Fischsuppe

Benjamin Fisch, Architekt und Hobbyangler, wird für eine Dokumentation über Rheinangler vom Kölner Lokalfernsehen begleitet. Doch etwas stimmt nicht mit dem Mann. Möglicherweise hat er im Leben noch keinen Fisch gefangen und wenn er seine Freunde zum Fischessen einlädt, kommt niemals Fisch auf den Tisch. Hinweise auf Benjamin Fischs zunehmend seltsameres Verhalten geben sein Anglerkamerad Pamir Özgül, der am Eigelstein ein türkisches Café  betreibt, Fischs Lebensgefährtin und Chico, ein weißrussischer Bauarbeiter, der eigentlich “in der Geschichte nichts zu suchen hat” und den Chef mit dem Handy auf dem Dach eines Rohbaus beim Nacktbad in einer Regenpfütze ablichtet. Tatsächlich verwandelt sich Benjamin Fisch – Krankheit, Verhaltensstörung, natürlicher Zwang? – nach und nach in einen Fisch, eine ungeheuerliche und daher so lange als möglich abzustreitende Tatsache, die den geplanten Ablauf der TV-Dokumentation sprengt und Fischs Umgebung um Erklärungen ringen läßt. Einzig Pamir Özgül nimmt die Verwandlung mit einer gewissen Gelassenheit hin, und gießt dem Anglerfreund, nachdem der sich, offenbar mit noch einer Handvoll anderen, denen dasgleiche Schicksal beschieden, von einer der Kölner Brücken in den Fluß gestürzt hat und seitdem als verschollen gilt, vom Ufer seinen geliebten Kaffee in den Rhein.

Fischsuppe, ein Hörspiel (54 Minuten) von Guy Helminger, kann derzeit (und wahrscheinlich nur noch diese Woche) über die WDR-Website angehört werden. Erinnert fühlten wir uns beim Lauschen des Stücks an einen rheinsein-Gastbeitrag Ersin Öners von 2011: Der Mann, über einen mysteriösen Anzugträger, der angeblich in den Rhein gestiegen und darin verschwunden sei und die Gespräche darüber in “Serhats Café” am Eigelstein. Ob es sich bei dem Mann um Benjamin Fisch handelte und wieviele Männer tatsächlich (als Fische oder Fisch-Mensch-Mischwesen) im Rhein leben, werden weitere Werke (vielleicht ja bereits Ersin Öners geplanter Roman, um den es zuletzt allerdings eher still geworden ist) aufzuklären haben. rheinsein jedenfalls bleibt dran und wird nicht zögern, die neuesten Erkenntnisse über möglicherweise noch unbekannte Vorgänge im Rhein mit der Welt zu teilen.


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