang” wurde, wobei mir unklar blieb, ob das Kind noch seine Erzählung oder die an den Fenstern vorbeirasende Landschaft meinte, aus der sich einige Burgen von den Höhenkämmen der Weinberge neugierig bis in unser Abteil zu recken schienen.”


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